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Montag, 20. November 2017
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Akupunktur

Akupunktur
Akupunktur kann bei verschiedensten Problemen eingesetzt werden, beispielsweise auch bei Kinderwunsch
Getty Images/iStockphoto

Akupunktur bezeichnet ein Heilverfahren aus der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), bei dem bestimmte Punkte des Körpers durch das Einstechen feiner Nadeln aus Stahl, Gold oder Silber stimuliert werden. Akupunktur wird von ausgebildeten Akupunkteuren, Heilpraktikern oder Ärzten mit entsprechender Zusatzausbildung durchgeführt.

Ursprünglich ist auch die Erwärmung verschiedener Körperstellen durch Brennzigarren oder Brennkegel (Moxibustion) Teil des Verfahrens, was in der chinesischen Bezeichnung (Akupunktur = zhēnjiǔ; zhēn = Nadel; jiǔ = brennen) zum Ausdruck kommt.

Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen zur Akupunktur stammen aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus. Historische Funde weisen jedoch darauf hin, dass die Anfänge der Behandlungsmethode möglicherweise sogar bereits 4.000 bis 6.000 Jahre zurückliegen. Seit den 1970-Jahren erhält das Therapieverfahren auch in der westlichen Welt verstärkte Aufmerksamkeit.

Die klassische Form der Akupunktur unterscheidet insgesamt 361 Hauptakupunkturpunkte und 48 Extrapunkte. Tatsächlich werden bei der westlichen, modernen Form der Akupunktur für gewöhnlich aber weniger Stellen akupunktiert und auch andere Stellen als die klassisch definierten Punkte. Es gibt zudem Sonderformen, wie die Ohrakupunktur, bei der speziell die Ohren "genadelt" werden.

Worauf basiert die Funktionsweise der Akupunktur?

Die Funktionsweise der Akupunktur basiert auf der Annahme, dass der Körper entlang bestimmter Leitbahnen, den Meridianen, von der Lebensenergie Qi durchströmt wird. Nach den Lehren der traditionellen chinesischen Medizin steht diese Energie unter anderem in Zusammenhang mit Krankheiten und Beschwerden. Durch das gezielte Einstechen von Nadeln an bestimmten Punkten soll es möglich sein, den Strom des Qi zu beeinflussen und so Krankheiten zu heilen oder Beschwerden zu lindern.

In der westlichen Medizin steht diese Ansicht häufig in der Kritik, besonders weil in vielen Fällen die Wirksamkeit der Methode nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden kann und die Wirkungsmechanismen noch nicht vollständig bekannt sind. Dennoch gibt es einige Beschwerden, die sich nachweislich durch Akupunktur lindern lassen und so werden die Kosten der Behandlung in Deutschland zum Teil auch von gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Welche Vorbereitungen sind für eine Akupunktur-Behandlung nötig?

Für eine Akupunktur-Behandlung werden Betroffene im Vorfeld untersucht und durch den Akupunkteur über die Behandlungsmethode aufgeklärt. Individuelle Besonderheiten, die zum Beispiel bestimmte Liegepositionen nicht zulassen, müssen im Vorhinein abgeklärt werden. Für die Behandlung sollte man möglichst lockere Kleidung tragen. So ist eine Entkleidung nicht zwingend notwendig.

Wie läuft eine Akupunktur-Behandlung ab?

Eine Akupunktur-Behandlung wird in der Regel unbekleidet oder leicht bekleidet im Liegen durchgeführt. Vor dem Einstechen der sterilen Einweg- oder Mehrwegnadeln werden die entsprechenden Stellen desinfiziert und die Haut gespannt. Die Nadeln werden zum Teil gedreht oder leicht bewegt und verweilen anschließend je nach Anwendung für zehn bis 40 Minuten in der Haut.

Nach dem Herausziehen der Nadel wird die Einstichstelle massiert oder leicht geöffnet. Die Tiefe der Stiche hängt von der Einstichstelle ab und reicht je nach Dicke des Gewebes von wenigen Millemetern bis mehreren Zentimetern. Akkupunkturnadeln sind 15 Millimeter bis 15 Zentimeter lang.

Wie fühlt sich eine Akupunktur-Behandlung an?

Akupunktur fühlt sich für die meisten Menschen generell angenehm an. Das Einstechen der Nadeln bei einer Akupunktur-Behandlung kann ein kribbelndes Gefühl an der Einstichstelle verursachen. Außerdem können Taubheits-, Druck-, Wärme- oder Spannungsgefühle an der Einstichstelle auftreten. Manchmal führt die Akupunktur zu einem starken Müdigkeitsgefühl, so dass einige Personen sogar während der Behandlung einschlafen. Leichte Schmerzen können an empfindlichen Hautstellen auftreten, werden aber von den meisten Behandelten als gut erträglich wahrgenommen und hängen stark vom persönlichen Schmerzempfinden ab.

