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Sonntag, 19. November 2017
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Informationen zur stillen Geburt

Totgeburt

Totgeburt
Eine Totgeburt ist ein schicksalhaftes, sehr emotionales Ereignis
(c) iStockphot/shironosov

In der Fachsprache wird von einer Totgeburt gesprochen, wenn ein Baby mit einem Gewicht von über 500 Gramm noch vor der Geburt im Mutterleib verstirbt und ohne Lebenszeichen zur Welt kommt. Deshalb bezeichnet man die Totgeburt auch als „stille Geburt“.

Totgeburt: Das Wichtigste auf einen Blick

  • Totgeburt bedeutet in der Medizin: Das Baby stirbt im Mutterleib oder während der Geburt. Es wiegt mindestens 500 Gramm und zeigt keine Lebenszeichen.
  • In Deutschland ist die Totgeburtenrate aufgrund der guten medizinischen Versorgung niedrig.
  • Für eine Totgeburt kommen verschiedene Ursachen infrage, zum Beispiel Plazentastörungen oder Sauerstoffmangel.
  • Fehlende Herztöne oder das längere Ausbleiben der Kindsbewegungen sind Symptome dafür, dass das Ungeborene in Gefahr sein könnte.
  • Experten raten dazu, eine Totgeburt auf natürlichem Wege zu gebähren.
  • Eine Totgeburt ist ein sehr emotionales und trauriges Erlebnis. Betroffene Eltern sollten von ihrem Kind Abschied nehmen und zur Trauerarbeit die Unterstützung verschiedener Hilfsangebote in Betracht ziehen.

Wie hoch ist das Risiko einer Totgeburt?

Bei ungefähr zwei bis drei von 1.000 Geburten handelt es sich um Totgeburten – davon sind 52 Prozent Jungen und 48 Prozent Mädchen. Laut dem Statistischen Bundesamt wurden im Jahr 2011 2.387 Kinder tot und 662.685 lebend geboren. Aufgrund der guten medizinischen Versorgung gehört Deutschland zu den Ländern mit einer vergleichsweise sehr niedrigen Totgeburtenrate.

Welche Ursachen hat eine Totgeburt?

Eine Totgeburt kann verschiedene Ursachen haben. Zum Beispiel können Störungen der Plazenta, Nabelschnurknoten, Infektionen, Fehlbildungen des Kindes oder ein Sauerstoffmangel dazu führen, dass das Baby im Mutterleib nicht mehr ausreichend versorgt wird.

Betroffene Eltern empfinden eine Totgeburt häufig als eigenen Misserfolg. Deshalb ist es besonders wichtig, der tatsächlichen Ursache auf den Grund zu gehen. Dazu besteht die Möglichkeit, nach der Totgeburt eine Obduktion durchführen zu lassen. Allerdings kann auch dann die Todesursache nicht immer eindeutig bestimmt werden. Ob eine Obduktion gewünscht ist oder nicht, entscheiden allein die Eltern: Ohne die Erlaubnis finden keine Untersuchungen am verstorbenen Kind statt.

Totgeburt: Auf welche Symptome sollten werdende Mütter achten?

Um die Entwicklung und Gesundheit des Kindes im Mutterleib regelmäßig überprüfen zu lassen, sollten schwangere Frauen zu den Vorsorgeuntersuchungen gehen. Folgende Symptome können Anzeichen dafür sein, dass dem Kind Gefahr droht:

  • Fehlende Herztöne
  • Ausbleiben der Kindsbewegungen (über einen längeren Zeitraum)
  • Plötzlich auftretende Blutungen
  • Starke Schmerzen/Ziehen in Unterbauch oder unterer Rücken

Es gibt Fälle, in denen der Tod des Babys unerwartet und ohne vorherige Symptome bei einer routinemäßigen Ultraschalluntersuchung festgestellt wird. Einige Mütter berichten davon, dass sie ohne spezielle Anzeichen plötzlich alarmiert waren und spürten, dass „etwas nicht stimmt“. Sollten Sie sich Sorgen machen oder etwas Ungewöhnliches wahrnehmen, suchen Sie Ihren Arzt auf und bitten Sie um Rat.

Normal gebären oder Kaiserschnitt?

