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Anstrengende Herausforderung

Homeoffice wegen Corona: Arbeit und Kinder unter einem Dach

Das Coronavirus zwingt Familien zu außergewöhnlichen Alltagsmodellen: Eltern müssen zu Hause arbeiten und dort gleichzeitig ihre Kinder betreuen. Was Sie über das Homeoffice in Zeiten der Coronakrise wissen sollten.

Homeoffice wegen Corona: Arbeit und Kinder unter einem Dach
Das Coronavirus stellt Eltern vor neue Herausforderungen: Im Homeoffice arbeiten und gleichzeitig die Kinder betreuen.
© iStock.com/katleho Seisa

Arbeiten im Homeoffice klingt für viele Arbeitnehmer eigentlich ziemlich verlockend: kein lästiger Arbeitsweg, kein Dresscode und die Mittagspause auf dem eigenen Sofa verbringen. Das mag unter normalen Umständen vielleicht sogar stimmen, doch wer aufgrund des Coronavirus gleichzeitig seine Kinder zu Hause betreuen muss, merkt schnell: Im Gegensatz zur rosaroten Vorstellung vom Homeoffice sieht die Realität weniger romantisch aus. In den meisten Haushalten geht es ziemlich turbulent zu. Statt Entschleunigung herrscht Chaos.

Homeoffice wegen Corona: Tipps für den Arbeitsalltag mit Kindern

Homeoffice und Corona: Die wichtigsten Fakten in Kürze

  • Gesetzlicher Anspruch: Es besteht kein gesetzlicher Anspruch darauf, von zu Hause zu arbeiten. Arbeitnehmer können jedoch mit ihrem Arbeitgeber entsprechende Vereinbarungen treffen.
  • Leistungsverweigerungsrecht: Lässt sich die Kinderbetreuung nicht sicherstellen, obwohl alle zumutbaren Anstrengungen unternommen wurden, kann der Arbeitnehmer ein Leistungsverweigerungsrecht haben. Es besteht dann jedoch nicht automatisch der Anspruch auf Fortzahlung des Arbeitsentgelts.
  • Notbetreuung: Arbeitnehmer, die in systemrelevanten Berufen arbeiten und dementsprechend keine Homeoffice-Möglichkeit haben, können ihre Kinder in eine Ersatzbetreuung geben.
  • Entschädigungszahlungen durch Schul- und Kitaschließungen: Das Homeoffice wird als zumutbare Betreuungsmöglichkeit angesehen. Beschäftigte, die von zu Hause arbeiten können, haben demnach kein Recht auf Entschädigungszahlungen durch die Behörden. (Stand: 03.04.2020)
  • Sozialschutz-Paket: Um einen erleichterten Zugang zu Sozialleistungen in der Coronakrise zu ermöglichen, hat die Bundesregierung ein Sozialschutz-Paket auf den Weg gebracht. Informationen zu finanziellen Hilfen bei Kurzarbeit oder dem Verdienstausfall durch Kinderbetreuung finden Sie hier beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales.
  • Hilfe für Selbstständige und kleine Unternehmen: Nicht jeder kann seiner Arbeit einfach im Homeoffice nachgehen. Das ist vor allem für Selbstständige ein großes Problem. Um ihre Existenzen zu sichern, stellt die Bundesregierung finanzielle Hilfen bereit. Alles zur Beantragung von Soforthilfe finden Sie hier auf der Website der Bundesregierung.

Wegen Corona: Im Homeoffice herrscht Chaos

„Mama, nicht Hallo sagen“, beschwert sich der zweijährige Felix als seine Mutter Susan Willberg ans Telefon geht. „Das sagt er jetzt immer, wenn ich telefonieren möchte“, seufzt sie. Als Beraterin in einer Werbeagentur ist es Susans tägliches Brot, mit Kunden zu sprechen. Doch ihrem Sohn geht das ganz schön auf die Nerven. „Präsentationen halte ich mit Kind auf dem Arm“, erzählt sie. „Glücklicherweise springen bei den meisten meiner Kunden gerade auch kreischende Kinder im Hintergrund herum“.

