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Helikopter-Eltern

Autor: Viola Booth
Letzte Aktualisierung: 22. Januar 2018

Sie planen den Alltag ihrer Kinder bis ins letzte Detail, kutschieren ihren Nachwuchs mit dem Auto bis zum Schultor und verwenden ihren Jahresurlaub, um mit dem Sprössling für seine Klassenarbeiten zu lernen. Helikopter-Eltern umkreisen ihre Kinder wie ein Hubschrauber. Doch diese Überbehütung kann sich negativ auf die kindliche Entwicklung auswirken.

Helikopter-Eltern
Helikopter-Eltern überwachen ihre Kinder oft auch bei den Hausaufgaben
© iStock.com/Kerkez

Was sind Helikopter-Eltern?

Als Helikopter-Eltern werden überfürsorgliche, ängstliche und sehr ehrgeizige Mütter und Väter bezeichnet, die ihre Kinder nicht aus den Augen lassen: Sie denken für sie, fühlen für sie, begleiten sie auf Schritt und Tritt. Helikopter-Eltern versuchen ihre Kinder zu behüten, indem sie diese überwachen, kontrollieren und in Watte packen.

Bereits im Jahr 2012 hat eine Forsa-Studie auf die Entwicklung der „Generation Rücksitz“ aufmerksam gemacht. Während 1970 noch 91 Prozent der Grundschüler in Deutschland ihren Schulweg alleine bestritten, waren es zum Zeitpunkt der Erhebung nur 50 Prozent. Eine Entwicklung, die Verkehrsexperten und Lehrern ganz und gar nicht gefällt. „Kinder sollten zur Selbstständigkeit erzogen werden – auch im Straßenverkehr“, bestätigt Diplom-Sozialpädagoge Ulric Ritzer-Sachs von der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. „Die Angst der Eltern ist aber einfach zu groß. Sie empfinden den Schulweg subjektiv als zu riskant, weil mögliche Gefahren wie Unfälle oder Übergriffe einem heutzutage stets vor Augen geführt werden.“

Helikopter-Eltern: Beispiele zum Schmunzeln – doch sie sind wahr!

In der Beratungsstelle spricht Ritzer-Sachs oft mit Eltern, die ihre Kinder mit dem „Elterntaxi“ zur Schule bringen und ihnen den Ranzen bis ins Klassenzimmer tragen. „Der Achtjährige darf nicht alleine zum Bäcker oder die 14-Jährige nicht mit dem Fahrrad zum Ballett“, erzählt der Berater. „In zwei absoluten Extremfällen schlief die 17-jährige Tochter im Bett der Mutter und der 18-jährige Sohn ließ sich von seinen Eltern immer noch die Schuhe binden!“

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Schluss mit Förderwahn durch Helikopter-Eltern

Was früher ganz normal war, ist heute nur eine Rarität. „Das Nachbarskind klingelt nicht mehr zum Spielen an der Tür, sondern die Eltern treffen die Verabredungen für ihre Kinder in Whats-App-Gruppen“, sagt Ritzer-Sachs. Viele Helikopter-Eltern wollen den Tag der Kinder komplett durchorganisieren, weil sie fürchten, ihr Nachwuchs bliebe sonst auf der Strecke und fände später keinen Job. „Die Kinder müssen zum Sport, ein Instrument lernen und neben Englisch am besten zusätzlich perfekt Japanisch sprechen können“, so der Sozialpädagoge.

Experten warnen vor diesem „Förderwahn“. Helikopter-Eltern, die jeden Gegenwind für ihre Kinder vermeiden wollen, würden ihren Nachwuchs keineswegs stark für die Zukunft machen. Das Gegenteil sei sogar der Fall: Betroffene würden eher zu Unselbstständigkeit, zu Angstzuständen und Depressionen oder zu Narzissmus und einer falschen Vorstellung von Disziplin neigen.

Welche Auswirkungen hat das Verhalten von Helikopter-Eltern?

