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Sonntag, 19. November 2017
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Typhus, Paratyphus

Typhus, Paratyphus
Typhuserreger können in Blut- oder Harnproben nachgewiesen werden
(c) iStockphoto/sturti

Typhus (abdominalis) ist eine schwere, durch Bakterien ausgelöste Infektionskrankheit, die in Deutschland meldepflichtig ist. Jährlich erkranken weltweit schätzungsweise 22 Millionen Menschen an dieser Erkrankung, etwa 200.000 sterben daran.

Besonders hohe Erkrankungszahlen gibt es in Afrika, Südostasien und Südamerika. Dort kann sich der Erreger bei schlechten Hygienebedingungen epidemieartig verbreiten. Beim Paratyphus handelt es sich um eine abgeschwächte, milder verlaufende Form des Typhus, weltweit gibt es etwa 5,5 Millionen Fälle pro Jahr.

Sowohl die Fälle von Typhus- als auch von Paratyphuserkrankungen sind in Deutschland seit den 1950-er Jahren stark zurückgegangen. Die Erkrankungen treten in Deutschland jährlich 0,1 Mal unter 100.000 auf und werden zu einem Großteil aus dem Ausland, bevorzugt aus Indien, Kambodscha, Pakistan und Thailand, eingeschleppt.

Wie wird Typhus verursacht?

Typhus wird durch den Erreger Salmonella typhi ausgelöst, einem Bakterium, welches zur Gattung der Salmonellengehört. Der Erreger wird in der Regel über die Nahrungsaufnahme übertragen, beispielsweise über Wasser und Nahrungsmittel, die mit dem Erreger belastet sind. Faktoren wie Alter, mögliche Erkrankungen und Zustand des Immunsystems spielen bei einer möglichen Infektion eine wichtige Rolle.

Ein Betroffener ist etwa eine Woche nach Erkrankungsbeginn ansteckend und scheidet Keime mit dem Stuhl aus. In zwei bis fünf Prozent der Fälle werden infektiöse Keime lebenslang mit dem Stuhl ausgeschieden, ohne dass der Betroffene Symptome zeigt oder erneut erkrankt.

Bei einer Infektion mit dem Erreger Salmonella typhi dauert es in den meisten Fällen acht bis 14 Tage, ehe es zu Symptomen kommt. Mitunter beträgt die Inkubationszeit aber auch bis zu 60 Tage.

Der Paratyphus wird durch den Erreger Salmonella paratyphi verursacht. Zwischen Infektion und dem Auftreten von ersten Symptomen (Inkubationszeit) liegen etwa ein bis zehn Tage.

Welche Symptome gibt es bei einer Typhuserkrankung?

Die ersten Anzeichen bei Typhus ähneln zunächst einem grippalen Infekt. Es kommt zu Mattigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Fieber, welches ohne Behandlung in zwei bis drei Tagen auf 39 bis 41 Grad Celsius ansteigt und nach etwa acht Tagen in eine sogenannte Kontinua übergeht. Das bedeutet, dass das Fieber auf 40 bis 41 Grad Celsius ansteigt und einige Tage bis mehrere Wochen lang so hoch bleibt.

Häufig haben Betroffene auch eine belegte Zunge, die sogenannte Typhuszunge.

Weitere Symptome können Durchfall (bei Typhus so genannter Erbsenbreistuhl) im Wechsel mit Verstopfung, niedriger Puls sowie allgemeines Krankheitsgefühl und selten ein rötlich-fleckiger Hautausschlag mit stecknadelkopfgroßen Schwellungen auf der Bauchhaut und Haarausfall sein.

Bei geimpften Personen kann es zu einer leichten Form der Erkrankung, Typhus levissimus, kommen, bei welcher einige Symptome fehlen beziehungsweise nur in schwacher Form auftreten.

Der Paratyphus verläuft leichter als eine Typhuserkrankung und äußert sich vorwiegend durch Symptome wie Erbrechen, Übelkeit, Bauchschmerzen und Verdauungsstörungen. Das Fieber steigt meist nur bis 39 Grad Celsius an.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Bei Typhus und Paratyphus kommt es aufgrund der unklaren Symptome häufig zunächst zu Fehldiagnosen, da die Erkrankung für einen grippalen Infekt oder Malaria gehalten wird.

Eine genaue Befragung des Betroffenen durch den Arzt zu Symptomen, Krankheitsgeschichte und eventuellen Auslandsaufenthalten (Anamnese) liefert oft erste Hinweise auf die Typhus- oder Paratyphuserkrankung. Während der ersten und zweiten Krankheitswoche kann der Erreger in einer Blutprobe des Betroffenen nachgewiesen werden. Danach ist der Nachweis ebenfalls durch die Laboruntersuchung einer Stuhlprobe möglich. Der jeweilige Erreger kann ebenfalls in Knochenmark, Harn oder im Sekret des Zwölffingerdarms nachgewiesen werden. Werden im Blut ein Mangel an weißen Blutkörperchen (Leukozyten), eine erhöhte Anzahl unreifer weißer Blutkörperchen oder leicht erhöhte Leberenzymwerte festgestellt, so können diese Befunde ein Hinweis auf eine Typhuserkrankung sein.

Die Erreger Salmonella typhi und paratyphi kann in einigen Fällen trotz einer Behandlung noch mehrere Wochen lang im Stuhl nachgewiesen werden.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei Typhus?

