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Kosten für den Kindergarten – Was bezahlt man eigentlich für einen Kindergartenplatz?

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 10. Oktober 2018

Welche Kosten für den Kindergarten entstehen, ist sehr unterschiedlich. Abhängig vom Wohnort, dem Träger, vom Einkommen und davon, wie viele eigene Kinder einen Kindergartenplatz haben, variieren die Kosten. Sie sind teilweise steuerlich absetzbar. Heute weiß man außerdem, dass es günstig sein kann, die Anmeldung im Kindergarten nicht zu lange hinauszuzögern.

Kosten für den Kindergarten – Was bezahlt man eigentlich für einen Kindergartenplatz?
Interessieren sich zum Glück noch nicht für die Kosten im Kindergarten: Kinder möchten frei miteinander spielen
iStock/boggy22

In Deutschland haben seit 2013 alle Kinder ab dem ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Platz im Kindergarten (Sozialgesetzbuch 8, § 24 „Anspruch auf Förderung in Tageseinrichtungen und in Kindertagespflege“). Die Realität sieht aber oft anders aus, denn in vielen Kommunen sind Kindergartenplätze Mangelware. Eine Alternative kann es sein, auf einen freien oder privaten Träger auszuweichen. Hier sind die Kosten aber oft etwas höher, da diese Plätze nicht von der Gemeinde bezuschusst werden.

Artikelinhalte im Überblick:

Woraus setzen sich die Kosten für den Kindergarten zusammen?

Im Mittelpunkt steht das Alter des zu betreuenden Kindes sowie der wöchentliche Betreuungsumfang. Manche Kindergärten rechnen die freiwillige Mitarbeit der Eltern auf die Kosten an.

Auch Ermäßigungen, etwa bei geringem Einkommen oder wenn plötzlich Arbeitslosigkeit eintritt, sind denkbar.

Normalerweise setzen sich die Kosten für einen Kindergartenplatz zusammen aus:

  • Betreuungskosten
  • Verpflegungskosten.

Diese Trennung hat auch einen finanzwirtschaftlichen Sinn, denn Betreuungskosten dürfen von arbeitenden Eltern steuerlich geltend gemacht werden. Verpflegungskosten (Essen und Trinken im Kindergarten) fallen für ein Kind ohnehin an, egal, ob es betreut wird oder nicht. Sie sind daher nicht von der Steuer absetzbar. Aktuell (Stand: 2018) dürfen erwerbstätige Alleinerziehende und Paare, bei denen beide Eltern erwerbstätig sind, zwei Drittel ihrer jährlichen Kinderbetreuungskosten, aber maximal 4.000 Euro jährlich, als Werbungskosten steuerlich geltend machen. Das gilt für zu betreuende Kinder bis zum 14. Lebensjahr.

Kindergartenkosten und Unterhalt

Die Kosten für den Kindergarten gelten als Mehrbedarf des Kindes und sind nicht Teil des Kindesunterhalts, das urteilte der Bundesgerichtshof bereits im Jahr 2008. Wer welchen Anteil an den Gebühren tragen muss, errechnet sich aus den jeweiligen Einkommensverhältnissen. Ausgenommen sind natürlich die Verpflegungskosten im Kindergarten, da ein Kind auch zu Hause essen würde.

Kosten für den Kindergarten sind sehr unterschiedlich

Am meisten Einfluss auf die Kosten für einen Kindergartenplatz hat der Wohnort. Denn die Kommunen setzen die Beiträge für die Kinderbetreuung selbst fest. Während einige Städte völlig kostenfreie Kinderbetreuung ab zwei oder drei Jahren anbieten - unter anderem Düsseldorf und Heilbronn - sind die Kosten in anderen Städten enorm hoch. Auch innerhalb eines Bundeslandes kann es zu großen Unterschieden kommen.

So hat der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen e.V. im Jahr 2017 die Kosten für den Kindergarten in Städten in Nordrhein-Westfalen untersucht. Die Preise lagen für Familien mit einem jährlichen Bruttoeinkommen in Höhe von 40.000 Euro und der Betreuung eines 3-jährigen Kindes über 45 Stunden wöchentlich zwischen 0 Euro (Düsseldorf) und 151 Euro (Rheine). Durchschnittlich lagen die Kosten für einen Platz in NRW in dieser Einkommensklasse bei 108 Euro.

Noch größer ist die Schere bei den einkommensstärkeren Familien: Wer 80.000 Euro brutto jährlich verdient und eine/n 3-Jährige/n 45 Stunden wöchentlich betreuen lässt, zahlt für einen Kindergartenplatz in Düsseldorf 0 Euro. Bei Städten, die Gebühren erheben, liegen diese zwischen 235 Euro (Hamm) und 534 Euro (Bergheim). Insgesamt sind die Kosten für einen Kindergartenplatz seit der letzten Erhebung 2014 tendenziell eher gestiegen.

