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Montag, 20. November 2017
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Mittelohrentzündung (Otits media)

mittelohrentzündung
Die Mittelohrentzündung (Otitis media) tritt häufig im Anschluss an eine Erkältung auf
(c) iStockphoto/TatyanaGl

Bei einer Mittelohrentzündung (Otitis media) ist die Schleimhaut des Mittelohrs auf einer oder beiden Seiten entzündet. Die akute Mittelohrentzündung kommt besonders bei kleineren Kindern im Alter zwischen sechs und 18 Monaten vor.

Verursacht wird die Mittelohrentzündung von Bakterien oder Viren. Obwohl sie schmerzhaft ist, verläuft sie in der Regel komplikationslos und heilt häufig nach einigen Tagen von allein ab. Die wichtigsten Symptome der Mittelohrentzündung sind Ohrenschmerzen (auf beiden oder einem Ohr) und gelegentlich auch Hörminderung. Ansteckend ist die Mittelohrentzündung nicht.

Rund zwei Drittel aller Kinder bis zum dritten Lebensjahr haben schon mindestens einmal unter einer Mittelohrentzündung gelitten. Sie ist damit der häufigste Grund, warum Eltern mit ihren Kleinkindern einen Arzt aufsuchen.

Ab dem Schulalter kommt die Mittelohrentzündung deutlich seltener vor. Eine Mittelohrentzündung tritt meistens nach einer Erkältung oder Grippe auf, da die meist bakteriellen Erreger in den oberen Atemwegen über die bei Kindern noch sehr kurze Ohrtrompete auf das Mittelohr wandern. Die häufigsten Erreger der Mittelohrentzündung sind Streptokokken, Haemophilus influenza und Pneumokokken. Durch die Infektion bilden die Schleimhäute des Mittelohrs ein entzündliches Sekret, was zu einem Paukenerguss führt. Da dieses Sekret, anders als beispielsweise in der Nase, nicht abfließen kann, staut es sich hinter dem Trommelfell und übt schmerzhaften Druck darauf aus.

Ursachen der Mittelohrentzündung (Otitis media)

Kleine Kinder leiden viel häufiger unter einer Mittelohrentzündung als Erwachsene. Das liegt an der Anatomie des Innenohres: Die Eustachische Röhre ist bei kleinen Kindern viel kürzer als bei Erwachsenen. Da sie den Nasen-Rachen-Raum mit dem Mittelohr verbindet, können Bakterien viel leichter zum Ohr "aufsteigen". Die häufigsten Ursachen der Mittelohrentzündung sind daher auch bakterielle Infekte.

Kinder mit Heuschnupfen und Kinder, die häufig Passivrauch ausgesetzt sind, haben ebenfalls häufiger eine Mittelohrentzündung. Außerdem wird vermutet, dass das Zurücklaufen des Mageninhalts (Reflux) bei der Entstehung der Otitis media eine Rolle spielt. Bei manchen Kindern kann im Mittelohrsekret Pepsin, ein Enzym des Magensafts, nachgewiesen werden. Es könnte sein, dass bei betroffenen Kindern der immer wieder aufsteigende Magensaft die Schleimhäute reizt.

Wie man eine Mittelohrentzündung (Otitis media) erkennt

Wenn Sie bei Ihrem Kind eine Mittelohrentzündung vermuten, sollten Sie umgehend den Arzt aufsuchen. Auch wenn sich eine bestehende und bereits behandelte Otitis media verschlimmert, gehen Sie zum Arzt.

Gerade bei Kindern mit einer Mittelohrentzündung kann ein "typischer" Verlauf beobachtet werden: Oft leidet das Kind an einer harmlosen Erkältung, die bereits auf dem Wege der Besserung ist. Dann wird es plötzlich quengelig, hat keinen Appetit und klagt über Kopf- oder Bauchschmerzen. Gerade Kleinkinder empfinden den Schmerz manchmal stärker im Bauch als im Kopf. Dazu können Reizbarkeit und Fieber kommen. Bei Säuglingen kann man eine Mittelohrentzündung häufig daran erkennen, dass sie beim Hinlegen, abends und nachts vermehrt schreien und sich aufgrund der Ohrenschmerzen ans Ohr greifen oder das Ohr reiben. Oft kommt auch Fieber und Durchfall dazu. Gelegentlich entleert sich ein eitriges Sekret aus dem Ohr, was ein Zeichen für ein durchbrochenes Trommelfell ist, woraufhin der Schmerz meist schlagartig nachlässt.

Behandlung der Mittelohrentzündung (Otitis media)

Bei Verdacht auf eine Mittelohrentzündung untersucht der Arzt das Ohr mit einem Ohrenspiegel (Otoskop) und stellt meist innerhalb weniger Minuten die Diagnose. Zuvor wird er Sie und wenn möglich das Kind befragen sowie die Körpertemperatur messen. Die Therapie beinhaltet Nasentropfen, schmerz- und fiebersenkende Mittel (z. B. Paracetamol) und bei einer bakteriellen Infektion zusätzlich Antibiotika. Abschwellende Nasentropfen können zwar helfen, die Belüftung des Mittelohres wiederherzustellen, sie haben aber keinen Einfluss auf die Heilung.

Wenn sich die Symptome der Mittelohrentzündung nicht innerhalb von 38 bis 48 Stunden bessert, suchen Sie bitte erneut den Arzt auf.

