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Lästig, aber meist gut händelbar

Herpes in der Schwangerschaft: Was tun gegen Lippenherpes & Co.?

In der Schwangerschaft blühen viele Frauen regelrecht auf. Doch was ist eigentlich, wenn es plötzlich auf der Lippe blüht, ziept und brennt? Herpes ist im Anmarsch – leider bist du auch in der Schwangerschaft nicht dagegen gefeit. Hier erfährst du alles, was du darüber wissen musst!

Frau hat Herpes
© Getty Images/Sinenkiy

In diesem Artikel liest du:

Alarmzeichen in der Schwangerschaft: Bei diesen Symptomen zum Arzt

Ist Herpes in der Schwangerschaft gefährlich?

Kaum eine andere Infektionskrankheit ist weltweit so verbreitet wie die Infektion mit Herpes-simplex-Viren (HSV): Schätzungen zufolge sind allein in Deutschland 80 bis 90 Prozent aller Erwachsenen mit HSV1 infiziert. Immerhin noch 20 bis 40 Prozent aller Erwachsenen sollen mit HSV2 infiziert sein.

HSV1 ist der häufigste Auslöser von Lippenherpes, kann aber bei Übertragung auf die Genitalien (zum Beispiel durch Oralverkehr) auch einen Genitalherpes verusachen. HSV2 ist umgekehrt der häufigste Auslöser eines Genitalherpes, kann aber bei Übertragung auf die Lippen auch dort Herpes verursachen.

Herpes verbleibt nach Ansteckung lebenslang im Körper

Die Erstinfektion (Primärinfektion) mit Lippenherpes erfolgt meist bereits im Kindesalter durch Schmierinfektion beim Küssen, Schmusen, dem gemeinsamen Benutzen von Geschirr, Handtüchern etc. Auch eine Tröpfcheninfektion (etwa durch Niesen oder auch beim Sprechen) ist möglich. Manchmal treten zusätzlich zu den klassischen Herpes-Symptomen noch leichtes Fieber, geschwollene Lymphknoten oder auch ein Schwächegefühl auf.

Nach der Erstinfektion wandern die Viren in die Nervenknoten (Ganglien) und verbleiben dort lebenslang. Sie können reaktiviert werden und zu weiteren Ausbrüchen (Rezidiven) führen.

Die Symptome von Lippenherpes sind folgenlos, aber unangenehm: Ein Ausbruch kündigt sich durch Kribbeln, Spannen oder Rötungen an, schon kurze Zeit später treten die typischen gruppierten Bläschen meist an der Lippe auf. Manchmal können sie sich bis zur Nase ausbreiten, aber auch ein Befall der Augen ist denkbar. Deshalb ist Handhygiene besonders wichtig: Fasse die Bläschen nie mit bloßen Fingern an und wasche dir sorgfältig die Hände, falls es doch einmal passieren sollte.

Genitalherpes wird meist erstmals ab der Pubertät und mit Aufnahme sexueller Kontakte übertragen. Es treten die für Herpes typischen Bläschen an Penis, Hoden, Labien, Vagina und Zervix auf. Die erste Infektion verläuft eher schwer mit großflächigen Blasen und Schwellungen der betroffenen Bereiche. Bei Rezidiven zeigen sich zwar die typischen Bläschen-Symptome, die Symptome sind aber meist weniger schwer und verlaufen manchmal sogar ohne Symptome.

Seit einigen Jahren nehmen die Fälle von durch HSV vom Typ 1 ausgelöstem Genitalherpes zu, was Fachleute auf die Zunahme sexueller Praktiken wie Oralverkehr zurückführen.

Eine extrem seltene Komplikation ist die generalisierte Herpesinfektion. Dabei gelangen die Viren in die Blutbahn (Virämie) und machen eine Übertragung noch während der Schwangerschaft auf das Ungeborene möglich. Die dadurch ausgelöste pränatale Infektion kann zu Entwicklungsstörungen und Fehlbildungen sowie zu Fehl- oder stiller Geburt, Mikrozephalie oder Enzephalitis führen. Die Gefahr einer transplazentaren (= über die Plazenta stattfindende) Übertragung auf das Kind ist in den ersten 20 Schwangerschaftswochen am größten.

Lippenherpes in der Schwangerschaft ist gar nicht so selten

Das Immunsystem hält die Herpesviren normalerweise gut in Schach. Ist es jedoch in Zeiten großen Stresses, durch starke UV-Strahlung oder bei einer Erkrankung ohnehin stark gefordert, kann es zu einem Rezidiv kommen. Das gilt besonders für die Schwangerschaft: Hormonelle Schwankungen und eine veränderte Immunabwehr führen dazu, dass Schwangere ein größeres Risiko für den Ausbruch von Herpes haben.

