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Montag, 11. Dezember 2017
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Kinderkrankheiten

Windpocken

Windpocken beim Kind
Windpocken verursachen einen juckenden Hautausschlag
(c) iStockphoto/AnaDiana

Die Windpocken (Varizellen), auch Wasserpocken genannt, sind eine weltweit verbreitete, sehr ansteckende Viruserkrankung, die durch den Varicella-Zoster-Virus ausgelöst wird. Die hohe Ansteckungsfähigkeit dieser Viren über die Luft hat zu dem Namen Windpocken beigetragen. Typisch für diese Erkrankung ist ein bläschenförmiger Ausschlag.

Windpocken zählen zu den klassischen Kinderkrankheiten und hinterlassen eine lebenslange Immunität. Zu einer Zweitinfektion kann es nur kommen, wenn die erste Erkrankung entweder schwach verlief oder in sehr jungen Jahren stattfand. Bei über 95 Prozent der Erwachsenen lassen sich Antikörper gegen das Virus feststellen.

An Windpocken erkranken überwiegend Kinder im Vorschulalter. Vor allem im Winter und Frühjahr tritt die Erkrankung besonders häufig auf. Laut Schätzung des Robert Koch-Instituts erkranken in Deutschland jährlich 750.000 Menschen an Windpocken.

Ursachen: Varicella-Zoster-Virus

Der Erreger der Windpocken ist das Varicella-Zoster-Virus, das zur Familie der Herpes-Viren gehört. Das Virus wird durch Tröpfcheninfektion, beispielsweise beim Husten oder Niesen, übertragen. Außerdem ist eine Infektion über den virushaltigen Bläscheninhalt der Pocken möglich.

Ansteckung und Inkubationszeit von Windpocken

Die Ansteckungsgefahr bei Windpocken beginnt ein bis zwei Tage vor dem Hautausschlag und endet etwa nach einer Woche, wenn die Bläschen austrocknen.

Die Inkubationszeit von Windpocken, das heißt die Zeit zwischen der Infektion mit dem Virus und Auftreten der ersten Symptome, beträgt gewöhnlich 14 bis 16 Tage, sie kann aber auch zwischen acht und 21 Tagen schwanken. Nach passiver Immunisierung kann die Inkubationszeit von Windpocken bis zu 28 Tage betragen.

Symptome: leichtes Fieber, stark juckender Hautausschlag

Die ersten Symptome, die bei einer Windpocken-Erkrankung auftreten, sind leichtes Fieber, das selten über 39 Grad Celsius steigt, und ein juckender Hautausschlag in Form von linsengroßen, roten Flecken. Diese verwandeln sich zunächst in stark juckende Knötchen, anschließend in Bläschen. Sie treten zuerst am Körperstamm und im Gesicht auf, können aber auch auf die Schleimhaut und die Kopfhaut übergehen. Innerhalb von ein bis zwei Wochen verkrusten die Bläschen und fallen ab.

Diagnose von Windpocken

Windpocken (Varizellen) können in der Regel durch den typischen Ausschlag und einen charakteristischen Verlauf diagnostiziert werden. Weitere spezifische Untersuchungen sind daher nur in Ausnahmefällen nötig. Zu diesen gehören der direkte Virusnachweis oder der Nachweis von Antikörpern gegen den Varicella-Zoster-Virus im Blut des Erkrankten.

Kinderkrankheiten und ihre typischen Beschwerden

Therapie: symptomorientiert

Da eine ursächliche, gegen den Varicella-Zoster-Virus gerichtete Therapie bei Windpocken nicht möglich ist, besteht die Behandlung darin, die Beschwerden zu lindern.

Um den Juckreiz zu mindern und das Kratzen zu vermeiden, können juckreizstillende Lotionen oder in schweren Fällen Antihistaminika auf die Haut aufgetragen werden. Kühlende Maßnahmen wie kalte Waschungen, Umschläge und Bäder werden meist als angenehm empfunden. Kamille, Fichtennadel-Öl und Kleie-Extrakt als Badezusatz vermindern den Juckreiz. Längere Bäder sollten allerdings vermieden werden, da die Bläschen dadurch zu früh aufplatzen können und die Narbenbildung so begünstigt wird. Zudem können sich offene Bläschen infizieren. Bei eitrigen Entzündungen der offenen Bläschen ist eine Gabe von Antibiotika sinnvoll.

Die Fingernägel sollten möglichst kurz gehalten werden, damit die Bläschen nicht aufgekratzt werden. Bläschen im Mund platzen besonders schnell und schmerzen. Auf säurehaltiges Essen sollte dann verzichtet werden, da dies besonders brennt. Schmerzlindern wirken Kamille-Mundsspülungen. Es ist ratsam, lockere Kleidung zu tragen. Baumwolle reizt die Haut am wenigsten.

Um das Fieber zu senken, helfen zum Beispiel Wadenwickel, Essigsocken oder Fiebertee. Fiebersenkende Mittel sind nur in Ausnahmefällen sinnvoll.

