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Anstrengende Herausforderung

Homeoffice wegen Corona: Arbeit und Kinder unter einem Dach

Das Coronavirus zwingt Familien zu außergewöhnlichen Alltagsmodellen: Eltern müssen zu Hause arbeiten und dort gleichzeitig ihre Kinder betreuen. Was Sie über das Homeoffice in Zeiten der Coronakrise wissen sollten.

Homeoffice wegen Corona: Arbeit und Kinder unter einem Dach
Das Coronavirus stellt Eltern vor neue Herausforderungen: Im Homeoffice arbeiten und gleichzeitig die Kinder betreuen.
© iStock.com/katleho Seisa

Im Überblick:

Homeoffice wegen Corona: Tipps für den Arbeitsalltag mit Kindern

Homeoffice und Corona: Die wichtigsten Fakten in Kürze

  • Gesetzlicher Anspruch auf Homeoffice: Zu Beginn der Coronavirus-Pandemie gab es keinen gesetzlichen Anspruch darauf, von zu Hause zu arbeiten. Arbeitnehmer konnten jedoch mit ihrem Arbeitgeber entsprechende Vereinbarungen treffen. Laut der Corona-Arbeitsschutz-Verordnung, die am 27. Januar 2021 in Kraft getreten ist, müssen Arbeitgeber ihren Angestellten nun die Arbeit im Homeoffice anbieten, wenn die Anwesenheit im Betrieb nicht zwingend erforderlich ist.
  • Notbetreuung: Arbeitnehmer, die keine andere Möglichkeit haben, können ihre Kinder in eine Ersatzbetreuung geben. Welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen, hängt von den jeweiligen Regelungen des Bundeslands ab.
  • Entschädigungszahlungen durch Schul- und Kitaschließungen: Durch eine Ergänzung im Infektionsschutzgesetz haben Eltern Anspruch auf finanzielle Entschädigung in Höhe von 67 Prozent des Verdienstausfalls (maximal jedoch von 2.016 Euro monatlich), wenn sie für die Kinderbetreuung zu Hause bleiben müssen. Voraussetzungen: Das Kind hat das zwölfte Lebensjahr noch nicht erreicht, ist behindert oder hilfebedürftig und es kann keine anderweitige zumutbare Betreuung sichergestellt werden.
  • Weitere Hilfen speziell für Familien: Für das Jahr 2021 erhalten Eltern mehr Kinderkrankentage: Sie werden von 10 auf 20 Tage pro Elternteil pro Kind verdoppelt und für Alleinerziehende von 20 auf 40 Tage pro Kind. Der Anspruch gilt nicht nur bei Krankheit des Kindes, sondern auch bei Einschränkungen aufgrund der Pandemie. Außerdem gibt es Erleichterungen beim Elterngeld: Einkommensersatzleistungen sollen das Elterngeld nicht reduzieren und  Monate mit geringerem Einkommen von der Elterngeldberechnung ausgenommen werden. Alle Informationen rund um die Unterstützung für Familien finden Sie auf der Website der Bundesregierung.
  • Sozialschutz-Paket: Um einen erleichterten Zugang zu Sozialleistungen in der Coronakrise zu ermöglichen, hat die Bundesregierung ein Sozialschutz-Paket auf den Weg gebracht. Informationen zu finanziellen Hilfen bei Kurzarbeit oder dem Verdienstausfall finden Sie hier beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales.
  • Hilfe für Selbstständige und kleine Unternehmen: Nicht jeder kann seiner Arbeit einfach im Homeoffice nachgehen. Das ist vor allem für Selbstständige ein großes Problem. Um ihre Existenzen zu sichern, stellt die Bundesregierung finanzielle Hilfen bereit. Hier können Sie alles über die sogenannten Überbrückungshilfen bei der Bundesregierung nachlesen und entsprechende Anträge stellen.