In den meisten Fällen handelt es sich bei Lippenherpes in der Schwangerschaft um eine Reinfektion. Bereits erste Anzeichen wie Brennen und Spannen können auf einen nahenden Ausbruch hinweisen. Kurze Zeit später treten mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen auf, die betroffene Stelle schmerzt. Der Verlauf unterscheidet sich nicht von dem außerhalb einer Schwangerschaft. Die Bläschen platzen nach einigen Tagen auf und trocknen ein. Durchschnittlich acht bis zehn Tage dauert es, bis der Herpes vollständig abgeheilt ist.

Gerade die Flüssigkeit aus den Bläschen ist sehr ansteckend. Berühre die betroffene Stelle deshalb bitte nur mit Einmalmaterialien wie Wattestäbchen und entsorge diese direkt nach dem Gebrauch. Achte in der Zeit des Ausbruchs besonders gut auf Hygiene, insbesondere durch gründliches Händewaschen, denn über die Hände können die Herpesviren auch zum Urogenitaltrakt gelangen, wo sie Genitalherpes auslösen können.

Um eine Ausbreitung zu verhindern, eignen sich sogenannte Herpespflaster. Sie sind farblos, werden auf die Bläschen aufgeklebt und lassen sich später leicht wieder entfernen.

Aciclovir ist auch in der Schwangerschaft erlaubt

Äußerlich darf Herpes in der Schwangerschaft mit den üblichen antiviralen Salben oder in schweren Fällen auch systemisch mit dem Wirkstoff Aciclovir behandelt werden. Je eher du Aciclovir anwendest, desto besser. Laut Embryotox ist der Erfahrungsumfang mit Aciclovir sehr hoch; auch nach dem systemischen Einsatz von Aciclovir zeigte sich bislang kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko beim Baby. Bitte verwende Aciclovir dennoch nur nach ärztlicher Absprache.

Helfen Hausmittel gegen Lippenherpes?

Ein inzwischen gut erforschter Wirkstoff gegen Lippenherpes aus der Pflanzenheilkunde ist die Melisse. Die Pflanze gehört zu den Lippenblütlern und hat antivirale Eigenschaften. Es gibt mittlerweile spezielle Anti-Herpes-Salben mit Melissenextrakt, die du in der Apotheke bekommst und die auch für die Anwendung in der Schwangerschaft geeignet sind. Sprich aber bitte unbedingt mit deiner*deinem Ärztin*Arzt, bevor du wirkstoffhaltige Salben aufträgst, auch wenn diese rezeptfrei erhältlich sind.

Oft werden ätherische Öle wie Melissenöl oder Teebaumöl zum Auftupfen auf die Bläschen empfohlen. Hier solltest du allerdings vorsichtig vorgehen. Pur aufgetragen können ätherische Öle schwere Hautreizungen verursachen. Diese müssen grundsätzlich verdünnt werden. Bitte sprich mit deiner*deinem Ärztin*Arzt, bevor du diese anwendest.

Ob Hausmittel wie das Auftupfen von Honig, schwarzem Johannisbeersaft oder Zahnpasta wirklich gegen Lippenherpes helfen, ist nicht ausreichend erforscht, aber einen Versuch wert. Wichtig: Betupfe die Bläschen mit einem Wattestäbchen und entsorge dieses hinterher. Hast du die Bläschen mit den Fingern berührt, wasche sie hinterher bitte gründlich mit Seife.

Mit Wärme gegen Lippenherpes

Zu den typischen Hausmitteln gegen Lippenherpes, die absolut nebenwirkungsfrei und deshalb auch für Schwangere geeignet sind, gehört Wärme (etwa 55 Grad Celsius). Herpesviren sind wärmeempfindlich, diese Tatsache macht man sich bei der Anwendung sogenannter Wärmestifte zunutze. Bereits beim ersten Ziehen oder Jucken soll die betreffende Stelle mehrmals täglich für mehrere Sekunden mit Wärme behandelt werden. Das wirkt am besten, je eher damit begonnen wird.

Ernährungsmedizinische Maßnahmen

Die Heilung von Herpes lässt sich auch mit einer Anpassung der Ernährung unterstützen: Hier gilt es vor allem, den Verzehr von L-Arginin einzuschränken. Diese Aminosäure benötigen Herpesviren für ihr Wachstum. Sie ist vor allem in Schokolade, Nüssen, Getreide und Samen enthalten. Reduziere oder meide diese Lebensmittel am besten während eines Herpesausbruchs.

