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Samstag, 18. November 2017
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Schwangerschaftsabbruch

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Schwangerschaftsabbruch: Voraussetzung dafür ist ein Beratungsgespräch
(c) iStockphoto/Wavebreak

Nicht immer ist eine Schwangerschaft gewollt. Pille vergessen, Kondom geplatzt oder Spirale verrutscht: Es gibt viele Gründe, warum Frauen über einen Schwangerschaftsabbruch nachdenken.

Auch schlichte Unwissenheit oder im schlimmsten Fall ein Gewaltverbrechen können Grund für eine ungewollte Schwangerschaft sein. Psychische Probleme, Konflikte mit dem sozialen Umfeld oder dem Partner sind oft die Folge. In diesen Fällen spricht man von einer Konfliktschwangerschaft.

Der Begriff trifft aber auch auf Frauen zu, die zwar prinzipiell gerne ein Kind hätten, aber aus gesundheitliche Gründen einen Schwangerschaftsabbruch erwägen oder weil zu erwarten ist, dass ihr Kind mit einer schweren Behinderung oder Erkrankung zur Welt kommen wird.

Bis wann kann ein Schwangerschaftsabbruch durchgeführt werden?

Grundsätzlich ist ein Schwangerschaftsabbruch oder eine Abtreibung, wie der Eingriff umgangssprachlich gerne bezeichnet wird, in Deutschland gemäß Paragraf 218 des Strafgesetzbuchs gesetzeswidrig und strafbar. Durch die so genannte Beratungsregelung bleibt eine Abtreibung auf Wunsch der Schwangeren innerhalb der ersten zwölf Wochen nach der Empfängnis jedoch straffrei, wenn

  • die Frau sich einer Beratung bei einer staatlich anerkannten Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle unterzogen hat und darüber eine Bestätigung vorlegen kann,
  • und ein Arzt den Eingriff frühestens am vierten Tag nach der Beratung vornimmt.

Eine staatlich anerkannte Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle in ihrer näheren Umgebung können Frauen in der Beratungsstellendatenbank auf der Website familienplanung.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) finden.

Liegt eine medizinische Indikation vor, darf auch noch nach der zwölften Schwangerschaftswoche ein Abbruch vorgenommen werden und gilt dann auch nicht als rechtswidrig. Eine medizinische Indikation liegt nach Paragraf 218 a dann vor, "wenn der Abbruch der Schwangerschaft unter Berücksichtigung der gegenwärtigen und zukünftigen Lebensverhältnisse der Schwangeren nach ärztlicher Erkenntnis angezeigt ist, um eine Gefahr für das Leben oder die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des körperlichen oder seelischen Gesundheitszustandes der Schwangeren abzuwenden, und die Gefahr nicht auf eine andere für sie zumutbare Weise abgewendet werden kann."

Kosten für einen Schwangerschaftsabbruch

Die KOsten für einen Schwangerschaftsabbruch werden bei einer medizinischen Indikation von der Kasse übernommen. Daneben gibt es noch die "kriminologische Indikation", wonach ein Schwangerschaftsabbruch ebenfalls nicht rechtswidrig ist, wenn die Schwangerschaft durch ein Sexualdelikt ausgelöst wurde. Auch dann darf die Empfängnis nicht mehr als zwölf Wochen zurückliegen. Wie bei der medizinischen Indikation übernimmt jedoch die Krankenkasse die Kosten des Eingriffs. Die Kosten für einen Schwangerschaftsabbruch nach der Beratungsregelung in Höhe von 300 bis 400 Euro muss die Frau selber tragen, es sei denn, sie ist in einer finanziellen Notlage und kann eine soziale Bedürftigkeit nachweisen.

Zu beachten ist, dass ein Arzt die medizinische oder kriminologische Indikation attestieren muss. Er darf aber nicht selbst den Schwangerschaftsabbruch durchführen. Der Eingriff muss von einem anderen Arzt durchgeführt  werden.

Operativ oder medikamentöser Abbruch?

Zum Schwangerschaftsabbruch stehen grundsätzlich die medikamentöse und die operative Methode zur Verfügung, wobei die operative Methode mittels Absaugung beziehungsweise Vakuumaspiration, so der medizinische Fachausdruck, das gebräuchlichste Verfahren ist. Dabei wird der Muttermund unter lokaler Betäubung oder Vollnarkose mittels spezieller Stifte gedehnt. Dann führt der Arzt ein mit einer Saugpumpe verbundenes Röhrchen in die Gebärmutter ein, über das der Fruchtsack mit dem Embryo samt Gebärmutterschleimhaut abgesaugt wird. Durch eine anschließende Ultraschalluntersuchung kontrolliert der Arzt, ob Gewebereste zurückgeblieben sind. Ist dies der Fall, werden diese mittels einer Art scharfen Löffel, der Kürette, ausgeschabt.

Die Ausschabung, bei der die Frucht nicht abgesaugt, sondern komplett mit der Kürette entfernt wird, war früher die gebräuchlichste Form des Abbruchs, sollte aufgrund der höheren Komplikationsrate aber nicht mehr gewählt werden.

Niedrige Komplikationsrate bei Absaugung

Die Absaugung dagegen zeichnet sich durch eine niedrige Komplikationsrate aus, weshalb sie in etwa 70 Prozent aller Schwangerschaftsabbrüche zum Einsatz kommt. Zu rechnen ist mit einer verstärkten Blutung in den ersten ein bis zwei Tagen nach dem Eingriff, danach nimmt die Blutungsstärke ab, kann aber noch bis zu drei Wochen fortdauern. Auch Unterleibsschmerzen, die Regelbeschwerden ähneln, können auftreten.

