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Aufklärung für Kinder: "Mama, wo kommen die Babys her?"

Autor: Viola Lex, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 26. September 2017

Ahhh, peinlich ... Bei dieser Frage treten selbst den coolsten Eltern Schweißperlen auf die Stirn. Wie die Aufklärung für Kinder klappt, ohne dabei ins Schwitzen zu kommen? Liebe Eltern: Lockerbleiben, tief durchatmen und unsere Antworten auf typische Kinderfragen lesen. Wir haben uns für Sie bei einer Sexualpädagogin nach den besten Tipps erkundigt.

Aufklärung für Kinder: „Mama, wo kommen die Babys her?"
"Wie kommt das Baby in den Bauch?" - eine typische Frage, die Sie zur Aufklärung für Kinder auch kindgerecht beantworten sollten
© iStock.com/MartinPrescott

Ihr Kind kommt in das Fragealter und ist plötzlich neugierig: Wo kommen die Babys her? Was heißt Sex? Wieso stöhnen die Erwachsenen im Bett? Eigentlich ganz banale Fragen? Von wegen! Für Eltern ist die kindgerechte Aufklärung einer der größten Herausforderungen in Sachen Kindererziehung. Wie soll man all das nur seinem Nachwuchs erklären? Bevor Sie aus lauter Verlegenheit irgendetwas von Klapperstorch stottern, sollten Sie lieber ehrlich sein.

Auch, wenn Ihr Kind noch klein ist, eine Lüge kriegt es sofort spitz. Weichen Sie nicht aus, sonst vermitteln Sie Ihrem Kind das Gefühl, es wäre ein Tabuthema angesprochen worden. Die körperliche Neugier ist ein zentraler Baustein kindlicher Entwicklung und kindlicher Sexualität. Bei der Aufklärung für Kinder gilt: Seien Sie offen und ehrlich, aber antworten Sie kindgerecht - also einfach, kurz und unkompliziert.

Aufklärung für Kinder: Kindliches Interesse ist normal

Wenn Kleinkinder das erste Mal anfangen, sich für Sex, Schwangerschaft und Geburt zu interessieren, fragen sie ganz unverblümt. Für Ihren Nachwuchs hat das Thema Sexualität vor der Pubertät, noch nichts mit Erotik zu tun. "Fragen mit sexuellem Inhalt sind für Kinder keine besonderen Fragen. Sie stellen sie mit der gleichen Neugierde, mit der sie zum Beispiel wissen wollen, warum Ameisen so große Hügel machen oder warum der Elefant so eine lange Nase hat. Besonders werden die Fragen erst durch die Reaktion der Erwachsenen", erklärt Sigrid Vollstedt, seit 25 Jahren Sexualpädagogin in der Schwangerschaftsberatungsstelle des Diakonischen Werkes Bonn und Region. Es gibt also keinen Grund jetzt peinlich berührt zu sein, zu lachen oder die Fragen aus lauter Scham sogar zu ignorieren. Nehmen Sie das Interesse Ihrer Kinder ernst. "Was spricht dagegen, sexuelle Fragen genau so sachlich zu beantworten wie die Frage nach dem Elefantenrüssel? Wenn das Kind eine Frage stellt, ist es bereit für eine Antwort. Das ist für jede Erziehung eine Idealsituation. Also, nutzen Sie diese", rät die Sexualpädagogin in Sachen Aufklärung für Kinder.

Das A und O der Aufklärung für Kinder

Mit Ihrem Sprössling über solche Themen reden zu können, ist sehr wichtig für Ihre Eltern-Kind-Beziehung, denn es schafft Vertrauen. Wenn es um Sex geht, ist eine gesunde Mischung aus Nähe und Distanz gefragt. Wie detailliert Sie in welchem Alter auf die Fragen eingehen, bleibt Ihnen überlassen. Außerdem entscheidet jede Familie selbst, wie sie mit bestimmten Themen, zum Beispiel mit Nacktheit, umgeht. "Wichtig ist, dass die Eltern versuchen, sich auf die Denkebene der Kinder einzustellen. Dazu müssen sie wissen, dass Kinder vor der Pubertät überhaupt keine Vorstellung von der Erwachsenensexualität haben. Das Gefühl von sexuellem Begehren ist ihnen vollkommen fremd. Sie möchten eher kuscheln, um die Sympathie und das Vertrauen, dass sie einem anderen Menschen entgegenbringen, körperlich zu machen.

