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Geburtshaus, -klinik oder Hausgeburt?

Wo entbinden? Die Wahl des richtigen Geburtsortes

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 02. Oktober 2019

Früher oder später muss sich jede Schwangere der Frage stellen, wo sie entbinden möchte. Heute gibt es viele Möglichkeiten. Wir geben Ihnen Tipps für eine leichtere Wahl des Geburtsortes Ihres Babys.

Wo entbinden? Die Wahl des richtigen Geburtsortes
Der Frage, wo und in welcher Einrichtung sie entbinden möchten, müssen sich alle Schwangeren früher oder später stellen.
© iStock.com/AleMoraes244

Entscheidend für die Wahl des Entbindungsortes sollte sein, welche Wünsche Sie für die Geburt haben und ob es medizinische Risiken gibt. So ist es für Risikoschwangere nicht nur empfehlenswert, sondern aus Sicherheitsgründen für Mutter und Kind oft auch notwendig, in einer Geburtsklinik zu entbinden. Besteht kein erhöhtes Risiko für Geburtskomplikationen, können auch eine ambulante Geburt, die Geburt im Geburtshaus oder die Hausgeburt infrage kommen.

Die Abläufe und Angebote der verschiedenen Entbindungsorte sind teilweise recht unterschiedlich. Die Frage, wo Sie entbinden möchten, ist also untrennbar mit Ihren Vorstellungen verbunden, wie Sie Ihr Baby bekommen möchten.

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Geburtsklinik oder Entbindung im Krankenhaus

In Deutschland kommen die meisten Babys in einem Krankenhaus zur Welt. Eine Klinik mit Geburtsstation hat viele Vorteile, vor allem:

  • medizinische Ausstattung
  • oft größere Kapazitäten

Im Gegensatz zu früher sind viele Kliniken heute flexibler, was alternative Geburtspositionen oder eine selbstbestimmte Geburt betrifft. Aber auch hier gilt natürlich: Kein Geburtserlebnis ist gleich und wer Pech hat, kommt gerade zu "Stoßzeiten" mit vielen Entbindungen in eine Geburtsklinik, sodass die Geburt vielleicht nicht so ideal verläuft, wie man es sich wünscht.

Obwohl die meisten Schwangeren sich eine natürliche Geburt wünschen, können gerade die medizinische Ausstattung und Interventionsmöglichkeiten wie eine PDA für eine Entbindung im Krankenhaus sprechen. Denn im Notfall kann hier schnell reagiert werden, ohne Verlegung oder gar einen Ortswechsel im Krankenwagen. Auch Schwangere, die keine freie Hebamme mit Kapazitäten für ihre Betreuung gefunden haben, können sich in den meisten Krankenhäusern durch die dort angestellten Hebammen betreuen lassen.

Krankenhäuser mit angeschlossener Kinderklinik (Perinatalzentrum)

Wenn Komplikationen bei der Geburt oder beim Neugeborenen zu erwarten sind sowie für Risikoschwangere sind Kliniken mit angeschlossener Kinderklinik empfehlenswert. In Perinatalzentren können Neugeborene intensivmedizinisch betreut und ggf. sogar operiert werden. Ärzte, Hebammen und Pfleger der verschiedenen Stationen arbeiten Hand in Hand, die Betreuung ist bei Bedarf sehr engmaschig und die Wege sind kurz.

Hebammengeleiteter Kreißsaal im Krankenhaus

Im Hebammenkreißsaal wird ein Arzt nur hinzugezogen, wenn es medizinisch notwendig ist. Im Unterschied zum herkömmlichen Kreißsaal leiten hier Hebammen die Geburt. Es kann aber auf die medizinischen Ressourcen des Krankenhauses zurückgegriffen werden. Kommt doch einmal der Wunsch nach einer PDA auf, ist auch das durch Hinzuziehen eines Arztes möglich. Wichtig zu wissen: Sobald ein Arzt von den Hebammen hinzugezogen wird, hat er die Entscheidungshoheit über weitere Maßnahmen.