Schwere Komplikationen sind dagegen selten. Nach Angaben des Familienplanungszentrums Hamburg kann es bei rund einem Prozent der Frauen zu einer Gebärmutterentzündung kommen. Nicht rechtzeitig und ausreichend behandelt, kann diese die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Möglich, aber sehr selten sind Verletzungen der Gebärmutter. Das Familienplanungszentrum Hamburg gibt hier die Häufigkeit mit ein bis zwei Frauen von tausend an. Sollte es nach einem Schwangerschaftsabbruch zu starken Blutungen, Schmerzen, Fieber oder übel riechendem Ausfluss kommen, weist dies auf Komplikationen hin. Dann ist unbedingt ein Arzt zu konsultieren.

Medikamentöser Abbruch nur unter ärztlicher Aufsicht

Etwas häufiger - in etwa fünf Prozent der Fälle - ist eine Gebärmutterentzündung nach einem medikamentösen Schwangerschaftsabbruch mit dem Wirkstoff Mifepriston. Zugelassen ist hier das Präparat Mifegyne. Es darf nur unter ärztlicher Aufsicht in einer Arztpraxis oder Klinik eingenommen werden und ist nicht in Apotheken erhältlich.

Das Präparat stoppt die Entwicklung des Embryos und bewirkt, dass sich die Gebärmutterschleimhaut löst. Bei dieser Methode kann die Frau nach Einnahme des Medikaments wieder nach Hause gehen, muss aber nach 36 bis 48 Stunden wieder in die Praxis oder Klinik zurückkehren. Dort wird ihr dann ein Prostaglandin-Präparat als Vaginalzäpfchen oder in Tablettenform verabreicht. Dabei handelt es sich um hormonähnliche Botenstoffe, der meist innerhalb der folgenden drei Stunden Gebärmutterkontraktionen und eine Austoßung der Frucht auslösen. Ist dies nicht der Fall, erfolgt eine erneute Prostaglandingabe. Nach Auskunft der BZgA ist dies bei einem von vier medikamentösen Schwangerschaftsabbrüchen nötig.

Nachdem der Embryo ausgestoßen wurde, kann die Frau nach Hause gehen, sollte dort jedoch nicht alleine sein für den Fall, dass Kreislaufprobleme auftreten. Auch nach dem medikamentösen Abbruch kommt es zu Blutungen, die etwa zwei Wochen anhalten können. Durch eine Nachuntersuchung wird sicher gestellt, dass die Schwangerschaft vollständig beendet wurde.

Ausschlusskriterien für Mifepriston und Prostaglandin beachten

Ein medikamentöser Schwangerschaftsabbruch ist nur bis zum 63. Tag nach Beginn der letzten Regelblutung beziehungsweise bis zur 9. Schwangerschaftswoche möglich. Er ist nicht zu verwechseln mit der "Pille danach", die keine Schwangerschaft abbricht, sondern diese verhindert. Laut Angaben der BZgA sind die gesundheitlichen Risiken bei einem medikamentösen Schwangerschaftsabbruch geringer als bei einem operativen Eingriff. Allerdings ist diese Form des Abbruchs nicht für jede Frau geeignet. So kommt ein medikamentöser Schwangerschaftsabbruch nicht in Betracht bei

  • chronischen Nebennierenerkrankungen,
  • schwerem Asthma,
  • bekannter Allergie gegenüber Mifepriston oder einem anderen Bestandteil der Tabletten,
  • bekannter Unverträglichkeit von Prostaglandinen.

Wenngleich körperlich weniger belastend, können die psychischen Folgen eines Schwangerschaftsabbruchs mittels Mifegyne und Prostaglandin oft schwerwiegender sein als bei der operativen Methode, da sich der medikamentöse Abbruch viel länger hinzieht und bewusst miterlebt wird. Allerdings wird die psychische Belastung durch Schwangerschaftsabbrüche meist überschätzt, wie das Familienzentrum Hamburg unter Berufung auf Studien berichtet.

Demnach sind langfristige negative psychische Folgen sehr selten und treten hauptsächlich dann auf, wenn die Frauen die Entscheidung unter Druck fällen mussten oder Verurteilungen aus dem Umfeld ausgesetzt sind. Meist überwiege nach dem Eingriff bei vielen Frauen die Erleichterung darüber, dass sie den Eingriff hinter sich haben.

Ein Post-Abtreibungs-Syndrom gibt es nicht

Insgesamt erscheint die Gefahr eines psychischen Zusammenbruchs nach einer Abtreibung weitaus geringer, als wenn eine ungewollte Schwangerschaft fortgesetzt wird. Ein so genanntes Post-Abtreibungs-Syndrom als Krankheitsbild ist auch in der Psychologie nicht bekannt.

Dennoch können sich Gefühle der Traurigkeit und des Verlusts nach einem Schwangerschaftsabbruch selbst bei Frauen einstellen, die überzeugt sind, das Richtige getan zu haben. Dann ist es wichtig, über diese Gefühle mit jemandem zu sprechen und Trauer nicht mit Reue zu verwechseln. 

Autor:
Letzte Aktualisierung: 10. April 2017
Quellen: Online-Informationen der BZgA: http://www.familienplanung.de/beratung/schwangerschaftskonflikt/ (Stand: November 2012); Online-Informationen des Familienzentrums Hamburg: http://www.hamburg.de/familienwegweiser/116684/schwangerschaft.html (Stand November 2012); Online-Informationen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: http://www.bmfsfj.de/ (Stand: November 2012)

Beiträge im Forum "Geburtstermin Januar/Februar 2018"
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