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Einschränkungen unumgänglich

Coronavirus: Was sich bei Geburt und Schwangerschaftsvorsorge ändert

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 19. März 2020

Das Coronavirus stellt nicht nur Schwangere, sondern auch Hebammen, Pflegende und Ärzte bei der Entbindung und Schwangerschaftsvorsorge vor neue Herausforderungen.

Coronavirus: Was sich bei Geburt und Schwangerschaftsvorsorge ändert
Schwangere aktuell noch in den meisten Kliniken eine Begleitperson zur Entbindung ins Krankenhaus mitnehmen – wenn diese gesund ist.
© iStock.com/gorodenkoff

In Deutschland stellt man sich aktuell auf massiv steigende Infiziertenzahlen ein. Ein Umstand, auf den nun auch Frauenarztpraxen, Hebammen, Kliniken und Geburtshäuser reagieren und Einschränkungen verkünden.

Hinweis: Es gibt bislang keinen Anhaltspunkt auf einen schwereren Verlauf der Erkrankungen bei Schwangeren im Vergleich zu Nicht-Schwangeren. Das Coronavirus SARS-CoV-2 löst die Atemwegsinfektion Covid-19 aus. Eine Übertragung von der Mutter auf das Kind im Bauch findet nach bisherigem Kenntnisstand nicht statt.

Lesen Sie hier mehr über das Coronavirus in Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kindern.

Quarantäne in der Schwangerschaft

Für Schwangere, die nachweislich mit dem Coronavirus infiziert sind oder die sich aufgrund von Kontakt mit einer infizierten Person oder nach Rückkehr aus einem Risikogebiet in häuslicher Quarantäne befinden, hat die DGGG (Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe) Empfehlungen herausgegeben:

  • Bleiben Sie zu Hause und vermeiden Sie 14 Tage lang den Kontakt zu anderen Menschen. Halten Sie sich an die Vorgaben des zuständigen Gesundheitsamtes.
  • Informieren Sie Ihren Frauenarzt oder Ihre Frauenärztin über Ihre Selbstisolierung.
  • Verschieben Sie routinemäßige Vorsorge-Termine.
  • Bei nicht aufschiebbaren Terminen werden in Ihrer Arztpraxis die nötigen Vorkehrungen getroffen, dass der Termin stattfinden kann.
Alarmzeichen in der Schwangerschaft: Bei diesen Symptomen zum Arzt

Schwangerschaftsvorsorge in Zeiten von Corona

Die regulären Vorsorge-Untersuchungen in der Schwangerschaft finden statt. Viele Frauenarztpraxen sorgen aktuell dafür, das Ansteckungsrisiko für Schwangere, ältere und kranke Patientinnen sowie für das Praxispersonal so gering zu möglich zu halten, indem nicht dringend notwendige Termine (wie etwa reguläre Vorsorgetermine) verschoben werden.

Bei Symptomen einer Atemwegsinfektion sollten Schwangere nicht einfach in die Praxis kommen, sondern vorher telefonisch Kontakt aufnehmen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Vereinzelt kann es zur Zeit vorkommen, dass die Frauenarztpraxen manche nicht notwendigen Vorsorge-Untersuchungen in der Schwangerschaft verschieben oder aktuell nicht vornehmen.

Keine Begleitpersonen: Die ersten Ultraschall-Bilder des Babys gemeinsam auf dem Bildschirm zu sehen, gehört für Paare unbestritten zu den vielen glücklichen Momenten der Schwangerschaft. Hier könnte es künftig Einschränkungen geben, denn einige Praxen bitten darum, zu den Terminen ohne Begleitperson zu kommen.

Hebammenbetreuung

Alle regulären Hebammenleistungen wie Schwangerschaftsvorsorge, Geburts- und Wochenbettbetreuung dürfen wie bisher durchgeführt werden. Hebammen achten ohnehin streng auf Hygiene, reinigen und desinfizieren ihre Instrumente und ihre Hände regelmäßig. Ob die individuelle Hebammenbetreuung auch im Falle einer Infektion mit dem Coronavirus stattfinden kann, sollte mit der jeweiligen Hebamme geklärt werden.

Geburtsvorbereitungskurse werden reduziert

Infoabende in Geburtshäusern oder Kreißsaalführungen und ähnliche Veranstaltungen finden in der Regel nicht mehr statt. Auch immer mehr Kurse, die nicht in erster Linie der Vorbereitung auf die Geburt oder der Rückbildung dienen, werden abgesagt.

Für Geburtsvorbereitungskurse gibt es aktuell noch keine einheitliche Regelung. Hier müssen die Hebammen (noch) selbst abwägen, da die Aufsichtbehörden noch keine Vorschriften hierzu erlassen haben. Das könnte sich jedoch rasch ändern. Der Hebammeverband Schleswig-Holstein empfiehlt seinen Mitgliedern inzwischen aus Schutzgründen, auf jegliche Gruppenkurse zu verzichten. Das betrifft auch Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse.

