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Samstag, 18. November 2017
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Nesselsucht

Nesselsucht
Nesselsucht tritt häufig nur kurzfristig auf und verschwindet dann wieder
(c) Getty Images/iStockphoto/Catherine Yeulet

Nesselsucht (Urtikaria) ist ein Hautauschlag, der durch juckende Quaddeln gekennzeichnet ist. Die Quaddeln sind unterschiedlich groß und reichen von kleinen, weißen Erhebungen bis hin zu großen Quaddeln, die sich über ganze Hautregionen ausbreiten.

Schätzungen zufolge leidet etwa jeder vierte Mensch mindestens ein Mal im Leben unter Nesselsucht. Die Hauterkrankung betrifft alle Altersgruppen weltweit; lediglich zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr lässt sich eine etwas größere Häufigkeit als in anderen Altersgruppen feststellen.

Wie entsteht Nesselsucht?

Die typischen Quaddeln der Nesselsucht entstehen durch Wasser. Das Wasser wird aus den Blutgefäßen, die unter der Haut liegen, in die obere Hautschicht gepresst. Das Wasser ist auch der Grund dafür, dass die Quaddeln weißlich gefärbt sind.

Welche Ursachen hat Nesselsucht?

Der eigentliche Auslöser von Nesselsucht ist der Botenstoff Histamin. Das Histamin in der Haut wird in den Mastzellen gespeichert. Kommt es zu einer Reizung der Mastzellen, wird an bestimmten Stellen vermehrt Histamin freigesetzt und es kommt zu den für die Nesselsucht typischen weißen, juckenden Quaddeln. Eine Reizung der Mastzellen kann verschiedene Gründe haben.

Allergische Nesselsucht

Der häufigste Auslöser einer allergisch bedingten Nesselsucht sind Nahrungsmittel, vor allem Fisch und Schalentiere, sowie Hülsenfrüchte. Auch Medikamente können eine allergische Reaktion auslösen, die sich in Form einer Nesselsucht äußert. Dabei ist es egal, ob das Medikament bislang gut vertragen wurde; eine medikamentös bedingte Nesselsucht kann jederzeit auftreten. Der Wirkstoff Acetylsalizylsäure ist bei etwa einem Fünftel aller Fälle von chronischer Nesselsucht zumindest ein Mitauslöser.

Physikalische Nesselsucht

Die physikalisch bedingte Urtikaria wird durch Reize ausgelöst, die direkt auf der Haut wirken: Sie entsteht durch Druck, Wärme, Kälte oder Licht. Die häufigste physikalische Urtikaria ist die Urticaria factitia: Dabei entsteht die Nesselsucht nach einer Druck-Reibung, beispielsweise dem Entlangstreichen auf der Haut mit einem Gegenstand.

Eine weitere häufige Form ist die cholinerge Urtikaria. Sie wird auch Anstrengungsurtikaria genannt und tritt bei körperlicher Anstrengung, Stress, Schwitzen oder emotionaler Erregung auf.

Ungeklärte (idiopathische) Nesselsucht

Bei einer ganzen Reihe von Nesselsucht-Fällen bleibt die Ursache unklar. Als Auslöser diskutiert werden Infektionen, Pilze, Magen-Darm-Erkrankungen und Schilddrüsenstörungen.

Wie äußert sich Nesselsucht?

Die Bezeichnung Urtikaria ist von "Urtica", dem lateinischen Wort für Brennnessel, abgeleitet. Das hat einen ganz offensichtlichen Grund: Die Symptome der Nesselsucht – juckende Quaddeln auf der Haut – ähneln denen nach einer "Verbrennung" mit Brennnesseln. Die Quaddeln selbst sind meist weißlich, während die umliegende Haut rötlich verfärbt ist. Es kommt aber auch vor, dass die Quaddeln andere Farben, zum Beispiel Rot, annehmen. Das Jucken ist ein wichtiger Hinweis auf Nesselsucht.

Grundsätzlich unterscheidet man die akute und die chronische Nesselsucht. Bei der akuten Urtikaria treten die Beschwerden weniger als sechs Wochen lang auf. Die chronische Urtikaria hält entsprechend länger als sechs Wochen an.

Häufig kommt es zusätzlich zur Nesselsucht zum Angioödem. Dabei zeigen sich besonders oft im Gesicht starke Schwellungen. Das Angioödem juckt im Gegensatz zur Nesselsucht nur gering oder gar nicht und ist nicht weiß verfärbt.

