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Systematisches Fertigmachen

Mobbing in der Schule: Kinder schützen

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 10. März 2020

Mobbing ist das systematische Schikanieren, Ausgrenzen oder körperliche Schädigen einer Person. An Schulen kommt Mobbing durch einen oder mehrere Täter sehr häufig vor.

Mobbing in der Schule: Kinder schützen
Kinder leiden meist still unter Mobbing in der Schule und sind auf Hilfe von außen angewiesen.
© iStock.com/PeopleImages

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Mobbing: Definition

Der Begriff Mobbing leitet sich ab von „to mob“: jemanden angreifen, schikanieren oder über ihn herfallen. Die heute bei uns gängige Definition von Mobbing stammt vom norwegischen Psychologen Dan Olweus. Beim Mobbing ist man demnach:

  • wiederholt und über einen längeren Zeitraum
  • schädigenden und negativen Handlungen
  • eines oder mehrerer anderer Personen ausgesetzt
  • und diesen Handlungen hilflos ausgeliefert.

Dabei liegt ein Ungleichgewicht der Kräfte vor. Betroffene sind dadurch nicht in der Lage, sich aus eigener Kraft aus der Mobbing-Situation zu befreien.

Mobbing ist Machtmissbrauch

Mobbing kann direkt und indirekt stattfinden. Direktes Mobbing ist durch sicht- und bemerkbare Handlungen des oder der Täter gekennzeichnet:

  • verbal: beschimpfen, drohen, spotten, Gerüchte verbreiten, provozieren usw.
  • nonverbal: Grimassen schneiden, obszöne Gesten machen usw.
  • körperlich: schlagen, schubsen, treten, spucken, bestehlen, „abzocken“ usw.

Indirektes Mobbing ist häufig nicht auf den ersten Blick erkennbar und wird oft dann angewendet, wenn Eltern, Lehrer oder Bezugspersonen in der Nähe sind und diese das Verhalten der Täter nicht bemerken sollen.

Vor allem Ausgrenzung, Ausschluss aus der Gruppe, aber auch das Zurückhalten von wichtigen Informationen gehören zu den schädigenden Handlungen des indirekten Mobbings.

Ein nicht mehr ganz neues Phänomen ist das Cybermobbing. Dabei werden digitale Hilfsmittel verwendet, um den Betroffenen zu mobben. Cybermobbing kann über Nachrichten (Messenger) stattfinden, durch unerlaubt aufgenommenes und verbreitetes Bildmaterial des Betroffenen, in Communitys oder auf Videoplattformen. Im Gegensatz zum „herkömmlichen“ Mobbing können Täter beim Cybermobbing unerkannt bleiben, was die Hemmschwelle noch einmal herabsetzt.

Ist Mobbing strafbar?

Es gibt keinen ausschließlichen Straftatbestand des Mobbings. Jedoch können die schädigenden Handlungen im Rahmen des Mobbings strafbar sein. Je nach Taten wird dabei gegen verschiedene Gesetze verstoßen, zum Beispiel gegen:

  • §§ 185 bis 187 Strafgesetzbuch (StGB): Beleidigung, Üble Nachrede, Verleumdung
  • § 201a StGB: Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen
  • § 238 StGB: Nachstellung
  • § 241 StGB: Bedrohung
  • § 253 StGB: Erpressung

Auch Urheber- oder Persönlichkeitsrechte wie das „Recht am eigenen Bild“ oder das „Recht der informationellen Selbstbestimmung“ können von Mobbing tangiert werden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Bilder des betroffenen Kindes ohne seine Zustimmung weiterverbreitet werden.

Mobbing in der Schule

Mobbing ist vor allem an Schulen ein großes Problem: Jeder sechste Schüler im Alter von 15 Jahren ist in Deutschland laut PISA-Studie 2017 von Mobbing betroffen. Ein Großteil der Aktionen gegen die Betroffenen findet im Klassenzimmer statt.

Auch bei den Jüngeren kommt es zu Gewalt in Form von Mobbing: Immerhin 15 Prozent von befragten Zehn- bis Zwölfjährigen gaben in einer Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2015 an, in den letzten Monaten „mehr als dreimal“ Erfahrungen mit Ausgrenzung gehabt zu haben. Zwölf Prozent berichteten von „zwei- bis dreimal“ und 15 Prozent immerhin von „manchmal“.

Streit oder Mobbing?

Streit kommt vor. Der Übergang von Streit zu Mobbing ist jedoch fließend. Manchmal beginnt Mobbing mit einem "harmlosen" Streit, der dann von einem oder mehreren Tätern weitergeführt wird. Gemobbte Kinder werden als "anders" im Aussehen, Charakter und mit ihren Eigenschaften wahrgenommen, was es den Tätern leicht macht, es aus der Gruppe auszuschließen und zu schikanieren. In Abgrenzung zum Streit sind die systematische Schikane und ihre Dauer entscheidend.

Am Mobbing sind oft auch mehrere Personen als Täter oder eine ganze Gruppe beteiligt. Dazu gibt es noch die Mitläufer und die Zuschauer. Zuschauer greifen häufig nicht ein, weil sie befürchten, sonst selbst zum "Opfer" zu werden. Der Betroffene hat keine Unterstützung mehr in seinem Umfeld und kann sich deshalb nicht mehr selbst aus der Lage befreien.

Mobbing ist ein Gruppenphänomen

Wenn Mobbing in der Schule (oder auch am Arbeitsplatz) vorkommt, liegt das an den positiven Voraussetzungen für dieses schädigende Verhalten. Entscheidend für die Entwicklung sind das Klima in der Klasse und die Klassenführung durch den Lehrer. In Programmen zur Gewalt- und Mobbingprävention kommt es deshalb vor allem darauf an, klar zu signalisieren: Bei uns hat Mobbing keinen Platz, wir gehen achtsam und gewaltlos miteinander um.