Ob Einzelkurse zur Geburtsvorbereitung eine Alternative sind, wird sich zeigen. Bislang werden die Kosten für Einzelkurse von den Krankenkassen übernommen, wenn dafür zwingende medizinische Gründe wie eine schwere Behinderung oder Bettlägerigkeit vorliegen. Dafür muss der Arzt ein Rezept aussstellen.

Eine Alternative könnten Online-Geburtsvorbereitungskurse sein. Diese können bislang aber nicht regulär mit den Krankenkassen abgerechnet werden. Anke Bertram, 1. Vorsitzende des Hebammen-Verbandes Schleswig-Holstein e.V., würde in der aktuellen Situation Online-Geburtsvorbereitungskurse empfehlen, wenn diese von den Krankenkassen übernommen würden: "Hier müssten die Krankenkassen beziehungsweise der Gesetzgeber schnell für Klarheit sorgen, damit die Frauen in dieser Situation nicht alleine gelassen werden." Wie schnell das allerdings gelingen kann, bleibt abzuwarten.

Begleitperson bei Entbindung ist meist weiter erlaubt

Das Klinikum Südstadt in Rostock hatte für kurze Zeit die Anwesenheit von Begleitpersonen im Kreißsaal untersagt, dies aber kurz danach wieder zurückgenommen. Eine Meldung, die trotzdem bei vielen Schwangeren für Angst sorgte. Denn auch das Klinikum Bonn kündigte auf seiner Website an, dass zu Operationen (Kaiserschnitt) keine Begleitpersonen mehr erlaubt sind. Bereits einen Tag später wurde der hebammengeleitete Kreißsaal ganz geschlossen.

Die gute Nachricht: Das scheinen bislang Ausnahmen zu sein. Bislang sieht es nicht so aus, als würden Begleitpersonen generell von der Geburt ausgeschlossen. Im Gegenteil, viele Kliniken weisen auf ihren Websites explizit darauf hin, dass eine Begleitperson bei der Geburt dabei sein und die Wöchnerin auf Station besuchen darf.

Regelungen für Familienzimmer sind von Klinik zu Klinik verschieden. In einigen dürfen Partner mit im Familienzimmer bleiben, andere haben das Konzept Familienzimmer für unbestimmte Zeit ausgesetzt – zum Schutz vor weiterer Verbreitung des Coronavirus. Informieren Sie sich bei Ihrer Entbindungsklinik, welche Regelungen aktuell gelten.

In der Stellungnahme des Klinikums Südstadt Rostock wird auf völlige Symptomfreiheit als Voraussetzung für die Begleitperson hingewiesen. Die Person dürfe keine Atemwegsinfektion aufweisen, keinen Kontakt zu Corona-Infizierten gehabt haben und nicht aus Risikogebieten zurückgekehrt sein.

Coronavirus: Besuchsstopp in Krankenhäusern

In den allermeisten Krankenhäusern herrscht zur Zeit ein absoluter Besuchsstopp. Das gilt auch für die jeweiligen Entbindungsstationen. Ausgenommen davon sind bislang die Partner, sofern sie frei von Symptomen sind. Alle weiteren Besuche auf der Wochenstation sind darüber hinaus aber nicht gestattet, schreibt etwa das Krankenhaus der Augustinerinnen in Köln auf seiner Website.

Geburten im Geburtshaus finden statt

Geburtshäuser sind hebammengeleitete Einrichtungen, in denen außerklinische Geburten stattfinden. Eine Geburt im Geburtshaus ist in der Regel ambulant, wenige Stunden nach der Geburt kann die Familie wieder nach Hause gehen. Verläuft alles ohne Komplikationen, ist kein Krankenhausaufenthalt nötig. Das kann sicherlich in Zeiten von Besuchsstopp, Begleitverbot und drohender Überbelegung in Kliniken vorteilhaft sein.

Bislang finden Geburten im Geburtshaus regulär statt. Wichtig ist, dass alle Beteiligten, also Mutter und Begleitperson, nicht mit dem Coronavirus infiziert sind.

Schwangeren mit Verdacht auf eine oder mit bestätigter Coronavirus-Infektion wird vom DGGG empfohlen, als Vorsichtsmaßnahme zur Geburt eine Klinik aufzusuchen, damit das Neugeborene umfassend überwacht werden kann.

Lesen Sie hier mehr über die Geburt im Geburtshaus.

Geburtsfotos: Das sind die beeindruckendsten Bilder
Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 19. März 2020
Quellen
Beiträge im Forum "Geburtstermin Juli/August 2018"
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