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Vielfältige Hilfen

Studieren mit Kind: Finanzielle Unterstützung für studierende Eltern

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 03. August 2019

Studieren mit Kind ist oft eine große Herausforderung. Diese lässt sich aber mit den zahlreichen Hilfen, die es in Deutschland für studierende Eltern gibt, oft gut meistern. Vor allem die Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung sind zahlreich. An den Universitäten selbst gibt es neben Beratung auch weitere Angebote wie etwa Kinderbetreuung auf dem Campus.

Studieren mit Kind
Das Studieren mit Kind ist oft eine Herausforderung, aber Eltern können auf zahlreiche Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung und Hilfen zurückgreifen
© iStock.com/FatCamera

Nur sechs Prozent aller Studierenden in Deutschland sind Eltern oder bekommen während des Studiums ein Kind (die neueste Erhebung dazu stammt aus dem Jahr 2012). Familiengründung im Studium? Für viele Studierende kommt das nicht infrage. Vor allem finanzielle Aspekte und fehlende Betreuungsmöglichkeiten erschweren das Studieren mit Kind häufig. Dabei haben viele Universitäten in den vergangenen Jahren aufgeholt und bieten mittlerweile umfangreiche Kinderbetreuungen an – oft sogar am Wochenende.

Studierende mit Kind sind im Durschnitt 31 Jahre alt und damit über sieben Jahre älter als der durchschnittliche kinderlose Kommilitone. Jeder zweite ist verheiratet oder führt eine eingetragene Lebensgemeinschaft. Im Vergleich zu Studenten sind Studentinnen mit Kind übrigens öfter ohne feste Partnerschaft (zehn zu 18 Prozent), sie sind also häufiger alleinerziehend.

Aufgrund der besonderen Herausforderungen, die das Studieren mit Kind mit sich bringt, unterbrechen Eltern ihr Studium im Durchschnitt ein Semester häufiger als Studierende ohne Kind. Der häufigste Grund ist wohl die Schwangerschaft beziehungsweise Geburt, für die problemlos Urlaubssemester gewährt werden.

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Studieren mit Kind und finanzielle Unterstützung

Junge Mütter oder Familien erhalten in Deutschland von diversen Stellen finanzielle Unterstützung – das gilt natürlich auch für Eltern, die noch studieren. Das Geld in der Ausbildung oder im Studium ist trotzdem oft besonders knapp. Diese finanzielle Unterstützung gibt es für studierende Eltern:

Studieren mit Kind und Kindergeld

Das Kindergeld wird völlig unabhängig davon gezahlt, ob jemand in der Ausbildung oder im Studium steckt, gar nicht arbeitet (bei ALG2- oder Hartz-4-Empfängern wird es allerdings vollständig angerechnet) oder mitten im Berufsleben steht. Aktuell (seit Juli 2019) beträgt das Kindergeld 204 Euro monatlich für das erste und zweite Kind.

Studierende, die selbst schon ein Kind haben, aber unter 25 Jahre alt sind und grundsätzlich einen Anspruch hätten, können auch für sich selbst weiter Kindergeld beziehen. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Während des Bezuges von Elterngeld erhält man für sich selbst kein Kindergeld, danach aber wieder, solange die Voraussetzungen erfüllt sind (nicht mehr als 20 Stunden wöchentlich arbeiten, Erststudium und unter 25).

Wichtig: Das Kindergeld wird immer an die Eltern ausgezahlt. Studierende erhalten die Zahlung nur für ihr eigenes Kind. Das Kindergeld für sie selbst wird weiterhin an die Eltern überwiesen.

Mutterschaftsgeld für Studentinnen

Das Mutterschaftsgeld gilt als Lohnausgleich während der Zeit, in der eine Frau wegen des Mutterschutzes (sechs Wochen vor der Geburt bis zur Entbindung und bis acht Wochen nach der Entbindung) nicht arbeitet. Studentinnen, die einer (nebenberuflichen) Erwerbstätigkeit nachgehen und selbst in der gesetzlichen Krankenkasse versichert sind, haben Anspruch auf Mutterschaftsgeld, und zwar normalerweise in Höhe von bis zu 13 Euro pro Tag. Dieses Geld wird von der Krankenkasse ausgezahlt. Den Rest gleicht der Arbeitgeber in Form des Arbeitgeberzuschusses aus.

Studierende ohne Nebenjob oder einer geringfügigen Beschäftigung, die noch bei ihren Eltern familienversichert sind, erhalten vom Bundesversicherungsamt eine einmalige Zahlung in Höhe von maximal 210 Euro.

