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Samstag, 21. Oktober 2017
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Masern

Masern
Typisch für Masern: der charakteristischer Hautausschlag
(c) iStockphoto

Masern (Morbilli) sind eine weltweit verbreitete, hoch ansteckende Infektionskrankheit, die zu den Kinderkrankheiten zählt. Typisch für die Erkrankung ist ein charakteristischer Hautausschlag, der den ganzen Körper befallen kann.

Auslöser der Krankheit ist das Masernvirus. Masern hinterlassen eine lebenslange Immunität: Ist man einmal an dieser Krankheit erkrankt, löst eine zweite Infektion mit dem Virus keine Erkrankung mehr aus. Der Verdacht auf eine Masernerkrankung, die Erkrankung sowie ein möglicher Tod an Masern muss laut Infektionsschutzgesetz dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Ebenso unterliegt der direkte und indirekte Nachweis einer Masern-Infektion der Meldepflicht.

Masern treten hauptsächlich bei Kindern im Schulalter auf. Sie zählen zu den typischen Kinderkrankheiten. Die Anzahl der Erkrankungen ist in Deutschland seit Einführung der kostenfreien Masernimpfung 1974 (in der ehemaligen DDR bereits 1970) zunächst zurückgegangen. Seit einigen Jahren nehmen die Erkrankungsfälle aber wieder zu. Im Jahr 2015 wurden in ganz Deutschland 2.463 Erkrankungsfälle gemeldet. Das sind so viele wie nie seit Einführung der Meldepflicht 2001. Im Vergleich zu 2005 mit 778 Erkrankungsfällen entspricht das einer Zunahme von über 316 Prozent. Während in 2016 bundesweit mit 325 Fällen vergleichsweise wenig Erkrankungen auftraten, nimmt ihre Zahl 2017 drastisch zu: Das Robert-Koch-Institut (RKI) zählte bis August bereits 860 Masern-Fälle, von denen allein 510 im Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW) auftraten. Besonders betroffen sind die Städte Duisburg und Essen. Der Ausbruch in NRW wird von den Behörden überwiegend auf die geringe Impfquote in dieser Region zurückgeführt. Die Masern sind also in Deutschland wieder auf dem Vormarsch.

In den Entwicklungsländern, besonders in Afrika, treten Masern-Erkrankungen noch immer sehr oft auf. Hier zählen sie zu den zehn häufigsten Infektionskrankheiten, wobei der Anteil tödlicher Verläufe besonders hoch ist.

Ursachen für Masern (Morbilli)

Masern werden durch das Masernvirus ausgelöst. Dieses gehört zu den so genannten RNA-Viren und ruft nur beim Menschen eine Krankheit hervor. Es wird über Tröpfcheninfektion beim Niesen, Husten oder Sprechen übertragen. Das führt bereits bei kurzem Kontakt mit dem Erkrankten zu einer Infektion und löst bei über 95 Prozent der Infizierten Beschwerden aus.

Ansteckungsgefahr besteht bereits fünf Tage vor und bis zu vier Tage nach dem Auftreten des Hautausschlags. Unmittelbar vor Beginn des Ausschlags ist die Ansteckungsgefahr am größten. Die Inkubationszeit, das heißt die Zeit von der Infektion mit dem Virus bis zum Auftreten der ersten Symptome, beträgt acht bis zehn Tage.

Symptome: Prodromalstadium und Exanthemstadium

Die typische Masern-Erkrankung verläuft in zwei Phasen. Die erste Phase, das Prodromalstadium, beginnt mit Fieber, Schnupfen, Husten und einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis), die Ursache für eine Lichtscheu ist. Deutliche Hinweise, dass es sich um Masern handeln könnte, sind die kalkspritzerartigen Flecken mit rötlichem Hof auf der Wangenschleimhaut, die so genannten Koplik-Flecken. Die erste Phase klingt nach drei bis fünf Tagen ab.

In der zweiten Phase, dem Exanthemstadium, erfolgt nach kurzem Fieberabfall drei bis vier Tage später ein erneuter, kräftiger Temperaturanstieg. Jetzt tritt auch der charakteristische, dunkelrote, fleckig-bläschenförmige Ausschlag auf. Er beginnt im Gesicht und hinter den Ohren und breitet sich über den Rumpf auf die Gliedmaßen, außer den Handflächen und Fußsohlen, aus.

Beim unkomplizierten Verlauf der Masern verblasst der Ausschlag nach vier bis sieben Tagen und das Fieber sinkt wieder.

Kinderkrankheiten und ihre typischen Beschwerden

 

Diagnose: Hautauschlag, Koplik-Flecken, Antikörpernachweis

Die Diagnose von Masern kann meist schon anhand des relativ typischen klinischen Bilds gestellt werden. Besonders charakteristisch sind die kleinen weißen Flecken auf der Wangenschleimhaut (Koplik-Flecken) und der den ganzen Körper betreffende Hautausschlag.

