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Freitag, 21. Juli 2017
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TCM bei Kinderwunsch

TCM bei Kinderwunsch
Entspannung und Zeit zusammen (nicht nur) bei Kinderwunsch wirken sich laut TCM positiv auf die Fruchtbarkeit aus
© iStock/mediaphotos

Die TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) wird immer häufiger bei Kinderwunsch angewendet. Vor allem als Unterstützung von Fruchtbarkeitsbehandlungen oder bei künstlicher Befruchtung kommt die TCM zum Einsatz.

TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) ist ein Gesundheitskonzept, welches seit über 2.000 Jahren in China praktiziert wird. Der Traditionellen Chinesischen Medizin liegt ein ganzheitlicher Ansatz zugrunde. Das bedeutet: Körper und Geist werden nicht getrennt betrachtet, sondern als Einheit gesehen und deshalb gemeinsam behandelt. Bei uns in der westlichen Welt wird TCM meist als Ergänzung zur Schulmedizin angewendet, häufig auch bei unerfülltem Kinderwunsch. Paare, die schwanger werden möchten, können die verschiedenen Methoden der TCM nutzen, um ihre Chancen auf eine Schwangerschaft zu erhöhen. Im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung (zum Beispiel bei künstlicher Befruchtung) kann TCM die Chancen auf eine Schwangerschaft erhöhen, wie einige Studien mittlerweile beweisen.

Welche Einflüsse gibt es laut TCM auf Fruchtbarkeit und Fortpflanzung?

In der Traditionellen Chinesischen Medizin geht man davon aus, dass Krankheiten und Beschwerden durch Störungen und Ungleichgewichte im Körper hervorgerufen werden. Fruchtbarkeitsstörungen sind demnach (auch) in einem energetischen Ungleichgewicht begründet. Unsere inneren Organe sind Zentren, in denen Lebensenergie gebildet wird. Diese Lebensenergie, das Qi, fließt in bestimmten Bahnen, den Meridianen, im Körper.

Yin und Yan sind die beiden großen, gegensätzlichen Kräfte in der chinesischen Philosophie. Kälte und Wärme, Ruhe und Aktivität, Tal und Berg – Yin und Yan bilden ein dynamisches Gleichgewicht. Nie sollte die eine Seite die andere beherrschen, beide Kräfte wechseln sich ab (wie Nacht und Tag) oder sind im Einklang. Bei Kinderwunsch sind Yin und Yan von großer Bedeutung, denn nur, wenn sie in Harmonie sind, kann laut TCM neues Leben entstehen.

Die Lebensenergie Qi, die in den Organen gebildet wird, speist sich aus drei Quellen:

  • Atmung
  • Ernährung
  • Angeborenes Potenzial (Jing)

Da sich das Qi verbraucht, muss es fortlaufend wieder gebildet werden. Während das Qi aus der Atmung über die Lungen aufgenommen wird, bilden die Organe Qi aus der Ernährung. Das Jing, das angeborene Potenzial, wird durch Lebensmittel wieder aufgefüllt. Tatsächlich sind laut TCM Jing und Qi bei Kinderwunsch enorm wichtig, da sie sich auch unmittelbar auf die Fähigkeit, Kinder zu zeugen, auswirken. Wendet man TCM bei Kinderwunsch an, gilt es also, diese beiden Kräfte gezielt über die Nahrung zu stärken.

Ernährung und Lebensstil spielen in der TCM auch bei Kinderwunsch eine besondere Rolle

In der TCM sind Nahrungsmittel sanfte Medizin und eine gute Ernährung kann sich energetisch positiv auf den Körper auswirken. Die positiven Auswirkungen der Nahrungsmittel, die dem Körper gut tun, zeigen sich allerdings nicht sofort, sondern erst nach etwa zwei bis drei Monaten. Eine Ernährungsumstellung nach der Traditionellen Chinesischen Medizin beginnt daher im Idealfall bereits einige Monate vor einer Kinderwunschbehandlung oder der geplanten Schwangerschaft.

Über die Ernährung lassen sich die bei Kinderwunsch relevanten positiven Aspekte der TCM besonders gut beeinflussen. Denn das Jing, das angeborene Potenzial, speist sich vor allem aus den Nahrungsmitteln. Zwar nimmt das Jing im Laufe des Lebens ab, eine gute Ernährung und ein ausgeglichener Lebensstil “schonen“ jedoch das Jing. Niere, Milz, Leber, Lunge und Herz haben in der TCM neben ihren rein organischen auch energetische Aufgaben. Jedes dieser Organe steht für eine bestimmte Energie oder eine bestimmte Kraft und diese lassen sich durch Ernährung und Lebensstil beeinflussen:

  • Nieren-Jing: Fruchtbarkeit und Fortpflanzung
  • Milz-Jing: Stoffwechsel
  • Leber-Jing: Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung
  • Lungen-Jing: Kraft und Vitalität
  • Herz-Jing: Seele, Wärme und Belebung

Daraus ergeben sich gemäß den Grundsätzen der TCM folgende Empfehlungen zu Ernährung und Lebensstil:

  • leicht verdauliche, milde Kost
  • warmes Essen, auch zum Frühstück (z. B. Brei oder Suppe)
  • auf Milchprodukte verzichten
  • die Lunge beanspruchen (z. B. durch Sport oder Singen)
  • gemeinsame Aktivitäten mit dem Partner (z. B. Tanzen, Massagen)
  • leichte körperliche Beanspruchung (z. B. Spazierengehen, Joggen, Walken)
  • Ausgleich zwischen An- und Entspannung finden

Da heutzutage bei vielen Menschen ein Yan-betonter Lebensstil mit viel Druck und Stress vorherrscht, wird laut Traditioneller Chinesischer Medizin empfohlen, bei Kinderwunsch das Yin, also Ruhe und Ausgeglichenheit, zu unterstützen. Auch über die Ernährung lässt sich das Yin beeinflussen. Bevorzugt werden sollten dafür gedünstete, gekochte und milde Speisen anstatt Rohkost, gemieden werden sollten Kaffee, Tee, Kakao, Alkohol und scharfe Gewürze, da sie als "austrocknend" gelten und das Ungleichgewicht im Körper zugunsten des Yan verstärken.

Es empfiehlt sich, mit dem behandelnden Arzt einen individuellen Ernährungsplan aufzustellen. Dabei werden auch die Zubereitungsarten und ihre Auswirkungen auf die Lebensmittel besprochen. Bei uns gibt es zahlreiche Ärzte, die auch Traditionelle Chinesische Medizin anwenden.

TCM bei Kinderwunsch: Akupunktur und Moxibustion

Akupunktur ist bei uns die bekannteste Behandlungsmethode der TCM. Zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass Akupunktur bei Kinderwunsch die Schwangerschaftsrate erhöht. In der Traditionellen Chinesischen Medizin geht man davon aus, dass die Lebensenergie Qi in Meridianen durch den Körper fließt. Die Meridiane sind wie Blutgefäße über den gesamten Körper verteilt, haben aber nichts mit diesem zu tun. Bei der Akupunktur werden feine Nadeln an bestimmten Meridianen in die Haut gesetzt, um zu reizen und Störungen im Fluss des Qi zu regulieren. Die Moxibustion funktioniert ähnlich: An bestimmte Stellen auf der Haut werden kleine, verglimmende Beifußstäbchen oder -kegel gesetzt.

Obwohl die Wirksamkeit von Moxibustion bislang nicht in Studien nachgewiesen wurde, geht man davon aus, dass die Erwärmung bestimmter Punkte die Hormonproduktion anregt. Auch die Akupressur (Fingerdruck statt Nadeln) wird von vielen Ärzten als Behandlungsmethode der TCM angewendet.

Chinesische Heilkräuter bei Kinderwunsch

Chinesische Heilkräuter eignen sich laut TCM zur Regulierung des Zyklus und zur Wiederherstellung der hormonellen Balance. Sie sollen die Qualität von Eizellen oder Samenzellen verbessern und können auch unterstützend eingesetzt werden, um eine Schwangerschaft aufrechtzuerhalten, also Fehlgeburten zu vermeiden. Viele Kräuter werden als Tee eingenommen oder als Gewürze in Gerichten verwendet. Grundsätzlich gilt: Heilkräuter werden vom TCM-Arzt empfohlen und genau nach Vorschrift eingenommen. In der Regel dauert die Einnahme sechs bis acht Wochen, maximal drei Monate.

TCM für den Mann mit Kinderwunsch

Auch Männern mit unerfülltem Kinderwunsch kann die Traditionelle Chinesische Medizin helfen. Sind Spermienkonzentration oder -beweglichkeit laut Spermiogramm eher niedrig, empfiehlt sich eine Behandlungskombination aus chinesischen Heilkräutern und Akupunktur unter Berücksichtigung der Ernährung nach der TCM.

Die chinesischen Mittel sollten von Männern maximal über einen Zeitraum von drei Monaten eingenommen werden – oder bis eine Schwangerschaft eintritt. Sie gelten als relativ erfolgversprechend. Wird die Arzneimittel-Behandlung durch Akupunktur ergänzt, empfiehlt es sich, mindestens vor dem Eisprung der Partnerin zu nadeln, besser noch regelmäßig über den Behandlungszeitraum. Obwohl es noch keine aussagekräftigen, großen Studien zu TCM bei Männern mit Kinderwunsch gibt, sprechen viele Einzelfallberichte aus der Praxis für eine Wirksamkeit.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 10. Juli 2017
Quellen: Bröhm, Al.: Ein Baby! Unser größter Wunsch. Was tun, wenn es nicht klappen will? Beobachter, Zürich 2013; Friol, K. u. a.: Akupunktur bei Kinderwunsch. In: Der Gynäkologe (2015), Heft Nr. 1, S. 36-43; Noll, A. A.: Kinderwunsch-Ratgeber. Traditionelle Chinesische Medizin. Verlag Müller & Steinicke, München 2013; Noll, A. A. (Hrsg.): Chinesische Medizin bei Fertilitätsstörungen. Hippokrates, Stuttgart 2008

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