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Hoch ansteckende Viruserkrankung

Masern: Babys sind besonders gefährdet

Masern sind weltweit verbreitet. Die hoch ansteckende Viruserkrankung (medizinisch: Morbilli) gilt als typische Kinderkrankheit, kann aber auch Erwachsene betreffen.

Masern: Babys sind besonders gefährdet
Typisch für Masern ist der charakteristische Hautausschlag.
© iStock.com/deucee_

Masern sind eine gefährliche Erkrankung. Gefürchtet sind Komplikationen wie eine Gehirnentzündung, die zu bleibenden Schäden oder zum Tod führen können. Besonders schwere Verläufe betreffen vor allem noch nicht geimpfte Babys, abwehrgeschwächte Menschen und Erwachsene.

In diesem Artikel lesen Sie:

Kinderkrankheiten und ihre typischen Beschwerden

Masern in Deutschland

Die Anzahl der Erkrankungen ist in Deutschland seit Einführung der kostenfreien Masernimpfung 1974 (in der ehemaligen DDR bereits 1970) zunächst zurückgegangen. Seit einigen Jahren nehmen die Erkrankungsfälle aber wieder zu.

2018 gab es mit 543 Fällen dieser meldepflichtigen Erkrankung im Vergleich zum Masernausbruch 2015 mit 2.463 Erkrankungen in Deutschland wieder weniger Fälle. Solche Ausbrüche kommen immer wieder vor und werden von den Behörden auf geringe Impfquoten zurückgeführt.

Deutschland hat sich zusammen mit 52 weiteren Staaten zum Ziel gesetzt, die Masern durch Impfprogramme auzurotten. Am 1. März 2020 trat daher die Impfpflicht in Kraft. Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr müssen gegen Masern geimpft sein, wenn sie Kindergarten, Krippe oder eine andere Betreuungseinrichtung besuchen wollen. Die Masernimpfpflicht gilt außerdem uneingeschränkt für alle schulpflichtigen Kinder und Personen, die in Gemeinschafts- oder Gesundheitseinrichtungen arbeiten.

Lesen Sie hier mehr über die Masern-Impfung und die Impfpflicht.

In Entwicklungsländern, besonders auf dem afrikanischen Kontinent, treten Masern-Erkrankungen noch immer sehr oft auf. Hier zählen sie zu den häufigsten Infektionskrankheiten, wobei der Anteil tödlicher Verläufe besonders hoch ist.

Masern-Symptome: Zwei Phasen der Erkrankung

Masern verlaufen in zwei Phasen: In der ersten Phase kommt es zu grippeähnlichen Symptomen, in der zweiten tritt der für die Erkrankung typische Hautausschlag auf.

Erste Symptome zeigen sich bei Masern zwischen acht und 14 Tage nach der Ansteckung. Unmittelbar nach Kontakt vermehren sich die Viren im Nasen-Rachen-Raum. Über das Blut gelangen sie einige Tage später in für das Immunsystem wichtige Organe wie Mandeln (Tonsillen), Knochenmark oder Lymphknoten. Hier vermehren sich die Viren massiv und breiten sich sieben Tage nach der Ansteckung in Schleimhäute, Haut und kleine Blutgefäße aus. Die ersten Symptome treten auf:

Deutliche Hinweise, dass es sich um Masern handeln könnte, sind kalkspritzerartige Flecken mit rötlichem Hof auf der Wangenschleimhaut, die so genannten Koplik-Flecken. Die erste Phase der Erkrankung klingt nach drei bis fünf Tagen ab.

Der für Masern charakteristische Hautausschlag (Exanthem) tritt nach kurzem Fieberabfall drei bis vier Tage später auf: Begleitend von einem erneuten, kräftigen Temperaturanstieg kommt es zunächst im Gesicht und hinter den Ohren zu einem braun-rosa-farbenen, fleckigen und bläschenförmigen Ausschlag. Von hier breitet er sich über ganzen Körper aus, Handflächen und Fußsohlen sind jedoch nicht betroffen.

Beim unkomplizierten Verlauf der Masern verblasst der Ausschlag nach vier bis sieben Tagen und das Fieber sinkt wieder. Von nun an besteht eine lebenslange Immunität.

