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Norovirus bei Babys und Kindern

Autor: Christian Fiala, Medizinautor / Miriam Funk, Medizinredakteurin
Letzte Aktualisierung: 20. Dezember 2018

Das Norovirus verursacht akute Magen-Darm-Infektionen mit Erbrechen und Durchfall. Noroviren treten weltweit auf und stellen bei Babys und Kleinkindern nach den Rotaviren die zweithäufigste Ursache akuter Darminfektionen dar. Im Gegensatz zu Rotaviren gibt es gegen Noroviren jedoch keine Impfung.

Norovirus bei Babys und Kindern
Babys und Kleinkinder erkranken ein- bis zweimal pro Jahr an einer Magen-Darm-Infektion, oft ist der Norovirus die Ursache
© iStock.com/NataliaDeriabina

Eine akute Magen-Darm-Infektion wird unter Medizinern als Gastroenteritis bezeichnet. Sie kann verschiedene Ursachen haben, die unter anderem bakterielle Ursachen oder eine Virusinfektion ausgelöst werden kann. Der erste medizinische Nachweis einer durch Viren ausgelösten Gastroenteritis konnte Anfang der 1970er Jahre erbracht werden. Dieses „Norwalk-like-Virus“, dessen Name auf die Epidemie im Jahre 1968 in Norwalk (USA) zurückgeht, wurde aus Stuhlproben von Freiwilligen gewonnen. Daher rührt wahrscheinlich der Name Norovirus. Noroviren sind auf der ganzen Welt verbreitet - und auf dem Vormarsch. Kinder unter fünf Jahren und ältere Personen sind besonders häufig betroffen.

Nach Rotaviren sind Noroviren die häufigste Ursache für Magen-Darm-Infekte bei Babys und Kindern. Bei Kindern sind sie insgesamt für ein Drittel aller Durchfallerkrankungen verantwortlich.

Aktuelle Norovirus-Welle im Dezember 2018

Aktuell (im November und Dezember 2018) wird in vielen Teilen Deutschlands wieder eine Zunahme der Fälle von Norovirus - vor allem bei Kindern - verzeichnet. In diesem Jahr wurden in Deutschland bis zur Kalenderwoche 47 (Ende November) schon knapp 65.000 Fälle registriert, das sind fast 5.000 mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Dabei handelt es sich allerdings nur um Fälle mit tatsächlich im Labor nachgewiesener Infektion. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen. Da die hauptsächliche Erkrankungszeit im Winter liegt, ist es nicht verwunderlich, dass gegen Ende des Jahres auch wieder vermehrt Fälle gemeldet werden.

Laut Berichten häufen sich aktuell die Fälle in:

  • Bayern (insbesondere Oberbayern)

  • Sachsen

  • Sachsen-Anhalt

  • Nordrhein-Westfalen

  • Thüringen

Zur Vermeidung von Ansteckung ist es unbedingt ratsam, sich häufig und gründlich die Hände mit Seife zu waschen, insbesondere, wenn man von draußen (Supermarkt, öffentliche Verkehrsmittel) nach Hause kommt, Hände geschüttelt hat, usw. Denn das Norovirus überträgt sich vor allem über die Hand. Betroffene sollten sich daher nach dem Toilettengang sehr gründlich die Hände waschen - und zwar bis zu zwei Wochen nach Abklingen der Erkrankung, den so lange kann das Virus noch ausgeschieden werden.

Infektionsweg: Wie überträgt sich das Norovirus?

Noroviren können sich über Schmierinfektionen oder Aerosole, die beim Erbrechen entstehen, ausbreiten. Auch über kontaminiertes Wasser oder Lebensmittel werden sie übertragen. Aufgrund der hohen Erregeranzahl im Erbrochenen oder im Stuhl ist ohne strenge Hygiene eine Ansteckung leicht möglich. Noroviren sind dafür bekannt, dass sie sich in Gemeinschaftseinrichtungen wie Krankenhäusern oder Alten- und Pflegeheimen schnell verbreiten können, genauso wie in Kindergärten oder Herbergen. Auch durch ihre Fähigkeit, ständig in neuen Virusvarianten aufzutreten, die unterschiedlich starke Symptome auslösen, sind Noroviren immer wieder für jeden gefährlich.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt besondere Maßnahmen, um die rasche Ausbreitung von Noroviren zu verhindern:

  • Kontakt zu Erkrankten meiden und auf sorgfältige Händehygiene (sorgfältiges Händewaschen) achten
  • Bei der Betreuung von erkrankten Personen zuhause muss ebenfalls eine gute Hände- und Toilettenhygiene (regelmäßige Reinigung der Kontaktflächen, personenbezogene Hygieneartikel/Handtücher) eingehalten werden.
  • Mit Erbrochenem oder Stuhl in Berührung kommende Gegenstände und Flächen (zum Beispiel Waschbecken, Toiletten, Türgriffe, Böden) sollten nur mit Gummihandschuhen gründlich gereinigt werden. Damit dabei keine weitere Verbreitung der Viren stattfindet, sollten Einwegtücher verwendet werden, die danach entsorgt werden. Der Einsatz von Desinfektionsmitteln ist in der Regel nicht erforderlich. Vielmehr kommt es auf die konsequente Einhaltung der oben genannten Maßnahmen an.

