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Schädlich für Mutter und Kind

Rauchen in der Schwangerschaft: Aufhören ist wichtig

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin | Christian Fiala, Medizinautor | Expertenteam
Letzte Aktualisierung: 14. Mai 2019

Jedes Jahr werden etwa 170.000 Babys schädlichem Tabakrauch durch ihre Mutter ausgesetzt. Dabei ist Rauchen in der Schwangerschaft gefährlich für das Ungeborene: Die Giftstoffe gelangen in den Blutkreislauf des Babys – egal ob man selbst raucht oder häufig Passivrauch ausgesetzt ist.

Rauchen in der Schwangerschaft: Aufhören ist wichtig
Rauchen in der Schwangerschaft ist schädlich für das Ungeborene – jede nicht gerauchte Zigarette zählt.
© iStock.com/nd3000

Die Handlungsempfehlungen sind klar: Schwangere sollten nicht rauchen und sich auch nicht in Räumen aufhalten, in denen geraucht wird. Denn auch durch Passivrauchen wird das Baby im Mutterleib vielen schädigenden Einflüssen ausgesetzt.

In diesem Artikel lesen Sie:

Rauchen in der Schwangerschaft: Folgen fürs Kind

Durch das Rauchen von Zigaretten und somit Nikotin setzt sich nicht nur die Schwangere dem Risiko aus, Herz- und Gefäßerkrankungen, Krebs oder andere Krankheiten zu bekommen. Auch das Ungeborene wird durch Rauchen in der Schwangerschaft geschädigt und kann unter den Folgen leiden. Die im Tabak enthaltenen Stoffe Nikotin und Kohlenmonoxid gelangen in der Schwangerschaft über die Plazenta in den Kreislauf des Kindes. Dort verengen sie die Blutgefäße und reduzieren den Sauerstoffgehalt in seinem Blut.

Raucht die Mutter regelmäßig, wird das Ungeborene nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nahrung versorgt und bleibt in seinem Wachstum zurück. Darüber hinaus setzen rauchende Mütter ihre Kinder verschiedenen Risiken und Spätfolgen aus.

  • Ein niedriges Geburtsgewicht: Kinder von Raucherinnen wiegen im Durchschnitt etwa 200 bis 300 Gramm weniger als Kinder von Nichtraucherinnen.
  • Die Lungen des Kindes sind bis zur Geburt nicht vollständig entwickelt.
  • Die Lungenkapazität kann auch in späteren Jahren noch geringer sein als normal.
  • Die Gehirnentwicklung ist schlechter.
  • Es kommt häufiger zu einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (LKG).
  • Das Risiko für Hyperaktivität oder die Entwicklung einer Aufmerksamkeitsdefizit-Störung (ADHS) steigt.
  • Das Risiko eines plötzlichen Kindstodes (SIDS) nimmt zu.
  • Erkrankungen wie Allergien und Asthma treten in späteren Jahren häufiger auf.
  • Kinder von Raucherinnen haben ein größeres Risiko für angeborene Herzfehler.
  • Kinder von Raucherinnen haben ein erhöhtes Krebsrisiko.

Folgen des Rauchens für die Schwangerschaft

Die allgemeinen schädigenden Auswirkungen des Rauchens bleiben auch in der Schwangerschaft bestehen. Vor allem die Verengung der Blutgefäße kann zu einer mangelnden Versorgung des Babys führen. Gleichzeitig steigt der Blutdruck, was das Risiko für Bluthochdruck und weiteren, ernsten Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie oder Gestose erhöht. Auch das niedrigere Lungenvolumen von Raucherinnen kann ihnen in der Schwangerschaft durchaus zu schaffen machen, denn viele Schwangere fühlen sich ohnehin "kurzatmig" – eine Folge des vergrößerten Blutvolumens und des erhöhten Sauerstoffbedarfs während der Schwangerschaft. Gleichzeitig erhöht sich mit Fortschreiten der Schwangerschaft der Druck auf das Zwerchfell, sodass das Lungenvolumen ohnehin etwas niedriger ist. Raucherinnen spüren diesen Effekt oft verstärkt.

Außerdem haben Raucherinnen oft einen Mangel an bestimmten Mikronährstoffen wie Vitamin C. Das Rauchen kann die Verfügbarkeit der essentiellen Vitamine D, B6, B12 und Beta-Carotin verringern.

Das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen bis hin zum vorzeitigen Ende der Schwangerschaft erhöht sich durch das Rauchen stark:

Rauchen aufhören: Tipps für den Rauchstopp

Rauchen schadet bereits vor der Schwangerschaft

Frauen und Männer mit Kinderwunsch sollten wenn möglich auch schon vor einer geplanten Schwangerschaft das Rauchen aufgeben, denn vor allem die Fruchtbarkeit leidet unter Nikotin und den Giftstoffen aus dem Tabak: Spermienqualität und -anzahl rauchender Männer ist wesentlich niedriger als die von Nichtrauchern. Auch die Fruchtbarkeit von Raucherinnen ist herabgesetzt. Sie haben häufiger Zyklusstörungen und die durch das Rauchen ausgelöste Minderdurchblutung des ganzen Körpers wirkt sich auch direkt auf die Fortpflanzungsorgane aus.

So konnte beispielsweise bei einer im Rahmen von künstlichen Befruchtungen (In-Vitro-Fertilisation und ICSI) durchgeführten Studie festgestellt werden, dass die Dicke der Gebärmutterschleimhaut von Raucherinnen wesentlich geringer war als die von Nichtraucherinnen – und zwar unabhängig von der Anzahl der gerauchten Zigaretten.

