Ein Angebot von Lifeline
Montag, 30. Mai 2016
Menu

Ratgeber Elterngeld

zwillinge_elterngeld.jpg
Elterngeld gibt es für Eltern, die ihre Kinder selbst betreuen - bei Zwillingen sogar für beide Elternteile
(c) Alena Ozerova

Das Bundeselterngeldgesetz ist seitdem 1. Januar 2007 in Kraft getreten und ersetzt seitdem das Bundeserziehungsgeldgesetz. Es gilt für alle Kinder, die ab dem 1. Januar 2007 geboren wurden.

Zu den Änderungen beim Elterngeld ab 2015 gelangen Sie hier.

Das Elterngeld soll nach der Geburt eines Kindes den Eltern helfen, vorübergehend ganz oder auch nur teilweise auf eine Erwerbstätigkeit zu verzichten und so mehr Zeit für die Betreuung des Kindes zu haben. Im Gegensatz zum früheren Erziehungsgeld wird das Elterngeld unabhängig davon bezahlt, ob der Elternteil vor der Geburt gearbeitet hat. Elterngeld setzt nicht voraus, dass Elternzeit genommen wird, denn es steht auch Studierenden, Hausfrauen- und -männern und Selbstständigen zu. Arbeitnehmer müssen jedoch ihre Arbeitszeit auf unter 30 Wochenstunden im Monatsdurchschnitt verringern, um Elterngeld zu beziehen.

Lediglich die Höhe des Elterngelds variiert – sie ist abhängig vom Einkommen in den letzten zwölf Monaten vor Geburt des Kindes.

Die Elterngeld - Berechnung und Höhe des Elterngelds reicht vom Mindestbetrag bis zum Höchstbetrag:

  • 300 Euro Mindestbetrag monatlich
  • 1.800 Euro Höchstbetrag monatlich

Wer hat Anspruch auf Elterngeld?

Zwölf Monate Anspruch auf Elterngeld haben alle Elternteile, die ihr Kind nach der Geburt oder nach der Elterngeld für Alleinerziehende und Eltern von Adoptivkindern zu Hause betreuen möchten und deren Gehalt vollständig oder teilweise wegfällt. Auch Verwandte bis dritten Grades (also Großeltern oder Geschwister der Eltern) können unter bestimmten Umständen Elterngeld erhalten. Eine wichtige Voraussetzung für den Bezug von Elterngeld: Antragsteller müssen einen Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt innerhalb Deutschlands haben.

Unter Berücksichtigung der Einkommensgrenzen (Paare mit einem gemeinsamen zu versteuernden Einkommen von mehr als 500.000 Euro jährlich oder Alleinerziehend mit mehr als 250.000 Euro jährlich haben keinen Anspruch mehr) können Arbeitnehmer, Elterngeld für Selbstständige, Beamte, Studierende, Auszubildende oder auch Elterngeld in der Arbeitslosigkeit Eltern Elterngeld erhalten.

Voraussetzung ist, dass man mit dem Kind in einem Haushalt lebt und einen Wohnsitz oder seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hat. Außerdem darf man maximal 30 Stunden in der Woche arbeiten gehen. Das Erwerbseinkommen wird dann auf das Elterngeld angerechnet.

Auf den Mindestbetrag haben Eltern Anspruch, die in den zwölf Monaten vor der Geburt ihres Kindes erwerbslos waren und deshalb kein Einkommen erzielt haben, zum Beispiel, weil sie sich zu Hause um die Familie kümmerten.

Wie hoch ist das Elterngeld?

Nach der Geburt des Kindes fällt ein Einkommen - meist das der Mutter - weg, weil das Baby betreut werden muss. Das Elterngeld ersetzt 67 Prozent dieses Bruttoeinkommens, aber beträgt höchstens 1.800 Euro. Lag der Verdienst vor der Geburt des Kindes unter 1.000 Euro monatlich, so beträgt das Elterngeld nur anfangs 67 Prozent und wird auf bis zu 100 Prozent erhöht. Auch Elternteile, die nicht arbeiten, erhalten ein Elterngeld in Höhe von mindestens 300 Euro monatlich. Bei Zwillingen oder Drillingen erhalten die Eltern zusätzlich zum Elterngeld für jeden Mehrling 300 Euro. Da sich das Elterngeld seit 01.01.2013 vom Bruttogehalt berechnet, ist es für junge Eltern wichtig, bereits sieben Monate vor der Geburt in die "richtige", also günstigere Steuerklasse zu wechseln.

