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Kortison (Cortison)

Kortison

Autor: Karin Wunder
Letzte Aktualisierung: 15. Dezember 2016

Kortison ist ein natürliches Glukokortikoid, ein körpereigenes Hormon, das in den Nebennieren gebildet wird. Es wirkt antientzündlich und unterdrückt überschießende Immunreaktionen.

Kortison
Wegen seiner Nebenwirkungen nehmen viele Menschen Kortison ungern ein, dabei ist es eines der wichtigsten Medikamente zur Behandlung zahlreicher Erkrankungen
iStock/g-stockstudio

Kortison als Medikament wurde um 1949 in die Behandlung entzündlich-allergischer und spezifischer Hormonmangelzustände eingeführt. Es gehört heute zu den am häufigsten in der medizinischen Therapie verschriebenen Mitteln. Aufgrund seiner stark entzündungshemmenden Wirkung kann Kortison lebensrettend sein. Kortison kommt als Medikament auch bei einer Nebenniereninsuffizienz zum Einsatz, wenn die Nebenniere nicht mehr ausreichend Glukokortikoide produzieren kann.

Was ist Kortison?

Kortison ist eigentlich ein Sammelbegriff für verschiedene Hormone mit glukokortikoider Wirkung (Glukokortikoide). Glukokortikoide kommen als Hormone natürlicherweise im Körper vor und beeinflussen hier eine Reihe von Vorgängen und Organen. Gebildet werden sie im Körper in den Nebennieren.

Als Medikament wird künstlich hergestelltes Kortison gegen eine Vielzahl von Erkrankungen eingesetzt.

Wirkung von Kortison

Kortison wird von den Nebennieren in erster Linie bei Stress und Belastungen ausgeschüttet, es erhöht den Blutzuckerspiegel und steigert den Eiweißabbau, um dem Körper kurzfristig mehr Energie zur Verfügung zu stellen. Außerdem unterdrückt Kortison Reaktionen des Immunsystems, indem es die zu den weißen Blutkörperchen gehörigen Lymphozyten hemmt. Damit werden auch Entzündungen, die das Immunsystem notwendigerweise verursacht, um Krankheiten zu bekämpfen, abgeschwächt. Kortison gehört damit zur Gruppe der Immunsuppressiva, das sind Wirkstoffe, die das Immunsystem unterdrücken.

Eines der bekanntesten Einsatzgebiete von Kortison ist die Behandlung von Asthma. Kortison wirkt hier deshalb so gut, weil beim Asthma, die Atemwege entzündet sind. Gegen diese dauerhafte Entzündung werden Glukokortikoide eingesetzt. Auch bei Allergien und Rheuma kommt Kortison häufig zur Anwendung, da es die Autoimmunreaktion des Immunsystems unterdrückt.

Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Schuppenflechte oder Ekzeme sprechen ebenfalls gut auf Kortison, in der Regel als Wirkstoff in einer Salbe oder Creme aufgetragen, an.

Schlechter Ruf und Nebenwirkungen

Aufgrund seiner zahlreichen Nebenwirkungen hat Kortison einen schlechten Ruf. Welche Nebenwirkungen vorkommen und wie intensiv sie sind, hängt aber maßgeblich von der Darreichungsform (also Gabe als Tablette, Creme oder Injektion) sowie von der Höhe der Dosierung ab. Vor allem in hoher Dosierung und langfristig angewandt, kann Kortison Nebenwirkungen haben. Das gilt insbesondere für eine systemische Gabe, also die Einnahme von Kortisontabletten, und wenn die Dosis höher ist als diejenige, die normalerweise vom Körper produziert würde. Kortisontabletten daher immer verschreibungspflichtig.

Weil Kortison das Immunsystem unterdrückt, steigt die Anfälligkeit für Infektionen und Wunden heilen schlechter. Manche Kortikoide können sich auf den Mineralienhaushalt auswirken, da vermehrt Kalium ausgeschieden wird, was zu Kaliummangel und Wassereinlagerungen (Ödemen) führt.