Ist das Rauchen von E-Zigaretten unbedenklich für Schwangere?

Oft werden elektronische Zigaretten, die sogenannten E-Zigaretten, als weniger bedenkliche Alternative zu herkömmlichen Zigaretten eingestuft, weil sie nicht die typischen Verbrennungsprodukte und Substanzen aus dem Tabakrauch enthalten. Bei E-Zigaretten wird eine Flüssigkeit, als Liquid bezeichnet, verdampft. Liquids bestehen aus einer Trägerflüssigkeit sowie Nikotin, Aromen oder anderen Geschmacksstoffen. Laut Bundesamt für Risikobewertung (BfR) kann die Inhalation solcher Liquids die Gesundheit schädigen. Neben Nikotin können sie zahlreiche, gesundheitliche Zusatzstoffe enthalten: Zum Beispiel chemische Vernebelungsmittel wie Propylenglycol, die zu Reizungen der Atemwege führen und die Lungenfunktion beeinträchtigen können. In Tierversuchen wurden nach häufiger Inhalation von Propylenglykol Veränderungen im Blutbild nachgewiesen. Welche Folgen das auf lange Sicht hat, konnte bislang noch nicht erforscht werden.

Beim Rauchen von E-Zigaretten entsteht ein sichtbarer Dampf/Nebel. Es empfiehlt sich, in der Schwangerschaft auch das Passivrauchen dieses Dampfes zu vermeiden. Obwohl er aufgrund der meist enthaltenen Duft- oder Aromastoffe nicht so riecht wie "echter" Zigarettenrauch, kann er aufgrund der enthaltenen Chemikalien trotzdem gesundheitsschädlich sein. So wurde beispielsweise bereits das als krebserregend eingestufte Formaldehyd im Dampf von E-Zigaretten nachgewiesen.

Rauchen vor und in der frühen Schwangerschaft

Auch wenn viele Raucherinnen im Verlauf ihrer Schwangerschaft das Rauchen aufgeben, rauchen zum Zeitpunkt der Geburt noch 18 bis 25 Prozent von ihnen. Da die meisten Fehlbildungen bei Ungeborenen während der Embryonalphase in den ersten drei Monaten entstehen, dürfte vor allem das Rauchen in der Frühschwangerschaft schädlich sein. Leider ist das ausgerechnet die Phase, in der viele Frauen ihre Schwangerschaft noch gar nicht bemerken.

Raucht eine Schwangere täglich zehn Zigaretten, wird das Ungeborene während einer gesamten Schwangerschaft 2.700 Zigaretten "mitrauchen". Die Bedingungen für das Baby können entscheidend verbessert werden, wenn Frauen bereits mit bestehendem Kinderwunsch und vor der Geburt aufhören zu rauchen. Auch ein Rauchstopp innerhalb der ersten drei Schwangerschaftsmonate kann das Risiko für Komplikationen verringern. Daneben verbessert sich auch der Gesundheitszustand der werdenden Mutter.

Ist wenig rauchen eine Alternative?

Jede Zigarette schadet Ihrem Kind und Ihrer Schwangerschaft. Sie brauchen auch keine Entzugserscheinungen durch den Rauchstopp befürchten. Das Weiterrauchen ist wesentlich schädlicher. Bedenken Sie aber beim Aufhören: Nikotinkaugummis und Co. sind ebenfalls nicht geeignet, wenn Sie schwanger sind. Manchen Schwangeren fällt es sogar relativ leicht, mit dem Rauchen aufzuhören, sie verspüren einfach keine Lust mehr auf Zigaretten.

Egal, ob Sie dazugehören oder nicht, sprechen Sie sobald wie möglich mit Ihrem Arzt, wenn Sie schwanger sind und das Rauchen aufgeben möchten.

Professionelle Hilfe beim Nicht-Rauchen für Schwangere

Die Geburtsmedizin der Berliner Charité bietet beispielsweise den Kurs „Rauchfrei für Mutter und Kind“ an. Hier können Schwangere, die Unterstützung beim Aufhören mit dem Rauchen suchen, professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Auch bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung steht eine Broschüre zum Download bereit. Interessierte können sich „rauchfrei in der Schwangerschaft - Ich bekomme ein Baby“ herunterladen.

Hier finden Schwangere Unterstützung, Tipps und Hilfe beim Aufhören

Manche Krankenkassen unterstützen die Rauchentwöhnung durch die Bezuschussung spezieller Kurse oder Verhaltenstherapien. Informieren Sie sich darüber am besten direkt bei Ihrer Krankenkasse.

Tipps, um mit dem Rauchen aufzuhören:

  • Kaugummi kauen, Wasser trinken, tief durchatmen
  • Gedanklich die nächste Zigarette immer und immer wieder verschieben
  • Bei Lust auf eine Zigarette: Stellen Sie sich bildlich vor, dass Ihr Baby mitraucht und welche Risiken dadurch entstehen.
  • Schauen Sie sich im Internet Videos an, wie Kinder im Mutterleib mitrauchen
  • Sagen Sie sich immer und immer wieder, dass Sie Ihrem Baby den bestmöglichen Start bieten möchten

Sie haben einen weiteren Tipp, wie Sie mit dem Rauchen in der Schwangerschaft aufgehört habe? Dann schreiben Sie uns an redaktion@9monate.de.

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin | Christian Fiala, Medizinautor | Expertenteam
Letzte Aktualisierung: 14. Mai 2019
Quellen
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