Wegen Corona: Im Homeoffice herrscht Chaos

Arbeiten im Homeoffice klingt für viele Arbeitnehmer eigentlich ziemlich verlockend: kein lästiger Arbeitsweg, kein Dresscode und die Mittagspause auf dem eigenen Sofa verbringen. Das mag unter normalen Umständen vielleicht sogar stimmen, doch wer aufgrund des Coronavirus gleichzeitig seine Kinder zu Hause betreuen muss, merkt schnell: Im Gegensatz zur rosaroten Vorstellung vom Homeoffice sieht die Realität weniger romantisch aus. In den meisten Haushalten geht es ziemlich turbulent zu. Statt Entschleunigung herrscht Chaos.

„Mama, nicht Hallo sagen“, beschwert sich der zweijährige Felix als seine Mutter Susan Willberg ans Telefon geht. „Das sagt er jetzt immer, wenn ich telefonieren möchte“, seufzt sie. Als Beraterin in einer Werbeagentur ist es Susans tägliches Brot, mit Kunden zu sprechen. Doch ihrem Sohn geht das ganz schön auf die Nerven. „Präsentationen halte ich mit Kind auf dem Arm“, erzählt sie. „Glücklicherweise springen bei den meisten meiner Kunden gerade auch kreischende Kinder im Hintergrund herum“.

Ihr Mann Tim arbeitet ebenfalls von zu Hause aus. Er ist Projektmanager in einem großen Hamburger Konzern. Seit Tim vor einigen Wochen ins Homeoffice umgezogen ist, hat er das Kinderzimmer zum Büro umfunktioniert, denn am Küchentisch sitzt seine Frau und ein weiteres Zimmer gibt es in ihrem Haushalt nicht. Doch trotz räumlicher Trennung steht auch bei ihm immer wieder der Sohn vor der Tür und ruft nach Papa. „Felix ist es nicht gewöhnt, dass wir alle zu Hause sind und im Gegensatz zum Wochenende trotzdem nicht ständig Zeit für ihn haben“, sagt Susan. „Wir versuchen jeden Tag, unserem Sohn und unseren Arbeitgebern gerecht zu werden. Da kostet der Alltag viel Kraft.“

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Recht auf Homeoffice: Gibt es das?

So wie Susan und Tim Willberg geht es vielen Familien: Sie jonglieren täglich mit den Herausforderungen, die das Coronavirus SARS-CoV-2 mit sich gebracht hat. Denn um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, werden Schulen und Kitas immer wieder geschlossen. Damit soziale Kontakte auf ein Minimum reduziert werden, sollen Angestellte möglichst zu Hause arbeiten.

Am 27. Januar 2021 ist eine Verordnung in Kraft getreten, die Arbeitgeber dazu auffordert, überall dort Homeoffice anzubieten, wo es möglich ist. Sprechen also keine zwingenden betriebsbedingten Gründe dagegen, müssen die Unternehmen ihren Angestellten die Arbeit im Homeoffice ermöglichen. Als Beschäftigter ist man aber nicht dazu gezwungen, dieses Angebot auch anzunehmen. Denn der Arbeitgeber hat kein Recht, über den privaten Wohnraum der Beschäftigten zu verfügen.

Kein Homeoffice möglich: Entschädigung bei Verdienstausfall

„Wir sprechen uns jeden Morgen ab und versuchen einander möglichst viel freie Zeit zu verschaffen“, sagt Tim. „Der Tag ist zwar anstrengender, aber wir bekommen das hin.“ Susan und Tim sind immerhin zu zweit. Noch viel schwieriger ist das Homeoffice mit Kindern für Alleinerziehende oder für Menschen, bei denen der andere berufstätige Partner in einem systemrelevanten Job arbeitet und gerade unverzichtbarer ist denn je.