‚Penis in Scheide’ wird eher mechanisch aufgefasst (bei den jünger

en Kindern) oder als ekelig oder sogar als körperlicher Übergriff empfunden," erklärt Sigrid Vollstedt. "Das, was uns Erwachsene oft so ohnmächtig macht, Antworten zu finden, ist dieses übermächtige Gemisch von Liebe, Begehren, Hoffnung, Erwartungen, Enttäuschungen und Beziehung, das wir in und nach der Pubertät kennenlernen. Das findet jedoch in der Gedankenwelt der Kinder vor der Pubertät noch keinen Anker."

Kindgerechte Aufklärung: Fragen über Fragen

Im zweiten Lebensjahr fangen Kinder an, sich für das eigene Geschlecht und die unterschiedlichen Merkmale von Jungen und Mädchen zu interessieren. Auf die Frage Ihres Sohnes, ob er auch einen Busen bekommt, können Sie antworten: "Nein, du bist nämlich ein Junge. Wenn du groß bist, wirst du ein Mann und Männer haben keinen Busen." Generell gilt: Verwenden Sie für Geschlechtsteile die anatomisch korrekten Wörter. Kindern bis drei Jahren genügt auf die Frage "Mama, warum ist dein Bauch so dick?" meist schon die Antwort "Weil da ein Baby drinnen wächst."

Im Kindergartenalter werden die Fragen dann konkreter. Jetzt hat Ihr Nachwuchs von den Erwachsenen, von anderen Kindern und aus den Medien schon öfter von solchen Themen gehört und möchte wissen, was dahinter steckt. Seien Sie darauf gefasst: Die Fragen kommen schneller als der Sexualkundeunterricht auf dem Lehrplan in der Schule steht.

Aufklärung für Kinder: Zehn Kinderfragen und die passenden Antworten der Sexualpädagogin

Ganz entspannt antworten Sie Ihren Kindern, wenn Sie sich die passende Antwort zurechtgelegt haben und ein mögliches Gespräch in Ihrem Kopf schon einmal durchgegangen sind. Deshalb haben wir für Sie bei der Sexualpädagogin nachgefragt, wie Eltern auf die Fragen ihrer drei- bis sechsjährigen Kinder antworten können. Sigrid Vollstedt rät: "Wenn Sie die folgenden Antwortvorschläge lesen, werden Sie schon wissen, dass weitere Fragen hinterherkommen. Die Reaktion Ihrer Kinder auf Ihre Antworten zeigt Ihnen, was die Kinder zur Zeit schon verstehen und ob sie bereit für weitere Informationen sind. Die Fragen sind eine Mischung von Fragen, wie sie drei- bis sechsjährige Kinder tatsächlich stellen und Fragen, von denen lediglich die Eltern denken, dass die Kinder sie stellen würden."

1. "Wie kommt das Baby in den Bauch?"

"Das haben Mama und Papa zusammen hinein gepflanzt."

2. "Was ist Sex/Geschlechtsverkehr?"

"Sex ist eine Art zu kuscheln. Erwachsene tun das, wenn sie sich sehr lieben und besonders nah zusammen sein möchten."

3. "Wieso macht man Liebe nackig?"

"Weil nackig sich so schön anfühlt."

4. "Wieso stöhnen alle beim Sex?"

"Nicht alle stöhnen beim Sex, aber manchmal ist es so schön, dass die Erwachsenen vor Freude stöhnen."

5. "Was bedeutet ‚geil’?"

"Geil bedeutet ‚Das gefällt mir, davon möchte ich mehr haben.’"

6. "Was heißt ‚Ficken’?"

"Das ist ein nicht so schönes Wort für Geschlechtsverkehr."

7. "Woran merkt man, dass man verliebt ist?"

"Das merkt man daran, dass man die ganze Zeit an die Person denkt, in die man verliebt ist und ihr gerne eine Freude machen möchte."