Mobbing erkennen ist häufig nicht so leicht

Die Folgen von Mobbing sind für die Betroffenen unterschiedlich und hängen stark von der persönlichen Widerstandsfähigkeit (Resilienz) ab. Dem Umfeld kommt dabei eine besondere Bedeutung zu – je unterstützender das Umfeld (Familie, Freunde, aber auch Lehrer und Vertrauenspersonen) agiert, desto weniger heftig sind die Auswirkungen.

Viele betroffene Kinder vertrauen sich aber nicht einmal ihren Eltern an, denn das "Opfer sein" für oft immer noch schambehaftet. Stattdessen ziehen sich die gemobbten Kinder zurück. Sie erzählen nicht mehr gern von der Schule, wehren Fragen der Eltern danach ab und gehen nicht mehr gern in die Schule. Das sind erste Signale, die auf Mobbing hinweisen können, weshalb es sich Eltern unbedingt empfiehlt, bereits jetzt das Gespräch mit dem Kind zu suchen.

Mit zunehmender Dauer und Intensität des Mobbings entwickeln viele betroffene Kinder auch deutlichere Beschwerden wie Konzentrationsmangel oder Schlafstörungen oder sie zeigen einen verminderten Appetit.

Folgende Symptome können außerdem auf Mobbing hinweisen:

Auf eine Wunde pusten? Lieber nicht!

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Was tun gegen Mobbing in der Schule?

Aus eigener Kraft kann sich ein Kind nicht mehr aus einer Mobbing-Situation in der Schule befreien. Mobbing erzeugt dauerhaften Stress und das Selbstvertrauen sinkt. Betroffene erwarten keine Hilfe. Im Gegenteil: Das Umfeld wird als unangenehm empfunden und durch die ausbleibende Unterstützung wird das Kind zusätzlich geschwächt – ein Teufelskreis.

Es liegt dann an den Erwachsenen, ihm zu helfen. Die wichtigste Regel für Eltern lautet deshalb: Seien Sie für Ihr Kind da. Sich Ihnen anzuvertrauen, ist bereits ein erster, großer Schritt. Leisten Sie jetzt "Erste Hilfe", indem Sie Ihrem Kind klarmachen, dass das, was passiert ist, nicht richtig ist und nicht an ihm liegt. Erklären Sie Ihrem Kind, was Mobbing ist und wie es funktioniert.

An die Schule wenden

Wenn Eltern vom Mobbing ihres Kindes erfahren, sind sie oft erst einmal zu Recht aufgebracht. Nun empfiehlt es sich aber, einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht in Aktionismus zu verfallen und unvorbereitet Eltern des oder der Täter anzusprechen. Denn diese nehmen ihr Kind logischerweise erst einmal selbst in Schutz.

Auch sollten Eltern des Betroffenen nicht den oder die Täter ansprechen. Damit bugsieren sie ihr Kind nur weiter in die Rolle des Opfers, das sich alleine nicht wehren kann.

Der beste Ansprechpartner für die Eltern sitzt jetzt in der Schule: Klassenlehrer, Schulleiter, -sozialarbeiter oder -psychologe müssen dafür sorgen, dass das Mobbing aufhört.

Die Maßnahmen sollten jetzt vor allem dem Schutz des betroffenen Schülers dienen. Für den oder die Täter muss es Konsequenzen geben. Mögliche erste Schritte sind jetzt:

  • Gespräch zwischen Lehrer und betroffenem Kind
  • Einzelgespräch mit jedem Täter, klar machen, dass Mobbing nicht geduldet wird und Konsequenzen aufzeigen

Mobbing-Prävention: Gewalt in Klasse und Schule zum Thema machen

Am effektivsten begegnet man Mobbing mit Prävention. Wenn alle Beteiligten, Eltern, Lehrer und Mitschüler sich klar gegen Mobbing positionieren, haben Mobber keine Chance.

Auf Klassen- und Schulebene eignen sich verschiedene Aktivitäten, um künftigen Mobbingfällen vorzubeugen. In einigen Bundesländern wie dem Saarland oder Niedersachsen gibt es sogar Mobbing-Interventionsteams: Speziell ausgebildete Lehrer, Schulsozialarbeiter oder -psychologen arbeiten mit Schülern Präventionsprogramme aus. Sie können auch beratend hinzugezogen werden, wenn ein akuter Mobbing-Fall aufgetreten ist.

Je nach Situation sind nun verschiedene Szenarien denkbar:

  • klar machen, dass schädigendes Verhalten an der Schule nicht akzeptiert wird
  • gemeinsam Regeln zum achtsamen und gewaltlosen Umgang miteinander aufstellen
  • Anti-Mobbing-Tag an der Schule einführen

Wenn die Schule nichts tut

Mobbing funktioniert gerade in Klassen und Schulen gut, weil es viele Unbeteiligte gibt, die zwar zusehen, aber nicht einschreiten. Schulen müssen jedoch die Unversehrtheit aller Kinder garantieren. Zudem besteht eine Aufsichtspflicht. Kommt die Schule der Verpflichtung nicht nach, empfiehtl es sich, trotzdem Druck auszuüben. Eltern können sich auch an das Schulamt wenden. Die Schule ist verpflichtet, das schädigende Verhalten gegen ihr Kind abzustellen und einzugreifen.

Die zehn wichtigsten Baderegeln für Kinder
Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
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Quellen
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