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Natürliche Verhütung

Symptothermale Methode: Zyklusbeobachtung zur Verhütung oder bei Kinderwunsch

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin / Expertenteam
Letzte Aktualisierung: 14. September 2018

Die symptothermale Methode ist eine Methode der natürlichen Familienplanung, bei der die fruchtbaren Tage mittels der Beobachtung und Messung von körperlichen Symptomen bestimmt werden. Sie eignet sich sowohl zur hormonfreien Verhütung als auch bei Kinderwunsch. Wichtig für die Sicherheit des Konzepts ist die gewissenhafte Anwendung und Auswertung der Ergebnisse.

Symptothermale Methode: Zyklusbeobachtung zur Verhütung oder bei Kinderwunsch
Bei der symptothermalen Methode werden die Beschaffenheit des Zervixschleims sowie die morgendliche Temperatur aufgezeichnet, um die fruchtbaren Tage zu bestimmen.
© iStock.com/Tom Merton

Richtig angewendet gilt die symptothermale Methode als sicherste Methode der natürlichen Verhütung, wenn während der fruchtbaren Tage konsequent auf Geschlechtsverkehr verzichtet wird. Gleichzeitig ist sie eine sehr beliebte Anwendungskombination, um bei Kinderwunsch die fruchtbaren Tage zu bestimmen.

In diesem Artikel lesen Sie:

Konzept der symptothermalen Methode

Das Prinzip der smyptothermalen Methode beruht auf der Beobachtung und Auswertung von zwei wichtigen, völlig natürlichen Körpersymptomen:

  1. Körpertemperatur direkt nach dem Aufwachen (Basaltemperatur) = thermal,
  2. Veränderung des Zervixschleims im Laufe des Zyklus = sympto.

Basierend auf der Erkenntnis, dass weibliche Eizellen maximal zwölf bis 24 Stunden befruchtbar und männliche Spermien bis maximal fünf Tage im Körper der Frau überlebensfähig sind, lassen sich aus den Ergebnissen dieser beiden Beobachtungen eindeutige Rückschlüsse auf die fruchtbaren Tage sowie den Zeitpunkt des Eisprungs ziehen.

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Sicherheit der sympthothermalen Methode

Wenn Sie schwanger werden möchten, können Sie den Zeitpunkt des Geschlechtsverkehrs mithilfe Ihres Zyklus-Wissens durch die Messergebnisse so bestimmen, dass die Chancen auf eine Befruchtung steigen.

Umgekehrt eignet sich die symptothermale Methode, korrekt durchgeführt und ausgewertet, durchaus auch zur hormonfreien Empfängnisverhütung. Entscheidend für die Sicherheit der symptothermalen Methode ist die richtige Anwendung. Ihr Pearl-Index liegt bei 0,4 bis 2,3. Das bedeutet, dass im Zeitraum eines Jahres von 100 Frauen, die diese Verhütungsmethode anwenden, durchschnittlich 0,4 bis 2,3 ungewollt schwanger werden. Die Ergebnisse schwanken je nach Studie.

Eine Rolle bei der Einschätzung der Sicherheit spielt auch, ob die Frauen während der fruchtbaren Tage enthaltsam sind oder mit Barrieremethoden wie Kondom oder Diaphragma verhüten. So stieg beispielsweise während einer Langzeitstudie der Universität Heidelberg, an der 900 Frauen 20 Jahre lang insgesamt 17.638 Zyklen dokumentierten, der Pearl-Index auf 0,6 bei den Frauen, die während ihrer fruchtbaren Tage Sex mit Verhütungsmethoden im Vergleich zu 0,4 bei den "enthaltsamen" Teilnehmerinnen. 7,5 betrug der Pearl-Index bei denjenigen, die während ihrer fruchtbaren Tage ungeschützten Geschlechtsverkehr hatten. Die Studienabbruchrate bei dieser Studie lag mit 9,2 pro 100 Frauen übrigens vergleichsweise hoch. Ein Hinweis darauf, dass die symptothermale Methode doch ein wenig Durchhaltevermögen und Disziplin erfordert, bis sie "richtig" erlernt wurde und sicher angewendet werden kann.

Grundsätzlich gilt: Je mehr Zyklen, in denen Sie die symptothermale Methode angewendet haben, hinter Ihnen liegen, desto genauer ist die Auswertung.

Anwendung: So funktioniert die symptothermale Methode

1. Basaltemperatur messen

Die Körpertemperatur direkt nach dem Aufwachen schwankt bei Frauen innerhalb ihres Zyklus: In der ersten Zyklushälfte ist sie relativ konstant, kurz vor dem Eisprung sinkt sie eventuell noch leicht, um dann zum Zeitpunkt des Eisprungs anzusteigen (durchschnittlich um mindestens 0,2 Grad Celsius). In der zweiten Zyklushälfte, der Lutealphase, ist die Körpertemperatur weiter höher als in der ersten Zyklushälfte. Verursacht wird das durch das Hormon Progesteron, das einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung einer Schwangerschaft leistet, indem es zum Beispiel maßgeblich die Gebärmutterschleimhaut für die Einnistung einer befruchteten Eizelle aufbaut.

Sie benötigen für die Messung Ihrer Körpertemperatur ein handelsübliches Thermometer, das am besten über zwei Nachkommastellen verfügt, sowie ein Kalenderblatt, in das Sie Ihre Temperatur eintragen. In einigen Zyklus-Apps gibt es diese Funktion mittlerweile auch, beispielsweise in der Zykluskalender-App von 9monate.de.

