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Sonntag, 19. November 2017
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Abnabelung nach der Geburt: Auspulsieren der Nabelschnur bietet Vorteile

Abnabelung
Wenn Mutter und Kind wohlauf sind, wird vor der Abnabelung die Nabelschnur auspulsieren gelassen
(c) iStockphoto

Die Abnabelung nach der Geburt des Babys ist Teil der Nachgeburt, wenn auch die Plazenta geboren wurde. Erst dann ist die Geburt vollständig abgeschlossen und das Baby muss selbständig atmen.

Klassischerweise fand in der Geburthilfe immer ein frühes Abnabeln des Kindes statt, damit die Hebamme das Kind weiter versorgen und untersuchen kann. Heute ist jedoch klar, dass eine späte Abnabelung einige Vorteile bietet. In den Leitlinien wird ein Abnabeln nach ein bis anderthalb Minuten oder bis zum Auspulsieren der Nabelschur empfohlen. Dabei soll das Kind nicht über Plazentaniveau gehalten werden, um ein zurückfließen des Bluts aus dem Kind in die Nabelschnur zu vermeiden. Gerade beim Kaiserschnitt wird häufig sofort abgenabelt, damit das Neugeborene der Mutter auf die Brust gelegt werden kann.

Auspulsieren der Nabelschnur: welche Vorteile gibt es?

Viele Hebammen warten mit der Abnabelung, bis die Nabelschnur auspulsiert ist, das heißt, bis kein Puls mehr in der Nabelschnur zu sehen ist. Dies ist in der Regel nach ein paar Minuten, spätestens aber 15 bis 25 Minuten nach der Geburt des Kindes der Fall. Dies bietet Mutter und Kind einige Vorteile, aber keine Nachteile:

  • die frischgebackene Mutter kann die Verbindung zwischen ihrem Baby und sich ein letztes Mal fühlen und sehen, was die Mutter-Kind-Bindung  fördert
  • das Baby kann seine eigene Atmung langsam und entspannt aufnehmen und wird durch die pulsierende Nabelschnur weiterhin mit Sauerstoff versorgt
  • die Eisenvorräte des Kindes werden aufgefüllt, da das Blut aus der Nabelschnur noch in den kindlichen Kreislauf fließt, sein Blutvolumen steigt um 30 bis 40 Prozent an
  • später abgenabelte Kinder haben auch nach einigen Monaten bessere Eisenwerte und leiden seltener unter Eisenmangel in den ersten Lebensmonaten
  • die Feinmotorik spät abgenabelter Kinder ist weiter entwickelt

Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, mindestens drei Minuten mit der Durchtrnnung der Nabelschnur zu warten. Üblicherweise wird sie häufig nach zwei bis drei Minuten durchtrennt.

Abnabeln: Durchschneiden der Nabelschnur

Sobald das Baby durch die Atmung eine eigene Sauerstoffversorgung hat, erschlafft die Nabelschnur und kann abgenabelt werden. Wenn die frischgebackene Mutter, der Vater oder eine andere Begleitperson die Nabelschnur durchschneiden möchte, sollte diese der betreuenden Hebamme rechtzeitig gesagt werden. Zur Abnabelung werden Klemmen an zwei Stellen der Nabelschnur gesetzt und dazwischen durchtrennt. Das Gewebe ist sehr fest, weshalb sich viele wundern, wie feste und beherzt geschnitten werden muss. Dennoch ist das Durchschneiden der Nabelschnur als offizielle Abnabelung ein unvergessliches Erlebnis für die Väter.

Gründe für frühe Abnabelung

Aus medizinischen Gründen muss die Abnabelung manchmal sofort erfolgen und kann nicht warten. Gründe für ein frühes Abnabeln sind:

  • Rhesus-negative Frauen, die Problem mit der Antikörperbildung haben
  • die Nabelschnur liegt um den Hals des Kindes
  • Babys, die gesundheitliche Probleme nach der Geburt haben und schnellstmöglichversorgt werden müssen, z. B. Frühchen

Autor:
Letzte Aktualisierung: 03. November 2017
Quellen: Höfer, S., Szász, N.: Hebammen Gesundheitswissen. Gräfe und Unzer Verlag GmbH, München 2012; Online-Informationen des Ärzteblatts: Geburtshilfe: Verzögerte Abnabelung vermeidet Eisenmangel. http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/48087/Geburtshilfe-Verzoegerte-Abnabelung-vermeidet-Eisenmangel (Abruf: August 2015); AWMF-Leitlinie: Betreuung von gesunden reifen Neugeborenen in der G eburtsklinik (Abruf: August 2015)

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