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In der Schwangerschaft und für Babys besonders gefährlich

Windpocken: Symptome und Behandlung

Autor: Miriam Funk, Medizinredakteurin / Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 02. Januar 2019

Die Windpocken (Varizellen), auch Wasserpocken genannt, sind eine weltweit verbreitete, sehr ansteckende Viruserkrankung, die durch Varizella-Zoster-Viren ausgelöst wird. Die hohe Ansteckungsfähigkeit dieser Viren über die Luft hat zu dem Namen Windpocken beigetragen. Typisch für diese Erkrankung ist ein bläschenförmiger Ausschlag.

Windpocken: Symptome und Behandlung
Windpocken betreffen vor allem Kinder bis zum sechsten Lebensjahr und verlaufen in der Regel harmlos.
© iStock.com/AnaDiana

Windpocken zählen zu den klassischen Kinderkrankheiten und hinterlassen eine lebenslange Immunität. Zu einer Zweitinfektion kann es nur kommen, wenn die erste Erkrankung entweder schwach verlief oder in sehr jungen Jahren stattfand. Bei über 95 Prozent der Erwachsenen lassen sich Antikörper gegen das Virus feststellen.

An Windpocken erkranken überwiegend Kinder im Vorschulalter. Vor allem im Winter und Frühjahr tritt die Erkrankung besonders häufig auf. Laut Robert Koch-Institut erkrankten 2017 in Deutschland 22.206 Menschen an Windpocken. Die Windpocken gehören zu den fünf häufigsten in Deutschland vorkommenden meldepflichtigen Infektionskrankheiten.

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Ursachen: Varizella-Zoster-Virus

Der Erreger der Windpocken ist das Varizella-Zoster-Virus, das zur Familie der Herpes-Viren gehört. Das Virus wird durch Tröpfcheninfektion, beispielsweise beim Husten oder Niesen, übertragen. Außerdem ist eine Infektion über den virushaltigen Bläscheninhalt der Pocken möglich.

Ansteckung und Inkubationszeit von Windpocken

Windpocken sind sehr ansteckend. Die Ansteckungsgefahr beginnt ein bis zwei Tage vor dem Hautausschlag und endet etwa nach einer Woche nach dem Austrocknen der Bläschen.

Die Inkubationszeit von Windpocken, das heißt die Zeit zwischen der Infektion mit dem Virus und Auftreten der ersten Symptome, beträgt gewöhnlich 14 bis 16 Tage, sie kann aber auch zwischen acht und 21 Tagen schwanken. Nach passiver Immunisierung kann die Inkubationszeit von Windpocken bis zu 28 Tage betragen.

Windpocken-Symptome: leichtes Fieber, stark juckender Hautausschlag

Die ersten Symptome, die bei einer Windpocken-Erkrankung auftreten, sind leichtes Fieber, das selten über 39 Grad Celsius steigt, und ein juckender Hautausschlag in Form von linsengroßen, roten Flecken. Diese verwandeln sich zunächst in stark juckende Knötchen, anschließend in Bläschen. Sie treten zuerst am Körperstamm und im Gesicht auf, können aber auch auf die Schleimhaut und die Kopfhaut übergehen. Innerhalb von ein bis zwei Wochen verkrusten die Bläschen und fallen ab.

Diagnose von Windpocken

Windpocken (Varizellen) können in der Regel durch den typischen Ausschlag und einen charakteristischen Verlauf diagnostiziert werden. Weitere spezifische Untersuchungen sind daher nur in Ausnahmefällen nötig. Zu diesen gehören der direkte Virusnachweis oder der Nachweis von Antikörpern gegen den Varizella-Zoster-Virus im Blut des Erkrankten.

Kinderkrankheiten und ihre typischen Beschwerden

Windpocken-Behandlung erfolgt symptombezogen

Da eine ursächliche, gegen den Varizella-Zoster-Virus gerichtete Therapie bei Windpocken nicht möglich ist, besteht die Behandlung darin, die Beschwerden zu lindern.

Um den Juckreiz zu mindern und das Kratzen zu vermeiden, können juckreizstillende Lotionen oder in schweren Fällen Antihistaminika auf die Haut aufgetragen werden. Kühlende Maßnahmen wie kalte Waschungen, Umschläge und Bäder werden meist als angenehm empfunden. Kamille, Fichtennadel-Öl und Kleie-Extrakt als Badezusatz vermindern den Juckreiz. Längere Bäder sollten allerdings vermieden werden, da die Bläschen dadurch zu früh aufplatzen können und die Narbenbildung so begünstigt wird. Zudem können sich offene Bläschen infizieren. Bei eitrigen Entzündungen der offenen Bläschen ist eine Gabe von Antibiotika sinnvoll.

