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Freitag, 21. Juli 2017
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Chemotherapie und Fruchtbarkeit

Familie
Durch eine Chemotherapie kann die Fruchtbarkeit eingeschränkt werden.
BananaStock

Chemotherapie und Fruchtbarkeit lassen sich nicht immer miteinander vereinbaren. Denn die Medikamente, die bei dieser Form der Krebsbehandlung eingesetzt werden, schädigen mitunter nicht nur die Krebszellen, sondern können auch die Keimzellen angreifen. Im ungünstigsten Fall ist es behandelten Männern und Frauen nach einer Chemotherapie nicht mehr möglich, auf natürliche Weise Kinder zu bekommen.

Da die Fruchtbarkeit durch eine Chemotherapie beeinträchtigt werden kann, ist eine Krebserkrankung auch ein Grund, sich über einen bestehenden Kinderwunsch Gedanken zu machen. Es gibt vor Beginn einer Chemotherapie verschiedene Möglichkeiten, Samen- und Eizellen zu schützen und ihre Funktionen zur späteren Zeugung eines Kindes zu erhalten. Kommt ein Kinderwunsch erst nach einer durchgeführten Chemotherapie auf, kann dieser möglicherweise mit den verschiedenen Methoden der Reproduktionsmedizin erfüllt werden. So wird zum Beispiel das Einfrieren von Eizellen für diesen Fall genutzt.

Auswirkungen einer Chemotherapie auf die Fruchtbarkeit

Bei einer Chemotherapie kommen Zytostatika zum Einsatz. Diese Medikamente hemmen das Wachstum von Zellen, die sich besonders rasch teilen. Bestimmte Medikamente können auch Eierstöcke und Eizellen schädigen. Ob eine Frau nach einer Chemotherapie noch schwanger werden kann, hängt vom verabreichten Medikament, seiner Dosierung und dem Alter der Frau zu Beginn der Behandlung ab. Denn die Fruchtbarkeit schwindet auch mit zunehmendem Alter der Frau. Hinzu kommt, dass Zytostatika bei Frauen ein vorzeitiges Eintreten der Wechseljahre auslösen können.

Bei Männern sind es Medikamente aus der Klasse der Alkylanzien und Platinverbindungen wie Carboplatin und Cisplatin, die die Samenzellen schädigen können. Das Ausmaß der Schädigung hängt auch hier von der Dosierung der Medikamente ab. Samenzellen entstehen durch die Teilung von Samenstammzellen. Wenn durch die Chemotherapie alle diese Stammzellen zerstört wurden, kann der Mann keine Kinder mehr auf natürliche Weise zeugen. Wenn aber zumindest einige der Stammzellen weiterhin funktionstüchtig sind, ist es jedoch möglich, dass sich die Spermienproduktion nach einer Chemotherapie wieder erholt. Die Untersuchung einer Samenprobe kann Männern Aufschluss darüber geben, ob sich ihre Wie werden Spermien gebildet?regeneriert.

Eine Chemotherapie ist - wie eine Strahlentherapie - in vielen Fällen so stark, dass die Produktion der Keimzellen dauerhaft Schaden nimmt.

Vor einer Chemotherapie - die Fruchtbarkeit erhalten

Wenn für die behandelnden Ärzte abzusehen ist, dass eine Chemotherapie die Fruchtbarkeit beeinflussen könnte, werden sie den betroffenen Männern und Frauen mit Kinderwunsch Maßnahmen empfehlen, die im individuellen Fall dazu geeignet sind, die Fruchtbarkeit im Vorfeld der Behandlung zu erhalten. Jedoch sollte den Betroffenen bewusst sein: Diese Maßnahmen garantieren nicht, dass die Fruchtbarkeit erhalten bleibt oder nach einer Chemotherapie wiederhergestellt werden kann. Daneben befinden sich einige der Behandlungsmethoden noch in der Erprobungsphase. Damit kann auch nicht garantiert werden, dass eine gewünschte Schwangerschaft zu einem späteren Zeitpunkt eintreten wird.

Behandlungsmöglichkeiten für Frauen

Bei Frauen mit Kinderwunsch gibt es mehrere Behandlungsmöglichkeiten, die einen mehr oder weniger guten Erfolg versprechen:

Es ist möglich, vor einer Chemotherapie Eizellen zu entnehmen und für eine spätere Befruchtung zu konservieren. Hierzu müssen sich die Betroffenen vor der Chemotherapie einer Hormontherapie unterziehen. Die dabei gewonnenen Eizellen lassen sich jedoch nicht immer so gut einfrieren und erhalten wie männliche Samenzellen. Daher wird diese Behandlung nur selten durchgeführt.

