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Samstag, 23. August 2014

Elterngeld

Elterngeld
Elterngeld gibt es für Eltern, die ihre Kinder selbst betreuen - bei Zwillingen sogar für beide Elternteile
(c) Alena Ozerova

Das Bundeselterngeldgesetz ist am 1. Januar 2007 in Kraft getreten und ersetzt seitdem das Bundeserziehungsgeldgesetz. Es gilt für alle Kinder, die ab dem 1. Januar 2007 geboren wurden.

Das Elterngeld soll nach der Geburt eines Kindes den Eltern helfen, vorübergehend ganz oder auch nur teilweise auf eine Erwerbstätigkeit zu verzichten und so mehr Zeit für die Betreuung des Kindes zu haben. Im Gegensatz zum früheren Erziehungsgeld wird das Elterngeld unabhängig davon bezahlt, ob der Elternteil vor der Geburt gearbeitet hat. Elterngeld setzt nicht voraus, dass Elternzeit genommen wird, denn es steht auch Studierenden, Hausfrauen- und -männern und Selbstständigen zu. Arbeitnehmer müssen jedoch ihre Arbeitszeit auf unter 30 Wochenstunden im Monatsdurchschnitt verringern, um Elterngeld zu beziehen.

Wer hat Anspruch auf Elterngeld?

Anspruch auf Elterngeld haben Mütter und Väter, die

  • ihr Kind nach der Geburt selbst betreuen und erziehen,
  • nicht mehr als 30 Stunden wöchentlich erwerbstätig sind,
  • mit dem Kind im gleichen Haushalt leben und
  • einen Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt innerhalb Deutschlands haben.

Unter denselben Voraussetzungen können auch Ehe- oder Lebenspartner Elterngeld erhalten, wenn sie das Kind nach der Geburt betreuen - auch wenn es sich nicht um ihr eigenes Kind handelt. Ebenso können unter diesen Voraussetzungen Verwandte bis dritten Grades (Urgroßeltern, Großeltern, Onkel und Tanten sowie Geschwister) und ihre Ehepartner Elterngeld erhalten, wenn die Eltern des Kindes schwer erkrankt, schwer behindert oder gestorben sind.

Elterngeld wird unabhängig davon ausgezahlt, ob der Elternteil vor der Geburt gearbeitet hat oder nicht. So können Arbeitnehmer, Beamte, Selbstständige und ebenso Erwerbslose oder Hausfrauen und Hausmänner Elterngeld erhalten. Wenn ein Elternteil Elterngeld bezieht, darf er im Durchschnitt pro Woche nicht mehr als 30 Stunden arbeiten. Auch Auszubildende und Studenten haben einen Anspruch auf Elterngeld. Diese können ihrer jeweiligen Ausbildung weiter nachgehen. Bei ihnen kommt es nicht auf die Anzahl der Wochenstunden an.

Wie hoch ist das Elterngeld?

Nach der Geburt des Kindes fällt ein Einkommen - meist das der Mutter - weg, weil das Baby betreut werden muss. Das Elterngeld ersetzt 67 Prozent dieses Bruttoeinkommens, aber beträgt höchstens 1.800 Euro. Lag der Verdienst vor der Geburt des Kindes unter 1.000 Euro monatlich, so beträgt das Elterngeld nur anfangs 67 Prozent und wird auf bis zu 100 Prozent erhöht. Auch Elternteile, die nicht arbeiten, erhalten ein Elterngeld in Höhe von mindestens 300 Euro monatlich. Bei Zwillingen oder Drillingen erhalten die Eltern zusätzlich zum Elterngeld für jeden Mehrling 300 Euro. Da sich das Elterngeld seit 01.01.2013 vom Bruttogehalt berechnet, ist es für junge Eltern wichtig, bereits sieben Monate vor der Geburt in die "richtige", also günstigere Steuerklasse zu wechseln.

Während ein Elternteil Elterngeld bezieht, kann er einer Teilzeitarbeit nachgehen. Allerdings darf pro Woche im Schnitt nicht mehr als 30 Stunden gearbeitet werden. Das Einkommen der Teilzeitarbeit wird mit in die Berechnung für das Elterngeld einbezogen.

Hier geht es zum Elterngeldrechner des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend.

Wie lange wird das Elterngeld ausbezahlt?