Die Fingernägel sollten möglichst kurz gehalten werden, damit die Bläschen nicht aufgekratzt werden. Bläschen im Mund platzen besonders schnell und schmerzen. Auf säurehaltiges Essen sollte dann verzichtet werden, da dies besonders brennt. Schmerzlindern wirken Kamille-Mundsspülungen. Es ist ratsam, lockere Kleidung zu tragen. Baumwolle reizt die Haut am wenigsten.

Um das Fieber zu senken, helfen zum Beispiel Wadenwickel, Essigsocken oder Fiebertee. Fiebersenkende Mittel sind nur in Ausnahmefällen sinnvoll.

Wenn abwehrgeschwächte Personen mit dem Windpocken-Erreger in Kontakt kommen, kann die Gabe von Varizella-Zoster-Immunglobulin, einem Antikörper gegen das Varizella-Zoster-Virus, eine Erkrankung verhindern oder abschwächen. Dieses verhindert eine Windpocken-Erkrankung jedoch nur, wenn sie innerhalb von vier Tagen nach dem Kontakt zu einer bereits erkrankten Person gegeben werden.

Verlauf und Spätfolgen von Windpocken

Der Verlauf einer Windpocken-Erkrankung ist meistens harmlos und die Krankheit heilt ohne Folgeschäden ab. Meist bleiben nur kleine Narben durch starkes Kratzen zurück, wenn sich Bläschen durch eine bakterielle Infektion entzünden. Nach durchgemachter Erkrankung bleibt eine lebenslange Immunität. Das Virus verbleibt jedoch im zentralen Nervensystem und kann in Zeiten einer Immunschwäche wieder aktiviert werden und insbesondere bei Erwachsenen eine Gürtelrose auslösen. Etwa jeder fünfte Deutsche erkrankt im Laufe seines Erwachsenenlebens an Gürtelrose.

Vor allem bei Neugeborenen und abwehrgeschwächten Personen kann es zu schweren Komplikationen kommen. Dazu gehören Lungenentzündungen und bakterielle Superinfektionen (meist mit Staphylokokken). In sehr seltenen Fällen können Windpocken zu Schädigungen des zentralen Nervensystems führen.

Eine Windpocken-Erkrankung bei Schwangeren kann das ungeborene Kind schädigen.

Windpocken: Impfung ist die beste Vorbeugung

Einer Infektion mit Windpocken kann man vorbeugen, indem man den Kontakt mit Personen, die an Windpocken erkrankt sind, meidet. Dies gilt besonders für Säuglinge in den ersten vier Wochen und für Schwangere.

Die Impfung gegen Windpocken (Varizellen) wird nach Empfehlung der STIKO (Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts) seit August 2004 für alle Kinder und Jugendlichen empfohlen, die die Windpocken noch nicht durchgemacht haben. Das beste Alter für eine Windpocken-Impfung liegt bei elf bis 14 Monaten. In der Regel wird zeitgleich mit der ersten MMR-Impfung oder frühestens 4 Wochen nach dieser geimpft. Es kann aber jederzeit danach geimpft werden, vor allem bei noch ungeimpften neun- bis 17-Jährigen ohne durchgemachte Windpocken-Erkrankung, da das Risiko für Komplikationen bei ihnen erhöht ist.

Um eine möglichst hohe Immunität mit der Impfung gegen Windpocken zu erreichen, werden unabhängig vom Alter zwei Dosen im Abstand von mindestens zwei Dosen verabreicht. Fallkontroll-Studien zeigen, dass bereits nach der ersten Impfung eine Immunität von 70 bis 90 Prozent besteht. Nach Gabe der zweiten Impfdosis können 95 Prozent aller Varizellen-Infektionen verhindert werden. Der Schutz besteht spätestens 42 Tage nach der Impfung.

Außerdem wird eine Impfung aller Personen empfohlen, die unter einer Leukämie oder einer schweren Neurodermitis leiden oder bei denen eine Organtransplantation geplant ist. Hinzu kommen Personen, die Kontakt zu den genannten Risikogruppen haben, und Beschäftigte von Kindergärten, sofern bei ihnen keine Antikörper nachweisbar sind.