Für Eltern, die aufgrund der Kinderbetreuung durch die behördlich angeordnete Kita- oder Schulschließung einen Verdienstausfall erleiden, wurde nun ein Gesetz zur Entschädigung erlassen: Wenn die Kinder unter zwölf Jahre alt sind, behindert oder hilfebedürftig, sollen die Eltern 67 Prozent des Netto-Verdienstausfalls (jedoch höchstens 2.016 Euro für einen vollen Monat) für eine Dauer von bis zu 20 Wochen erhalten. Der Anspruch besteht also für jeweils zehn Wochen bei der Mutter und zehn Wochen beim Vater oder für 20 Wochen bei Alleinerziehenden. Eltern, die Entschädigungszahlungen beantragen wollen, müssen belegen, dass sie keine Betreuungsmöglichkeit für ihr Kind haben. Wichtig: Eine Entschädigung wird nur dann ausgezahlt, wenn die Eltern nicht arbeiten können. Lässt sich die Arbeit im Homeoffice realisieren und wird die gleichzeitige Betreuung der Kinder als zumutbar eingeschätzt, hat man keinen Anspruch auf Entschädigungszahlungen.

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Kinder beschäftigen: Homeoffice erfordert Kreativität

Wer wie Susan und Tim zu Hause arbeitet, stellt sich natürlich die Frage, wie man den Nachwuchs den ganzen Tag sinnvoll beschäftigt. „Wir haben in puncto Spielzeugangebot ziemlich aufgefahren“, sagt Tim. „Vor allem Spiele, bei denen sich Felix lange selbst beschäftigen kann, sind jetzt natürlich angesagt“. Und das erfordert manchmal auch recht ungewöhnliche Methoden: „Wir erlauben viel mehr als wir es normalerweise tun“, verrät Susan. „Gestern wollte Felix zum Beispiel unbedingt Reiskörner auf dem Boden verteilen und sie wieder aufsammeln und wir haben ihn gelassen. So eine Art von Spiel wäre uns unter anderen Umständen im Leben nicht eingefallen“.

Auch Regeln zum Medienkonsum werden von vielen Familien in dieser Situation gelockert. Komplett über Bord werfen, sollte man diese zwar nicht, aber die digitale Welt bietet durchaus sinnvolle Möglichkeiten, um sich im Homeoffice etwas mehr Ruhe zu verschaffen – zum Beispiel Lern-Apps oder Wissensformate im Fernsehen. Aufpassen sollte man laut Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe vor allem darauf, die Kinder vor der aktuellen Berichterstattung zu schützen. Denn: Bilder von Menschen mit Schutzanzügen und Atemmasken können auf die Kleinen sehr bedrohlich wirken.

Wie Sie Ihrem Kind das Coronavirus am besten erklären, erfahren Sie hier.

Homeoffice für Eltern – ein Modell für die Zukunft?

Susan und Tim sind froh, wenn sie wieder zur Normalität zurückkehren können. Denn auch für die Paarbeziehung ist das Homeoffice mit Kindern eine Belastungsprobe: „Man zickt sich schon wesentlich öfter an“, sagt Susan. Trotzdem können die beiden dem Modell auch etwas Gutes abgewinnen: „Normalerweise verlasse ich um sechs Uhr morgens das Haus, wenn alle anderen noch schlafen“, erzählt Tim. „Jetzt frühstücken wir jeden Morgen zusammen und essen auch noch gemeinsam Mittag. Ich habe also viel mehr von Felix als sonst.“ Auch Susan hofft auf eine positive Nachwirkung: „Ich schaffe im Homeoffice wesentlich mehr als auf der Arbeit. Im Büro muss ich täglich um 13 Uhr den Stift fallen lassen, um Felix pünktlich abzuholen. Zu Hause bin ich viel flexibler. Ich hoffe, dass mein Chef das erkennt und es mir zukünftig erlaubt, öfter im Homeoffice zu arbeiten.“

Laut Statistischem Bundesamt ist Susan mit diesem Wunsch nicht allein: Eine Arbeitskräfteerhebung ergab, dass Erwerbstätige der Meinung sind, sie könnten familiäre und persönliche Verpflichtungen durch Heimarbeit besser wahrnehmen und die Freizeit effektiver nutzen. Möglicherweise erweitern Betriebe ihre Angebote fürs Homeoffice also auch, wenn Kitas und Schulen wieder geöffnet und die Coronakrise überstanden ist. Bis dahin hat Tim einen Tipp für alle Eltern: „Immer versuchen, cool und entspannt zu bleiben und das beste aus der Situation machen.“

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