Ihr Mann Tim arbeitet ebenfalls von zu Hause aus. Er ist Projektmanager in einem großen Hamburger Konzern. Seit Tim vor einigen Wochen ins Homeoffice umgezogen ist, hat er das Kinderzimmer zum Büro umfunktioniert, denn am Küchentisch sitzt seine Frau und ein weiteres Zimmer gibt es in ihrem Haushalt nicht. Doch trotz räumlicher Trennung steht auch bei ihm immer wieder der Sohn vor der Tür und ruft nach Papa. „Felix ist es nicht gewöhnt, dass wir alle zu Hause sind und im Gegensatz zum Wochenende trotzdem nicht ständig Zeit für ihn haben“, sagt Susan. „Wir versuchen jeden Tag, unserem Sohn und unseren Arbeitgebern gerecht zu werden. Da kostet der Alltag viel Kraft.“

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Recht auf Arbeit im Homeoffice?

So wie Susan und Tim Willberg geht es vielen Familien: Sie jonglieren täglich mit den Herausforderungen, die das Coronavirus SARS-CoV-2 mit sich gebracht hat. Denn um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, sind Schulen und Kitas seit Wochen geschlossen und in den Osterferien dürfen die Großeltern nicht als Ersatzbetreuung einspringen. Damit soziale Kontakte auf ein Minimum reduziert werden, sollen Angestellte möglichst zu Hause arbeiten.

Einen gesetzlichen Anspruch auf Arbeit im Homeoffice gibt es laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales allerdings nicht. Jedoch ermöglichen viele Betriebe aufgrund der aktuellen Empfehlungen zum „Social Distancing“ ihren Mitarbeiten die Arbeit im Homeoffice. Entweder sind solche Optionen bereits in der Betriebsvereinbarung oder dem Tarifvertrag geregelt oder es erfolgt eine Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund weist darauf hin, dass der Arbeitgeber Homeoffice nicht einseitig anordnen kann. Denn er hat kein Recht, über den privaten Wohnraum der Beschäftigten zu verfügen. Auf der anderen Seite darf der Arbeitnehmer seinem Arbeitsplatz auch nicht einfach aus der bloßen Befürchtung fernbleiben, er könnte sich auf dem Weg zur Arbeit oder am Arbeitsplatz mit dem Coronavirus anstecken.

Ein Gespräch und eine gemeinsame Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die das Ansteckungsrisiko für alle Beteiligten minimiert, ist in der aktuellen Situation die sinnvollste Lösung. Dazu kann auch der freiwillige Abbau von Resturlaub oder Überstunden gehören. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hat einen Appell an alle Arbeitgeber gerichtet: „Ich bitte Sie angesichts der akuten Lage gemeinsam mit Ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu pragmatischen, unbürokratischen und einvernehmlichen Lösungen zu kommen, die nicht zu Lohneinbußen führen.“

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Homeoffice als zumutbare Betreuungsmöglichkeit

„Wir sprechen uns jeden Morgen ab und versuchen einander möglichst viel freie Zeit zu verschaffen“, sagt Tim. „Der Tag ist zwar anstrengender, aber wir bekommen das hin.“ Susan und Tim sind immerhin zu zweit. Noch viel schwieriger ist das Homeoffice mit Kindern für Alleinerziehende oder für Menschen, bei denen der andere berufstätige Partner in einem systemrelevanten Job arbeitet und gerade unverzichtbarer ist denn je.

Laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales besteht ein Leistungsverweigerungsrecht, wenn die erforderliche Kinderbetreuung auch dann nicht sichergestellt werden kann, wenn alle zumutbaren Anstrengungen unternommen wurden. In solchen Fällen wird der Arbeitnehmer von seiner Pflicht, die Leistung zu erbringen, befreit – ohne dafür zwingend Urlaub nehmen zu müssen. Aber: Nur unter engen Voraussetzungen wird in einem solchen Fall weiterhin Arbeitsentgelt gezahlt. Wer sich in einer solchen Situation befindet, sollte daher unbedingt das Gespräch mit seinem Arbeitgeber suchen.

Als systemrelevante Berufe werden übrigens solche bezeichnet, die eine wichtige Bedeutung für das Gemeinwesen haben: Hierzu zählen zum Beispiel Menschen, die in der Gesundheitsvorsorge oder der Pflege arbeiten, bei der Polizei oder in der Lebensmittelversorgung. Betroffene Eltern können ihre Kinder in einer Notbetreuung unterbringen.

