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Wertvolle Stammzellen

Nabelschnurblut spenden

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 05. Juni 2019

Über die Nabelschnur wird das Kind mit lebenswichtigen Stoffen versorgt, bis es zur Welt kommt. Nach der Geburt können Eltern das Nabelschnurblut spenden. Welche Voraussetzungen, Risiken und Kosten damit verbunden sind.

Baby mit Nabelschnur nach der Geburt
Das wertvolle Stammzellen enthaltende Nabelschnurblut kann direkt nach der Geburt gespendet werden.
© iStock.com/Pixelistanbul

Mit der Nabelschnur ist das Kind während der Schwangerschaft über die Plazenta (Mutterkuchen) mit dem Blutkreislauf der Mutter verbunden. Durch sie wird das Kind mit wichtigen Nährstoffen versorgt. Die Nabelschnur enthält wichtige Stammzellen. Diese Stammzellen können mit dem Blut aus der Nabelschnur nach der Geburt entnommen und eingelagert werden. Die Spende von Nabelschnurblut birgt keine Risiken.

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Stammzellen gegen Krankheiten

Stammzellen sind Zellen, aus denen sich alle Körperzellen entwickeln können, also Muskeln, Nerven oder Blut. Sie verfügen über besondere Eigenschaften, die zunehmend auch in der Forschung an Bedeutung gewinnen. Bei der Behandlung von Erkrankungen des blutbildenden Systems wie Blutkrebs (Leukämie) kommen Stammzellen zum Einsatz, wenn andere Behandlungsmethoden (Strahlen- oder Chemotherapie) nicht mehr helfen. Das Transplantieren von Stammzellen stellt häufig die letzte Behandlungsmöglichkeit dar. Laut Deutscher Knochenmarkspenderdatei (DKMS) werden Stammzellen aus Nabelschnurblut schon bei über 80 Erkrankungen erfolgreich eingesetzt.

Aktuell wird die Stammzellentherapie gegen weitere Erkrankungen wie Diabetes, Autoimmun- oder immunologischen Erkrankungen erforscht. Stammzellenspenden sind daher von großer Bedeutung.

Stammzellen aus Nabelschnurblut

Da sich die Blutbildung des Kindes in den letzten drei Monaten der Schwangerschaft von Leber und Milz in das Knochenmark verlagert, sind Nabelschnurblut und Plazenta zum Zeitpunkt der Geburt besonders reich an Stammzellen. Sie teilen sich besonders schnell.

Im Gegensatz zu Stammzellen von Erwachsenen (adulten Stammzellen) können Stammzellen aus Nabelschnurblut in der Therapie sofort eingesetzt werden. Für den Spender ist dies nicht mit Risiken verbunden.

Voraussetzungen für eine Nabelschnurblutspende

Grundsätzlich spenden können alle erwachsenen Frauen, die gesund sind und die Voraussetzungen für eine Blutspende erfüllen. Bei der Spende von Nabelschnurblut kommen noch weitere Ausschlusskriterien hinzu. Diese können je nach Nabelschnurblutbank variieren.

Die häufigsten Aussschlusskriterien für eine Spende:

Eine Spende ist sowohl nach vaginaler Geburt als auch nach einem Kaiserschnitt möglich. Der Ablauf der Geburt hat generell keinen Einfluss auf die Möglichkeit Nabelschnurblut zu spenden.

Kosten beim Nabelschnurblut spenden

Wenn sich Eltern für eine Spende des Nabelschnurblutes entschieden haben, sollten sie dies vor der Entbindung der Entbindungsklinik mitteilen beziehungsweise Kontakt mit einer der öffentlichen Nabelschnurblutbanken in Deutschland aufnehmen. Viele Entbindungskliniken arbeiten auch mit öffentlichen Stammzellenbanken oder Nabelschnurblutbanken wie der DKMS Nabelschnurblutbank oder dem Universitätsklinikum Erlangen zusammen. Eine Spende an öffentliche Nabelschnurblutbanken ist immer kostenfrei.

Eine aktuelle Liste der Krankenhäuser, die mit der DKMS zusammenarbeiten, können Sie hier auf der Website der DKMS abrufen: https://www.dkms-nabelschnurblutbank.de/klinikliste/

Ablauf der Nabelschnurblutspende

Die eigentliche Spende von Nabelschnurblut beginnt erst nach Abschluss der Geburt. Am Tag der Entbindung oder kurz danach wird der Mutter etwas Blut entnommen, um zu prüfen, ob Infektionen im Blut nachweisbar sind. Der Ablauf der Geburt wird durch die Spende nicht beeinflusst.