Geburt im Krankenhaus mit Beleghebamme

Die Klinikgeburt mit Beleghebamme vereint die medizinische Absicherung durch eine Geburt im Krankenhaus mit der individuellen Betreuung durch eine "eigene" Hebamme. Bei der Geburtsbetreuung durch eine Beleghebamme fallen außerdem mögliche Aufreger wie Personal- und Schichtwechsel von angestellten Hebammen weg. Dafür ist Ihre Beleghebamme ab der 37. oder 38. Schwangerschaftswoche in Rufbereitschaft. Diese Rufbereitschaft wird nur teilweise von den Krankenkassen übernommen. Teilweise bestehen bei der anteiligen Kostenübernahme gerade bei den gesetzlichen Krankenkassen große Unterschiede. Informieren Sie sich daher frühzeitig nach der Höhe.

Erfahren Sie hier mehr über die Klinikgeburt.

Wo entbinden? Mögliche Fragen an die Geburtsklinik

In den meisten Geburtskliniken ist es möglich, die Geburtsräume vorab zu besichtigen und sich selbst einen Eindruck zu verschaffen. Meist werden Informationsabende mit Führungen angeboten, bei denen werdende Eltern auch Fragen stellen dürfen. Ob die Klinik nämlich die von Ihnen gewünschten Voraussetzungen erfüllt, können Sie nicht immer durch den Augenschein, sondern vor allem durch gezieltes Fragen herausfinden.

Gibt es Geburtsvorbereitungskurse?

Viele Kliniken bieten verschiedene Kurse zur Vorbereitung auf die Geburt an. Vor allem beim ersten Kind können diese hilfreich sein, denn es werden zum Beispiel Atemtechniken erlernt, die einen natürlichen Geburtsvorgang unterstützen.

Ausstattung von Entbindungsräumen und Kreißsaal

Wie viele Räume stehen Gebärenden zur Verfügung und wie sind diese ausgestattet? Gibt es zum Beispiel einen Gebärhocker oder muss man "klassisch" im Liegen gebären? Auch die Frage, ob Sie sich während der Wehentätigkeit bewegen können oder ob Sie im Bett bleiben müssen, kann bei einer Besichtigung vor Ort gestellt werden.

Geburtsmöglichkeiten

Sitzend, kniend oder sogar im Wasser? Fragen Sie, ob Sie Ihre Gebärposition frei wählen dürfen und ob ein Becken für eine Wassergeburt vorhanden ist. Manche Frauen empfinden gerade das Sitzen im Wasserbecken während der Wehen als wohltuend, auch wenn sie später "draußen" gebären möchten.

Medizinische Ausstattung und Ärzte

Welche Ärzte in der Geburtsklinik auch nachts anwesend sind, kann ein wichtiger Entscheidungsfaktor für oder gegen ein Krankenhaus sein. Eine PDA zum Beispiel dürfen nur Anästhesisten legen, es sollte also immer einer zumindest in Rufbereitschaft sein. Wird außerdem mit einer Kinderklinik zusammengearbeitet, ist sogar eine angeschlossen? Ist die Überwachung durch einen Wehenschreiber obligatorisch?

Konzept und routinemäßige Maßnahmen

Wenn Ihnen ein natürlicher Geburtsvorgang wichtig ist, ist das Konzept der Geburtsklinik ganz entscheidend für Sie bei Ihrer Wahl des Entbindungsortes:

  • Wie viele Geburten finden im Jahr in diesem Krankenhaus statt?
  • Wie hoch ist die Rate von Kaiserschnitt, Dammschnitt, operativen Hilfen oder von Geburtsverletzungen?
  • Wird eine natürliche Geburt unterstützt?
  • Ist eine ambulante Entbindung möglich?
  • Gibt es noch routinemäßig eine Rasur oder einen Einlauf vor der Geburt?

Auch die Frage nach schmerzlindernden Methoden sollten Sie sich und der Klinik stellen. Sollten Sie etwa Wert auf alternative Angebote zur Geburtserleichterung legen, fragen Sie gezielt nach. Manche Hebammen bieten beispielsweise Massagen, Akupunktur oder Akupressur an, um die Geburt zu erleichtern.

