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Wie viele Infekte sind beim Kind normal?

Wie viele Infekte beim Kind sind normal?
Kinder leiden viel häufiger an Infekten als Erwachsene
© iStock/rafalkrakow

Viele Eltern kennen das: Kaum ist der Schnupfen beim Kind vorbei, kommt auch schon die nächste Erkältung. Besonders in der kalten Jahreszeit scheinen sich viele Kinder von einem Infekt zum nächsten zu hangeln.

Ein Grund zur Sorge oder völlig normales "Training" für das Immunsystem? Wie viele Infekte beim Kind sind eigentlich normal?

Warum Kinder häufiger an Infekten leiden

Kleinkinder und Kinder haben eine höhere Infektanfälligkeit. Die Gründe für häufige Infekte bei Kindern sind vielfältig. Ein wesentlicher Aspekt ist das sich noch im Aufbau befindende Immunsystem der Kinder. Während Erwachsene in ihrem Leben schon zahlreiche Infekte durchgemacht haben und damit schon mit zahlreichen verschiedenen Erregern in Kontakt gekommen sind, begegnet das kindliche Immunsystem in den ersten Lebensjahren vielen noch unbekannten Viren.

Erst etwa im Alter von zehn Jahren ist der Reifeprozess des Immunsystems abgeschlossen.

Auch die Vielfalt der sogenannten Erkältungsviren spielt eine Rolle: Das Rhinovirus, häufigster Auslöser von Erkältungskrankheiten wie Schnupfen, Husten oder Heiserkeit, tritt in hunderten verschiedenen Formen auf. Gegen die meisten Rhinoviren verfügen Kinder noch nicht über entsprechende Antikörper. Daher fällt die Immunreaktion des Kindes teilweise besonders heftig aus. Kennt das Immunsystem einen dieser Erreger schon, kann dieser effektiver bekämpft oder sogar schon abgewehrt werden, ehe es überhaupt zu einem richtigen Infekt kommt.

Acht bis zehn Infekte jährlich gelten als normal

Jedes Kind ist einzigartig, daher gibt es keine festen Regeln, nach denen man von normaler Infekthäufigkeit sprechen kann. Als Faustregel gilt: Bis zu acht bis zehn Infekte jährlich sind normal. Kinder in Betreuungseinrichtungen (zum Beispiel Kindergärten) oder mit vielen Geschwistern können durchaus häufiger unter Infekten leiden, weil sie sich öfter anstecken.

Aufschluss gibt auch der Verlauf eines Infekts: Ist er nach etwa 14 Tagen noch nicht abgeklungen oder wird ein Atemwegsinfekt gar chronisch, wird der Arzt eventuell weitere Untersuchungen vornehmen, um einen Immundefekt oder andere Ursachen für den schweren Verlauf auszuschließen.

Normale Infekthäufigkeit oder schon Immunschwäche?

Eine angeborene Immunschwäche kommt eher selten vor. Wie viele Kinder wirklich unter einem Immundefekt leiden, ist schwer zu sagen, weil bis zur Diagnose häufig mehrere Jahre vergehen. Man geht von 1.000 bis 1.200 jährlich geborenen Kindern aus, die eine Immunschwäche haben. Gekennzeichnet ist sie von zahlreichen Infekten mit schwerem Verlauf sowie starken Impfreaktionen. Auch Pilzinfektionen der Haut, wiederkehrende Abszesse oder geringe Körpergröße und -gewicht können auf einen angeborenen Immundefekt hinweisen.

Kinder vor Infekten schützen?

Eine sichere Vorbeugung vor Erkältungskrankheiten gibt es nicht. Da Rhinoviren meist durch Schmierinfektionen (Hand geben, Türgriffe) oder durch Tröpfcheninfektion weitergegeben werden, kann man versuchen, dem Kind häufiger die Hände zu waschen oder es von anderen erkälteten Kindern fernzuhalten.

Bei den unangenehm, aber in der Regel harmlosen Erkältungskrankheiten ist das nicht unbedingt erforderlich. Es ist erwiesen, dass das kindliche Immunsystem in den ersten Lebensjahren "trainiert" wird und mit jedem weiteren Erkältungsinfekt das Immunsystem letztendlich stärkt. Je ausgeprägter das Immunsystem wird, desto besser kann es Erkältungskrankheiten im späteren Leben abwehren.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 10. November 2016
Quellen: Deutsche Heilpraktiker Zeitschrift (Hrsg.): Diagnostik in der Naturheilpraxis. Karl F. Haug Verlag, Stuttgart 2013; Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), www.kindergesundheit.info (Abruf: Juni 2015)

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