Masern sind schon vor den ersten Symptomen ansteckend

Bereits drei bis fünf Tage vor dem Auftreten erster Beschwerden können mit Masern Infizierte andere Menschen anstecken. Die Ansteckung erfolgt durch infektiöse Tröpfchen, die beim Sprechen, Niesen oder Husten in die Luft gelangen (Tröpfcheninfektion) oder durch Kontakt mit Sekreten aus dem Nasen- und Rachenraum. Der Erreger gelangt über die Schleimhäute in Nase und Rachen oder über die Bindehaut in den Körper.

Masern sind hoch ansteckend: Das Virus wurde sogar noch zwei Stunden, nachdem ein Infizierter sich im Raum aufgehalten hatte, in der Luft nachgewiesen. Nahezu alle Menschen, die nicht immun sind, infizieren sich, sobald sie mit den Viren in Kontakt kommen. Eine Übertragung ist noch bis vier Tage nach Auftreten des für Masern typischen Hautausschlags möglich, danach besteht keine Gefahr einer Übertragung mehr.

Masern schwächen das Immunsystem über viele Wochen

Da Masern das Immunsystem schwächenher, besteht für mindestens sechs Wochen und sogar noch Monate nach Abklingen der Beschwerden eine deutliche Abwehrschwäche. Daher kann es während und auch im Anschluss an die Erkrankung zu einer Zweitinfektion durch Bakterien (bakterielle Superinfektion) kommen. Am häufigsten treten masernassoziierte

auf. Je schlechter der Allgemeinzustand des Erkrankten, desto größer ist die Gefahr einer ernsten Folgeerkrankung.

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Gefährliche Komplikation: Masernenzephalitis

Eine seltene, aber schwere Komplikation durch das Masernvirus ist die akute Gehirnentzündung (Enzephalitis), auch Masernenzephalitis genannt. Zwischen vier und sieben Tagen nach Auftreten des Hautausschlags kommt es dabei zu Kopfschmerzen und Fieber sowie Bewusstseinsstörungen und sogar Koma.

Durchschnittlich einer von 1.000 Erkrankten ist davon betroffen. Die Erkrankung kann zu lebenslangen Schäden am zentralen Nervensystem (ZNS) und bei zehn bis 20 Prozent der Betroffenen zum Tod führen.

Besonders gefährdet, eine durch Masern ausgelöste Gehirnentzündung zu entwickeln, sind Säuglinge und Erwachsene.

Gefürchtete Spätkomplikation: subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE)

Bei einer Erkrankung im frühen Kindesalter ist die Gefahr einer subakuten sklerosierenden Panenzephalitis (SSPE) besonders erhöht. Sie ist die gefürchtetste Spätkomplikation nach einer Maserninfektion. Eine SSPE beginnt in der Regel schleichend sechs bis acht Jahre nach der Maserninfektion und führt unweigerlich zum Tod.

Wissenschaftlern der Universität Würzburg zufolge kommt es bei einem von 3.300 masernkranken Kindern im Alter unter fünf Jahren zu einer SSPE. Je jünger die Kinder bei der Infektion sind, desto größer die Gefahr.

Laut Robert Koch-Institut (RKI) haben an Masern erkrankte Kinder unter fünf Jahren das höchste Risiko, diese gefürchtete Spätkomplikation zu entwickeln.

Diagnose: Hautauschlag, Koplik-Flecken, Antikörpernachweis

Die Diagnose von Masern kann meist schon anhand des relativ typischen klinischen Bilds gestellt werden. Besonders charakteristisch sind die kleinen weißen Flecken auf der Wangenschleimhaut (Koplik-Flecken) und der den ganzen Körper betreffende Hautausschlag.

Besteht dennoch eine Unsicherheit bei der Diagnose von Masern, können die für die Erkrankung typischen Antikörper durch einen Blutabstrich spezifisch nachgewiesen werden. Eine weitere, selten angewandte Möglichkeit ist die Anzucht von Masernviren aus Abstrichen der Schleimhäute des Nasen-Rachenraums, des Urins oder aus Blutlymphozyten zu Beginn der Erkrankung.

Symptomatische Therapie

Bettruhe ist die wichtigste Maßnahme bei einer Maserninfektion. Sie trägt auch dazu bei, nicht immune Menschen vor einer Übertragung zu schützen.

Eine virale Therapie gibt es nicht. Wohl kann aber symptomatisch behandelt werden: Fiebersenkende Medikamente und Hustenmittel erleichtern die Krankheitsbeschwerden. Bei Lichtscheu des Erkrankten hilft ein abgedunkelter Raum. Bakterielle Begleiterkrankungen werden mit Antibiotika behandelt.

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