Weitere Nebenwirkungen von Kortison sind:

  • Bluthochdruck
  • Osteoporose
  • Muskelschwund
  • dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel
  • Gewichtszunahme
  • Diabetes mellitus
  • Umverteilung des Körperfetts hin zum Oberkörper (Gesicht, Nacken, Rumpf)
  • erhöhte Neigung zu Candida-Infektionen im Mundraum
  • erhöhte Neigung zu Magengeschwüren
  • grüner oder grauer Star
  • psychische Veränderungen (Schlafstörungen, Verstimmungen, Depressionen)

Wird das Kortison als Salbe oder Creme aufgetragen, können lokal Hautreizungen entstehen. Bei längerfristiger Anwendung wird die Haut an der Stelle dünner bis hin zur sogenannten Pergamenthaut (Hautatrophie).

Die Kortisonspritze birgt ebenfalls nur eine geringe Gefahr für Nebenwirkungen. An der Einstichstelle kann es zu Reizungen kommen. Um zu verhindern, dass Bakterien in den Körper eindringen können, ist eine besonders sorgfältige Desinfektion der Stichstelle angeraten.

Trotz der aufgelisteten Nebenwirkungen ist Kortison ein sehr wichtiges Medikament zur Behandlung zahlreicher Erkrankungen und manchmal sogar lebensrettend. Eine kurzfristige Behandlung ruft meist keine Nebenwirkungen hervor. Schwere Nebenwirkungen wie in der Liste kommen eher bei langfristiger, hochdosierter systemischer Kortison-Therapie vor. Ärzte verordnen Kortison nur nach sorgfältiger Abwägung und dann auch nur so lange wie nötig.

Kortison in der Schwangerschaft

Manchmal ist es auch in der Schwangerschaft nötig, Kortison einzunehmen. Entscheidend ist es, ein für die Schwangerschaft geeignetes Präparat zu wählen. Für die systemische Anwendung, also die Einnahme von Kortison als Tablette, haben sich laut Embryotox unter Beachtung von bestimmten Höchstgrenzen die Wirkstoffe Prednisolon und Methylprednisolon - sowohl in der Schwangerschaft als auch in der Stillzeit - bewährt.

Ob sich bei Einnahme von Kortison im ersten Schwangerschaftsdrittel das Risiko einer Kiefer-Gaumen-Spalte beim Baby erhöht, konnte bislang nicht eindeutig beantwortet werden. Frühe Studien sprechen dafür, neuere Forschungen konnten keinen Zusammenhang belegen. Ausgeschlossen werden kann das aber nicht. Zwischen der achten und elften Schwangerschaftswoche empfehlen Experten daher wenn möglich eine Maximaldosis von zehn Milligram Prednisolon täglich.

Bei Einnahme im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel kann es zu Wachstumsstörungen beim Baby kommen, zudem erhöht sich das Frühgeburtsrisiko.

Da Kortison über die Muttermilch in den kindlichen Organismus gelangt, empfiehlt es sich, in der Stillzeit Kortison ebenfalls nur noch sorgfältiger Risiko-Nutzen-Abwägung einzunehmen und hier bestimmte Höchstgrenzen bei der Dosierung zu beachten.

Kortisonsalbe oder Kortisoncreme sollte in der Schwangerschaft nur nach Rücksprache mit dem Arzt angewendet werden. Zwar sind die Nebenwirkungen bei lokaler Anwendung auf der Haut deutlich geringer als bei Einnahme, die Wirkstoffe gelangen trotzdem in den Blutkreislauf und damit - wenn auch in geringeren Mengen - zum Baby.

Frühgeburt: Kortison beschleunigt die Lungenreifung des Babys im Mutterleib

In den letzten Wochen produziert das Baby in seinen Nebennieren zunehmende Mengen Kortison, das die Lungen reifen lässt und sie für den ersten Atemzug rüstet.

Kortisonartige Medikamente können das Wachstum von Babys im Mutterleib beschleunigen. Eine medikamentöse Behandlung mit Kortison ist immer dann angezeigt, wenn in der Schwangerschaft frühzeitige Wehen oder sonstige Komplikationen auftreten, die auf eine bevorstehende Frühgeburt hinweisen.

Die Behandlung mit Kortison-Medikamenten ist Sache des Arztes. Sie kann in Risikoschwangerschaften das Leben vieler Neugeborener retten und schwere frühkindliche Erkrankungen verhindern: Das Sterberisiko sinkt um ein Drittel, das Risiko von Atemwegsbeschwerden um die Hälfte und das Risiko von Nervenschäden und Lähmungen um rund 70 Prozent.

Autor: Karin Wunder
Letzte Aktualisierung: 15. Dezember 2016
Quellen

Beiträge im Forum "Kinderwunsch: Ich will schwanger werden - wer noch?"
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