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Hebammen befürchten Untergang der Hausgeburt

Autor: Miriam Funk, Medizinredakteurin | DHV
Letzte Aktualisierung: 28. September 2015

Der Deutsche Hebammenverband (DHV) kritisiert die am 25.09.2015 erfolgte Entscheidung der Schiedsstelle, die verbindliche Ausschlusskriterien für Hausgeburten festlegt, obwohl ihr Nutzen nicht wissenschaftlich belegt ist. Dazu zählt zum Beispiel die Überschreitung des berechneten Geburtstermins um drei Tage. In diesem Fall soll zukünftig immer ein Arzt bestimmen, ob eine Hausgeburt möglich ist.

Hebammen befürchten Untergang der Hausgeburt
Hausgeburten dürfen von Hebammen nun nicht mehr bei mehr als drei Tagen über den Entbindungstermin durchgeführt werden
(c) iStockphoto

Frauen und Eltern haben damit keine selbstbestimmte freie Wahl des Geburtsortes mehr, obwohl diese gesetzlich zugesichert ist. Der Hebammenverband bewertet die heutige Entscheidung als schweren Einschnitt in das Berufsrecht der Hebammen. Diesen wird damit die Fähigkeit abgesprochen zu entscheiden, wann eine Schwangerschaft nicht mehr regelgerecht verläuft. Der DHV befürchtet, dass es in der Praxis zukünftig kaum noch Hausgeburten geben wird.

„Die Etablierung von Ausschlusskriterien hat nichts mit einer Qualitätsverbesserung in der außerklinischen Geburtshilfe zu tun, sondern bewirkt deren Abschaffung“, meint Katharina Jeschke, Verhandlungsführerin des DHV und Präsidiumsmitglied. „Das leitet den Untergang der Hausgeburt ein“, meint Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands. Ein jahrtausendealter Beruf, der Geburtshilfe in hoher Qualität erbringt, werde damit ohne wissenschaftlich fundierte Begründung in seinen Grundzügen verändert. „Mit Besorgnis nehmen wir wahr, dass die natürliche, die physiologische Geburt immer weniger im Fokus der Geburtshilfe steht. Das Vertrauen in die Körperkompetenz von Frauen geht verloren. Technische Hilfsmittel werden immer mehr in den Vordergrund geschoben, da sie vermeintlich Sicherheit bieten“, so Martina Klenk. Es gebe jedoch keine empirisch belegbaren Beweise, dass eine Hausgeburt weniger sicher ist als eine Geburt in der Klinik oder dass dabei mehr Komplikationen auftreten. 

Die Regelungen der Schiedsstelle bedeuten, dass ohne ärztliche Zustimmung zur Hausgeburt bei sogenannten relativen Ausschlusskriterien sowie immer bei absoluten Ausschlusskriterien eine Hebamme, die eine Hausgeburt durchführt, gegen den Vertrag mit den gesetzlichen Krankenkassen verstößt. In der Folge kann sie vom Vertrag ausgeschlossen werden. Gesetzlich versicherte Frauen erhalten damit in diesen Fällen keine Hebammenbetreuung auf Kosten der Krankenkasse. Auch haftungsrechtlich sind die Konsequenzen vermutlich weitreichend – eine Hausgeburt durchzuführen würde dann in den meisten Fällen als grob fahrlässiges Verhalten der Hebamme gewertet werden können.  

„Wir gehen davon aus, dass die meisten Ärztinnen und Ärzte allein aus der Furcht vor haftungsrechtlichen Folgen zukünftig keine Zustimmung zur Hausgeburt geben werden. Vielerorts können Frauen diese Erlaubnis schon deshalb nicht bekommen, da Arztpraxen üblicherweise an Wochenenden und Feiertagen gar nicht besetzt sind“, meint Katharina Jeschke, Präsidiumsmitglied des DHV.

Hintergundinformationen:

Bei der Berechnung des Geburtstermins spielt die letzte Regel eine Rolle. Gerade Frauen mit unregelmäßigen Zyklus können dadurch benachteiligt werden, da der Entbindungstermin automatisch berechnet wird. Oft wird der errechnete Entbindungstermin nach den ersten Ultraschalluntersuchungen korrigiert, häufig auch zugunsten der Frau, die dann früher den Mutterschutz aufnehmen kann. Dadurch entsteht allerdings manchmal die Situation, dass die Schwangere rechnerisch über dem Termin ist, aber vom Entwicklungsstand des Kindes her völlig in der Norm, das bedeutet, es gibt noch keinen Grund zur Beunruhigung. Für eine Hausgeburt ist dies jedoch zukünftig nachteilig, da die Frau dann in der Klinik entbinden muss und keine Wahl mehr hat, obwohl aus geburtshilflicher Sicht nichts dagegen spricht. Auch Einleitungen können so verfrüht durchgeführt werden.

Mehr Infos zur Hausgeburt. 

Übertragung und Terminüberschreitung in der Schwangerschaft 

Geburt einleiten: Welche Methoden gibt es? 

Autor: Miriam Funk, Medizinredakteurin | DHV
Letzte Aktualisierung: 28. September 2015
Quellen
Beiträge im Forum "Geburtstermin Juli/August 2018"
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