Hebammenbetreuung

Wenn Sie das Vertrauensverhältnis zu einer ganz bestimmten Hebamme schätzen, die Sie während der Geburt betreut, empfiehlt sich eine Beleghebamme. Fragen Sie in der Klinik nach, mit welchen Hebammen die Geburtsklinik zusammenarbeitet und wie viele werdende Mütter eine angestellte Hebamme gleichzeitig betreut.

Während der Geburt

Auch konkret zur Geburt haben Sie die Möglichkeit, Fragen an die Klinik zu richtigen, zum Beispiel:

  • Wird das Auspulsieren der Nabelschnur unterstützt?
  • Was geschieht mit der Plazenta? Darf man sie ansehen oder sogar mit nach Hause nehmen?
  • Kann in diesem Krankenhaus Nabelschnurblut entnommen werden?
  • Darf mein Partner auch bei einem Kaiserschnitt bei mir bleiben?

Nach der Geburt

Gerade die ersten Stunden nach der Geburt sind wichtig für die Mutter-Kind-Bindung. Durch das sogenannte Rooming-in wird dieser Prozess unterstützt. Weitere Fragen, die sich stellen könnten, sind:

  • Ist es möglich, nach der Geburt kurz mit dem Baby alleine zu sein, sofern keine medizinischen Gründe dagegen sprechen?
  • Gibt es ein Familienzimmer?
  • Wird das Stillen unterstützt?
  • Gibt es eine Stillbetreuung oder -beratung?
  • Wann darf ich nach einem Kaiserschnitt das erste Mal mein Baby anlegen?
PDA (Periduralanästhesie): So läuft sie ab

Geburt im Geburtshaus

Die intimere Alternative zur Entbindung im Krankenhaus ist das Geburtshaus. Es wird in der Regel von Hebammen geleitet und bietet neben der Entbindungsmöglichkeit auch andere Leistungen rund um die Geburt an, zum Beispiel spezielle Kurse oder die Schwangerschaftsvorsorge durch die Hebamme. Ein Geburtshaus eignet sich für Schwangere, bei denen keine Geburtskomplikationen zu erwarten sind, die sich sicher sind, dass sie unter der Geburt keine PDA möchten und die sich eine ruhige und intime Atmosphäre wünschen.

Erfahren Sie hier mehr über die Geburt im Geburtshaus.

Ambulante Geburt

Bei der ambulanten Geburt erholen Sie sich zu Hause in vertrauter Umgebung von der Geburt, entbinden aber in einem Krankenhaus oder in einem Geburtshaus. Ist alles gut verlaufen, gehen Sie drei bis fünf Stunden danach mit Ihrem Baby nach Hause. Wichtig ist, dass Sie für die nachgeburtliche Betreuung im Wochenbett eine Hebamme haben, die Sie und Ihr Baby täglich daheim besucht. Denken Sie außerdem daran, dass die zweite Vorsorgeuntersuchung, die U2, sowie das Neugeborenenscreening auf Stoffwechselerkrankungen zwischen dem dritten und zehnten Lebenstag Ihres Babys beim Kinderarzt erfolgen sollten.

Erfahren Sie hier mehr über die ambulante Geburt.

Hausgeburt

Mit unter zwei Prozent finden in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern nur sehr wenige Geburten Zuhause statt. Das Interesse an einer Hausgeburt steigt aber stetig an. Die Vorteile ähneln denen einer Geburt im Geburtshaus. Vor allem die intime und vertraute Umgebung sprechen dafür. Nicht geeignet ist die Hausgeburt für Risikoschwangere, wenn Erkrankungen des Babys vorliegen oder Komplikationen zu erwarten sind. Die Betreuung einer Hausgeburt übernimmt eine Hebamme. Immer öfter wird sie auch von einer Doula, einer geburtserfahrenen Frau, dabei unterstützt.

Erfahren Sie hier mehr über die Hausgeburt.

Geburtsanzeichen: Zehn erste Hinweise darauf, dass Ihr Baby kommt
Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 02. Oktober 2019
Quellen
Beiträge im Forum "Geburtstermin Juli/August 2018"
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