Wenn abwehrgeschwächte Personen mit dem Windpocken-Erreger in Kontakt kommen, kann die Gabe von Varicella-Zoster-Immunglobulin, einem Antikörper gegen das Varicella-Zoster-Virus, eine Erkrankung verhindern oder abschwächen. Dieses verhindert eine Windpocken-Erkrankung jedoch nur, wenn sie innerhalb von vier Tagen nach dem Kontakt zu einer bereits erkrankten Person gegeben werden.

Verlauf der Erkrankung

Der Verlauf einer Windpocken-Erkrankung ist meistens harmlos und die Krankheit heilt ohne Folgeschäden ab. Meist bleiben nur kleine Narben durch starkes Kratzen zurück, wenn sich Bläschen durch eine bakterielle Infektion entzünden.

Vor allem bei Neugeborenen und abwehrgeschwächten Personen kann es zu schweren Komplikationen kommen. Dazu gehören Lungenentzündungen und bakterielle Superinfektionen (meist mit Staphylokokken). In sehr seltenen Fällen können Windpocken zu Schädigungen des zentralen Nervensystems führen.

Eine Windpocken-Erkrankung bei Schwangeren kann das ungeborene Kind schädigen.

Vorbeugen: Impfung

Einer Infektion mit Windpocken kann man vorbeugen, indem man den Kontakt mit Personen, die an Windpocken erkrankt sind, meidet. Dies gilt besonders für Säuglinge in den ersten vier Wochen und für Schwangere.

Die Impfung gegen Windpocken (Varizellen) wird nach Empfehlung der STIKO (Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts) seit August 2004 für alle Kinder und Jugendliche empfohlen, die die Windpocken noch nicht durchgemacht haben. Das beste Alter für eine Windpocken-Impfung liegt bei elf bis 14 Monaten. Meistens wird zeitgleich mit der1. MMR-Impfung oder frühestens 4 Wochen nach dieser geimpft. Es kann aber jederzeit danach geimpft werden, vor allem bei noch ungeimpften neun bis 17-Jährigen ohne durchgemachte Windpocken-Erkrankung, da das Risiko für Komplikationen bei ihnen erhöht ist.

Außerdem wird eine Impfung allen Personen empfohlen, die unter einer Leukämie, einer schweren Neurodermitis, leiden oder bei denen eine Organtransplantation geplant ist. Hinzu kommen alle Personen, die Kontakt zu den genannten Risikogruppen haben, und Beschäftigte von Kindergärten, sofern bei ihnen keine Antikörper nachweisbar sind.

Schwanger und Windpocken: was tun?

Eine Infektion in der Schwangerschaft mit Windpocken zwischen der 5. und 24. Schwangerschaftswoche (24. SSW) kann für das Ungeboren gefährlich werden. Die Übertragung der Varizellen-Viren über die Plazenta von der Mutter aufs Kind ist zwar sehr selten, doch in ein bis zwei Prozent der Fälle führt sie zum fetalen Varizellensyndrom, was für das Kind lebensbedrohlich sein kann.

Schwangere, die keine Immunität gegen Windpocken haben, sollten deshalb Patienten, die gerade akut erkrankt sind, unbedingt meiden. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, wenn man schon ein kleines Kind hat, das in die Krippe oder den Kindergarten geht. Kommt es doch zum Kontakt mit frisch Erkrankten, sollten Schwangere möglichst schnell ihren Frauenarzt aufsuchen, der vorbeugend zum Schutz eine antivirale Therapie durchführen kann.  

Windpocken direkt vor der Geburt und bei Neugeborenen

Besonders gefährlich ist eine Windpocken-Erkrankung während der Schwangerschaft auch in der Zeit kurz vor der Geburt. Erkrankt die Mutter fünf Tage vor und bis zu zwei Tage nach der Geburt, droht für das Kind ein besonders schwerer Krankheitsverlauf. Denn das Neugeborene hat über die Plazenta keine Antikörper zum Schutz gegen die Infektion bekommen. Das größte Risiko haben Babys, die zwischen dem fünften und zehnten Lebenstag erkranken.

Bei Kinderwunsch: Windpocken-Impfung vor der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft sollte nicht gegen Windpocken geimpft werden, da es sich bei der Varizellen-Impfung um einen Lebendimpfstoff handelt, der in seltenen Fällen das Baby gefährden kann. Frauen mit Kinderwunsch, die noch nicht an Windpocken erkrankt sind, wird deshalb die Impfung vor der Schwangerschaft empfohlen. Nach der Impfung sollte vier bis sechs Wochen verhütet werden, da das Impf-Virus auf das Kind im Mutterleib übertragen werden könnte.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 06. November 2017
Quellen: Online-Informationen des Deutschen Grünen Kreuzes zu Windpocken: http://dgk.de/gesundheit/impfen-infektionskrankheiten/krankheiten-von-a-bis-z/windpocken-varizellen.html (Abruf Juli 2015); Menche, N., Renz-Polster H., et al: Gesundheit für Kinder. Kösel Verlag GmbH & Co., München 2004 Online-Informationen RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblätter für Ärzte: Varizellen (Windpocken), Herpes zoster (Gürtelrose). Robert Koch-Institut, Berlin (Stand: Juli 2015); Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Virologie: Leitlinie zur Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 0093/001 (Stand: 31.03.2014)

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