Fieber kann bei der Nesselsucht einen Hinweis auf die ursächliche Erkrankung geben. Tritt es auf, sollte ein Kinderarzt aufgesucht werden.

Wie wird Nesselsucht diagnostiziert?

Nach einem Gespräch über die Krankheitsgeschichte mit dem Arzt (möglichst mit einem Hautarzt) folgt die Untersuchung der Quaddeln. In der Regel wird die Nesselsucht schon aufgrund des optischen Erscheinungsbilds diagnostiziert.

Heilt die Nesselsucht nicht von allein ab, ist es zunächst sinnvoll, ein Tagebuch zu führen, in dem der Zeitraum des Auftretens der Quaddeln, Dauer, Häufigkeit und eventuelle Veränderungen notiert werden. Dadurch ergeben sich eventuell Hinweise auf die Ursache der Nesselsucht.

Ergänzt wird die Diagnose durch verschiedene physikalische Tests, etwa die Hautreaktion auf Kälte, Wärme und Druck. Außerdem empfiehlt sich ein Allergietest. Nur in unklaren oder schweren Fällen schließen sich Labortests wie Blut- und Urinuntersuchung und der Test auf Autoantikörper (Autologer Serumtest).

Wie therapiert man Nesselsucht?

Da Nesselsucht keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom ist, wird die Ursache therapiert. Die Behandlung richtet sich dann nach der ursächlichen Erkrankung, zum Beispiel der Allergie oder Infektion. Häufig kann eine Urtikaria bereits durch das Weglassen bestimmter Nahrungsmittel oder Medikamente therapiert werden.

Kann nach einem Zeitraum von etwa sechs Wochen keine Ursache für die Nesselsucht identifiziert werden, erfolgt eine Behandlung mit Antihistaminika. Antihistaminika wirken, indem sie die Andockstellen für Histamin im Gewebe blockieren. So wird die Wirkung des Histamins abgeschwächt oder ganz verhindert und so zumindest die Beschwerden durch die Quaddeln gemindert.

In schweren Fällen kann zur Behandlung der Nesselsucht kurzfristig Kortison angewendet werden.

Homöopathie bei Nesselsucht

Zur homöopathischen Behandlung der Nesselsucht wird meist Urtica empfohlen. Da auch in der Homöopathie nach der jeweiligen Ursache behandelt wird, sollte die Auswahl des Mittels nach vorheriger Untersuchung durch einen homöopathisch versierten Arzt erfolgen.

Ist Nesselsucht ansteckend?

Nein, die Nesselsucht ist nicht ansteckend. Sie ist vielmehr eine Hautreaktion aufgrund einer Allergie, Überempfindlichkeit, Überanstrengung oder anderer, oft psychosomatischer Ursachen. Ist eine Infektion der Grund für die Nesselsucht, kann die Infektion eventuell ansteckend sein, nicht aber die Nesselsucht selbst.

Wie verläuft Nesselsucht?

In den meisten Fällen heilt eine Nesselsucht von alleine wieder ab: Die Spontanheilungsrate beträgt 90 Prozent. Daneben gibt es aber auch die chronische Nesselsucht, die in der Regel einige Jahre andauert. Hier empfiehlt sich eine histaminarme Ernährungsweise. Besonders viel Histamin ist in vergorenen oder nicht mehr ganz frischen Lebensmitteln enthalten. Deshalb ist es ratsam, solche Lebensmittel zu meiden. Zudem empfiehlt es sich, Nahrungsmittel möglichst oft unverarbeitet zu sich zu nehmen. Eher nicht geeignet für eine histaminarme Ernährung sind vor allem Süßigkeiten und Alkohol.

Kann man Nesselsucht vorbeugen?

Man kann Nesselsucht nicht gezielt vorbeugen. Es ist jedoch möglich, bei bereits vorhandener Urtikaria die auslösenden Faktoren (Triggerfaktoren) zu meiden. Das ist sinnvoll, wenn man die Ursachen für die Nesselsucht kennt. Handelt es sich um eine idiopathische Nesselsucht, also eine Urtikaria ungeklärter Ursache, ist eine histaminarme Ernährung empfehlenswert, um einer erneuten Quaddelbildung vorzubeugen oder sie abzuschwächen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 06. Juni 2017
Quellen: Jung, E. G., Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2003; Maurer, M., Staubach, P.: Juckreiz, Quaddeln, Nesselsucht – wenn die Haut wie Feuer brennt.; Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2007

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