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Klinikgeburt

Autor: Jessica Schmid, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 10. Januar 2018

Klinikgeburten sind in Deutschland der Regelfall. Mit etwa 98 Prozent bringen nahezu alle Schwangeren ihr Kind in einem Krankenhaus zur Welt. Nur etwa zwei Prozent entscheiden sich für eine Hausgeburt, ambulante Geburt oder gebären ihr Baby in einem Geburtshaus. Bei der Geburt im Krankenhaus entbinden Schwangere in der Regel auf der Entbindungsstation.

Klinikgeburt
Die Klinikgeburt wird von den meisten Schwangeren bevorzugt - vor allem die medizinische Betreuung kann für eine Geburt im Krankenhaus sprechen
© iStock.com/RyanJLane

Vorbereitung auf eine Klinikgeburt

Wenn die Schwangere sich für eine Klinikgeburt entschieden hat, können sie und ihr Partner im Rahmen von Informationsveranstaltungen erfahren, ob die ausgewählte Klinik zu ihren Wünschen und Bedürfnissen passt. Die meisten Krankenhäuser bieten Informationsveranstaltungen an, bei denen auch persönliche Fragen beantwortet werden.

Daneben ist es gerade für Erstgebärende sinnvoll, einen geburtsvorbereitenden Kurs zu besuchen. Dort werden die Vorgänge während der Geburt erklärt und unter anderem auch Atemtechniken eingeübt. Die Kurse sollen Selbstvertrauen und ein sicheres Körpergefühl vermitteln und die Angst vor der Geburt nehmen. Weniger Angst führt zu weniger Verspannungen im Geburtsverlauf, woraufhin auch weniger Schmerzmittel verabreicht werden müssen.

Während der Geburt kann sich die Schwangere von ihrem Ehemann, Partner oder einer anderen Vertrauensperson begleiten und unterstützen lassen. Schwangere sollten sich überlegen, ob sie jemanden dabei haben möchten und ob die Person beispielsweise auch dabei bleiben soll, wenn unvorhergesehen ein Kaiserschnitt notwendig wird.

Wenige Tage vor dem errechneten Geburtstermin ist es sinnvoll, bereits die Kliniktasche gepackt zu haben. Denn sobald die Wehen einsetzen, kann es sehr hektisch werden.

Geburt einleiten: Wenn sich das Baby Zeit lässt

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Ablauf einer Klinikgeburt

Die Geburt beginnt mit regelmäßig auftretender Wehentätigkeit und endet mit dem Ausstoßen der Plazenta (Mutterkuchen). Sobald die Wehen in einem Abstand von knapp zehn Minuten auftreten und etwa 30 bis 60 Sekunden lang andauern, ist es Zeit ins Krankenhaus zu fahren. Zu diesem Zeitpunkt kann die Fruchtblase schon geplatzt oder noch intakt sein.

Bei der Aufnahmeuntersuchung im Krankenhaus wird noch einmal der Gesundheitszustand der werdenden Mutter und des Ungeborenen beurteilt. Ein Arzt untersucht die Lage des Kindes und die Öffnung des Muttermunds, schätzt das Geburtsgewicht und hört die Herztöne des Ungeborenen ab.

Während der Geburt des Kindes kann es bei den Gebärenden zum Stuhlgang kommen. Vielen Schwangeren ist dieser natürliche Vorgang, der allen Geburtshelfern bekannt ist, unangenehm. Sie nutzen daher die Möglichkeit, vor Geburtsbeginn mittels Einlauf den Darm zu entleeren.

Die drei Phasen einer Geburt

Jede normale Geburt verläuft in drei Vorgänge während der Geburt:

In der Eröffnungsphase treten alle drei bis sechs Minuten Wehen auf, durch die der Muttermund sich nach und nach etwa zehn Zentimeter weit öffnet. Der Kopf des Kindes rutscht immer tiefer und die Fruchtblase wölbt sich nach vorne, sofern sie noch intakt ist. Bei Frauen, die mit ihrem ersten Kind schwanger sind, dauert diese Phase etwa zehn bis zwölf Stunden. Bei Frauen, die bereits mehrere Kinder geboren haben, verkürzt sich die Zeit auf etwa sechs bis acht Stunden.

Die Austreibungsphase (Pressphase) beginnt, wenn sich der Muttermund geöffnet hat. Nach dem Blasensprung, bei dem die Fruchtblase platzt, rutscht das Kind normalerweise in den Geburtskanal hinein. Die Wehen werden stärker und dauern länger an. Durch einen natürlichen Reflex beginnt die werdende Mutter mit dem Pressen. Eine Hebamme kann sie hierbei anleiten. Nachdem der Kopf des Babys aus der Scheide ausgetreten ist, erfolgt der Dammschutz mit einem gezielten Handgriff durch die Hebamme. Wenn das Gewebe der Gebärenden dabei zu sehr gedehnt wird, erfolgt ein Dammriss. Der Kopf des Kindes wird bei der Geburt leicht gedreht, damit die Schulter ohne Komplikationen aus der Scheide treten kann. Gleich nach der Geburt, wird das Kind abgetrocknet, gesäubert und abgenabelt. Dann wird es der Mutter auf den Bauch gelegt. Austreibungs- und Pressphase dauern insgesamt etwa 90 Minuten.