Die Verträglichkeit einer Windpocken-Impfung ist in der Regel gut. Häufigste Nebenwirkung ist eine leichte Rötung, Schwellung oder Druckempfindlichkeit an der Injektionsstelle, die jedoch nach etwa drei Tagen verschwindet. Möglich sind außerdem verschiedene Impfreaktionen:

  • leichte Temperaturerhöhung (unter 39,5 Grad Celsius bei rektaler Messung)
  • Unwohlsein und Mattigkeit
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Übelkeit

Etwa ein bis vier Wochen nach der Windpocken-Impfung kann es gelegentlich zur sogenannten Impfkrankheit kommen, bei der die Symptome einer Windpocken-Erkrankung (Hautausschlag und Fieber) in sehr leichter Form auftreten. Treten im Rahmen dieser auch als Impfwindpocken bezeichneten Erkrankung mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen auf, sind diese auch ansteckend.

Immunität am besten vor einer Schwangerschaft abklären

Da Windpocken in der Schwangerschaft mit schweren Komplikationen für Mutter und Kind verbunden sind, wird empfohlen, vor einer geplanten Schwangerschaft mittels Bluttest festzustellen, ob noch eine ausreichende Immunität vorliegt. Das gilt sowohl für bereits geimpfte Frauen als auch für den Fall, dass bereits eine Windpocken-Infektion durchgemacht wurde. Liegt kein ausreichender Schutz vor (Zahl der Antikörper im Blut), ist eine Windpocken-Impfung ratsam. Die Impfung sollte mindestens vier bis sechs Wochen vor einer geplanten Schwangerschaft, eher noch mit einem größeren Abstand, durchgeführt werden. In der Schwangerschaft darf nicht gegen Windpocken geimpft werden, da es sich um einen Lebendimpfstoff handelt.

Eine ausreichende Immunität der Mutter hat auch eine gewisse Bedeutung zum Schutz des Babys vor einer Infektion mit Varizellen. Der sogenannte Nestschutz besteht in den ersten Lebensmonaten, da bereits während der Schwangerschaft über die Plazenta Antikörper von der Mutter zum Kind gelangen und es so auch nach der Geburt schützen. Dieses Phänomen wird auch "Leihimmunität" genannt. Bei gestillten Babys wird der Effekt durch in der Muttermilch enthaltene Antikörper noch verstärkt.

Schwanger und Windpocken: was tun?

Eine Infektion in der Schwangerschaft mit Windpocken kann besonders zwischen der 5. und 24. Schwangerschaftswoche (24. SSW) für das Ungeboren gefährlich werden. Die Übertragung der Varizellen-Viren über die Plazenta von der Mutter aufs Kind ist zwar sehr selten, doch in ein bis zwei Prozent der Fälle führt sie zum fetalen Varizellensyndrom, was mit schweren Fehlbildungen beim Kind insbesondere der Gliedmaßen, der Augen, des Gehirns und des zentralen Nervensystems einhergehen kann. Es kann außerdem zu einer Fehlgeburt kommen.

Zudem verläuft die Infektion in der Schwangerschaft ungleich schwerer und das Komplikationsrisiko auch für die Mutter ist wesentlich höher. Im zweiten und dritten Trimester besteht zudem eine höhere Wahrscheinlichkeit einer durch Varizellen ausgelösten Lungenentzündung.

Die Behandlung kann in der Schwangerschaft ebenfalls mit einem speziellen Antikörper, dem Varizellen-Immunglobulin, erfolgen. Jedoch hat sie nur Aussichten auf Erfolg, wenn sie spätestens vier Tage nach der Ansteckung beziehungsweise dem Kontakt mit einer infizierten Person verabreicht werden. Sie schützen zudem nur die Mutter, nicht das Kind.

Schwangere, die keine Immunität gegen Windpocken haben, sollten deshalb Patienten, die gerade akut erkrankt sind, unbedingt meiden. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, wenn man schon ein kleines Kind hat, das in die Krippe oder den Kindergarten geht. Kommt es doch zum Kontakt mit frisch Erkrankten, sollten Schwangere möglichst schnell ihren Frauenarzt aufsuchen, der vorbeugend zum Schutz eine antivirale Therapie durchführen kann.  

Windpocken direkt vor der Geburt und bei Neugeborenen

Besonders gefährlich ist eine Windpocken-Erkrankung während der Schwangerschaft auch in der Zeit kurz vor der Geburt. Erkrankt die Mutter fünf Tage vor und bis zu zwei Tage nach der Geburt, droht für das Kind ein besonders schwerer Krankheitsverlauf. Denn das Neugeborene hat über die Plazenta keine Antikörper zum Schutz gegen die Infektion bekommen. Das größte Risiko haben Babys, die zwischen dem fünften und zehnten Lebenstag erkranken.

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Autor: Miriam Funk, Medizinredakteurin / Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 02. Januar 2019
Quellen

Beiträge im Forum "Babyernährung"
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