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Was Sie jetzt beachten sollten

Coronavirus bei Schwangeren, Kindern und in der Stillzeit

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 27. März 2020

Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 löst die Lungenkrankheit Covid-19 aus. Schwangere und Stillende haben nach aktuellem Kenntnisstand kein erhöhtes Risiko, sich anzustecken. Bei Kindern scheint die Infektion milder zu verlaufen als bei Erwachsenen.

Coronavirus bei Schwangeren, Kindern und in der Stillzeit
Auch Schwangere können sich mit dem Coronavirus infizieren. Häufigstes Symptom ist Fieber.
© iStock.com/Prostock-Studio

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Coronavirus: Immunsystem stärken – so geht’s!

Der neuartige Erreger SARS-CoV-2 verursacht leichte bis schwere Atemwegsinfektionen. Das Virus aus der Gruppe der Coronaviren (CoV) ist eng mit dem SARS-Virus verwandt und geht mit Infektionen der unteren Atemwege sowie grippeähnlichen Symptomen wie Abgeschlagenheit und Fieber einher. Bei schweren Verläufen kann das Coronavirus zu einer Lungenentzündung (Pneumonie) und in seltenen Fällen zum Tod führen.

In Deutschland sind laut Echtzeit-Karte der Johns Hopkins University in Baltimore bislang 47.278 Personen positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden (Stand: 27. März 2020). Das Robert Koch-Institut hat ebenfalls am 27. März 42.288 Fälle bestätigt. Österreich verzeichnet 7.196 Fälle, die Schweiz 11.811. Italien ist mit 80.589 Infizierten innerhalb Europas am stärksten betroffen, gefolgt von Spanien (57.786 Fälle), Deutschland und Frankreich (29.581 Fälle).

Experten gehen davon aus, dass sich das Coronavirus in Deutschland weiter schnell ausbreiten wird.

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Coronavirus in Schwangerschaft und Stillzeit noch wenig erforscht

Die Erforschung des erstmals im Dezember 2019 in China aufgetretenen Coronavirus läuft zur Zeit auf Hochtouren. Zu den Folgen einer Infektion während Schwangerschaft und Stillzeit oder bei Kindern gibt es bislang nur wenige Erkenntnisse, die sich lediglich auf Beobachtungen stützen. Aussagekräftige Studien sind aufgrund der Neuartigkeit des Erregers erst in der Zukunft zu erwarten.

Ob sich Schwangere schneller mit dem Coronavirus infizieren als Nicht-Schwangere, ist bislang unklar, da es darüber schlicht keine Daten gibt.

Was wir aktuell wissen

  • Gesunde Schwangere, die sich mit dem Coronavirus infizieren, haben höchstwahrscheinlich kein höheres Risiko für einen schweren Verlauf als gesunde Nicht-Schwangere.
  • Eine Übertragung auf das Kind im Mutterleib ist unwahrscheinlich. Alle Babys, die bislang von im dritten Schwangerschaftsdrittel am Coronavirus erkrankten Müttern geboren wurden, sind negativ getestet worden. Für eine Infektion der Mutter im ersten und zweiten Schwangerschaftsdrittel liegen noch keine Erkenntnisse vor.
  • Die Muttermilch einiger erkrankter Mütter wurde negativ auf das Virus getestet, einige Proben enthielten sogar Antikörper.
  • Kinder ohne Vorerkrankungen haben in der Regel wesentlich mildere Verläufe als Erwachsene.

Komplikationsrisiko für Schwangere

Über mögliche Komplikationen in der Schwangerschaft und Auswirkungen auf das Baby ist bislang sehr wenig bekannt. Lediglich Ergebnisse einer kleinen Beobachtungsstudie in der am stärksten betroffenen chinesischen Provinz Wuhan lassen Rückschlüsse zu.

Von neun dort mit einer Lungenentzündung durch das Coronavirus im Krankenhaus liegenden Schwangeren hatten alle normale Symptome: Fieber, Husten, Gliederschmerzen, Halsschmerzen und Unwohlsein. Keine der Frauen musste beatmet werden. Fünf der neun Schwangeren litten an Lymphopenie, einer erniedrigten Anzahl von Immunzellen (Lymphozyten). Alle Frauen hatten einen Kaiserschnitt und brachten gesunde Kinder mit einem hohen APGAR-Index auf die Welt.