Besteht dennoch eine Unsicherheit bei der Diagnose von Masern, können die für die Erkrankung typischen Antikörper durch einen Blutabstrich sichtbar und somit spezifisch nachgewiesen werden. Eine weitere, selten angewandte Möglichkeit ist die Anzucht von Masernviren aus Abstrichen der Schleimhäute des Nasen-Rachenraums, des Urins oder aus Blutlymphozyten zu Beginn der Erkrankung.

Symptomatische Therapie bei Masern

In der Regel behandelt man Masern nur symptomatisch, da ein spezielles Medikament gegen Viren nicht zur Verfügung steht. In der akuten Krankheitsphase steht Bettruhe im Vordergrund. Fiebersenkende Medikamente und Hustenmittel erleichtern die Krankheitsbeschwerden. Bei Lichtscheu des Erkrankten, bedingt durch eine Bindehautentzündung, hilft ein abgedunkelter Raum. Kommt es zu schweren, bakteriellen Begleiterkrankungen, wie beispielsweise einer Mittelohrentzündung (Otitis media) oder einer Lungenentzündung (Pneumonie), wird eine Therapie mit Antibiotika durchgeführt.

Verlauf der Masern (Morbilli)

Masern führen für die Dauer von vier bis sechs Wochen zu einer deutlichen Abwehrschwäche. Daher kann es während und auch im Anschluss an die Erkrankung zu einer Zweitinfektion durch Bakterien (bakterielle Superinfektion) kommen, die zu ernsthaften Komplikationen führen kann. Je schlechter der Allgemeinzustand des Erkrankten ist, desto größer ist die Gefahr durch die Maserninfektion eine ernste Folgekrankheit zu bekommen.

Komplikationen bei Masern

Die häufigste Komplikation, die bei Masern auftreten kann, ist die Mittelohrentzündung (Otits media). Außerdem kann es zu einer Bronchitis, Pseudokrupp (Krupphusten), Lungenentzündung und Durchfall (Diarrhö) kommen. Die schwerste Komplikation durch das Masernvirus ist die akute Gehirnentzündung (Enzephalitis). Sie tritt in den ersten beiden Krankheitswochen auf und kann zu lebenslangen Schäden und sogar zum Tod führen.

Masern vorbeugen durch Impfung

Einer Masernerkrankung kann mit einer Schutzimpfung vorgebeugt werden. Diese sollte bei Kindern im Alter von elf bis 14 Monaten erfolgen. Meist wird dabei ein Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln verwendet (MMR-Impfstoff). Da nicht alle Kinder bereits nach der ersten Impfung eine ausreichende Immunität gegen die Erkrankung entwickeln, wird ab dem Alter von 15 Monaten eine Zweitimpfung empfohlen. Diese sollte spätestens mit Abschluss des zweiten Lebensjahrs erfolgt sein, um vor Masern sicher geschützt zu sein.

Außerdem empfiehlt die Ständige Impfkommission (StIko) am Robert Koch-Institut die Schutzimpfung  gegen Masern allen Personen, die beispielsweise in Kinderkrankenhäusern, Kindertagesstätten oder -heimen arbeiten und noch nicht an Masern erkrankt sind.

Masern auf dem Vormarsch

Die Impfrate bezüglich Masern ist in den letzten Jahren zurückgegangen und es treten wieder vermehrt epidemieartige Fälle von Masern in Schulen oder Kindergärten auf. Oft ist der Impfschutz gerade bei Jugendlichen und Erwachsenen nicht vorhanden oder nicht ausreichend, weil die zweite Impfung fehlt. Aber gerade bei Kindern unter fünf Jahren und bei Erwachsenen über 20 Jahren ist das Risiko, dass eine Masern-Infektion zu schwerwiegenden Komplikationen führt, erhöht. So gab es im Jahr 2013 in Deutschland 1.771 Fälle von Masern (die meisten in Berlin und Bayern). 29 Prozent dieser Erkrankten mussten im Krankenhaus behandelt werden. Im Jahr 2015 betrug die Zahl der Erkrankungsfälle bereits 2.463, etwa die Hälfte allein in Berlin.

Masern-Impfung: Zwei Argumente, die kritische Eltern umstimmen könnten

Schon jetzt ist klar,  dass  Deutschland  die  Zielvorgaben der WHO zur Ausrottung von Masern nicht erreicht. Um das Ziel zu erreichen, darf in den drei  vorangegangenen Jahren jeweils nur ein Fall pro eine Million Einwohner aufgetreten sein. Für Deutschland bedeutet dies, dass maximal 80 Masernfälle pro Jahr auftreten dürften.