Während ein Elternteil Elterngeld bezieht, kann er einer Teilzeitarbeit nachgehen. Allerdings darf pro Woche im Schnitt nicht mehr als 30 Stunden gearbeitet werden. Das Einkommen der Teilzeitarbeit wird mit in die Berechnung für das Elterngeld einbezogen.

Hier geht es zum Elterngeldrechner des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend.

Wie lange wird das Elterngeld ausbezahlt?

Elterngeld kann in den ersten 14 Lebensmonaten des Kindes in Anspruch genommen werden. Wenn nur ein Elternteil Elterngeld beantragt, wird dieses nur zwölf Monate gezahlt. Machen beide Elternteile vom Elterngeld Gebrauch (Partnermonate), verlängert sich der Anspruch um zwei weitere Monate. Beispielsweise kann also die Mutter in Monat eins bis zwölf Elterngeld in Anspruch nehmen und der Vater in Monat 13 und 14. Oder beide Eltern beziehen in den ersten sieben Monaten Elterngeld. Dann sind die Zahlungen für 14 Monate verbraucht.

Wichtig: Der Zeitraum, in dem der Mutter Mutterschaftsgeld zusteht, gilt als Zeitraum, in dem die Mutter Elterngeld bezieht. Denn das Mutterschaftsgeld dient einem ähnlichen Zweck. Alleinerziehende erhalten für bis zu 14 Monate allein Kindergeld, wenn das Kind unter ihrer alleinigen elterlichen Sorge steht.

Paarmonate

Wenn der zweite Elternteil für mindestens zwei weitere Monate ebenfalls aufgrund der Elternzeit Einkommenseinbußen hat, verlängert sich der Auszahlungszeitraum um diese zwei weiteren Monate (Paarmonate). Um Paarmonate nehmen zu können, muss mindestens ein Elternteil in den zwölf Monaten vor der Geburt des Kindes Erwerbseinkommen erhalten haben. Ist das nicht der Fall, kann das Elterngeld lediglich zwölf Monate bezogen werden.

Die Paarmonate müssen nicht zu zwölf und zwei Monaten aufteilt werden, vielmehr sind die Eltern frei bei der Aufteilung ihrer Paarmonate. Möglich ist auch, dass die Eltern das Elterngeld gleichzeitig beziehen. Es werden dann monatlich zwei der maximal 14 Monate aufgebraucht.

Ein Beispiel wäre, wenn die Mutter ab der Geburt des Kindes acht Monate Elternzeit nimmt und der Vater im Anschluss vier Monate. Möglich ist auch das Abwechseln, zum Beispiel wenn die Mutter zunächst drei Monate Elternzeit nimmt, der Vater im Anschluss ebenfalls drei Monate, die Mutter wieder drei Monate, usw. Alle Kombinationen sind möglich. Entscheidend ist, dass die Aufteilung der Elternzeit bereits bei der Antragsstellung feststehen sollte, denn die im Antrag angegebenen Bezugsmonate können nur ein Mal geändert werden.

Für die Paarmonate ist es unerheblich, ob die Eltern verheiratet sind oder unverheiratet zusammen leben.

Den Antrag auf Elterngeld stellen

Elterngeld wird nicht automatisch ausgezahlt, sondern muss beantragt werden. Zwar muss der Antrag nicht sofort bei der Geburt des Kindes ausgefüllt werden, doch sollten die frischen Eltern auch nicht lange damit warten: Rückwirkende Zahlungen werden nur für die letzten drei Lebensmonate des Kindes vor der Antragsstellung geleistet. Der Antrag muss schriftlich erfolgen. Vordrucke sind bei den Elterngeldstellen, aber auch bei vielen Gemeindeverwaltungen, bei Krankenkassen oder in Krankenhäusern mit Entbindungsstation erhältlich. Jeder Elternteil kann einmalig einen Antrag auf Elterngeld für sich stellen. Dabei werden die Zahl und Lage der Bezugsmonate festgelegt. Diese können nur in besonderen Härtefällen geändert werden. Sind beide Eltern anspruchsberechtigt, muss der Antrag auch von beiden unterschrieben werden.

Neben dem Antragsformular benötigen Sie für einen Antrag auf Elterngeld:

  • die Geburtsurkunde oder eine Geburtsbescheinigung des Kindes,
  • Nachweise über das Einkommen,
  • Bescheinigung der Krankenkasse über den Bezug von Mutterschaftsgeld nach der Geburt (wenn die Mutter Beamtin ist, über die Dienstbezüge während des Mutterschutzes),
  • Bescheinigungen über den Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld,
  • Erklärung über die Arbeitszeit bei selbständiger Tätigkeit oder Bestätigung der Arbeitszeit bei einer Teilzeitarbeit, wenn die Arbeit in den Bezugszeitraum des Elterngeldes fällt.