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) empfiehlt in einer aktuellen Stellungnahme Schwangeren, die mit dem Coronavirus infiziert sind oder bei deinen ein Verdacht darauf besteht, die Geburt in einem Krankenhaus. Aus Vorsichtsmaßnahme kann das Baby in der Klinik kontinuierlich elektronisch überwacht und der Sauerstoffgehalt stündlich geprüft werden. Zu Hause oder im Geburtshaus ist dies nicht möglich. Ein Kaiserschnitt ist laut DGGG nicht zwingend erforderlich, sofern keine anderen Gründe dafür sprechen. Auch eine PDA zur Schmerzlinderung sei möglich.

Lesen Sie hier mehr über die Änderungen bei Vorsorge und Geburt durch das Coronavirus.

Alarmzeichen in der Schwangerschaft: Bei diesen Symptomen zum Arzt

Übertragung im Mutterleib möglich?

Fruchtwasser, Nabelschnurblut und Rachenabstrich von sechs der neun Neugeborenen wurden in der chinesischen Beobachtungsstudie negativ auf das Coronavirus getestet. Eine Übertragung im Mutterleib scheint demnach eher unwahrscheinlich.

Einem Bericht der chinesischen staatlichen Nachrichtenagentur China News Service zufolge wurde bei zwei Neugeborenen 30 Stunden nach der Geburt das Coronavirus festgestellt. Darüber berichtete das Ärzteblatt. Ob sich die Neugeborenen während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder danach bei den Müttern, zum Beispiel durch die Muttermilch, angesteckt hatten, ist unklar. Hundertprozentig ausgeschlossen werden kann eine Virusübertragung während der Schwangerschaft also noch nicht.

Hohes Fieber ist gefährlich

Unabhängig von der Ursache kann lange anhaltendes und höheres Fieber (über 38,5 Grad Celsius) bei Schwangeren zu Komplikationen wie Früh- oder Fehlgeburt oder Fehlbildungen beim Baby führen. Coronavirus-Infektionen gehen in der Regel mit Fieber einher. Schwangeren wird grundsätzlich empfohlen, bei Fieber mit einer Temperatur von über 38,5 Grad Celsius fiebersenkende Maßnahmen einzuleiten. Dafür eignen sich Hausmittel und nach Absprache mit dem Arzt auch fiebersenkende, für die Anwendung in der Schwangerschaft geeignete, Medikamente.

Lesen Sie hier mehr über Fieber in der Schwangerschaft.

Schwangere und ihr Immunsystem

Die Schwangerschaft ist ein Balanceakt für das Immunsystem der Schwangeren: Es muss das Baby tolerieren, das neben dem Erbgut der Mutter auch über das des Vaters verfügt, also körperfremd ist. Gleichzeitig hat es weiterhin die Aufgabe, die Mutter zu schützen. Heute weiß man, dass das Immunsystem in der Schwangerschaft nicht einfach heruntergefahren wird. Vielmehr unterliegt es komplexen Veränderungen und schützt die Schwangerschaft. Kommt es jedoch zu Erkrankungen, kann dieses empfindliche Gleichgewicht gestört werden und Komplikationen auftreten.

Das ist beispielsweise bei bakteriellen Infektionen oder der Grippe (Influenza) der Fall: Mit Grippe infizierte Schwangere können, vor allem im dritten Schwangerschaftsdrittel, eher Komplikationen wie Lungen- oder Gehirnentzündung entwickeln. Aus diesem Grund wird ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel auch die Grippeschutzimpfung empfohlen.

Stillen mit Coronavirus: Übertragung durch die Muttermilch möglich?

Auch zur möglichen Übertragung des Coronavirus über die Muttermilch ist die Datenlage bislang dünn. In einzelnen Untersuchungen konnten bislang jedoch keine Viren in der Muttermilch nachgewiesen werden. In der Muttermilch von sechs der neun infizierten Chinesinnen aus oben genannter Beobachtungsstudie wurden keine Viren nachgewiesen. Teilweise enthielt die Muttermilch aber Antikörper, was auf einen gewissen Schutzeffekt durch das Stillen hinweist. Experten empfehlen daher, weiter zu stillen.

Während Muttermilch für Babys also nach aktuellem Kenntnisstand ungefährlich ist, besteht natürlich die Möglichkeit, sich bei der Mutter anzustecken. Um das zu verhindern, kann Muttermilch abgepumpt werden.

