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Ultraschallkontrolle senkt Fehlgeburtsrisiko bei Fruchtwasserpunktion

Autor: Miriam Funk
Letzte Aktualisierung: 14. April 2015

Bei Verdacht auf eine angeborene Erkrankung des Kindes können Schwangere eine Fruchtwasserpunktion (Amniozentese) vornehmen lassen. Doch es gibt Risiken: Bei ein bis zwei von 200 Schwangeren kommt es in Folge der Punktion, bei der die Ärzte mit einer dünnen Nadel die Bauchdecke durchstechen, zu einer Fehlgeburt.

Ultraschallkontrolle senkt Fehlgeburtsrisiko bei Fruchtwasseruntersuchung
Ultraschallkontrolle senkt Fehlgeburtsrisiko bei Fruchtwasseruntersuchung
© 2002 Thinkstock LLC

Eine begleitende Ultraschallkontrolle senkt jedoch das Risiko, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM). Um die Zahl der Komplikationen auf ein Minimum zu reduzieren, hat die DEGUM Qualitätsstandards für die Fruchtwasserpunktion erarbeitet.

Amniozentese unter Ultraschallkontrolle

„Wenn erfahrene Untersucher die Amniozentese konsequent unter Ultraschallkontrolle durchführen und dabei auch die mütterlichen Risikofaktoren beachten, kann die Abortrate bis auf 0,2 Prozent gesenkt werden“, erklärt Professor Dr. med. Ulrich Gembruch, Leiter der Abteilung für Geburtshilfe und Pränatale Medizin am Universitätsklinikum Bonn. Demnach wäre nur noch eins von 500 Kindern der Gefahr einer Fehlgeburt ausgesetzt.

Qualitätsstandards für Fruchtwasseruntersuchung und Chorionzottenbiopsie erarbeitet

Gemeinsam mit Kollegen der DEGUM-Sektion Gynäkologie und Geburtshilfe hat Gembruch in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Ultraschall in der Medizin“  Empfehlungen zur Durchführung der Untersuchung formuliert. Auch für die sogenannte Chorionzottenbiopsie, einer Gewebeentnahme aus der Plazenta, haben die Mediziner hierbei Qualitätsstandards erarbeitet.

Beide Methoden sind heute fester Bestandteil der pränatalen (vorgeburtlichen) Diagnostik. Ärzte empfehlen sie unter anderem bei Auffälligkeiten des Ultraschallbefundes oder bei einem erblich bedingten Risiko für genetische Erkrankungen. Bei der Amniozentese sticht der Arzt mit einer Hohlnadel durch die Bauchwand und die Muskelschicht der Gebärmutter bis in die Fruchtblase, die den Fetus umgibt. Er entnimmt Fruchtwasser, welches abgelöste Zellen des Ungeborenen enthält. Im Labor können diese auf mögliche Chromosomenstörungen, wie zum Beispiel Trisomien, untersucht werden. Auch bei der Chorionzottenbiopsie entnehmen Ärzte kindliche Zellen aus dem Mutterleib, in diesem Fall aus einem Teil des Mutterkuchens.

Weniger Risiken unter Ultraschallkontrolle

„Nehmen Ärzte den Eingriff unter Ultraschallkontrolle vor, sinkt das Verletzungsrisiko für das Kind“, erklärt Gembruch. Entscheidend sei zudem der Zeitpunkt der Untersuchung: Demnach sollte die Chorionzottenbiopsie nicht vor der elften, die Amniozentese erst ab der 16. Schwangerschaftswoche vorgenommen werden. „Zu einem früheren Zeitpunkt ist die Amniozentese mit einer wesentlich höheren Rate an Fehlgeburten verbunden, und es kommt häufiger zur Bildung von Klumpfüßen“, erklärt Gembruch. Die Experten der DEGUM empfehlen, zuvor durch eine Ultraschall-Untersuchung die genaue Schwangerschaftswoche festzustellen. Der Arzt sollte dabei zugleich auch die Lage des Mutterkuchens und die Fruchtwassermenge ermitteln und so die geeignete Einstichstelle festlegen.

Ultraschall sicherer bei erfahrenen Ärzten

Allgemein gilt: Je erfahrener der Untersucher, desto geringer die Komplikationsrate. Gembruch und Kollegen empfehlen, schwierige Punktionen wie etwa bei Mehrlingsschwangerschaften ausschließlich durch sehr erfahrene Untersucher, zum Beispiel in Pränatalzentren, durchführen zu lassen. Diese sollten nach dem Qualifizierungskonzept der DEGUM den Stufen II und III zugehören und bereits 500 Eingriffe dieser Art durchgeführt haben.

Auch Risikofaktoren der Mutter erhöhen Fehlgeburtsrisiko

Neben den ärztlichen Fähigkeiten hängt das Komplikationsrisiko auch vom Risikoprofil der Mutter ab. So haben stark übergewichtige Frauen oder Raucherinnen mit einem Konsum von mehr als zehn Zigaretten täglich ein erhöhtes Fehlgeburtsrisiko. Auch eine hohe Anzahl vorhergehender Geburten oder Fehlgeburten kann die Gefahr erhöhen. Einen besonderen Stellenwert sollte die Beratung im Vorfeld der Untersuchung einnehmen, betont die DEGUM. „Die Eltern müssen über die Möglichkeiten und Grenzen des Eingriffs Bescheid wissen und über die Risiken, die damit verbunden sind“, sagt Gembruch.

Autor: Miriam Funk
Letzte Aktualisierung: 14. April 2015
Quellen
Beiträge im Forum "Geburtstermin Juli/August 2018"
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