Elterngeld kann in den ersten 14 Lebensmonaten des Kindes in Anspruch genommen werden. Wenn nur ein Elternteil Elterngeld beantragt, wird dieses nur zwölf Monate gezahlt. Machen beide Elternteile vom Elterngeld Gebrauch (Partnermonate), verlängert sich der Anspruch um zwei weitere Monate. Beispielsweise kann also die Mutter in Monat eins bis zwölf Elterngeld in Anspruch nehmen und der Vater in Monat 13 und 14. Oder beide Eltern beziehen in den ersten sieben Monaten Elterngeld. Dann sind die Zahlungen für 14 Monate verbraucht.

Wichtig: Der Zeitraum, in dem der Mutter Mutterschaftsgeld zusteht, gilt als Zeitraum, in dem die Mutter Elterngeld bezieht. Denn das Mutterschaftsgeld dient einem ähnlichen Zweck. Alleinerziehende erhalten für bis zu 14 Monate allein Kindergeld, wenn das Kind unter ihrer alleinigen elterlichen Sorge steht.

Der Auszahlungsraum kann auf die doppelte Anzahl der Monate gedehnt werden, wenn die Monatszahlungen halbiert werden.

Doppeltes Elterngeld bei Zwillingen

Im Juni 2013 hat das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel Eltern von Zwillingen aus Bayern Recht gegeben (Aktenzeichen: B 10 EG 3/12 R und B 10 EG 8/12 R), die für doppeltes Elterngeld bei Zwillingen geklagt hatten. Ob Eltern von Zwillingen einen oder zwei Ansprüche auf Elterngeld haben, ist im Gesetz bisher nicht explizit  geregelt. Das BSG urteilte im Juni 2013, dass ein grundsätzlicher Anspruch für jedes Kind bis zum 14. Lebensmonat bestünde. Das Elterngeld sei auf das jeweilige Kind begründet, betonte der vorsitzende Richter. Eltern von Zwillingen können Elterngeld-Anträge rückwirkend für die vergangenen vier Jahre stellen (Stand: Juni 2013), falls beide in den ersten 14 Lebensmonaten der Zwillinge zu Hause waren. Außerdem stehen Zwillingseltern wie bisher auch jeweils 300 Euro monatlich als Erhöhung des Elterngelds für Mehrlingsgeburten zu.

Den Antrag auf Elterngeld stellen

Elterngeld wird nicht automatisch ausgezahlt, sondern muss beantragt werden. Zwar muss der Antrag nicht sofort bei der Geburt des Kindes ausgefüllt werden, doch sollten die frischen Eltern auch nicht lange damit warten: Rückwirkende Zahlungen werden nur für die letzten drei Lebensmonate des Kindes vor der Antragsstellung geleistet. Der Antrag muss schriftlich erfolgen. Vordrucke sind bei den Elterngeldstellen, aber auch bei vielen Gemeindeverwaltungen, bei Krankenkassen oder in Krankenhäusern mit Entbindungsstation erhältlich. Jeder Elternteil kann einmalig einen Antrag auf Elterngeld für sich stellen. Dabei werden die Zahl und Lage der Bezugsmonate festgelegt. Diese können nur in besonderen Härtefällen geändert werden. Sind beide Eltern anspruchsberechtigt, muss der Antrag auch von beiden unterschrieben werden.

Neben dem Antragsformular benötigen Sie für einen Antrag auf Elterngeld:

  • die Geburtsurkunde oder eine Geburtsbescheinigung des Kindes,
  • Nachweise über das Einkommen,
  • Bescheinigung der Krankenkasse über den Bezug von Mutterschaftsgeld nach der Geburt (wenn die Mutter Beamtin ist, über die Dienstbezüge während des Mutterschutzes),
  • Bescheinigungen über den Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld,
  • Erklärung über die Arbeitszeit bei selbständiger Tätigkeit oder Bestätigung der Arbeitszeit bei einer Teilzeitarbeit, wenn die Arbeit in den Bezugszeitraum des Elterngeldes fällt.
     

Suchen Sie eine Elterngeldstelle in Ihrem Bundesland? Hier geht es zu einer Übersicht.

Autor: Jessica Schmid
Letzte Aktualisierung: 28. Juni 2013
Durch: Miriam Funk
Quellen: http://www.tagesschau.de/inland/elterngeld-zwillinge100.html (Stand: 28.06.2013); Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.).: Elterngeld und Elternzeit. Das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Berlin 2008

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