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Kosten für den Kindergarten auch abhängig vom Träger

Die meisten Kindergärten in Deutschland haben einen kommunalen Träger. Das heißt, dass der Kindergarten von der Stadt, dem Landkreis oder der Gemeinde betrieben wird. Die Vergabe von Plätzen in kommunalen Kindergärten richtet sich meist nach Berufstätigkeit und Familienstatus. Welche Kosten die Eltern für einen Kindergartenplatz begleichen müssen, hängt bei kommunalen Trägern in der Regel ab von:

  • (gemeinsames) Bruttojahreseinkommen
  • wöchentlicher Betreuungsaufwand
  • Anzahl der eigenen Kinder.

Freie Träger mit gemeinnützigem Hintergrund sind in Deutschland vor allem die Kirchen. Sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche agiert als Träger von Kindergärten. Auch die freien Wohlfahrtsverbände wie Caritas oder das Rote Kreuz betreiben Kindergärten.

Auch Kindergärten mit spezieller pädagogischer Ausrichtung haben einen freien Träger. Häufig geht das auf Eltern- oder Pädagogeninitiativen zurück. Bekannte (alternativ-)pädagogische Konzepte sind der Montessori- oder der Waldorfkindergarten. In vielen dieser Kindergärten kommen zu den Kosten für den Kindergarten noch Zeit und Mitarbeit der Eltern hinzu.

Die Kosten für einen Kindergartenplatz in einem Kindergarten eines freien Trägers setzen sich sehr unterschiedlich zusammen. Meist sind sie jedoch etwas teurer als Plätze in öffentlichen Kindergärten. Viele Eltern unterstützen die Pädagogen im Kindergarten zudem. Die meisten Kommunen bezuschussen Kindergärten in frei-gemeinnütziger Trägerschaft, sonst wären die Kosten noch höher.

Privatgewerbliche Träger von Kindergärten werden bislang nur in sechs Bundesländern öffentlich bezuschusst. Entsprechend hoch sind bei ihnen häufig die Kosten für einen Kindergartenplatz.

Kosten für den Kindergarten in Rheinland-Pfalz (RLP) und Berlin: keine

Rheinland-Pfalz und Berlin sind die ersten beiden Bundesländer, die den Elternbeitrag für den Kindergartenplatz abgeschafft haben. Kinder ab dem zweiten Lebensjahr werden in ganz RLP und seit August 2016 in Berlin beitragsfrei betreut. Die Kosten für den öffentlichen Kindergarten tragen also in RLP und Berlin die Kommunen komplett. Der Anspruch auf einen kostenfreien Kindergartenplatz gilt für alle Eltern unabhängig vom Einkommen oder davon, ob beide Elternteile arbeiten oder nicht.

Das Land Berlin hat darüber hinaus gerade beschlossen, auch die Betreuungskosten für Kinder unter zwei Jahren bis August 2018 schrittweise abzuschaffen. Lediglich die Verpflegungskosten (Essensgeld) müssen dann von den Eltern getragen werden.

Kostenloser Kindergartenplatz in einigen Kommunen

Einige Kommunen in Deutschland haben die Kosten für einen Kindergartenplatz unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls auf Null reduziert. Vor allem Familien mit einem geringeren Bruttoeinkommen profitieren vom kostenlosen Kindergarten. So ist etwa in Düsseldorf (NRW) der Platz im Kindergarten ab dem dritten Lebensjahr unabhängig vom Betreuungsumfang kostenfrei. Kinderbetreuung unter drei Jahren ist wiederum kostenpflichtig, allerdings entfällt das für das zweite Kind (Geschwister-Kind-Regelung). Man sieht – die Kommunen handhaben die Kosten für den Kindergarten sehr unterschiedlich. Das ist sicher auch abhängig von der aktuellen finanziellen Situation der Kommune.

In den meisten Städten gibt es außerdem noch einen Freibetrag. Eltern mit geringem Einkommen sind von den Zuzahlungen für den Kindergartenplatz befreit. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Kosten in den südlichen Bundesländern etwas niedriger sind als im Norden. Auch die Betreuung von Unter-Drei-Jährigen ist in der Regel etwas teuer als für Kinder ab drei Jahren.

Zusätzliche Kosten im Kindergarten

Steht im Kindergarten mal etwas besonderes an, kann es sein, dass einmalig ein Zusatzbeitrag erhoben wird, zum Beispiel für einen Ausflug oder für das weihnachtliche Kekse-Backen im Kindergarten. Einige Kindergärten erheben regelmäßig zusätzliche kleine Beträge etwa für Bastelmaterial. Gibt es im Kindergarten besondere Angebote wie etwa Fremdsprachenunterricht, sind diese meist ebenfalls zusätzlich kostenpflichtig.

