Suchen Menü
Schulreife und Schulpflicht

Schulfähigkeit: Ist Ihr Kind bereit für die Schule?

Ab dem sechsten Lebensjahr ist ein Kind in Deutschland schulpflichtig. Doch verfügt es überhaupt über die nötige Schulreife und was wird dafür getestet?

Schulfähigkeit: Ist Ihr Kind bereit für die Schule?
Bald zur Einschulung oder lieber noch ein Jahr warten? Was Schulfähigkeit bei Kindern ausmacht und wie die Schulreife festgestellt wird.
© iStock.com/ThomasVogel

In Deutschland greift die Schulpflicht für Kinder ab dem sechsten Lebensjahr. Eltern eines bald schulpflichtigen Kindes erhalten von den Kommunen frühzeitig einen Brief mit der Aufforderung, ihr Kind an einer Grundschule anzumelden. In der Regel wird bei oder nach der Anmeldung ein Termin für die Schuleingangsuntersuchung, auch Schulreifetest genannt, vereinbart. Konkret geht es darum, die Schulfähigkeit eines Kindes festzustellen.

In diesem Artikel lesen Sie:

Pausenbrot für Kinder: Gesunde Snacks für die Schule

Was passiert bei der Schuleingangsuntersuchung?

Die Feststellung der Schulfähigkeit ist Voraussetzung für den Schulbesuch. Bei der Schuleingangsuntersuchung wird das Kind durch erfahrene Schulärzte beziehungsweise Ärzte des Gesundheitsamts auf seine körperliche, geistige, emotionale und soziale Entwicklung untersucht. Ist diese altersgerecht, steht dem Schulbesuch nichts mehr im Wege.

Bei diesem Termin geht es nicht darum, ein Kind nach standardisierten Kriterien zu "beurteilen". Jedes Kind ist einzigartig und entwickelt sich individuell, das wissen auch die Schulärzte. Eine Schuleingangsuntersuchung durch den eigenen Kinderarzt ist dagegen nicht möglich.

Schulfähigkeit: Diese Aspekte werden berücksichtigt

Um zu schauen, ob ein Kind schulreif ist, achten Schulärzte auf folgende Aspekte:

  • Sprachentwicklung
  • motorische Fähigkeiten
  • körperliche Belastbarkeit
  • Hör- und Sehfähigkeit
  • Konzentration und Wahrnehmung
  • allgemeine altersgerechte Entwicklung

Bei lediglich dezenten Schwächen in manchen Punkten heißt dies noch nicht, dass ein Kind nicht eingeschult werden kann. Je mehr Defizite beim Kind erkennbar sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass mit der Einschulung des Kindes besser noch ein Jahr gewartet wird.

Motorische Fähigkeiten

  • Zu den motorischen Fähigkeiten, die ein Kind vor der Einschulung haben sollte, gehört das Gleichgewicht und die Fähigkeit, balancieren zu können.
  • Das Fangen und Werfen eines Balles sollte möglich sein. Auch sollte das Kind fünf bis sechs Hüpfer auf einem Bein und ein paar Sprünge mit geschlossenen Beinen machen können.
  • Wichtig ist auch der erste Umgang mit Stift, Papier und Schere. So sollte das Nachzeichnen oder Ausschneiden von einfachen Figuren keine große Schwierigkeit für das Kind darstellen.

Kognitive Fähigkeiten

  • Der Umgang mit Sprache sollte altersentsprechend ausgeprägt sein. Das Kind soll Gesprächsbereitschaft zeigen und Gegenstände richtig benennen können.
  • Auf Aufforderung soll das Kind in der Lage sein, Handlungen durchzuführen, beispielsweise ein Viereck auszuschneiden.
  • Fragen zur eigenen Person, etwa Name und Alter, sollte ein Kind leicht beantworten können, bevor es in die Schule geht.
  • Das Zählen bis Zehn sowie Mengenvergleiche bis Zehn sollten ebenso möglich sein.
  • Hören und Sehen des Kindes müssen ausreichend ausgeprägt sein. Geräusche sollten differenziert werden können und das Zusammenlegen einfacher Puzzles möglich sein.
  • Unter den Punkten Denkfähigkeit und Kenntnisse wird von einem schulfähigen Kind erwartet, dass es Formen und Grundfarben erkennen und benennen kann oder einfache Handlungsabläufe erkennt und beschreiben kann.
  • Was Gedächtnis und Merkfähigkeit angeht, sollte ein schulfähiges Kind Bilder und Figuren wiedererkennen und zuordnen können (Memory). Einfache Lieder oder Reime soll das Kind behalten und wiedergeben können. Auch kleine Arbeitsaufträge sollte das Kind behalten können.