Da man durch die im Körper steckenden Nadeln in seiner Bewegungsfähigkeit unter Umständen eingeschränkt ist, bieten einige Akupunkteure die Möglichkeit einen Klingelknopf in der Hand zu halten, mit dem eine Betreuungsperson gerufen werden kann.

In welchen Fällen kommt Akupunktur zum Einsatz?

Akupunktur kommt bei zahlreichen Krankheiten und Beschwerden zum Einsatz. Häufige Anwendungsgebiete sind beispielsweise Rückenschmerzen, Migräne, Kopfschmerzen, Gelenkbeschwerden, Schlafstörungen und Suchtprobleme. Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland übernehmen die Kosten einer Akupunktur-Behandlung jedoch nur bei wenigen Indikationen wie Kniegelenksarthrose und chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule.

Akupunktur wird auch zur Linderung von Schwangerschaftsbeschwerden oder zur Vorbereitung auf die Geburt eingesetzt. Hier lesen Sie alles zu dem Thema.

Wobei hilft Akupunktur?

Wissenschaftlich belegt ist die Wirksamkeit der Akupunktur zur Linderung von Schmerzen bei Kniegelenksarthrose (Gonoarthrose), Rückenschmerzen, Migräne und Kopfschmerzen. Außerdem gilt Akupunktur unter anderem als wirksam bei:

  • Chronischen Schmerzen (Fibromyalgie, Tumorschmerzen)
  • Erkrankungen des Bewegungssystems (Bandscheibenvorfall, Tennisarm)
  • Neurologischen Erkrankungen (Neuralgien, Gesichtslähmung)
  • Atemwegserkrankungen (Asthma, Heuschnupfen, Bronchitis)
  • Vegetativen Störungen (Schlaflosigkeit, innere Unruhe)
  • Suchtkrankheiten (Alkohol- oder Nikotinabhängigkeit)
  • Erkrankungen des Verdauungssystems (Magengeschwüre, Verstopfung)
  • Gynäkologischen Erkrankungen (Menstruationsschmerzen, Wechseljahrsbeschwerden, Schwangerschaftsübelkeit)
  • HNO-Erkrankungen (Sinusitis, Tinnitus, Hörsturz)
  • Hauterkrankungen (Neurodermitis, Akne)
  • Allergien (Heuschnupfen, Nahrungsmittelallergien)

Welche Komplikationen und Risiken gibt es bei der Akupunktur?

Komplikationen sind bei der Akupunktur eher selten und die Risiken gelten als gering, wenn die Behandlung von erfahrenen und gut ausgebildeten Personen durchgeführt wird. Taubheits-, Druck-, Wärme- oder Spannungsgefühl und leichte Schmerzen bei der Akupunktur sind zwar normal, werden aber von manchen Behandelten als unangenehm empfunden.

Eine weitere mögliche Nebenwirkung ist ein starkes Müdigkeits- und Schlappheitsgefühl während oder auch nach der Behandlung. Durch die Nadelstiche kann es zu leichten Blutungen und blauen Flecken an den Einstichstellen kommen. Gewebe- oder Organverletzungen sind möglich. Während den ersten drei Behandlungen kann es passieren, dass sich die Symptome zunächst verschlimmern, in den meisten Fällen gehen diese Reaktionen aber im weiteren Behandlungsverlauf zurück.

Infektionen sind durch die Benutzung von Nadeln nicht ganz ausgeschlossen, kommen aber sehr selten vor, da meistens Einwegnadeln verwendet werden. Eine Akupunktur-Behandlung kann außerdem in seltenen Fällen zu Blutdruckabfall, Kreislaufstörungen und zum Kreislaufkollaps führen.

Welche Alternativen gibt es zur Akupunktur?

Da die Akupunktur meistens als alternative Behandlungsmethode eingesetzt wird, gibt es folglich auch andere Möglichkeiten zur Linderung der verschiedenen Beschwerden. Rückenschmerzen lassen sich beispielsweise physiotherapeutisch behandeln. Migräne kann unter anderem medikamentös therapiert werden. Bei einer Kniegelenksarthrose können Reizstrom-Behandlungen Abhilfe schaffen.

Als schmerzfreie und auch für Kinder geeignete Therapiemethode gilt die Laserakupunktur. Über die Wirksamkeit der Methode ist bislang jedoch wenig bekannt.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 06. Juni 2017
Quellen: Hempen, CH.: Taschenatlas Akupunktur, Thieme, Stuttgart 2008 F.A. Brockhaus (Hrsg.).: Der Brockhaus Gesundheit. F. A. Brockhaus GmbH, Leipzig/Mannheim 2006 Wieden, T. et al.: Leitfaden Schmerztherapie, Urban & Fischer, München 2005 Online-Informationen der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur e.V., München: www.daegfa.de (Stand: Mai 2009)

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