Entnommene Eizellen können nach der Hormonbehandlung im Labor mit dem Sperma des Partners befruchtet und in einem frühen Stadium der Zellteilung, dem Vorkernstadium, eingefroren werden (homologe Insemination). In der Praxis gestaltet sich diese Vorgehensweise jedoch schwierig. Denn vor einer Chemotherapie steht einem Paar oft nicht ausreichend Zeit zur Verfügung.

In einigen Reproduktionszentren können sich Frauen Eizellen entnehmen lassen, ohne sich vorher einer Hormonbehandlung unterziehen zu müssen. Wenn der Eizellenentnahme keine hormonelle Stimulation vorausgeht, lassen sich jedoch nur wenige Eizellen gewinnen. Daher sind die Chancen auf eine spätere Schwangerschaft dann auch geringer.

Damit die Eizellen in den Eierstöcken durch die Zytostatika nicht geschädigt werden, kann Gewebe der Eierstöcke mit den noch unreifen Eizellen vor Beginn der Chemotherapie operativ aus dem Körper entfernt werden. Das Gewebe wird für die Dauer der Chemotherapie eingefroren und nach der Behandlung wieder in den Körper verpflanzt. Sobald das Eierstockgewebe angewachsen ist, kann es für einen bestimmten Zeitraum wieder Sexualhormone produzieren. Ein Teil der Eizellen geht durch die Einfrieren von Keimzellen (Kryokonservierung)jedoch verloren. Daher wird diese Behandlung vor allem jungen Frauen empfohlen, weil sie im Vergleich zu älteren Frauen noch über viele Eizellen verfügen. Das Verpflanzen von Eierstockgewebe ist bislang kein Standardverfahren in der Medizin und befindet sich noch in der Erprobungsphase.

Während des Zeitraums der Chemotherapie können die Eierstöcke in einen künstlichen Tiefschlaf gesetzt werden. So verbleiben die Eizellen in ihrem unreifen Stadium und können von den Zytostatika nicht so schwer geschädigt werden. Diesen Zustand erreicht man durch die Gabe bestimmter Arzneimittel (Gonadotropin-releasing-Hormon-Analoga). Bislang ist allerdings unklar, wie gut die Eierstöcke bei dieser Methode wirklich geschützt werden.

Behandlungsmöglichkeiten für Männer

Die Behandlungsmöglichkeiten für Männer mit Kinderwunsch im Vorfeld einer Chemotherapie gestalten sich wesentlich einfacher und unkomplizierter als bei einer Frau.

Vor Beginn der Krebstherapie können Männer eine Spermaprobe in einem reproduktionsmedizinischen Zentrum abgeben. Dort wird das Sperma tiefgefroren. Bei einem Kinderwunsch kann sich die Partnerin zu einem späteren Zeitpunkt mit den Samen des Mannes einer künstlichen Befruchtung unterziehen.

In einigen Fällen können Männer durch eine Krebserkrankung keinen Samenerguss mehr bekommen und demzufolge keinen Samen spenden. In den Hoden befinden sich jedoch befruchtungsfähige Spermien. Diese können durch eine Operation entnommen und so lange tiefgekühlt werden, bis eine künstliche Befruchtung der Partnerin stattfinden soll.

Nach der Chemotherapie: Künstliche Befruchtung

Nach einer Chemotherapie geben medizinische Untersuchungen Aufschluss darüber, ob und in welchem Ausmaß die Fruchtbarkeit geschädigt wurde. Falls es Paaren nicht mehr möglich ist, auf natürliche Weise ein Kind zu zeugen, können sie versuchen, mit den verschiedenen Methoden der künstlichen Befruchtung ein Kind zu bekommen. Die behandelnden Ärzte werden eine geeignete Methode wie beispielsweise die In-vitro-Fertilisation (IVF), die Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) oder die Insemination empfehlen. Die Wahl ist unter anderem abhängig davon, ob sich der Mann oder die Frau einer Chemotherapie unterziehen musste.

Experten raten Frauen mit Kinderwunsch jedoch dazu, während und auch noch sechs bis 24 Monate nach einer Chemotherapie sicher zu verhüten beziehungsweise erst nach Ablauf dieser Zeit eine Schwangerschaft zu planen oder mit einer Kinderwunschbehandlung zu beginnen. So ist gewährleistet, dass sich der Körper von den Anstrengungen der Krebsbehandlung erholt hat. Gleichzeitig verringert sich das Risiko für einen Rückfall der Krebserkrankung.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 12. Dezember 2014
Quellen: Aulitzky, R. et al. (Hrsg.): Handbuch Krebs. München, Südwest 2007 Deutsche Krebshilfe e.V. (Hrsg.): Kinderwunsch und Krebs. Bonn 2007 Online-Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums (Krebsinformationsdienst) dkfz, Heidelberg: http://www.krebsinformationsdienst.de (Stand: Juni 2009)

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