Elterngeld: Änderungen ab 2015

2015 hat die Bundesregierung mehrere Änderungen beim Elterngeld beschlossen. Neben den Bestimmungen für Mehrlinge wurde das ElterngeldPlus eingeführt, das es Eltern besser als bislang ermöglichen soll, Kinder und Beruf zu vereinbaren.

Mehrlingsgeburten: Elterngeld pro Geburt, nicht mehr pro Kind

Bisher gab es für Zwillingseltern doppeltes Elterngeld, weil das Elterngeld pro Kind ausbezahlt wurde. Das gilt nun nur noch für Zwillinge und andere Mehrlinge, die bis zum 31.12.2014 geboren werden. Ab dem 1. Januar 2015 gibt es auch bei Zwillingen nur noch für das erstgeborene Kind Elterngeld und für weitere Mehrlinge dann einen Mehrlingszuschlag, der das Elterngeld pro Kind um 300 Euro erhöht. Damit gilt der Anspruch auf Elterngeld künftig nur noch pro Geburt und nicht wie seit dem 27. Juni 2013 vom Bundessozialgericht entschieden pro Kind.

Durch die Entscheidung des Bundessozialgerichts kann für bis zum 31. Dezember 2014 geborene Mehrlinge rückwirkend das Elterngeld beantragt werden. Bis zum 31. Dezember 2015 können rückwirkend Ansprüche für Zeiten ab dem 1. Januar 2011 geltend gemacht werden, bis zum 31. Dezember 2016 rückwirkend für Zeiten ab dem 1. Januar 2012.

ElterngeldPlus

Um Familienleben & Beruf noch besser vereinbaren zu können, hat die Bundesregierung das ElterngeldPlus auf den Weg gebracht. Es kann für die Betreuung von ab dem 1. Juli 2015 geborenen Kindern bezogen werden und soll während des Bezuges von Elternzeit in Teilzeit arbeitenden Eltern ermöglichen, zwischen mehr Optionen zu wählen, wie lange sie die Elternzeit durchführen möchten.

Aus einem „herkömmlichen“ Elterngeld-Monat werden zwei Monate ElterngeldPlus. Das ElterngeldPlus kann also über den 14. Lebensmonat des Kindes hinaus bezogen werden. Die Teilzeitarbeit muss zwischen 25 und 30 Arbeitsstunden wöchentlich liegen.

Alleinerziehende können ElterngeldPlus und auch den Partnerschaftsbonus voll ausschöpfen, wenn sie die Voraussetzungen für den Entlastungsbetrag nach § 24b Einkommensteuergesetz (EStG) erfüllen. Ob sie über das alleinige Sorgerecht oder Aufenthaltsbestimmungsrecht verfügen, ist dabei unerheblich.

Den Antrag auf ElterngeldPlus muss jedes Elternteil für sich stellen, das heißt, es müssen zwei Anträge eingereicht werden.

Partnerschaftsbonus beim ElterngeldPlus

Wenn beide Elternteile über vier Monate zeitgleich Teilzeit arbeiten und ElterngeldPlus erhalten, haben sie zusätzlich Anspruch auf den Partnerschaftsbonus: Dann jeder von ihnen vier zusätzliche Monate ElterngeldPlus. Die vier möglichen Bonusmonate sind auch für Alleinerziehende in Teilzeit gültig.

Elternzeit wird flexibler

Bisher können bis zu zwölf Monate Elternzeit auf die Zeit wischen dem dritten und achten Geburtstag des Kindes verschoben werden. Dazu war jedoch die Zustimmung des Arbeitgebers nötig. Ab dem 1. Juli 2015 können bis zu 24 Monate der Elternzeit in diesen Zeitraum verschoben werden - und zwar ohne Zustimmung des Arbeitgebers. Um dies auszugleichen, ist jedoch die Anmeldefrist für die Elternzeit in diesen Lebensjahren des Kindes auf 13 Wochen erhöht worden.

 

Suchen Sie eine Elterngeldstelle in Ihrem Bundesland? Hier geht es zur Übersicht der Elterngeldstellen.

Weiterlesen: Elterngeld und steuerliche Regelungen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 20. April 2016
Quellen: http://www.tagesschau.de/inland/elterngeld-zwillinge100.html (Stand: August 2014); Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.).: Elterngeld und Elternzeit. Das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Berlin 2008

Stellen Sie Ihre persönlichen Fragen rund um Soziales, Rechtliches und Finanzen an unsere Expertin Frau Schleich.

Zum Experten-Forum
Forum: Ratgeber Elterngeld