Noroviren werden sehr leicht übertragen, da eine minimale Infektionsdosis (10-100 Viruspartikel) ausreicht. Deshalb verbreitet sich eine Noroviren-Infektion innerhalb von Gemeinschaften (wie z. B. im Kindergarten) rasend schnell. Die Inkubationszeit beträgt ein bis drei Tage, jedoch zeigen sich nach einer Ansteckung die ersten Symptome oft schon nach zehn bis 48 Stunden. Die akute Phase dauert zwei bis vier Tage.

Norovirus: Symptome

Häufig kommt es bei Noroviren nach einer Inkubationszeit von ein bis drei Tagen aus heiterem Himmel zu plötzlichem, schwallartigem Erbrechen, oft mit heftigen Durchfällen verbunden. Diese Symptome halten meist einige Tage an. Die Erreger im Stuhl können allerdings noch mehrere Wochen nach Erkrankung noch nachgewiesen werden. In dieser Zeit sollten auf strenge Hygiene geachtet werden.

Norovirus beim Baby

Babys, die am Norovirus erkrankt sind, verweigern oft zu trinken, weinen viel und leiden ebenfalls an starken Durchfällen und Erbrechen. Durch den Flüssigkeitsverlust kann die Fontanelle leicht eingefallen sein. Der Windelinhalt ist häufig wässerig-schleimig, grünlich oder gelblich. Besonders wenn zusätzlich Fieber auftritt, besteht die Gefahr eines Flüssigkeitsmangels. Durch den Durchfall kann es zusätzlich zu einer Windeldermatitis kommen.

Wann zum Arzt mit dem Baby?

Für Eltern ist nicht zu erkennen, ob es sich bei der Magen-Darm-Infektion um das Norovirus handelt, oder ob andere Erreger die Ursache sind. Wenn es in der Umgebung jedoch Hinweise auf Noroviren gibt und das Baby unter Durchfall und Erbrechen leidet, kann der Arzt eine Stuhlprobe untersuchen. Unbedingt ausgeglichen werden muss der massive Flüssigkeitsverlust. Eltern sollten in folgenden Fällen UNBEDINGT einen Arzt aufsuchen:

  • Durchfall und Erbrechen halten länger als zwei Tage an
  • Baby/Kind trinkt nicht ausreichend
  • begleitend zum Magen-Darm-Infekt tritt hohes Fieber auf
  • kleinste aufgenommene Mengen werden umgehend wieder erbrochen
  • Fontanelle fällt ein
  • Gewichtsverlust erkennbar

Natürliches Pektin gegen Norovirus

Zur natürlichen Unterstützung der Darmschleimhaut eignen sich natürliche Pektine, wie sie vor allem in Äpfeln und Karotten enthalten sind. Sie können das Wachstum krankmachender Keime im Darm hemmen und tragen gleichzeitig durch ihre natürliche Fähigkeit zur "Eindickung" zu festerem Stuhlgang bei. In der Apotheke kann auch natürliches Pektin zur Einnahme gekauft werden. Weisen Sie Ihren Apotheker auf jeden Fall darauf hin, dass die Arznei für ein Baby/Kind gedacht ist.

Was hilft Babys und Kindern bei Norovirus?

  • Trinken, trinken, trinken: ausreichend trinken ist die wichtigste Maßnahme, Stillkinder weiterstillen und häufig anlegen zum Flüssigkeitsausgleich, ältere Kinder können Fenchel-, Kamillentee mit Traubenzucker oder Honig und Wasser trinken und ggf. mit einer Rehydrationslösung aus der Apotheke versorgt werden
  • häufig Windeln wechseln, um einen wunden Po zu vermeiden
  • getrocknete Heidelbeeren (keine frischen!) in Quark
  • rohen geriebenen Apfel zwei- bis dreimal täglich, Karottensuppe, wenn das Kind mag mit Ingwer (1 Pfund Möhren mit 1 l Wasser 1h kochen, pürieren und 1 TL Salz dazu)
  • Kinder ab einem Jahr: 2-3 Mal täglich Blutwurz (Pulver aus der Apotheke). Eine Messerspitze unter den geriebenen Apfel oder in den Tee mischen. Hilft besonders bei krampfartigem Durchfall.
  • Schüßler-Salze: Nr. 7 Magnesium phosphoricum als heiße Sieben alle 15 Minuten zusammen mit Nr. 3 Ferrum phosphoricum gegen Durchfall
  • Homöopathie: Arsenicum album (D6) im Wechsel mit Veratrum album (D4), 5 Globuli stündlich (4-mal), danach 4-mal täglich

Norovirus – Diagnose und Meldepflicht

Der Nachweis einer Infektion durch Noroviren lässt sich mittels einer Stuhlprobe erbringen. Da Noroviren gehäuft bei Menschen auftreten, die mit anderen Menschen oder mit Lebensmitteln oder ähnlichem arbeiten, unterliegt der Arzt einer Meldepflicht, ebenso wie der Laborleiter, der die Viren in der Stuhlprobe entdeckt hat.

Tipps und Hausmittel gegen Windeldermatitis
Autor: Christian Fiala, Medizinautor / Miriam Funk, Medizinredakteurin
Letzte Aktualisierung: 20. Dezember 2018
Quellen
Beiträge im Forum "Babyernährung"
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