Doch diese Höchstmarke für Masern wurde hierzulande in der Vergangenheit immer überschritten. So auch 2014 und 2015: Im bundesweit bekannt gewordenen "Berliner Masernausbruch" erkrankten knapp 1.400 Menschen im Alter von unter einem bis 77 Jahren. Die Ausbrüche sind zum großen Teil auf eine zu hohe Zahl Ungeimpfter (86 Prozent der Erkrankten waren ungeimpfte Berliner) zurückzuführen.

Warum unterbleiben die Impfungen? Eltern, die ihre Kinder nicht (oder nicht rechtzeitig) impfen lassen, sind laut RKI in den wenigsten Fällen Impfgegner. Die Ursache für unterlassene Impfungen ist meist in einer gewissen „Impfskepsis“ zu suchen. Tatsächlich kennen viele Eltern bedrohliche Erkrankungen nur noch aus Erzählungen, wodurch der Respekt vor diesen Erkrankungen gesunken ist. Hinzu kommt eine übersteigerte Angst vor Nebenwirkungen. Die möglichen Gefahren der Impfung werden deutlich über-, die Krankheit dagegen unterschätzt. So manche Eltern lassen ihre Kinder daher nur teilweise oder verzögert impfen. Sie wollen ihren Kleinen „nicht zu viel auf einmal zumuten“.

Frühzeitige Impfung gegen Masern zeigt weniger Nebenwirkungen

Doch zwei Argumente könnten die Eltern umstimmen. Zum einen wird die Masernimpfung besser vertragen, wenn sie frühzeitig verabreicht wird: Amerikanische Forscher zeigten, dass Fieber und Fieberkrämpfe weniger häufig auftraten, wenn die Kinder frühzeitig geimpft wurden). Zum anderen kann eine Verzögerung der Masernimpfung gefährlich werden. Denn das Risiko schwerwiegender Komplikationen durch eine Masernerkrankung ist bei Kindern unter fünf Jahren (und bei Erwachsenen über 20) am höchsten.

Dies sollten sich Eltern vor Augen führen. Bei einer Erkrankung im frühen Kindesalter ist die Gefahr einer subakuten sklerosierenden Panenzephalitis (SSPE), der gefürchtetsten Spätkomplikation nach einer Maserninfektion, besonders erhöht. Eine SSPE beginnt in der Regel schleichend vier bis zehn Jahre nach der Maserninfektion und führt unweigerlich zum Tod. Wissenschaftlern der Universität Würzburg zufolge kommt es bei einem von 3.300 masernkranken Kindern im Alter unter fünf Jahren zu einer SSPE. Je jünger die Kinder bei der Infektion sind, desto größer die Gefahr.

Herdenimmunität gegen Masern verbessern

Zwar trat 2013 ein hoher Anteil der Masernerkrankungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf, die höchste altersspezifische Inzidenz fand sich jedoch laut RKI bei Kindern im ersten Lebensjahr und bei einjährigen Kindern. Um diese Gruppe besser zu schützen, ist es wichtig, die Masernimpfung zum von der STIKO empfohlenen Zeitpunkt wahrzunehmen und die Herdenimmunität zu verbessern. In Bezug auf die Herdenimmunität rücken vor allem Jugendliche und junge Erwachsene in den Blickpunkt, bei denen es gravierende Impflücken gibt. Daher empfiehlt die STIKO seit 2010 allen Erwachsenen, die nach 1970 geboren sind und entweder gar nicht, oder nur einmal in der Kindheit gegen Masern geimpft wurden, bzw. bei denen der Impfstatus unbekannt ist, eine Impfung gegen Masern.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 05. September 2017
Quellen: RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten: Masern. Robert Koch-Institut, Berlin (Stand: Juni 2016); Epidemiologisches Bulletin 2. Dezember 2013/Nr. 4, Aktuelle: Epidemiologie und Impfquoten – Wer erkrankt in Deutschland an Masern?; Robert Koch Institut: Epidemiologisches Bulletin Nr. 47/48. Berliner Masernausbruch 2014/2015 (Stand: 23. November 2015); Robert Koch Institut: Epidemiologisches Bulletin Nr. 1. Impfquoten der Masern-, HPF- und Influenza-Impfung in Deutschland (Stand: 11. Januar 2016); Ali Rowhani-Rahbar: Effect of Age on the Risk of Fever and Seizures Following Immunization with Measles-Containing Vaccines in Children; JAMA Pediatr. 2013, 167, doi: 10.1001/jamapediatrics.2013.2745; Katharina Schönberger et al.: Epidemiology of Subacute Sclerosing Panencephalitis (SSPE) in Germany from 2003 to 2009: A Risk Estimation; POLS ONE online publiziert am 9.7.2013, DOI: 10.1371/journal.pone.0068909

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