Nach Abnabelung des Kindes und der Geburt der Plazenta wird die Nabelschnur durch die Hebamme oder den Arzt an dem Ende punktiert, das noch mit der Plazenta verbunden ist. Das Blut fließt dann in spezielle Beutel für Nabelschnurblut. Die Beutel werden anschließend direkt zur Nabelschnurblutbank transportiert. Dort wird ein wenig Blut zur Untersuchung im Labor entnommen, der Rest wird gekennzeichnet und in Tanks mit flüssigem Stickstoff eingefroren. Das Nabelschnurblut kann tiefgefroren über Jahre aufbewahrt werden.

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Nabelschnurblut spenden: Nachteile

Für Kind oder Mutter ist das Nabelschnurblut spenden nicht mit Risiken verbunden. Die Entnahme erfolgt absolut schmerzfrei und erst nach der Geburt. Während man Babys bislang aber meist direkt nach der Geburt abnabelte, rücken die Vorteile des späten Abnabelns immer mehr in den Vordergrund. So empfiehlt die ärztliche Leitlinie zur Betreuung von gesunden, reif geborenen Neugeborenen mittlerweile alternativ das Auspulsieren der Nabelschnur.

Das Neugeborene erhält durch das Auspulsieren zwischen 100 und 200 ml mehr Blut, dadurch erhöhen sich der Hämoglobingehalt des Blutes und die Eisenspeicher. Studien zufolge verfügen diese Kinder auch noch im Alter von sechs Monaten über höhere Eisenspeicher. Für die Spende von Nabelschnurblut wird aber genau dieses Blut benötigt. Man kann zwar nicht direkt von Nachteilen sprechen, aber Eltern, die das Nabelschnurblut ihres Neugeborenen spenden möchten, müssen auf das Auspulsieren der Nabelschnur zugunsten der Spende verzichten.

Nabelschnurblutbanken

In Deutschland gibt es zurzeit fünf öffentliche Nabelschnurblutbanken, die ihre Daten über das Zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD) zur Verfügung stellen. Diese öffentlichen Nabelschnurblanken befinden sich in:

  • Dresden
  • Erlangen
  • Gauting (Bayern)
  • Hannover
  • Mannheim

Die Kontaktdaten dieser Nabelschnurbanken können Eltern online beim ZKRD unter folgendem Link abgerufen: http://zkrd.de/de/adressen/nsb/

Wohin geht das gespendete Nabelschnurblut?

Die im Labor untersuchten Werte des Nabelschnurblutes werden anonymisiert an das ZKRD gemeldet und hier in die Datei aufgenommen. Kommt eine Spende von Nabelschnurblut für einen Empfänger infrage, wird das Nabelschnurblut zum Einsatzort gebracht und dort im Rahmen einer Stammzellentherapie eingesetzt Die Datenbanken der Stammzellen-Register werden weltweit abgeglichen.

Nabelschnurblut einlagern versus spenden

Wenn Eltern das Nabelschnurblut ihres Kindes nicht spenden, sondern lieber selbst einlagern möchten, ist dies mit Kosten verbunden. Zahlreiche private Labore bieten einen solchen Service mittlerweile an. Die Entnahme des Nabelschnurbluts unterscheidet sich dabei nicht von der bei einer Spende. Eingelagertes Nabelschnurblut steht dann in erster Linie dem Spender, also dem eigenen Kind, zur Verfügung. Eltern können es aber auch für nahe Verwandte, zum Beispiel Geschwisterkinder, verwenden.

Ob und wie die Verwendung eigener Stammzellen bei einer Erkrankung des Blutsystems sinnvoll ist, ist teilweise noch umstritten. Befürworter betonen die bessere Kompatibilität mit den eigenen Stammzellen, während Kritiker darauf hinweisen, dass die Erkrankung in den Zellen aus dem Nabelschnurblut bereits angelegt ist. Bei Bluterkrankungen wie Leukämie ist es daher wirksamer, Stammzellen eines anderen Spenders zu verwenden. Dies kann das Risiko für einen Rückfall (Rezidiv) verringern.

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Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 05. Juni 2019
Quellen
Beiträge im Forum "Geburtstermin Juli/August 2018"
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