Für Eltern, die aufgrund der Kinderbetreuung durch die behördlich angeordnete Kita- oder Schulschließung einen Verdienstausfall erleiden, wurde kürzlich ein Gesetz erlassen, dessen Regelungen ab dem 30. März 2020 in Kraft treten: Wenn die Kinder unter zwölf Jahre alt sind, sollen die Eltern 67 Prozent des Netto-Verdienstausfalls (jedoch höchstens 2.016 Euro für einen vollen Monat) für eine Dauer von bis zu sechs Wochen erhalten. Eltern, die Entschädigungszahlungen beantragen wollen, müssen belegen, dass sie keine Betreuungsmöglichkeit für ihr Kind haben. Großeltern sind von den möglichen Betreuungspersonen ausgenommen, da diese zur Risikogruppe für einen schweren Verlauf der Lungenerkrankung Covid-19 gehören, die durch das Virus ausgelöst werden kann. Die Arbeit von zu Hause wird hingegen als zumutbare Betreuung angesehen. Das heißt konkret: Beschäftigte, die im Homeoffice arbeiten und gleichzeitig Kinder betreuen, haben zum aktuellen Zeitpunkt keinen Anspruch auf Entschädigungszahlungen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisiert dies scharf.

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Kinder beschäftigen: Homeoffice erfordert Kreativität

Wer wie Susan und Tim zu Hause arbeitet, stellt sich natürlich die Frage, wie man den Nachwuchs den ganzen Tag sinnvoll beschäftigt. „Wir haben in puncto Spielzeugangebot ziemlich aufgefahren“, sagt Tim. „Vor allem Spiele, bei denen sich Felix lange selbst beschäftigen kann, sind jetzt natürlich angesagt“. Und das erfordert manchmal auch recht ungewöhnliche Methoden: „Wir erlauben viel mehr als wir es normalerweise tun“, verrät Susan. „Gestern wollte Felix zum Beispiel unbedingt Reiskörner auf dem Boden verteilen und sie wieder aufsammeln und wir haben ihn gelassen. So eine Art von Spiel wäre uns unter anderen Umständen im Leben nicht eingefallen“.

Auch Regeln zum Medienkonsum werden von vielen Familien in dieser Situation gelockert. Komplett über Bord werfen, sollte man diese zwar nicht, aber die digitale Welt bietet durchaus sinnvolle Möglichkeiten, um sich im Homeoffice etwas mehr Ruhe zu verschaffen – zum Beispiel Lern-Apps oder Wissensformate im Fernsehen. Aufpassen sollte man laut Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe vor allem darauf, die Kinder vor der aktuellen Berichterstattung zu schützen. Denn: Bilder von Menschen mit Schutzanzügen und Atemmasken können auf die Kleinen sehr bedrohlich wirken.

Wie Sie Ihrem Kind das Coronavirus am besten erklären, erfahren Sie hier.

Homeoffice für Eltern – ein Modell für die Zukunft?

Susan und Tim sind froh, wenn sie wieder zur Normalität zurückkehren können. Denn auch für die Paarbeziehung ist das Homeoffice mit Kindern eine Belastungsprobe: „Man zickt sich schon wesentlich öfter an“, sagt Susan. Trotzdem können die beiden dem Modell auch etwas Gutes abgewinnen: „Normalerweise verlasse ich um sechs Uhr morgens das Haus, wenn alle anderen noch schlafen“, erzählt Tim. „Jetzt frühstücken wir jeden Morgen zusammen und essen auch noch gemeinsam Mittag. Ich habe also viel mehr von Felix als sonst.“ Auch Susan hofft auf eine positive Nachwirkung: „Ich schaffe im Homeoffice wesentlich mehr als auf der Arbeit. Im Büro muss ich täglich um 13 Uhr den Stift fallen lassen, um Felix pünktlich abzuholen. Zu Hause bin ich viel flexibler. Ich hoffe, dass mein Chef das erkennt und es mir zukünftig erlaubt, öfter im Homeoffice zu arbeiten.“

Laut Statistischem Bundesamt ist Susan mit diesem Wunsch nicht allein: Eine Arbeitskräfteerhebung ergab, dass Erwerbstätige der Meinung sind, sie könnten familiäre und persönliche Verpflichtungen durch Heimarbeit besser wahrnehmen und die Freizeit effektiver nutzen. Möglicherweise erweitern Betriebe ihre Angebote fürs Homeoffice also auch, wenn Kitas und Schulen wieder geöffnet und die Coronakrise überstanden ist. Bis dahin hat Tim einen Tipp für alle Eltern: „Immer versuchen, cool und entspannt zu bleiben und das beste aus der Situation machen.“

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