Erfahren Eltern von dem Tod ihres Ungeborenen stehen sie unter Schock. Häufig ist der erste Impuls, sich so schnell wie möglich von dem Kind zu "befreien". Die Vorstellung, ein totes Baby im Bauch zu haben und normal gebären zu müssen, ist zunächst einmal schrecklich. Deshalb wünschen sich viele Mütter erst einmal einen Kaiserschnitt unter Narkose. Die betreuenden Ärzte und Hebammen stehen den Eltern in dieser schweren Situation zur Seite. Sie erklären ihnen, dass Experten dazu raten, das Kind auf natürlichem Wege zur Welt zu bringen. Die Geburt sei ein wichtiger Teil der Trauerarbeit und die körperlichen Vorgänge während der Entbindung (z. B. die Bildung von Hormonen) sollen der Mutter dabei helfen, Abschied zu nehmen. Frauen könnten die Totgeburt so psychisch und physisch besser verarbeiten. Ein Kaiserschnitt könne zudem Folgen für eine erneute Schwangerschaft und Geburt haben. Außerdem müsse die Mutter sonst im Wochenbett zusätzlich zu der emotionalen Belastung nach der Totgeburt auch noch den Wundschmerz erleiden.

Totgeburt: Wird die Geburt eingeleitet?

Generell ist eine medikamentöse Einleitung der Geburt möglich. Experten raten aber davon ab, die Trennung von Mutter und Kind zu früh zu vollziehen. Bekommen die Eltern nicht ausreichend Zeit, um den Tod ihres Kindes vor der Geburt zu akzeptieren und sich verabschieden zu können, treten später möglicherweise schwere psychische Probleme auf. Aus medizinischer Sicht kann in den meisten Fällen sogar der natürliche Einsatz der Wehen abgewartet werden. Hatte das Ungeborene keine schwere Infektion, stellt das Kind keine Gefahr für die Mutter dar. Zur Schmerzlinderung bekommt die Frau auf Wunsch eine örtliche Betäubung (PDA, Periduralanästhesie).

Wo findet die stille Geburt statt?

Die Geburt eines toten Kindes muss nicht zwangsläufig in einer Klinik stattfinden. Spricht aus gesundheitlicher Sicht nichts dagegen, kann die Mutter das Baby zu Hause oder in einem Geburtshaus zur Welt bringen, sofern sie eine begleitende Hebamme hat.

Kann die Milchbildung nach der Totgeburt unterdrückt werden?

Hormonell bedingt beginnt der Körper nach der Geburt automatisch mit der Milchproduktion. Es ist aber möglich, die Milchbildung medikamentös zu unterdrücken. Außerdem können sich Frauen dazu entscheiden, auf natürliche Weise abzustillen. Dies kann auch Teil der Trauerarbeit sein, um Abschied zu nehmen.

Der Abschied nach einer Totgeburt

Früher war es nicht üblich, dass sich Mütter von ihren verstorbenen Kindern verabschiedeten. Eine Totgeburt wurde als Tabuthema behandelt, Mütter sollten die Kinder erst gar nicht sehen, sondern sie lieber schnell vergessen. Die Babys tauchten nicht in den Familienbüchern auf. Heute spielt das Abschiednehmen nach der Totgeburt zu Recht eine wichtige Rolle.

In ihrer Vorstellung haben Eltern häufig ein grausames Bild des verstorbenen Babys vor Augen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass sie ihr Kind nach der Geburt sehen und erkennen, dass diese Vorstellung nicht der Realität entspricht. Eltern können ihr Kind betrachten, es berühren und das verstorbene Familienmitglied so in Erinnerung behalten. Hebammen und Ärzte gehen sehr behutsam mit der Situation um, waschen das Kind und ziehen es an. Eltern können darum bitten, dass die Hebamme ein Foto von dem Kind macht, damit sie eine bleibende Erinnerung haben. Auch Fuß- oder Gipsabdrücke können als Erinnerungsstücke ein wichtiger Bestandteil der Trauerarbeit sein. Vielen Eltern hilft es, wenn sie dem Baby einen Namen geben. Verstorbene Kinder können nicht getauft werden, aber es besteht die Möglichkeit, dass ein Pfarrer oder Priester das Kind segnet.

In der Klinik steht den Eltern ein eigener Raum zur Verfügung, in dem sie sich Zeit für ihren Abschied nehmen können. Auch Geschwisterkinder sollen die Möglichkeit bekommen, das verstorbene Kind zu sehen. Unabhängig davon, wo die Geburt stattfand, kann das Baby ebenfalls zu Hause verabschiedet werden. Ein Bestattungsinstitut übernimmt den Transport vom Entbindungsort.