Die chronische Mittelohrentzündung wird behandelt, indem zunächst eine Säuberung des Gehörgangs erfolgt und im Anschluss ein Antiseptikum ins Ohr gegeben wird. Zeigt diese Vorgehensweise keine Wirkung, wird ein Antibiotikum gegeben. Nur in sehr seltenen Fällen muss eine chronische Mittelohrentzündung operativ behandelt werden.

Hausmittel bei Mittelohrentzündung (Otitis media)

Hausmittel können helfen, die Beschwerden der Mittelohrentzündung zu lindern und unterstützen die Heilung. Ein bewährtes Hausmittel bei Mittelohrentzündung ist das Zwiebelsäckchen, auch Zwiebelwickel genannt. Für den Zwiebelwickel einfach eine Zwiebel kleinschneiden und in etwas Stoff (Geschirrtuch, Mullbinden oder ein anderer leichter Stoff) geben. Zwiebelsäckchen binden und in der Mikrowelle oder auf der Heizung erwärmen, anschließend noch warm auf das schmerzende Ohr legen. Alternativ kann die Zwiebel auch in einen Waschhandschuh gegeben werden. Das Zwiebelsäckchen etwa 30 bis 60 Minuten auf dem Ohr lassen. Es ist auch für die Behandlung von Babys und Kleinkindern geeignet.

Eine weitere gute Methode der Selbstbehandlung bei Mittelohrentzündung können Nasentropfen mit Meersalz oder Kochsalz sein. Diese erhalten Sie in der Apotheke oder auch in Drogerien. Da das Mittelohr und der Nasen-Rachen-Raum über die Ohrtrompete verbunden sind, begünstigen salzige Nasentropfen ebenfalls das Abheilen einer Mittelohrentzündung.

In der Volksheilkunde wird Huflattichsaft, zwei bis drei Tropfen ins Ohr geträufelt, als Hausmittel gegen Mitteohrentzündung empfohlen.

Um die Schmerzen zu lindern, kann zum schlafen ein möglichst dickes Kissen benutzt werden. Das hat auch den Vorteil, dass der Kopf eher hoch liegt und das Sekret leichter abfließen kann. Kalte Wadenwickel oder Essigsocken sind zusätzliche Hausmittel, die gegen Fieber - nicht nur bei Otitis media - wirken.

Antibiotikum bei Mittelohrentzündung (Otitis media)

Antibiotika sind bei einer Mittelohrentzündung nur bedingt hilfreich. Zwar sind in den meisten Fällen Bakterien für die Erkrankung verantwortlich, in 66 Prozent der Fälle heilt sie jedoch innerhalb der ersten 24 Stunden nach Auftreten der Beschwerden (Ohrenschmerzen) spontan ab. Schwere Komplikationen treten nur selten und auch unter Einnahme von Antibiotika auf.

Auch auf die Schmerzen zeigt das Antibiotikum in den ersten 24 Stunden gar keinen, in der ersten Woche nach Auftreten der Beschwerden nur einen sehr geringen Vorteil gegenüber dem "abwartenden Offenhalten". Aufgrund der Gefahr einer Resistenzbildung durch häufigen Antibiotika-Einsatz sollte die Therapie daher nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Analyse erfolgen.

Verlauf der Mittelohrentzündung (Otitis media)

Die Mittelohrentzündung gehört zu den Erkrankungen, die in vielen Fällen innerhalb von zwei bis sieben Tagen spontan abheilen (hier: in knapp 80 Prozent aller Fälle). Ob eine Mittelohrentzündung behandelt werden muss oder nicht - der Arzt oder die Ärztin sollte etwa drei Wochen nach Abklingen der Symptome noch einmal kontrollieren, ab alles gut abgeheilt und die Hörfähigkeit noch intakt ist.

Der Mittelohrentzündung (Otitis media) vorbeugen?

Studien haben ergeben, dass Kinder, die in den ersten drei bis sechs Lebensmonaten voll gestillt werden, seltener an Atemwegsinfektionen und Mittelohrentzündungen erkranken. Wird in der Wohnung geraucht, leiden Kinder ebenfalls häufiger unter Mittelohrentzündungen. Es sollte daher darauf verzichtet werden, in der Nähe von Kindern zu rauchen, Wohnungen am besten ganz rauchfrei sein.

Kinder, die am Schnuller nuckeln, leiden statistisch gesehen ebenfalls häufiger an Mittelohrentzündungen. Ob ein Verzicht auf den Schnuller wirklich als Vorbeugung sinnvoll ist, können Eltern selbst abwägen. In jedem Fall ist das Weglassen des Schnullers einen Versuch wert, wenn Kinder häufig eine Mittelohrentzündung entwickeln.

Die chronische Mittelohrentzündung wird nicht durch aus dem Nasen-Rachen-Raum aufsteigende Infektionen wie die akute Mittelohrentzündung verursacht. Vielmehr sind meist Tubenventilationsstörungen der Grund für die Probleme. Unbehandelte akute Mittelohrentzündungen werden also nicht automatisch zu chronischen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 30. August 2017
Durch: Karin Wunder
Quellen: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin: Ohrenschmerzen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 053/009 (Stand: November 2014); Renz-Polster, Dr. H. et al.: Gesundheit für Kinder. Kösel, München 2007; Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie: Akute Otitis media. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 017/005 (Stand: Juni 2001); Online-Informationen der Universität Witten/Herdecke: Patientenleitlinie Mittelohrentzündung (=Otitis media) bei Kindern: http://www.patientenleitlinien.de/Mittelohrentzuendung/mittelohrentzuendung.html (Stand: Januar 2006)

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