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Vaterschaftstest (Abstammungsgutachten)

Autor: Miriam Funk, Medizinredakteurin
Letzte Aktualisierung: 21. August 2013

Ein Vaterschaftstest, in der Amtssprache als Abstammungsgutachten bezeichnet, dient dazu festzustellen, ob ein Mann der biologische Vater eines Kindes ist.

Vaterschaftstest
Bei einem Vaterschaftstest helfen die Grundlagen der Vererbung dabei, die biologische Vaterschaft festzustellen (Bild: Pixelio/Thomas Weiss)

Vaterschaftstests werden oft von Gerichten, Behörden aber auch von Privatpersonen in Auftrag gegeben. Die Gründe sind meistens Streitigkeiten um Unterhaltszahlungen oder Sorgerechtsansprüche.

Wann kann ein Vaterschaftstest durchgeführt werden?

Ein Vaterschaftstest kann in besonderen Fällen wie beispielsweise nach einer Vergewaltigung bereits in der Schwangerschaft durchgeführt werden. Dabei besteht jedoch das Risiko einer Fehlgeburt, da das Material, welches genetisch untersucht werden soll, mithilfe einer Chorionzotten-Biopsie oder einer Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) gewonnen wird. Deshalb wird er in der Regel nach der Geburt durchgeführt.

Wie funktioniert ein Vaterschaftstest?

Bei einem Vaterschaftstest werden genetische Merkmale von Vater und Kind überprüft und verglichen. Jeder Mensch besitzt ein individuelles genetisches Profil (genetischer Fingerabdruck), das sich von dem Profil anderer Menschen unterscheidet. Die genetischen Profile der biologischen Eltern besitzen jedoch Gemeinsamkeiten mit dem des Kindes, wodurch eine Verwandtschaft nachgewiesen werden kann. Der genetische Fingerabdruck der Mutter wird nicht unbedingt benötigt, kann aber die Auswertung erleichtern und die Aussagekraft des Tests erhöhen.

Wie wird das genetische Profil festgestellt?

Um das genetische Profil einer Person festzustellen, wird eine Gewebe- oder Körperflüssigkeitsprobe benötigt, aus der die DNS, der Träger der genetischen Informationen, isoliert werden kann. Dafür können beispielsweise Blut, Speichel oder Haare verwendet werden. Die genauen Anforderungen werden von den entsprechenden Untersuchungslaboren mitgeteilt. Durch chemische Verfahren wird die DNS zunächst von anderen Bestandteilen der Proben getrennt. Anschließend wird mithilfe molekularbiologischer Methoden das genetische Profil erstellt. Dabei werden Abschnitte der DNS gezielt vervielfältigt und sichtbar gemacht. Aus den Ergebnissen lässt sich das Muster ablesen, das charakteristisch für eine einzelne Person ist.

Welche Voraussetzungen müssen für einen Vaterschaftstest erfüllt sein?

Wird der Vaterschaftstest mit einer Blutprobe durchgeführt, sollten die untersuchten Personen innerhalb der letzten drei Monate vor der Probenentnahme keine Bluttransfusionen erhalten haben.

Wie sicher ist ein Vaterschaftstest?

Bei den momentan gängigen Methoden eines Vaterschaftstests, wobei mindestens zwölf genetische Merkmale von Vater, Mutter und Kind verglichen werden, liegt die Aussagesicherheit für den Ausschluss oder die Bestätigung einer biologischen Vaterschaft bei 99,9 Prozent.

Wie ist die Rechtslage zu Vaterschaftstests in Deutschland?

Im Zusammenhang mit Vaterschaftstests gibt es verschiedene rechtliche Dinge zu beachten.

Wer gilt rechtlich als Vater eines Kindes?

Der biologische Vater eines Kindes gilt dem Gesetz nach nicht immer auch gleichzeitig als der rechtliche Vater. Laut § 1592 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) gilt als Vater eines Kindes der Mann:

  • der zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter des Kindes verheiratet ist,
  • der die Vaterschaft anerkannt hat oder
  • dessen Vaterschaft gerichtlich festgestellt ist

Wer ist berechtigt eine Vaterschaft anzufechten?

Bei der gerichtlichen Anfechtung einer Vaterschaft kann der Vaterschaftstest eine wichtige Rolle spielen. Die Berechtigung eine Vaterschaft anzufechten hat gemäß § 1600 des BGB:

  • der rechtliche Vater
  • der vermeintlich biologische Vater
  • die Mutter
  • das Kind
  • eine anfechtungsberechtigte Behörde (zum Beispiel das Jugendamt)

Sind heimliche Vaterschaftstests erlaubt?

Vaterschaftstests ohne Wissen des potenziellen Vaters durchzuführen, ist in Deutschland seit dem 24. April 2009 strafbar. Ein Vaterschaftstest darf dem Gendiagnostikgesetz zufolge nur durchgeführt werden wenn:

  • die untersuchten Personen durch den Arzt oder entsprechend ausgebildeten Naturwissenschaftler, der die Untersuchung durchführt, aufgeklärt wurden
  • die untersuchten Personen der Entnahme einer Probe für die genetische Analyse zugestimmt haben

Verstöße können mit Bußgeldern von bis zu 5.000 Euro geahndet werden.

Ein privat in Auftrag gegebener Vaterschaftstest kann vor Gericht verwendet werden, sofern die rechtlichen Bestimmungen zur Durchführung eines Vaterschaftstest eingehalten wurden. Das Gericht kann privat angeforderte Gutachten anerkennen, ist aber nicht dazu verpflichtet.

Einen Vaterschaftstest privat in Auftrag zu geben, kann deshalb sinnvoll sein, da die Kosten, die in Zusammenhang mit der gerichtlichen Anordnung eines Vaterschaftsgutachtens stehen, meistens die Kosten eines privat angeforderten Vaterschaftstests übersteigen.

 

Autor: Miriam Funk, Medizinredakteurin
Letzte Aktualisierung: 21. August 2013
Quellen
Beiträge im Forum "Kinderwunsch und Partnerschaft"
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