In der Nachgeburtsphase treten noch einmal kurz Wehen ein. Ihre Aufgabe ist es, die abgelöste Plazenta, die Eihäute und die Nabelschnur (Nachgeburt) aus dem Körper der Frau auszustoßen. Hierbei kommt es zu einer Blutung, bei der die junge Mutter etwa 300 Milliliter Blut verliert. Die Nachgeburt wird untersucht und falls Eihäute oder Plazenta nicht vollständig ausgetreten sind, müssen die Reste, die in der Gebärmutter verblieben sind, unter Narkose im Rahmen einer Ausschabung entfernt werden.

Anschließend wird das Neugeborene untersucht, gebadet, angezogen und den Eltern übergeben. Die gesamte Geburt dauert bei Erstgebärenden etwa 14 Stunden, wobei diese Zeitangabe stark variieren kann. Bei Frauen, die bereits mehrere Kinder geboren haben, verkürzt sich in der Regel die Dauer der Geburt.

Nach der Entbindung verbleibt die junge Mutter noch mehrere Tage mit ihrem Neugeborenen in der Klinik, wo sie sich von den Strapazen der Geburt erholen kann.

Medizinische Überwachung während einer Klinikgeburt

Der gesamte Geburtsverlauf wird medizinisch begleitet. Mithilfe eines Partogramms kann ein Arzt den zeitlichen Ablauf der Geburt verfolgen. Die Wehentätigkeit der Mutter und die Herztöne des noch Ungeborenen werden mittels Kardiotokographie (CTG) überwacht. Um zu prüfen, wie gut das Ungeborene mit Sauerstoff versorgt wird, wird eine fetale Blutgasanalyse durchgeführt.

Während der Austreibungsphase wird die Gebärende von der Hebamme und eventuell dem Arzt durch folgende geburtshilfliche Maßnahmen unterstützt:

  • die richtige Lagerung der Gebärenden,
  • eine Anleitung zum richtigen Pressen,
  • der Dammschutz und
  • die Erstversorgung des Neugeborenen.

Schmerzlinderung während der Klinikgeburt

Falls während der Geburt die Schmerzen übermächtig werden, stehen verschiedene Möglichkeiten der Schmerzlinderung zur Verfügung.

  • Bei starken Verspannungen können krampflösende Medikamente in Kombination mit psychischer Betreuung den Geburtsvorgang erleichtern.
  • In der Eröffnungsphase können stärker wirkende Schmerzmittel wie Opiate über einen Dauertropf verabreicht werden und den Schmerz ausschalten. Außerdem kann eine PDA (Periduralanästhesie) angewendet werden.
  • Krampflösende und schmerzlindernde Medikamente können in Kombination gegeben werden. Mit ihnen wird entweder ein kleiner (Lokalanästhesie) oder ein größerer Teil des Körpers (Leitungsanästhesie) betäubt und für Schmerzen und Verspannungen unempfindlich gemacht.

Welche Gründe sprechen für eine Klinikgeburt?

Die meisten Schwangeren ziehen eine Klinikgeburt einem anderen Ort zur Entbindung vor. Gründe hierfür sind eine optimale medizinische Betreuung und die Möglichkeit, sich noch einige Tage von den Strapazen der Geburt zu erholen, während das Baby in der Geburtsstation gepflegt wird. Auch die Möglichkeiten der Schmerzlinderung sind für viele Schwangere ein Grund, sich für die Geburt im Krankenhaus zu entscheiden.

Komplikationen und Risiken während einer Klinikgeburt

Keine Geburt ist zu 100 Prozent planbar. Daher kann es immer zu unvorhergesehenen Komplikationen kommen. Diese sind beispielsweise ein Dammriss, eine ungünstige Lage des Kindes wie Beckenendlage oder Querlage sowie Nabelschnurkomplikationen. In Folge mancher Komplikationen kann ein Kaiserschnitt, eine  Zangengeburt oder eine Saugglocken-Entbindung notwendig werden.

Besondere Risiken birgt die Geburt von Mehrlingen. Diese Babys müssen oft schon vor dem errechneten Geburtstermin und mit Kaiserschnitt entbunden werden. Generell werden Geburten aus Risikoschwangerschaften auch als Risikogeburten eingestuft. Das bedeutet, dass bei der Geburt des Kindes eine erhöhte Gefährdung für die Gesundheit von Mutter oder Kind besteht.

Im Rahmen einer Klinikgeburt kann auf mögliche Risiken oder Komplikationen jedoch rasch reagiert werden, denn es stehen sowohl medizinische Geräte als auch medizinisches Personal zur Verfügung.

Welche Alternativen zur Klinikgeburt sind möglich?

Generell können schwangere Frauen frei entscheiden, an welchem Informationsveranstaltungen und mit welcher Geburtsmethode sie ihr Baby gebären möchten. Alternativen zur Klinikgeburt sind Hausgeburt, ambulante Geburt oder Geburt im Geburtshaus. Auswahl an Gebärpositionen gibt es viele: Das Kind kann in der Klinik auch per Wassergeburt im Geburtsbecken, sitzend auf einem Hocker oder auch hängend an einem Seil entbunden werden.

Sind in der Schwangerschaft jedoch bereits verschiedene Komplikationen eingetreten oder handelt es sich um eine Risikogeburt, so gibt es für die Entbindung in der Klinik keine Alternative. Hier können Mutter und Kind am besten medizinisch betreut werden.

Autor: Jessica Schmid, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 10. Januar 2018
Quellen
Beiträge im Forum "Geburtstermin Juli/August 2018"
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