Die Aminosäure L-Lysin gilt noch als Geheimtipp gegen Herpes: Sie ist ein natürlicher Gegenspieler von L-Arginin, da sie dessen Aufnahme durch den Darm behindert. Gleichzeitig hemmt L-Lysin vermutlich die Bildung spezieller Proteine, die das Herpesvirus für sein Wachstum benötigt. Natürliche L-Lysin-Quellen sind Kartoffeln, Eier, Milch, Käse sowie Geflügel und Fisch.

Da die hochdosierte Aufnahme von L-Lysin in der Schwangerschaft nicht ausreichend erforscht ist, verzichte lieber auf L-Lysin-haltige Tabletten, die speziell gegen Herpes angeboten werden.

Genitalherpes: Kann sich das Baby während der Geburt mit Herpes anstecken?

Mit Ausnahme der seltenen generalisierten Herpesinfektion besteht für das Ungeborene keine Gefahr im Mutterleib. Anders sieht das bei einem aktiven genitalen Herpes zum Zeitpunkt der Geburt aus.

Ansteckungsgefahr für das Baby besteht nämlich vor allem dann, wenn zum Zeitpunkt der Geburt eine akute genitale Herpesinfektion besteht – unabhängig davon, ob es sich um eine Erstinfektion oder um ein Rezidiv handelt. Allerdings ist das Risiko einer neonatalen Infektion bei einer Erstinfektion der Mutter mit 40 bis 50 Prozent ungleich höher als bei einem Rezidiv (ein bis fünf Prozent). Das lässt sich darauf zurückführen, dass die Mutter selbst noch keine Antikörper gegen Herpes gebildet hat, die sie via Plazenta an ihr Baby weitergeben konnte (der sogenannte Nestschutz).

Insbesondere während der Passage des Babys durch den infizierten Geburtsweg sowie auch durch eine aufsteigende Infektion nach Blasensprung besteht das Risiko einer Ansteckung des Babys. Um eine Infektion während der vaginalen Geburt zu vermeiden, wird bei akutem Genitalherpes ein Kaiserschnitt (Bauchgeburt) durchgeführt, sofern die Fruchtblase noch intakt ist oder der Blasensprung nicht länger als vier bis sechs Stunden her ist.

Vorbeugung des akuten Genitalherpes

Um einen erneuten Ausbruch bei Schwangeren, die bereits einen Genitalherpes hatten, rund um den Zeitpunkt der Entbindung zu vermeiden, erfolgt vorbeugend von der 36. SSW bis zur Geburt die systemische Behandlung mit Aciclovir oder Valaciclovir. Beide Wirkstoffe gelten bisherigen Beobachtungen zufolge als sicher. Zudem wird in diesem Zeitraum per wöchentlichem Abstrich untersucht, ob eine asymptomatische Herpesinfektion vorliegt. Bleibt der Befund negativ, steht einer vaginalen Geburt nichts im Wege. Bei positivem Befund erfolgt ein Kaiserschnitt.

Wichtig: Schwangere, die bereits früher schon einmal Genitalherpes hatten, sollten dies unbedingt ihrer*ihrem Ärztin*Arzt mitteilen, damit Vorsichtsmaßnahmen um den Zeitpunkt der Geburt herum getroffen werden können.

Ansteckung des Neugeborenen: Wie gefährlich ist Herpes für das Baby?

Die neonatale Infektion mit Herpes verläuft aufgrund des noch ungeschützten Immunsystems meist schwer und ist leider auch mit einer hohen Sterblichkeit des Neugeborenen verbunden (50 Prozent). Gerade deshalb sind die vorbeugenden Maßnahmen zur Verhinderung einer Ansteckung so wichtig.

Behandelt werden erkrankte Babys mit dem intravenös verabreichten Wirkstoff Aciclovir über mindestens 14, besser noch 21 Tage. Besteht eine neurologische Beteiligung, sollte Aciclovir im Anschluss noch über sechs Monate oral gegeben werden, um einem Wiederaufflammen der Symptome vorzubeugen.

Wichtig: Wenn du gerade einen Ausbruch von Lippenherpes hast, solltest du beim Umgang mit deinem Neugeborenen einen Mundschutz tragen und besonders auf strikte Hygiene achten. Das gilt auch für den Vater bzw. alle weiteren betreuenden Personen.

Hautpflege fürs Baby: Worauf beim Waschen, Pflegen, Cremen achten?
Beiträge im Forum "Geburtstermin Juli/August 2018"
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