Da Coronaviren per Tröpfcheninfektion weitergegeben werden, sollte der Kontakt zwischen einer infizierten Mutter und ihrem Baby unter strengen Hygienemaßnahmen erfolgen: Waschen und Desinfizieren der Hände, bevor das Baby angefasst wird und Tragen eines Mundschutzes, vor allem beim Stillen.

Auch beim Abpumpen der Muttermilch empfehlen sich Hygienemaßnahmen. Alle Teile der Milchpumpe sollten stets ausschließlich mit gründlich gewaschenen und/oder desinfizierten Händen angefasst und gut gereinigt werden. Nach Möglichkeit sollte das Füttern des Babys durch eine andere, nicht infizierte Person erfolgen, bis die Mutter wieder gesund ist.

Erkrankt eine bereits stillende Frau am Conoravirus, empfiehlt der Verband der Still- und LaktationsberaterInnen Österreichs IBCLC, das Stillen nicht zu unterbrechen. Aufgrund der Inkubationszeit von bis zu 14 Tagen oder länger sei das Baby ohnehin bereits dem Virus ausgesetzt. Ein Abstillen könne das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs erhöhen.

Wie gefährdet sind Kinder durch das Coronavirus?

Von den aktuell in Krankenhäusern behandelten Infizierten sind die meisten über 49 Jahre alt und haben eine Vorerkrankung, wodurch es zu diesen schweren Verläufen kommt. Die meisten aus China gemeldeten Fälle betreffen Erwachsene.

Daten aus der chinesischen Stadt Shenzhen zeigen jedoch, dass sich Kinder genau so oft anstecken wie Erwachsene. Bei ihnen wird eine Infektion mit dem Coronavirus jedoch aufgrund der milden Symptome häufig nicht bemerkt. Sie können aber trotzdem andere Menschen anstecken. In vielen betroffenen Ländern wie auch in Deutschland reagierten die Behörden deshalb bereits mit der vorübergehenden Schließung von Schulen und Kindergärten.

Warum die Erkrankung bei Kindern in der Regel milder verläuft, ist bislang unklar. Möglicherweise spielt das noch nicht vollständig ausgereifte Immunsystem von Kindern eine Rolle.

Auch eine Auswertung der Untersuchungsergebnisse von 34 hospitalisierten Kindern in China zeigte im Vergleich zu Erwachsenen eher milde Verläufe. Häufigste Beschwerden waren Fieber und Husten. Schwere Verläufe von Kindern mit Vorerkrankungen können jedoch nicht ausgeschlossen werden.

Die Behandlung infizierter Kinder erfolgt wie bei Erwachsenen symptomatisch, da bislang noch keine antiviralen Medikamente gegen das Coronavirus empfohlen oder zugelassen sind.

Kinderkrankheiten und ihre typischen Beschwerden

Verdacht auf Coronavirus? So gehen Sie vor

Wenn Sie Kontakt mit einem Infizierten hatten oder sich kürzlich in einem Risikogebiet aufhielten und Beschwerden haben, ist der Hausarzt richtiger Ansprechpartner.

Wichtig: Gehen Sie nicht einfach in die Praxis, sondern rufen Sie vorher an!

So verhindern Sie, andere Menschen im Wartezimmer oder das Personal in der Praxis anzustecken. Ihr Hausarzt wird das weitere Vorgehen mit Ihnen besprechen. Bei begründetem Verdacht kann er bei Ihnen vorbeikommen, um einen Abstrich vorzunehmen. Sie sollten in der Zwischenzeit zu Hause bleiben.

Ist Ihr Hausarzt nicht erreichbar, kann der ärztliche Bereitschaftsdienst rund um die Uhr Auskunft geben: Telefonnummer 11 6 11 7.

Weitere Ansprechpartner sind die Gesundheitsämter der jeweiligen Städte und Kreise. Auf der Website des Robert Koch-Instituts können Sie online nach dem für Sie zuständigen Gesundheitsamt suchen: https://tools.rki.de/PLZTool/

In manchen Städten sind zentrale Teststellen eingerichtet worden. Auskunft über Standort und Ablauf in den Teststellen erhalten Sie bei Ihrem Arzt oder beim Gesundheitsamt bei begründetem Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus.

Einige Kreise und Städte haben außerdem spezielle Bürgertelefone eingerichtet und auch die gesetzlichen Krankenkassen beraten und informieren über spezielle telefonische Hotlines: Auf der Website des GKV-Spitzenverbandes sind die Kontaktdaten aufgelistet.

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 27. März 2020
Quellen
Beiträge im Forum "Geburtstermin Juli/August 2018"
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