Motivationale und soziale Voraussetzungen

Das Prüfen von Leistungs- und Arbeitsverhalten des Kindes bezieht sich auf das Interesse an Spiel- und Lernangeboten, Sorgfalt in aufgetragenen Arbeiten und deren Abschluss. Ebenso wird unter anderem das zielstrebige Vorgehen beim Malen oder Basteln bewertet.

Aufmerksamkeit und Konzentration

Wichtig ist hierbei, dass das Kind eine Aufgabe zielstrebig bis zum Ende durchführt, ohne sich ablenken zu lassen. Eine Konzentrationsphase von zehn Minuten am Stück wird hier von einem schulfähigen Kind erwartet.

Psychischer Zustand und Individualverhalten

Eine gewisse psychische Stabilität, ein angemessenes Selbstwertgefühl und die Fähigkeit, mit kleinen Misserfolgen umgehen zu können, sind Voraussetzungen für die Schulfähigkeit eines Kindes. Das Kind sollte auch nicht unangemessen ängstlich sein, keine Trennungsangst haben und sprachliche Kontakte zu anderen nicht verweigern.

Sozialverhalten

In der Schule ist es wichtig, sich in die Gemeinschaft einzuordnen. Hierzu gehört auch ein konstruktives Konfliktlösungsverhalten. Hilfsbereitschaft und Freude am Spielen mit anderen Kindern sind hierbei von Vorteil. Wichtig ist vor allem, dass das Kind die Spielregeln akzeptiert und einhält.

Stichtagsregelung: Wann kommt ein Kind in die Schule?

Wann ein Kind eingeschult wird, hängt vor allem von der Stichtagsregelung im jeweiligen Bundesland ab. Stichtag bedeutet: Hat ein Kind bis zu einem bestimmten Tag (Stichtag) das sechste Lebensjahr vollendet, sollte es zum nächstmöglichen Termin eingeschult werden, sofern es über die nötige Schulreife verfügt. Darüber hinaus gibt es noch die sogenannten Kann-Kinder. Sie sind nach dem offiziellen Stichtag geboren, können aber auf Wunsch der Eltern und bei entsprechender Schulreife trotzdem im jeweils nächsten Schuljahr eingeschult werden.

Je nach Bundesland liegen die Stichtage für die Einschulung zwischen dem 30. Juni und 31. Dezember:

  • Stichtag Einschulung Baden-Württemberg: 31. August ab dem Schuljahr 2020/2021, danach schrittweise Vorverlegung um jeweils einen Monat bis 30. Juni für das Schuljahr 2022/2023
  • Stichtag Einschulung Bayern: 30. September, es besteht ein Einschulungskorridor zwischen 1. Juli und 30. September (Kann-Kinder)
  • Stichtag Einschulung Berlin: 30. September, auf Antrag auch 31. März möglich
  • Stichtag Einschulung Brandenburg: 30. September, geplant ist eine Vorverlegung auf den 30. Juni
  • Stichtag Einschulung Bremen: 30. Juni, auf Antrag ist die Einschulung mit Geburtsdatum bis 30. September möglich (Kann-Kinder)
  • Stichtag Einschulung Hamburg: 30. Juni
  • Stichtag Einschulung Hessen: 30. Juni, auf Antrag ist die Einschulung mit Geburtsdatum bis 31. Dezember möglich (Kann-Kinder)
  • Stichtag Einschulung Mecklenburg-Vorpommern: 30. Juni, auf Antrag ist die Einschulung mit Geburtsdatum bis 30. Juni des Folgejahres möglich (Kann-Kinder)
  • Stichtag Einschulung Niedersachsen: 30. September, auf Antrag ist die Einschulung mit einem späteren Geburtsdatum möglich (Kann-Kinder) oder auf Antrag ein Jahr später, wenn ein Kind zwischen dem 1. Juli und 30. September sechs Jahre alt wird
  • Stichtag Einschulung Nordrhein-Westfalen: 30. September, auf Antrag ist die Einschulung mit einem späteren Geburtsdatum möglich (Kann-Kinder)
  • Stichtag Einschulung Rheinland-Pfalz: 31. August, auf Antrag ist die Einschulung mit einem späteren Geburtsdatum möglich (Kann-Kinder)
  • Stichtag Einschulung Saarland: 30. Juni, auf Antrag ist die Einschulung mit einem späteren Geburtsdatum möglich (Kann-Kinder)
  • Stichtag Einschulung Sachsen: 30. Juni, auf Antrag ist die Einschulung mit einem späteren Geburtsdatum möglich (Kann-Kinder)
  • Stichtag Einschulung Sachsen-Anhalt: 30. Juni, auf Antrag ist die Einschulung mit einem späteren Geburtsdatum möglich (Kann-Kinder)
  • Stichtag Einschulung Schleswig-Holstein: 30. Juni, auf Antrag ist die Einschulung mit einem späteren Geburtsdatum möglich (Kann-Kinder)
  • Stichtag Einschulung Thüringen: 1. August, auf Antrag ist die Einschulung mit Geburtsdatum bis 30. Juni des Folgejahres möglich (Kann-Kinder)

