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Symptome und Behandlung

PIMS: Das steckt hinter der Corona-Spätfolge bei Kindern

PIMS (Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome) ist eine seltene, aber gefährliche Entzündungserkrankung bei Kindern und Jugendlichen, die etwa zwei bis drei Wochen nach einer Covid-19-Infektion auftreten kann. Sie macht sich unter anderem durch hohes Fieber und Bauchschmerzen bemerkbar und ist vermutlich die Folge einer überschießenden Immunreaktion des Körpers.

PIMS
Kinder mit PIMS müssen in der Regel im Krankenhaus versorgt werden.
© GettyImages/Morsa Images

Für die betroffenen Kinder und ihre Eltern kommt PIMS meist unerwartet. Denn häufig tritt die Erkrankung nach einer symptomlosen Coronavirus-Infektion auf, die womöglich unbemerkt verlaufen ist.

Artikelinhalt auf einen Blick:

Kinderkrankheiten und ihre typischen Beschwerden

Erstmals beschrieben wurde die neuartige Erkrankung 2020. Auch wenn es sich um eine schwere Krankheit handelt, ist diese in der Regel gut therapier- und heilbar. Die betroffenen Kinder müssen jedoch im Krankenhaus, häufig auf der Intensivstation, behandelt werden.

In Deutschland sind – Stand 5.9.2021 – seit Beginn der Corona-Pandemie 416 Kinder und Jugendliche mit PIMS gemeldet. Tödliche Verläufe hat es hierzulande noch nicht gegeben.

PIMS-Symptome: Diese Anzeichen sind typisch

Folgende Symptome können bei PIMS auftreten:

  • Fieber über mindestens drei Tage (100 Prozent)
  • Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen (68–73 Prozent)
  • Hautausschlag (56 Prozent)
  • Bindehautentzündung, geschwollene Zunge, Schleimhautveränderungen, Halsschmerzen (50 Prozent)
  • Schnupfen (47 Prozent)
  • Ödeme an Händen und Füßen (19 Prozent)
  • Kopfschmerzen und Schwindel (19 Prozent)
  • Atembeschwerden (18 Prozent)
  • Geschwollene Lymphknoten (14 Prozent)
  • Muskelschmerzen und/oder Erschöpfung (13 Prozent)
  • Husten (13 Prozent)
  • Bewusstseinstrübung, Lethargie (10 Prozent)
  • selten Krämpfe, Lähmungen, Koma
  • im schlimmsten Fall ein kardiogener Schock

PIMS ähnelt dem Kawasaki-Syndrom. Auch das ist eine Entzündungsreaktion des Körpers auf eine vorangegangene Infektion. Während es sich beim Kawasaki-Syndrom jedoch um eine Gefäßentzündung handelt, betrifft PIMS den ganzen Körper und kann mehrere Organe befallen. Außerdem erkranken an PIMS auch ältere Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre, während das Kawasaki-Syndrom vor allem sehr kleine Kinder bekommen. PIMS gilt aus diesem Grund als eigenständige Erkrankung.

PIMS: Genau Ursachen des Syndroms sind noch unklar

Wieso es zu der Entzündungsreaktion des Körpers kommt, ist noch unklar. Vermutlich handelt es sich nicht um eine direkte Antwort des Körpers auf das Coronavirus SARS-CoV-2, sondern um eine überschießende Immunreaktion des Körpers auf das Antigen des Virus. Ein Antigen ist ein Molekül auf der Oberfläche eines Bakteriums oder Virus – in diesem Fall SARS-CoV2. Anhand von Antigenen erkennt und bekämpft unser Körper Krankheitserreger wie das Coronavirus.

Bei einer Überreaktion des Immunsystems greifen Antikörper auch gesundes, körpereigenes Gewebe an. Dafür spricht, dass der Krankheitsbeginn bei PIMS offenbar mit dem Maximum der Antikörperproduktion zusammenfällt.

Warum sind aber vor allem Kinder und Jugendliche von PIMS betroffen? Wissenschaftler*innen vermuten, dass das daran liegt, dass das Immunsystem junger Menschen besonders reaktionsfreudig ist.

Kriterien bei der PIMS-Diagnose

Folgende Kriterien müssen erfüllt sein, um die Diagnose PIMS zu stellen:

  • Alter der*des Betroffenen zwischen 0 und 19 Jahren
  • hohes Fieber über mindestens drei Tage
  • Anzeichen einer Erkrankung von mindestens zwei Organen (Haut/Schleimhäute/Augen, niedriger Blutdruck oder Schock, Herzerkrankung, Blutgerinnungsstörungen, akute Magen-Darm-Beschwerden)
  • Eine Blutuntersuchung ergibt erhöhte Entzündungswerte
  • Die Beschwerden lassen sich nicht durch eine Sepsis (Blutvergiftung) oder einen bakteriellen Infekt erklären
  • Eine Covid-19-Infektion kann mittels PCR-Test oder Antikörpertest nachgewiesen werden oder es bestand Kontakt zu einer infizierten Person

PIMS-Therapie: Bausteine der Behandlung

Die Behandlung des Syndroms PIMS erfolgt ähnlich wie die des Kawasaki-Syndroms. Zum einen erhalten erkrankte Kinder Immunglobuline, also Antikörper, ins Blut, um das Immunsystem zu regulieren und die Entzündungsreaktion abzuschwächen.

Zum anderen bekommen die Betroffenen Acetylsalicylsäure (ASS), um die Blutgerinnung zu hemmen und so Spätfolgen wie Aneurysmen und Herzinfarkte zu verhindern.

Häufig kommen außerdem Kortikosteroide zum Einsatz, um die Entzündung einzudämmen.

PIMS: Prognose in der Regel gut

Einer amerikanischen Metastudie zum Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome zufolge, die 39 Beobachtungsstudien und 662 Patient*innen erfasste, mussten 71 Prozent der erkrankten Kinder auf einer Intensivstation behandelt werden. Elf Kinder starben. 98 Prozent der Patient*innen überlebten die akute Phase jedoch bei entsprechender Behandlung. Langzeitschäden zeigten sich bei rund sieben Prozent der Kinder, meist am Herzen.

Mögliche Komplikationen sind Kreislaufschock, Blutdruckabfall, Probleme mit dem Herzen und Aneurysmen.

Die meisten der erkrankten Kinder werden jedoch wieder vollständig gesund. In Deutschland hat es bislang noch keinen Todesfall aufgrund von PIMS gegeben.

PIMS-Vorbeugung: Corona-Impfung schützt

Risikofaktoren für PIMS sind bislang noch nicht bekannt. Die beste Vorbeugung ist der Schutz gegen eine Infektion mit dem Coronavirus.

Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung gegen Covid-19. Für jüngere Kinder ist bisher noch kein Impfstoff zugelassen. Sie müssen sich daher besonders gut mithilfe der AHA-Regel schützen: Mindestens 1,5 Meter Abstand zu anderen Menschen halten, regelmäßig die Hände waschen und eine Maske tragen. In geschlossenen Räumen sollte zudem regelmäßig gelüftet werden.

In der Schule werden die Kinder regelmäßig getestet, um Ausbrüche dort rechtzeitig einzudämmen.

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