Werden Kinder auch nachmittags betreut, kommt manchmal zusätzlich zur Verpflegungspauschale noch das Geld fürs Mittagessen hinzu. Bei der Kalkulation einiger Kindergärten sind die Kosten fürs Mittagessen dagegen schon in der Verpflegungspauschale enthalten. Auch das variiert stark von Kindergarten zu Kindergarten.

Ein Kind im Kindergarten anmelden

Es empfiehlt sich, ein Kind schon unmittelbar nach der Geburt im Kindergarten anzumelden beziehunsweise vormerken zu lassen. Zugegeben - das klingt zunächst etwas überengagiert. Fakt ist aber, dass man aufgrund der aktuellen Betreuungssituation (Kindergartenplatzmangel) auf Nummer sicher gehen sollte. Auch der Rechtsanspruch auf den Kindergartenplatz hat an der fatalen Situation in vielen Gemeinden nichts geändert.

Für Kindergartenplätze in Einrichtungen von kommunalen Trägern gelten in den meisten Fällen folgende Regeln für die Anmeldung:

  • Das Kind muss in der jeweiligen Kommune gemeldet sein, mindestens jedoch ein Elternteil mit Erstwohnsitz.

  • Die Vormerkung erfolgt sowohl persönlich im jeweiligen Kindergarten als auch bei der zuständigen Kommune. Viele Gemeinden stellen für die Anmeldung oder Vormerkung Online-Formulare bereit.

  • Es ist möglich, sich bei mehreren Kindergärten vormerken zu lassen und sich dann bei Zusage für einen zu entscheiden.

Freie, gemeinnützige und private Träger handhaben die Anmeldung für den Kindergarten unterschiedlich. Auch hier ist es jedoch empfehlenswert, sich möglichst bald nach der Geburt zu melden, denn auch diese Plätze sind oftmals sehr begehrt. Vereinbaren Sie am besten einen Termin vor Ort und lassen Sie sich dort das weitere Vorgehen erläutern. So bekommen Sie auch einen ersten Eindruck und können einschätzen, ob Sie mit dem Konzept des jeweiligen Kindergartens einverstanden sind.

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Betreuungszeiten im Kindergarten

Die Betreuungszeiten sind in Kindergärten unterschiedlich. Die meisten Kindergärten in den alten Bundesländern öffnen morgens zwischen 7:00 Uhr und 7:30 Uhr, während man in den neuen Bundesländern in über 80 Prozent der Kitas Kinder schon vor 7:00 Uhr morgens übergeben kann. Bei den Schließzeiten unterscheiden sich Ost und West ebenfalls: Etwa jede zweite Kindertagesstätte im Westen schließt bereits vor 16:30 Uhr, während in den neuen Bundesländern die meisten Kindergärten bis 18:00 Uhr geöffnet sind.

Die Möglichkeiten der Kinderbetreuung sind zwar in den neuen Bundesländern besser ausgebaut als in den alten Bundesländern. Es gibt aber in ganz Deutschland Kindergärten, die längere Betreuungszeiten anbieten und flexibler agieren. Für Eltern, die im Schichtdienst arbeiten oder unregelmäßige Arbeitszeiten haben, sind diese großzügigeren Öffnungszeiten besonders wichtig.

Streik im Kindergarten: Welche Rechte habe ich?

Wenn im Kindergarten gestreikt wird, kann das sehr ärgerlich sein. Vor allem berufstätige Eltern kommen dann in eine komplizierte Situation. In diesem Fall empfehlen wir, sich nach Möglichkeit für den betreffenden Tag Urlaub zu nehmen. Manche Arbeitgeber gewähren für den Tag auch unbezahlten Urlaub. Eine Alternative könnte sein, das Kind in dieser Ausnahme-/Notsituation mit zur Arbeit zu nehmen, wenn sich das vereinbaren lässt. Sprechen Sie Ihren Chef darauf an, möglicherweise gibt es ja noch mehr Eltern, die von dem Streik im Kindergarten betroffen sind.

Dauert der Streik länger an, sind Arbeitgeber sogar dazu verpflichtet, Urlaub zu gewähren. Allerdings: Sind Sie am Arbeitsplatz unverzichtbar, sind Sie wiederum verpflichtet, eine andere Betreuung für Ihr Kind zu organisieren. Tipp: Sprechen Sie sich mit anderen betroffenen Eltern ab und übernehmen Sie gegenseitig die Kinderbetreuung. Das kann sinnvoll sein, wenn der Streik mehrere Tage dauert.

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 10. Oktober 2018
Quellen

Beiträge im Forum "Forum für Großfamilien"
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