Kann-Kinder: Vorziehen oder lieber warten?

Ein nach dem Stichtag für die Einschulung geborenes Kind hat trotzdem die Möglichkeit, im bereits folgenden Schuljahr eingeschult zu werden. Voraussetzung ist, dass es über die Schulreife verfügt, in seiner Entwicklung also schon soweit ist, dass es in der Schule gut mitkommen kann.

Es gibt Gründe für und gegen das Vorziehen. Letztlich ist es eine individuelle Entscheidung, die Eltern am besten gemeinsam mit dem Schularzt oder der Grundschule treffen. Eltern tun ihrem Kind nichts Gutes, wenn es in der Schule nicht mitkommt, körperlich und/oder geistig überfordert ist und deshalb von Anfang an Frustration mit dem Schulbesuch verbindet. Ein weiteres Jahr kann da schon viel verändern. Gerade in dem Alter entwickeln sich Kinder rasant.

Zurückstellung von der Schulbesuchspflicht

Eltern haben grundsätzlich die Möglichkeit, einen Antrag auf Zurückstellung zu stellen, wenn sie der Meinung sind, dass ihr schulpflichtiges Kind noch nicht schulreif ist oder einer besonderen Förderung bedarf. Auch hier ist das Prozedere von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Während dieser Antrag in Bayern beispielsweise an die jeweilige Grundschule gestellt wird, entscheidet in Berlin die Schulaufsicht des jeweiligen Bezirks. Entscheidend ist, dass der Rückstellung stattgegeben werden muss. Passiert das nicht, ist das Kind wie vorgesehen zum nächstmöglichen Zeitpunkt schulpflichtig.

Reiseapotheke-Checkliste
Beiträge im Forum "Forum für Großfamilien"
Neuste Artikel in dieser Rubrik
Vielfältige Hilfen

Herausfordernd aber nicht unmöglich: Studieren mit Kind ist heute dank zahlreicher Unterstützungen gut zu bewältigen. Hier erfahren Sie alles über die wichtigsten Hilfen für studentische Eltern. Mehr...

Mehr Geld für Kinder

Ab dem 1. Januar 2020 steigt das Existenzminimum für Kinder. Entsprechend höher wird der Kindesunterhalt berechnet. Auch beim Kinderfreibetrag und dem Kinderzuschlag gibt es Änderungen. Mehr...

Hilfe durch den Staat

Junge Familien stehen finanziell oft vor einer großen Herausforderung, wenn sie kleine Kinder haben. Es gibt eine Vielzahl finanzieller Unterstützung für Familien in Deutschland. Mehr...

Alle Themen zu Coronavirus, SARS-CoV-2 und COVID-19- Übersichtlich auf einer Seite.

mehr lesen...

Mit der Teilnahme an unseren interaktiven Gewinnspielen sichern Sie sich hochwertige Preise für sich und Ihre Liebsten!

Jetzt gewinnen

Nutze unsere Zyklus-App inklusive Eisprungkalender und Temperaturkurve (Android & iOS) bei Kinderwunsch.

Mehr zur App
Weitere interessante Themen
  • Familienleben & Beruf

    Familie und Beruf unter einen Hut bekommen – wie geht das? Wir geben Ihnen Tipps zur Kinderbetreuung und informieren Sie über Ihre finanziellen Möglichkeiten. Mehr...