Wird nach einer Totgeburt eine Geburtsbescheinigung ausgestellt?

Laut Gesetz ist es verpflichtend, eine Totgeburt beim Standesamt zu melden. Diese Meldung soll spätestens am dritten Tag nach der Entbindung erfolgen. Für das Kind wird eine Geburtsurkunde mit einem Sterbevermerk ausgestellt.

Beerdigung nach Totgeburt

In Deutschland muss ein Kind, das mit einem Gewicht von über 500 Gramm tot zur Welt kam, bestattet werden. Für Kinder unter 500 Gramm besteht keine Bestattungspflicht, eine Beerdigung ist aber auf Wunsch möglich. Hebammen können betroffenen Eltern die Adressen von Bestattungsinstituten nennen, die Erfahrung mit der Beerdigung von totgeborenen Kindern haben. Manche Eltern möchten die Beerdigung schon vor der Geburt planen, andere setzen sich erst nach der Totgeburt damit auseinander.

Besteht nach einer Totgeburt Mutterschutz?

Die reguläre Schutzfrist für Mütter, acht Wochen nach der Entbindung nicht arbeiten zu dürfen, besteht auch nach einer Totgeburt. Auf das ausdrückliche Verlangen der Frau ist es in diesem Fall allerdings möglich, bereits vor dem Ablauf der gesetzlich vorgeschriebenen Zeit (frühestens drei Wochen nach der Entbindung und wenn aus medizinischer Sicht nichts dagegen spricht) wieder arbeiten zu gehen.

Hilfe für betroffene Eltern nach einer Totgeburt

Sein eigenes Kind schon vor Beginn des neuen Lebens verabschieden zu müssen, ist ein schicksalhaftes, sehr emotionales und zutiefst trauriges Ereignis. Zuerst sind die betroffenen Eltern geschockt: Sie sind wie betäubt und werden häufig von Schuldgefühlen geplagt – gefolgt von ihrer Trauer. Den Abschied zu verarbeiten, ist sehr wichtig: Männer und Frauen gehen mit dieser Situation oft ganz unterschiedlich um – jeder trauert auf seine eigene Art und Weise.

Das Umfeld behandelt die Totgeburt aus Unsicherheit vielleicht immer noch als Tabuthema und verhält sich den Eltern gegenüber oft zurückhaltend oder hilflos. Das Wichtigste ist jetzt: Betroffene sollten jede Hilfe in Anspruch nehmen, die sie brauchen. Freunde und Verwandte können nicht nur bei der Trauerarbeit helfen, sondern andere über das Geschehene informieren.

Die Hebamme hilft im Wochenbett und unterstützt bei der Rückbildung. Sie vermittelt auf Wunsch einen privaten Rückbildungskurs, um dabei den Kontakt mit anderen Müttern zu vermeiden. Seelsorger und Psychologen können dabei helfen, die Trauer zu überwinden und neue Hoffnung zu schöpfen. Auch Selbsthilfegruppen oder der Austausch mit anderen Betroffenen im Internet sind hilfreiche Stützen.

Betroffene Eltern bekommen beim Bundesverband Verwaister Eltern und trauernder Geschwister in Deutschland e.V. Hilfeangebote. Unter www.veid.de finden Sie Austauschmöglichkeiten und Ansprechpartner in Ihrer Nähe.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 06. November 2017
Quellen: Baltzer, J.: Praxis der Gynäkologie und Geburtshilfe: das komplette Praxiswissen in einem Band, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2006; Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Leitfaden zum Mutterschutz, Broschüre abrufbar unter www.bmfsfj.de. Stand: 04.2015, Abruf: 15.12.2015; Dorn, A., Rohde, A.: Gynäkologische Psychosomatik und Gynäkopsychiatrie: das Lehrbuch Schattauer Verlag, Stuttgart 2007; Emmerling, D.: Geburten, Sterbefälle, Eheschließungen 2011. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2012 Höfer, S., Szász, N.: Hebammengesundheitswissen. Für Schwangerschaft, Geburt und die Zeit danach, Gräfe und Unzer, München 2015; Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Ein Kind verlieren. www.familienplanung.de, Stand: 28.01.2010, Abruf: 15.12.2015

Beiträge im Forum "Geburtstermin Januar/Februar 2018"
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