Sowohl die Typhuserkrankung als auch der Paratyphus werden mit Antibiotikum behandelt. Das Antibiotikum wird mindestens über einen Zeitraum von zwei Wochen verabreicht. Je eher die Krankheit erkannt wird, umso besser schlägt die Therapie an und Komplikationen können vermieden werden. Wird Typhus im frühen Stadium behandelt, verläuft die Erkrankung nur in einem Prozent der Fälle tödlich.

Für Personal in Krankhäusern gelten strenge Hygienevorschriften in der Pflege und Versorgung von Typhusbetroffenen, um eine Verbreitung der Erkrankung zu vermeiden.

Bei einigen Betroffenen kann der Erreger noch Wochen nach der Heilung im Stuhl nachgewiesen werden. In solchen Fällen kommt es nicht zu Symptomen, die Betroffenen werden zu so genannten Dauerausscheidern, die den Erreger in sich tragen und andere infizieren können. Die Betroffenen werden dann vier Wochen lang mit einem Antibiotikum behandelt, um den Erreger endgültig zu beseitigen.

Wie ist der Verlauf einer Typhuserkrankung?

Werden Typhus und Paratyphus frühzeitig behandelt, verläuft eine Erkrankung meist ohne Symptome. Nach der Phase mit hohem Fieber sinkt die Temperatur stufenweise wieder auf eine normale Körpertemperatur. Je später die Therapie begonnen wird, desto häufiger kann es zu Komplikationen wie Darmblutungen und Darmgeschwüren, Thrombosen, Knochenmarksentzündungen sowie einer Entzündung der Herzinnenhaut, einer Hirnhautentzündung (Meningitis) oder einer Gallenblasenentzündung kommen.

Bei etwa zwölf bis 20 Prozent der Betroffenen kommt es nach der antibakteriellen Therapie zu einem Rückfall, wobei die Symptome in schwächerer Form auftreten. In solchen Fällen schlägt die Behandlung mit erneuter Antibiotikagabe in der Regel gut an.

Kann man Typhus vorbeugen?

Um eine Typhus- oder Paratyphuserkrankung zu vermeiden, ist es vor allem bei Auslandsreisen oder Aufenthalten in gefährdeten Gebieten wichtig, Leitungswasser oder daraus hergestellte Eiswürfel zu vermeiden. Nahrungsmittel sollten vor dem Verzehr gründlich gereinigt beziehungsweise geschält oder gut durchgegart werden. Der Grundsatz "If you can't cook it, peel it or leave it" ("Wenn du es nicht kochen kannst, schäle es oder lasse es") gilt besonders in ländlichen Gebieten, in denen Typhus noch weiter verbreitet ist. Wenn möglich, sollte man nicht in Lokalen essen, in denen die hygienischen Bedingungen offensichtlich schlecht sind. Beim Bestellen von Drinks - auch nicht alkoholischen Getränken - am besten immer "without ice", also ohne Eis(-würfel) bestellen. Häufiges Händewaschen oder Desinfizieren der Hände (zum Beispiel mit einem Desinfektionsgel) können ebenfalls helfen, sich vor Typhus zu schützen.

Typhus: Impfung bietet Schutz

Nur eine Impfung gegen Typhus bietet den größtmöglichen, aber nicht hundertprozentigen Schutz vor einer Erkrankung. Sie empfiehlt sich vor Reisen in betroffene Länder vor allem Nordafrikas, Südamerikas und Asiens und insbesondere, wenn man plant, dort unter einfachen Bedingungen unterzukommen. Auch während einer Epidemie ist eine Schutzimpfung unbedingt ratsam. Zwei Formen der Impfung gegen Typhus sind möglich: die orale Gabe und die Impfung per Injektion.

Bei der oralen Gabe wird ein Lebendimpfstoff per Kapsel drei Mal hintereinander im Abstand von je zwei Tagen eingenommen. Wichtig ist, dass die Kapseln ständig gekühlt werden und unverkaut - also im Ganzen - geschluckt werden. Das kann die Anwendung bei Kleinkindern problematisch machen. Danach besteht bei etwa 60 Prozent der Geimpften ein Impfschutz, der für ein Jahr lang anhält. Im Anschluss sollte - bei andauerndem oder nochmaligem Aufenthalt - erneut geimpft werden.

Die Typhus-Impfung mit Lebendimpfstoff hat wenige Nebenwirkungen. Am Einnahmetag kann es zu Magen-Darm-Problemen kommen.

Die Impfung gegen Typhus per Injektion bietet ebenfalls einen Typhusschutz bei etwa 60 Prozent der Geimpften und wirkt etwa ein bis zwei Wochen nach der Injektion. Sie ist geeignet ab zwei Jahren und schützt über drei Jahre hinweig. Wie die mehrmalige Typhus-Impfung per Kapsel ist sie gut verträglich. Nebenwirkungen der Typhus-Impfung betreffen in erster Linie die Einstichstelle, wo es zu Hautirritationen oder auch Blutergüssen kommen kann.

Trotz Impfung ist es unbedingt empfehlenswert, die Hygiene beim Essen und Trinken einzuhalten, da in vielen Ländern auch andere Durchfallerkrankungen auftreten können, gegen die keine Impfung hilft.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 07. April 2017
Quellen: Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2007 RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblätter für Ärzte: Typhus abdominalis. Robert Koch-Institut, Berlin (Stand: 26.03.2015)

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