Nabelschnurblut

Bei schwangeren Frauen wird das Ungeborene über die Nabelschnur mit lebenswichtigen Stoffen versorgt, bis es zur Welt gekommen ist. Die Nabelschnur ist 50 bis 60 Zentimeter lang und ein bis zwei Zentimeter dick. Sie reicht vom Nabel des Kindes bis zur Plazenta und führt drei Blutgefäße in sich, zwei Arterien und eine Vene. Diese verlaufen spiralförmig durch die Nabelschnur und gewährleisten eine Versorgung des Babys.

Nabelschnurblut enthält wertvolle Stammzellen, die auf Wunsch eingelagert werden können
iStock/Pixelistanbul

Die Nabelvene bringt sauerstoffreiches Blut zum Kind und die Nabelarterien bringen sauerstoffarmes Blut zur Plazenta zurück. Nach der Geburt, wenn das Baby von alleine atmen kann, wird die Nabelschnur durchtrennt. Das Blut, das sich jetzt noch in der Nabelschnur befindet, nennt man Nabelschnurblut.

Mit Nabelschnurblut wird intensiv geforscht

Die Wissenschaft hat vor vielen Jahren schon herausgefunden, das Nabelschnurblut anteilig besonders viele so genannte Stammzellen enthält. Diese Stammzellen haben besondere Eigenschaften, die in der Medizin gerne genutzt würden. Man spricht hier von Stammzellentherapie. Diese wird beispielsweise zunehmend zur Therapie von Blutkrebs (Leukämie) eingesetzt. Die Forschung versucht derzeit, Stammzellen aus Nabelschnurblut zur Behandlung verschiedener Erkrankungen einsetzbar zu machen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ 1-Diabetes, neurologische Erkrankungen und Möglichkeiten zur Geweberegeneration kann man mit Stammzellentherapie beeinflussen. Stammzellen können sich in nahezu allen  Gewebearten weiterentwickeln, dies ist grundsätzlich eine sensationelle Entdeckung und birgt womöglich großes Potenzial.

Arten von Stammzellgewinnung

In der Medizin unterscheidet man zwischen embryonalen Stammzellen, die aus dem Nabelschnurblut gewonnen werden, und den so genannten adulten (erwachsenen) Stammzellen, die mittels einer Knochenmarksentnahme gewonnen werden. Dieser Eingriff birgt jedoch gegenüber der Gewinnung von Nabelschnurblut Risiken. Andererseits sind die im Knochenmark vorhandenen Stammzellen wirksamer, würde man dieselbe Menge miteinander vergleichen.

Einlagerung von Stammzellen und Kosten

Seit man entdeckt hat, das sich Stammzellen mit Stickstoff bei –169 Grad Celsius einfrieren lassen, sind weltweit über einhundert private Unternehmen für eine solche Einlagerung entstanden, in denen man das Nabelschnurblut seines Kindes viele Jahre kostenpflichtig einlagern kann. Die Kosten hierfür variieren, sind aber insgesamt sehr hoch und bewegen sich zwischen 1.000 und 2.000 Euro für zehn Jahre.

Es gibt jedoch auch öffentliche so genannte Stammzellbanken, die die jeweilige Spende auf einen ermittelten Empfänger anwenden können und kostenfrei sind. Hier kann man zwar nicht sein eigenes Nabelschnurblut nur für sich einlagern, aber womöglich einem anderen damit helfen. Die Wahrscheinlichkeit, dass man seine eigenen Stammzellen einmal benötigt, ist  ohnehin gering. Bei Bluterkrankungen wie Leukämie ist es wirksamer, mit Stammzellen eines anderen Spenders zu arbeiten. Dies kann das Risiko für einen Rückfall (Rezidiv) verringern.

Alles Infos zu: Nabelschnurblut spenden.

Was sind Stammzellen? 

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Letzte Aktualisierung: 11. Januar 2017
Quellen: Online-Informationen des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags: www.bundestag.de (Stand: Januar 2013); Pschyrembel, de Gruyter Verlag. Berlin, 2007; Geist, C. , Harder, U. , Stiefel, S.: Hebammenkunde. Hippokratesverlag ,Stuttgart 2007; Sitzmann, F.: Pädiatrie. Thieme Verlag, Stuttgart 2007