8. "Kann man auch nicht in die Pubertät kommen?"

"Fast alle kommen in die Pubertät. Bei den ganz wenigen, die nicht von alleine in die Pubertät kommen, kann man nachhelfen."

9. "Warum sieht Papa anders aus als Mama?"

"Die Natur/Gott hat verschiedene Menschen gemacht. Das ist interessant. Wenn alle gleich wären, wäre das doch langweilig."

10. "Wie kommt die Milch in den Busen?"

"Im Busen ist Drüsengewebe drin, das kann aus Körperflüssigkeit Milch machen. Aber nicht immer, nur wenn die Mutter ein Baby geboren hat."

Beim Sex erwischt: Wie sollen Eltern reagieren?

Einen Moment lang unachtsam gewesen, die Schlafzimmertür nicht abgeschlossen und plötzlich steht das Kind im Raum und fragt: "Was macht ihr da?" Oh je, wie soll man das jetzt bloß in Worte fassen? Zwar sollte Sex zwischen Erwachsenen grundsätzlich nicht im Beisein von Kindern stattfinden, wenn sie ihre Eltern aber "in flagranti" erwischen, tragen sie deshalb kein seelisches Trauma davon. Hier gilt: Vermitteln Sie die Botschaft, dass alles in Ordnung ist und es keinen Grund zur Beunruhigung gibt, weil Sie einfach nur in Ruhe kuscheln möchten.

"Antworten Sie einfach, dass Sie Spaß miteinander haben, das aber nur etwas für Erwachsene ist", empfiehlt die Sexualpädagogin. "Kindern, die mir erzählt haben, dass sie ihre Eltern beim Sex erwischt haben, sage ich, dass die Eltern das extra dann machen, wenn die Kinder nicht da sind, weil die alleine sein wollen. Sex ist was sehr Persönliches, da möchte man sich aussuchen, mit dem man das macht. Das verstehen die Kinder gut. Wenn sie selbst Doktorspiele machen wollen, machen sie das auch, wenn keine Erwachsenen in der Nähe sind", erklärt Vollstedt. Ihr Nachwuchs lernt dadurch auch, dass Eltern eine Intimsphäre haben. Wenn Ihr Kind schon etwas älter ist, können Sie ihm beibringen, dass man an geschlossene Türen vor dem Eintreten klopfen muss. Natürlich sollten Sie als Eltern dann ebenfalls an die Kinderzimmertür klopfen - selbst, wenn Ihr Kind das vielleicht noch nicht von Ihnen verlangt.

Tipps und Tricks zur Aufklärung für Kinder

Sie müssen die Aufklärung Ihrer Kinder nicht ganz alleine übernehmen. Wenn es Ihnen schwer fällt, die richtigen Worte zu finden, können Sie sich ein Aufklärungsbuch besorgen. Die Bücher sind passend für die jeweilige Altersgruppe gestaltet und helfen Ihnen bei der Aufklärungsarbeit. Auch die Sexualpädagogin empfiehlt: "Wenn Sie sich gut auf Fragen rund um die Sexualität vorbereiten wollen, suchen Sie eine Bücherei oder einen Buchladen auf. Wählen Sie die Bücher aus, die Ihnen selbst gut gefallen. Dort gibt es viele Informationen, die kindgerecht aufbereitet sind. Manchmal können Sie sich die Bücher mit den Kindern gemeinsam anschauen, manchmal möchten die Kinder alleine stöbern. Lassen Sie den Kindern die Wahl."

Aufklärung für Kinder findet außerdem in den Kindergärten statt. Die Erzieherinnen sind tagtäglich mit den Fragen der Kleinen konfrontiert und werden für diese Situationen geschult. Bei Fragen können sie Ihnen sicher Hilfestellung geben. Auch Sigrid Vollstedt berät Sie bei Fragen rund um Sexualität, Verhütung und Aufklärung. Unter der Mail-Adresse sexualpaedagogik@dw-bonn.de erreichen Sie die Expertin in der Fachstelle Sexualpädagogik des Diakonischen Werkes Bonn und Region. Eine anonyme Kontaktaufnahme ist ebenfalls möglich.

Autor: Viola Lex, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 26. September 2017
Quellen
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