Ritzer-Sachs kennt solche negativen Verhaltensweisen aus seiner Beratung. Regelmäßig melden sich Eltern bei ihm, die im Alltag mit Problemen zu kämpfen haben. „Schuld am schwierigen Sozialverhalten der Kinder sind ihre überbehütenden Eltern. Gerade Helikopter-Eltern fällt es schwer, Grenzen zu setzen, obwohl Kinder einen Rahmen mit Regeln brauchen, in dem sie sich dann selbstständig und frei zu selbstbewussten Persönlichkeiten entwickeln können“, erklärt der Experte. „Natürlich ist elterliche Präsenz wichtig, Fürsorge und Aufmerksamkeit bedeutsame Bestandteile der Erziehung. Aber man muss auch Vertrauen in das Kind haben und ihm altersgerechte Freiheiten gewähren. Betreuung darf keine Überbetreuung werden. Eltern können ihren Kindern ruhig etwas zutrauen!“

Andernfalls leiden die Kinder später eventuell unter einem mangelnden Selbstwertgefühl, sie werden schüchtern und scheu, können ihren Alltag ohne Hilfestellung nicht bewerkstelligen. „Kinder mit wenig Selbstvertrauen sind außerdem der potenziellen Gefahr ausgesetzt, Opfer von Mobbing zu werden.“ Ein anderes Extrem ist als Auswirkung ebenfalls denkbar, wie Ritzer-Sachs weiß: „In der Pubertät grenzen sich Kinder von Helikopter-Eltern als Folge vollkommen von ihrem Elternhaus ab.“

Erst gar keine Helikopter-Eltern werden – geht das?

Um dies zu vermeiden, müssen Eltern lernen, sich und ihr Verhalten zu hinterfragen: Was kann mein Kind in seinem Alter bereits alleine? Ist das Maß an Unterstützung tatsächlich altersgemäß? Wie haben meine Eltern das damals bei mir gemacht? Welche Ratschläge geben mir Bekannte? Auch wenn es ein sensibles Thema ist, empfiehlt Ritzer-Sachs, dass Freunde einander ruhig darauf ansprechen dürfen, wenn sie Helikopter-Eltern-Verhalten bemerken. „Vorwürfe sind hier jedoch fehl am Platz. Lieber sollte lediglich eine Beobachtung der Situation mitgeteilt werden.“

Leider merken Eltern eben selbst meist gar nicht, dass sie zu Helikopter-Eltern geworden sind. „Häufig wenden sie sich an die Beratungsstelle mit ganz anderen Problemen und nach einigen Gesprächen kommt heraus, dass eine Überbehütung als Ursache dahintersteckt“, bestätigt Ritzer-Sachs. „Viele Eltern machen zum Beispiel vom ersten Schultag an die Hausaufgaben gemeinsam mit ihrem Kind. Dabei sollte das Kind dies eigentlich alleine erledigen und die Eltern es nur dann dabei unterstützen, wenn ihre Hilfe wirklich gebraucht wird. Erst, wenn Probleme in der Schule auftauchen, merken sie schließlich, dass da vielleicht etwas Grundsätzliches schiefgelaufen ist.“

Helikopter-Eltern? Beratungsstelle für Mütter und Väter

Spätestens, wenn der Alltag durch Probleme stark eingeschränkt ist, sollten sich Eltern professionelle Hilfe suchen. „Mütter und Väter müssen sich nicht dafür schämen, sich mit ihren Sorgen an uns zu wenden. Wir haben für alle Belange ein offenes Ohr und Eltern muss absolut nichts peinlich sein!“, sagt Ritzer-Sachs von der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. Selbst Mini-Probleme und Alltagsfragen wie „Kann mein Kind sich schon alleine die Fingernägel schneiden?“ können sie den Experten hier bedenkenlos stellen. Auf der Website des Fachverbands finden Eltern dazu sowohl den passenden Ansprechpartner vor Ort als auch eine Online-Beratungsmöglichkeit: www.bke-beratung.de

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