Spina bifida (Offener Rücken)

Spina bifida wird im Volksmund als Offener Rücken bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Entwicklungsstörung der Embryonalanlage. Sie ist eine Form von Neuralrohldefekten. Es handelt sich hierbei um eine Störung des Schließungsprozesses im Embryonalstadium der so genannten Neuralplatte, der ersten Anlage des späteren Zentralnervensystems.

Um einer Spina bifida vorzubeugen, sollten Schwangere ausreichend Folsäure zu sich zu nehmen
iStock/Wavebreakmedia

Die Störung dieses Prozesses kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Tritt bei diesem Prozess in der frühen embryonalen Entwicklung eine Störung auf, kann dies unter Umständen zu massiven Schädigungen führen. Die Spina bifida wird in mehrere Unterformen unterteilt, deren Auswirkungen auf das betroffene Kind unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Im schlimmsten Fall ist das Kind schwerst körperlich behindert oder sogar nicht lebensfähig. Oft treten neurologische Defekte auf.

Wie häufig tritt eine Spina Bifida auf?

Die Häufigkeit von Spina Bifida schwankt in der Literatur zwischen 0,5 bis drei Fälle pro 1000 Geburten, wobei hier alle Formen, von leicht bis schwer, vertreten sind. Das Wiederholungsrisiko bei erneuter Schwangerschaft betrifft sogar zwei bis fünf Neugeborene von 1000. Gibt es bereits zwei betroffene Kinder in einer Familie, steigt die Rate sogar auf zehn von 1000.

Was sind die Ursachen für Spina Bifida?

Als Ursache für Spina Bifida kommen unterschiedliche Faktoren in Frage, oft auch miteinander kombiniert. Es gibt familiäre Häufungen. Ein Folsäuremangel während der Frühschwangerschaft kann sich zugunsten einer Spina Bifida auswirken.

An welchen Symptomen erkennt man eine Spina Bifida?

Die Symptome der Spina Bifida treten meist im späteren Rückenmarkskanal auf, welcher von den späteren Wirbelbögen der Wirbelkörper umschlossen und geschützt werden soll. Die verschiedenen Unterformen der Spina Bifida entstehen alle aufgrund eines Neuralrohrdefekts. Geschieht hier ein Fehler in der embryonalen Entwicklung, gerät das Zentralnervensystem inklusive seines eigenen Flüssigkeitshaushaltes in Gefahr.

Als vermeintlich leichteste Form gilt die Spina Bifida Occulta, bei der man oftmals nur eine Hautveränderung am Rücken des Kindes sieht. Hier ist eine narbige Einziehung oder vermehrter Haarwuchs mittig an der Wirbelsäule zu erkennen. Dies bleibt mitunter ohne gesundheitliche Folgen, kann jedoch auch zu Funktionsausfällen von Nerven führen, beispielsweise einer teilweisen oder kompletten Querschnittslähmung. Oft treten gleichzeitig Fußdeformitäten auf.

Die Spina Bifida Cystica ist stärker ausgeprägt. Hier entsteht ein Flüssigkeitssack durch Nachaußenwölbung der Rückenmarkshäute zwischen zwei Wirbelbögen hindurch. Dies nennt man Meningozele. Bei der Meningomyelozele hingegen, einer weiteren Steigerung, findet sich im Flüssigkeitssack zusätzlich Nervengewebe. Hier kommt es oft schon zu Lähmungserscheinungen von Blase und Mastdarm.

Bei der Spina Bifida Aperta liegt das Nervengewebe frei und auf etwa gleicher Höhe wie die Haut. Zu 80 Prozent kommt es gleichzeitig zu einem Wasserkopf (Hydrozephalus).

Wie wird Spina Bifida diagnostiziert?

Bereits bei der pränatalen Diagnostik kann man mittels Ultraschall (Sonografie) Anhaltspunkte für eine Spina Bifida erkennen. Bei einer Fruchtwasseruntersuchung lässt sich ein erhöhter Wert eines Alpha-Fetoproteins nachweisen. In Verbindung mit einer so genannten Acetylcholinesterase-Bestimmung kann man eine Spina Bifida bereits vor der Geburt zu 98 Prozent erkennen. Häufig gibt der erwähnte Wasserkopf schon Hinweise auf eine solche Symptomatik.

Wie sieht die Therapie bei Spina Bifida aus?

Je nach Schwere der Erkrankung arbeiten mehrere Fachbereiche der Medizin eng zusammen. Idealerweise werden die Eltern miteinbezogen. Ebenso der Kinderarzt, die Neurochirurgie um Wasserkopf und offenes Rückenmark zu versorgen. Die Urologie ist für die Blasenkontrolle zuständig, die Orthopädie kann mit korrigierenden Schienen oder anderen Hilfsmitteln zur Erleichterung des Alltags beitragen. Sobald funktionelle Beeinträchtigungen vorhanden sind, wird eine dauerhafte, intensive Physiotherapie durchgeführt. Das größte Ziel ist es, beim betroffenen Kind bis zum 18. Lebensmonat eine Gehfähigkeit zu erreichen. Aber auch Gelenkbeweglichkeit der Blasen- und Mastdarmfunktion kann mittels krankengymnastischen Übungen positiv beeinflusst werden. Entscheidend für die Behandlung ist allerdings die Früherkennung.

Wie ist der Verlauf einer Spina Bifida?

Ohne Behandlung sterben Kinder, bei denen der Rücken tatsächlich "offen" ist. Bei operativer Versorgung ist die Prognose jedoch erheblich günstiger. Als Spätkomplikation bleiben der Wasserkopf oder vegetativ bedingte Geschwüre (Ulzera). Manche leichte Formen haben später keine Konsequenzen, schwere Formen ziehen meist lebenslange Behinderung nach sich.

Wie kann man einer Spina Bifida vorbeugen?

Nachweislich senkt eine Folsäuregabe in der frühen Schwangerschaft das Risiko bereits erheblich und wird deshalb häufig empfohlen. Bei bereits betroffenen eigenen Kindern ist jede weitere Schwangerschaft umso risikoreicher, dass erneut eine Spina bifida auftritt.

Neuste Artikel in dieser Rubrik

Autor:
Letzte Aktualisierung: 08. September 2016
Quellen: Mahrsuhr, K., Neumann, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2007; Aksu, F.: Neuropädiatrie. Uni-Med, Bremen 2008; Sitzmann, F.C.: Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2007; Hees, H. , Sinowatz, F.: Allgemeine und spezielle Pathologie. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 1996