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Studieren mit Kind und Elterngeld

Wer während Ausbildung oder im Studium ein Kind bekommt, kann Elterngeld beantragen. Dieses beträgt 67 Prozent des Nettogehaltes, das die Mutter oder der Vater vor der Elternzeit verdient hat, maximal jedoch 1.800 Euro im Monat. Je nachdem, welches Modell gewählt wird, kann das Elterngeld bis zu 28 Monate (mit Elterngeld Plus) bezogen werden.

Studierende können, wenn sie kein Einkommen haben, pauschal mindestens 300 Euro Elterngeld je Kind erhalten – das ist der Mindestsatz.

Während des Bezugs von Elterngeld muss das Studium nicht unterbrochen werden. Auch das BAföG wird nicht angerechnet. Während des Bezugs von Elterngeld ruht in der Regel der Anspruch von Kindergeld für die Eltern. Das Kindergeld für das Kind hingegen ist einkommensunabhängig und wird ab Bewilligung gezahlt (rückwirkend für maximal sechs Monate, also besser nicht zulange mit dem Antrag warten).

Kinderzuschlag

Der Kinderzuschlag ist nicht nur eine finanzielle Unterstützung für Menschen, die mit Kind studieren, sondern für alle Menschen mit einem geringen Einkommen. Ziel des Kinderzuschlags ist es, die Lebenssituation von Familien mit geringem Einkommen zu verbessern.

Voraussetzung für den Bezug ist das Erreichen eines monatlichen Mindesteinkommens (Paare 900 Euro, Alleinerziehende 600 Euro). Die Höchsteinkommensgrenze für die Bewilligung wird individuell errechnet und richtet sich unter anderem nach den konkreten Wohnkosten und dem Regelbedarf der Eltern nach SGB II. Der Kinderzuschlag wird zunächst für sechs Monate bewilligt und beträgt pro Kind bis zu 185 Euro.

Ab Januar 2020 entfallen die oberen Einkommensgrenzen. Außerdem wird das über den eigenen Bedarf hinausgehende Einkommen der Eltern nur noch zu 45 statt wie bisher zu 50 Prozent auf den Kinderzuschlag angerechnet.

Studieren mit Kind und BAföG

Eltern, die während Ausbildung oder Studium BAföG bekommen, haben Glück. Sie können durch Schwangerschaft (nur Mütter) und Kind mit einem verlängerten Anspruch rechnen. Das BAföG enthält nämlich zahlreiche Sonderregelungen, um Studenten das Studieren mit Kind zu erleichtern:

Kinderbetreuungszuschlag § 14b BAföG: Der Bedarf erhöht sich dadurch um 130 Euro monatlich pro Kind im Alter von bis zu zehn Jahren. Die tatsächlichen Betreuungskosten müssen nicht nachgewiesen werden.

Förderung bei Ausbildungsunterbrechung § 15 Abs. 2a BAföG: Das BAföG wird trotz "schwangerschaftsbedingter Ausbildungsunterbrechung" weitergezahlt, und zwar bis zu drei Monate nach Beginn der Unterbrechung. Der Monat, indem die Unterbrechung beginnt (Geburt) wird dabei nicht mitgezählt.

Verlängerung der Förderung § 15 Abs. 3 Nr. 5 BAföG: Für Schwangerschaft, Pflege und Erziehung von Kindern bis zu zehn Jahren kann die Förderungshöchstdauer überschritten werden. Als "angemessen" gelten dabei:

  • für die Schwangerschaft: 1 Semester

  • bis zu Vollendung des 5. Lebensjahres des Kindes: 1 Semester pro Lebensjahr

  • für das 6. und 7. Lebensjahr des Kindes: insgesamt 1 Semester

  • für das 8. bis 10. Lebensjahr des Kindes: insgesamt 1 Semester.

Erhöhung der Kinderfreibeträge § 23 Abs. 1 Nr. 3 BAföG: Die Freibeträge für den Nebenverdienst steigen für Studierende mit Kind auf 520 Euro monatlich für jedes Kind.

Größere Freiräume bei Darlehensrückzahlung §§ 18 ff. BAföG: Studierende mit Kind können einen Antrag auf Stundung stellen. Während der Stundung fallen keine Zinsen an. Zusätzlich werden in der Rückzahlungsphase auf den Grundfreibetrag von monatlich 1.145 Euro zusätzlich für jedes Kind 520 Euro aufgerechnet. Alleinerziehende können darüber hinaus Betreuungskosten von monatlich 175 Euro für das erste und 85 Euro für jedes weitere Kind aufrechnen.