Das sollten Sie beim Messen beachten:

  • Messen Sie gleich morgens nach dem Aufwachen, am besten noch im Liegen. Legen Sie sich das Thermometer neben das Bett, sodass Sie es morgens gleich griffbereit haben.
  • Messen Sie immer ungefähr zur gleichen Tageszeit, denn auch im Laufe des Tages schwankt die Temperatur.
  • Die Messung erfolgt am besten im Mund, unter dem Zungenbändchen, in der Scheide oder im Darm. Unter der Achselhöhle wäre die Messung zu ungenau.
  • Wenn Sie weniger als vier Stunden geschlafen haben, kann die Temperatur schwanken. Messen Sie sie dann trotzdem und schreiben Sie sich einen Vermerk dazu. So können Sie beim Auswerten eventuelle Schwankungen besser deuten.
  • Das gilt auch für Tage, an denen Sie sich generell unwohl fühlen oder krank sind, sowie in besonders stressigen Zeiten oder auf Reisen.
  • Tragen Sie Ihre Temperatur in Ihren Kalender ein.

Hier erfahren Sie mehr über die Basaltemperatur-/Temperaturmethode.

Hier finden Sie Auswertungshilfen in Form von Beispielkurven.

2. Zervixschleim beobachten

Im Laufe des Zyklus verändert sich die Beschaffenheit des Zervixschleims. Während er zu Beginn kaum sichtbar ist, wird er zunächst mit Fortschreiten des Zyklus immer sichtbarer und dehnbarer, bis er schließlich um den Eisprung herum spinnbar und durchsichtig ist. Nun hat er die beste Konsistenz, um das Fortkommen der Spermien auf ihrem Weg zur Eizelle zu unterstützen.

Den Zervixschleim untersuchen Sie am besten, indem Sie mit dem Finger etwas vom Scheideneingang abnehmen und auf Toilettenpapier abstreifen. Notieren Sie Farbe, Beschaffenheit und Dehnbarkeit auf Ihrem Kalender oder in Ihrer App. Führen Sie die Untersuchung vor dem Toilettengang durch, da sich sonst eventuell zu wenig Zervixschleim in der Scheide befindet.

Hier erfahren Sie mehr über die Untersuchung des Zervixschleims/die Billingsmethode.

Zervixschleim: So deuten Sie ihn richtig

Symptothermale Methode: Vor- und Nachteile

Wie jede Verhütungsmethode hat auch die symptothermale Vor- und Nachteile, die je nach eigener Lebenssituation unterschiedlich wiegen. Der größte Vorteil ist sicherlich, dass die symptothermale Methode nicht in den Zyklus eingreift. Zudem ist sie bei korrekter Anwendung etwa so sicher wie die Antibabypille (Die Pille) – aber nur dann. Weitere Vorteile sind:

  • Das Verständnis für die Vorgänge im eigenen Körper wird größer.
  • Die Methode ist kostenfrei.
  • Es werden bis auf das Thermometer keine Hilfsmittel benötigt.
  • Man kann jederzeit damit beginnen.
  • Die symptothermale Methode hat keine Nebenwirkungen.

Als Nachteil empfinden viele Paare, dass sie bei Anwendung der symptothermalen Methode während der fruchtbaren Tage auf Sex verzichten sollten. Die Verwendung von Kondomen oder anderen Barrieremethoden ist zwar auch möglich, verringert aber die Sicherheit. Weitere Nachteile der symptothermalen Methode:

  • Das richtige Erlernen der Methode ist das A und O und erfordert einige "Übungszyklen".
  • Die symptothermale Methode kann als etwas aufwändig betrachtet werden.
  • Bei Stress, Erkrankungen oder auch Zeitumstellung (zum Beispiel im Urlaub) können die Ergebnisse vor allem der Temperaturmessung ungenau werden.

Zur Erhöhung der Sicherheit: Muttermund untersuchen

Zur Erhöhung der Sicherheit der symptothermalen Methode kann man zusätzlich den Muttermund untersuchen. Der Muttermund bietet ebenfalls einen Hinweis auf die fruchtbaren Tage, weil sich seine Beschaffenheit während dieser Zyklusphase verändert. Während er kurz nach der Menstruation geschlossen ist und sich hart anfühlt, wird er während der Zeit um den Eisprung herum weich und verlagert sich oftmals noch etwas nach oben. Zur Untersuchung des Muttermundes führt man ein oder zwei Finger vorsichtig in die Scheide ein.

Die Untersuchung des Muttermundes sollte lediglich als Ergänzung der symptothermalen Methode zusätzlich zur Temperaturmessung und Untersuchung des Zervixschleims durchgeführt werden. Als alleinige Methode zur Verhütung ist sie zu unsicher.

Symptothermale Methode bei Kinderwunsch: Zyklus-App

Zur besseren Aufzeichnung und Übersicht der Messergebnisse bei der symptothermalen Methode gibt es mittlerweile zahlreiche Apps. Die Zykluskalender-App von 9monate.de eignet sich für die Anwendung der symptothermalen Methode sowohl bei Kinderwunsch als auch zur Verhütung (ohne Gewähr!). Für die Messung der Basaltemperatur steht eine Kurvenübersicht zur Verfügung, außerdem lassen sich Beschaffenheit des Zervixschleims, Mittelschmerz und mehr eintragen.

Die App zur Unterstützung der symptothermalen Methode verfügt über weitere personalisierbare Eintragsmöglichkeiten, hat eine Erinnerungsfunktion, bietet zahlreiche Informationen rund um Kinderwunsch und Verhütung und ist zudem kostenfrei.

Unsere Zyklus-Eisprungkalender- App ist für Android hier erhältlich.

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Hier geht es direkt zum AppStore von Apple.

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Autor: Karin Wunder, Medizinautorin / Expertenteam
Letzte Aktualisierung: 14. September 2018
Quellen

Beiträge im Forum "Kurvendiskussion - Diskussionsforum für Basaltemperaturen"
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