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Patchworkfamilien

Autor: Christian Fiala
Letzte Aktualisierung: 14. März 2017

Etwa jede zweite Ehe in Deutschland endet früher oder später vor dem Scheidungsrichter. Oft sind Kinder im Spiel, und viele Geschiedene bleiben nicht auf Dauer allein mit ihrem Nachwuchs. Diese Entwicklung trägt zur Verbreitung eines Familienmodells bei, das früher eher die Ausnahme war: Die Patchworkfamilie.

Patchworkfamilien
Oft bringt ein Partner oder auch beide Kinder aus früheren Beziehungen mit in die neue Partnerschaft - die klassische Patchworkfamilie
© iStock.com/omgimages

Eine Patchworkfamilie ist laut Definition „eine Familie, in der von unterschiedlichen Eltern stammende Kinder leben, die aus der aktuellen oder einer früheren Beziehung der Partner hervorgegangen sind“. In Deutschland leben derzeit etwa elf Prozent (Stand: 2012) aller Kinder in einer Patchworkfamilie.

Patchworkfamilie – ein neumodischer Begriff

Der Begriff „Patchwork“ kommt aus dem Englischen und bedeutet etwa „Flickwerk“. Beschrieben wird mit dem Begriff eine Form des Zusammenlebens, die für Kinder neben einem leiblichen Elternteil auch einen Stiefelternteil bietet. Man nennt dieses Familiensystem deshalb auch Stieffamilie. Oft ist es so, dass der Stiefelternteil auch Kinder mit in die Patchworkfamilie bringt. Es kommt auch häufig vor, dass aus dieser neuen Familienkonstellation heraus noch weitere Kinder entstehen. Früher entstanden solche Familienmodelle häufig durch den Tod der Mutter im Wochenbett oder den Tod des Vaters im Krieg, heute sind Patchworkfamilien häufig Resultate aus freiwilligen Trennungen, der Stiefelternteil der so genannte Bonusvater bzw. die Bonusmutter. Aus dem Stiefkind wurde das Bonuskind. Außerdem bezeichnet man Stiefeltern, also Bonuseltern auch als „soziale Elternteile“.

Viele Arten von Patchworkfamilien

Der Begriff „Patchwork“ kann als negativ behaftet wahrgenommen werden, weil ein Flickwerk durchaus ungenügend oder nicht vollkommen sein muss. Andererseits bedeutet dies auch, dass aus alten, zusammengefügten Teilen etwas Neues, Brauchbares, also Positives entsteht. Es gibt 37 verschiedene Formen von Stieffamilien. Existieren Kinder in einer solchen Patchworkfamilie oder wird ein Neues geboren, erweitern sich die Möglichkeitsmodelle auf 74 Formen. Es gibt also eine Vielzahl von Konstellationsmöglichkeiten. Diese unterscheiden sich beispielsweise, dass Kinder dauerhaft in der Familie leben (primäre Stieffamilie) oder Kinder nur zeitweilig zu Besuch sind (sekundäre Stieffamilien). Hinzu kommen Patchworkfamilien zweier gleichgeschlechtlicher Lebenspartner, so genannte Regenbogenfamilien.

Die Patchworkfamilie als soziale Herausforderung

Für Kinder bedeuten Patchworkfamilien, dass in der „neuen“ Familie ein leiblicher Elternteil fehlt. Dies kann zumindest anfangs, je nach Alter des Kindes, mehr oder weniger problematisch sein. In jedem Fall sind solche Familienmodelle eine Herausforderung für alle Beteiligten. Verträgt sich das Kind mit dem Stiefelternteil, mit dessen mitgebrachtem Kind oder gar mit dem in der Patchworkfamilie geborenen weiteren Kind oder nicht? Wie ist das Verhältnis der getrennten Elternteile zueinander? Werden Verluste, Nachteile und negative Erfahrungen aus der vorigen Beziehung emotional verarbeitet? Gelingt ein Beziehungsaufbau zwischen Stiefeltern und –kindern?

Die rechtliche Situation der Patchworkfamilien

Im Familienrecht zeigt sich eine Problematik, da Patchworkfamilien in vielerlei Hinsicht benachteiligt sind, wie beispielsweise im Erbrecht, auf Reisen, in der Schule oder bei medizinischen Entscheidungen. Diese Situationen erfordern jeweils eine Vollmacht des biologischen Elternteils, möchte der Bonuselternteil hier Aktivitäten übernehmen. Dies ist oft ein weiterer Grund, warum Stief- oder Bonuskinder vom nicht-biologischen Elternteil adoptiert werden (Stiefkindadoption). Dann können solche Situationen von allen leichter bewältigt werden. Das Schaffen eines rechtlichen Rahmens würde vielen Patchworkfamilien bei der Bewältigung des Alltags helfen.

Vielfältige Beratungsmöglichkeiten für Patchworkfamilien

Aufgrund der vielfältigen Hürden und Probleme, die Patchworkfamilien haben können, gibt es ebenso viele Beratungsmöglichkeiten. Informationen bieten der Verband berufstätiger Mütter ebenso wie kirchliche Einrichtungen, beispielsweise der Bundesverband katholischer Ehe-, Familien- und Lebensberaterinnen und -berater e.V. Auch profamilia berät in vielen Fragen.

Autor: Christian Fiala
Letzte Aktualisierung: 14. März 2017
Quellen
Beiträge im Forum "Patchwork-Familien"
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