(Finanzielle) Unterstützung durch die Universität

An den Universitäten gibt es oft Hilfen, die das Studieren mit Kind erleichtern sollen. Die Hilfen reichen von Geburtsbeihilfen für die Erstausstattung des Kindes bis zu zinslosen Darlehen, um das Studium abzuschließen. Manche Universitäten gewähren auch ein "Studierendenkindergeld" oder Mittel für die Baby-Grundausstattung als einmalig gezahlte Hilfe. In vielen Mensen können Kleinkinder darüber hinaus kostenfrei mit den Eltern essen. Auch Wickel- und Stillräume stehen bereits an vielen Orten zur Verfügung.

An einigen Universitäten gibt es besondere Beratungen, die das Studieren mit Kind vereinfachen können, weil die speziellen Angebote an Eltern hier direkt gebündelt unterbreitet werden können.

Kinderbetreuung an den Universitäten

An den meisten Universitäten gibt es mittlerweile Möglichkeiten der Kinderbetreuung, die das Studieren mit Kind wesentlich erleichtern. Die Kindertagesstätten oder Kindergärten sind meist auf dem Campus oder auch in Studentenwohnheimen untergebracht, sodass die Eltern kurze Wege haben.

Die Platzvergabe an Studierende erfolgt in der Regel über das Studentenwerk. Meist sind Kindergartenplätze an Betreuungseinrichtungen für die Kinder von Studierenden trotzdem kostenpflichtig. Es gibt jedoch die Möglichkeit, im Rahmen der dafür vorgesehenen Einkommensgrenzen Bezuschussung durch das Jugendamt zu beantragen. Das gilt übrigens auch für die Kosten einer Tagesmutter.

Studentenwohnheime für Familien

Wohnen ist teuer – vor allem in den sogenannten Universitätsstädten. Daher ist ein Platz im Studentenwohnheim oft ein echter Glücksfall. Viele Studentenwerke bieten mittlerweile auch Zimmer und Wohnräume für Studierende mit Kind(ern) an. Manchmal ist die studentische Kita sogar direkt im Haus angesiedelt.

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Urlaubssemester erleichtern das Studieren mit Kind

Nicht nur für die Geburt können werdende Mütter ein Urlaubssemester nehmen – studierende Eltern haben je nach Universität das Recht auf bis zu sechs Urlaubssemester für die Pflege und Erziehung ihres Kindes. Durch ein Urlaubssemester verlängert sich die Regelstudienzeit nicht, bei der Anzahl der Hochschulsemester insgesamt wird das Urlaubssemester jedoch mitgezählt, auch wenn es sich um solche handelt, die sich Studierende mit Kind für die Kindererziehung nehmen. Während dieser Zeit bleiben Eltern weiter eingeschrieben und gelten auch offiziell als Studierende.

Da der Anspruch auf BAföG normalerweise während Unterbrechungen erlischt, sollte die finanzielle Absicherung vorher geklärt werden. Nimmt man sich das Urlaubssemester zur Geburt, wird das BAföG jedoch noch drei Monate nach der "schwangerschaftsbedingten Unterbrechung" weitergezahlt, auch wenn sich die Mutter hierfür ein Urlaubssemester genommen hat. Der Monat der Geburt selbst wird nicht berücksichtigt. Das bedeutet, man erhält bis zu vier Monate weiter BAföG – trotz Urlaubssemester.

Das eigene Kindergeld wird während eines Urlaubssemesters in der Regel nicht an die Eltern ausbezahlt.

Stipendium für das Studieren mit Kind

Eine Reihe Stiftungen staatlicher oder privater Träger unterstützt junge Studierende mit Kind, allen voran die "Bundesstiftung Mutter und Kind": Sie vergibt kein Stipendium im klassischen Sinne, sondern stellt vielmehr finanzielle Hilfen relativ unkompliziert und unbürokratisch zur Verfügung, wenn sie benötigt werden, zum Beispiel für die Erstausstattung, Umstandskleidung oder Haushaltshilfen.

Mawista, die Krankenversicherung für Deutsche im Ausland und für Ausländer in Deutschland, vergibt darüber hinaus regelmäßig Stipendien für das Auslandsstudium mit Kind.

Zusammenfassung

Kindergeld, BAföG, Kinderzuschlag und Elterngeld: Studierende Eltern bekommen vielfältige finanzielle Unterstützung. Die Universitäten erleichtern ihnen mit Urlaubssemestern, speziellen Familienwohnungen im Studentenwohnheim und manchmal sogar Beihilfen ebenfalls den Alltag mit Kindern. Vor allem in puncto Kinderbetreuung haben Studierende einen echten Vorteil, denn die meisten Studentenwerke unterhalten Kindergärten in der Nähe des Campus.

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 03. August 2019
Quellen
Beiträge im Forum "Forum für Großfamilien"
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