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Lese- und Rechtschreibstörung

Legasthenie: Ursachen, Anzeichen und Behandlung

Kindern mit Legasthenie fällt es schwer, Lesen und Schreiben zu erlernen, obwohl sie normal intelligent sind. Wie man die Lese- und Rechtschreibstörung erkennt, behandelt und was die Ursachen für Legasthenie sind.

Junge mit Legasthenie am Schreibtisch
Legasthenie wird meist erst in der Schule diagnostiziert.
© iStock.com/Motortion

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Was ist Legasthenie?

Legasthenie ist eine Lese- und Rechtschreibstörung (häufig als LRS abgekürzt). Betroffene haben Schwierigkeiten, ganze Wörter aus Buchstaben zusammenzusetzen oder Wörter in Buchstaben zu zerlegen. Silben werden weggelassen, Buchstaben verwechselt oder ausgetauscht. Vereinzelt kommt es auch zu Wahrnehmungsstörungen beim Schreiben oder Lesen. Die Lese- und Rechtschreibstörung tritt in allen Schriftsprachen auf. Festgestellt wird Legasthenie meist im zweiten Schuljahr, also im siebten bis achten Lebensjahr.

Wie die Rechenstörung (Dyskalkulie) gehört Legasthenie zu den Teilleistungsstörungen. Treten die Schwierigkeiten nur beim Schreiben und nicht beim Lesen auf, spricht man von einer isolierten Rechtschreibstörung.

Ursachen von Legasthenie sind unklar

Die Ursachen von Legasthenie gelten als sehr komplex und sind bislang noch nicht vollständig geklärt. Man geht davon aus, dass in erster Linie Wahrnehmungsstörungen beim Hören und Sehen eine Rolle spielen. Zwar besitzen Kinder mit Legasthenie ein normales Hör- und Sehvermögen, einige Informationen können im Gehirn aber vermutlich nicht richtig verarbeitet werden.

Da oft mehrere Familienmitglieder betroffen sind, spielen bei der Entstehung vermutlich auch genetische Faktoren eine Rolle. Die Wahrscheinlichkeit einer Lese- und Rechtschreibstörung steigt, sobald ein Elternteil betroffen ist.

Symptome der Legasthenie

Kinder mit Legasthenie haben starke Schwierigkeiten, das Lesen und Schreiben zu erlernen. Dadurch liegen ihre schulischen Leistungen oftmals weit unter dem Klassendurchschnitt und dem persönlichen Intelligenzniveau.

Häufig lassen sie beim Lesen Worte oder Wortteile aus, fügen andere hinzu, verdrehen oder ersetzen sie. Beim Vorlesen haben sie oft extreme Startschwierigkeiten, lesen sehr langsam, zögern lange oder verlieren die Zeile im Text. Charakteristisch für Legasthenie sind auch Fehler beim Setzen von Sprechpausen und das Vertauschen von Wörtern im Satz oder Buchstaben innerhalb von Wörtern. Zudem wird das Gelesene häufig nicht richtig verstanden, sodass falsche Schlüsse gezogen oder Zusammenhänge nicht erkannt werden.

Beim Schreiben verdrehen Legastheniker häufig Buchstaben. So wird beispielsweise ein "b" zum "d" oder ein "p" zum "q" und umgekehrt. Oft wird auch die Reihenfolge der Buchstaben innerhalb eines Wortes verändert, es werden Buchstaben ausgelassen oder zusätzlich hinzugefügt. Verwechslungen gibt es auch bei ähnlich klingenden Buchstaben wie "d" und "t" oder "g" und "k". Weitere typische Merkmale sind Dehnungsfehler (Beispiel: "stelen" anstatt "stehlen") und Fehler in der Groß- und Kleinschreibung.

Auffällig ist außerdem, dass ein und dasselbe Wort unter Umständen auch nach mehrmaligem Üben auf unterschiedliche Weise falsch geschrieben wird. Rechtschreibfehler treten vor allem bei Aufsätzen und Diktaten auf, das Abschreiben von Texten kann dagegen nahezu fehlerlos gelingen.

Legasthenie erkennen

Eine frühzeitige Diagnose der Legasthenie ist für betroffene Kinder enorm wichtig, damit sie eine geeignete Förderung erhalten. In der Schule können Lehrerinnen und Lehrer bei Kindern, die Probleme im Umgang mit der Schriftsprache haben, auf besondere Zeichen achten, die auf Legasthenie hinweisen:

  • niedrige Lesegeschwindigkeit und häufiges Stocken beim Lesen
  • Umstellen, Auslassen oder Hinzufügen sowie Ersetzen von Wörtern, Silben oder Buchstaben beim Lesen
  • Schwierigkeiten bei der Interpretation und Einordnung von Gelesenem
  • viele Fehler bei Grammatik und Zeichensetzung
  • unleserliche Handschrift

Diese Probleme beim Lesen und Schreiben können auch die Leistungen in anderen Schulfächern beeinträchtigen. Als Folge kann es bei von Legasthenie betroffenen Kindern zu Begleitsymptomen wie geringem Selbstwertgefühl, herabgesetzter Motivation und nachlassender Freude am Schulbesuch kommen.

Diagnose per Legasthenie-Test

Legasthenie wird durch Kinder- und Jugendpsychiater, -psychotherapeuten oder -psychologen mithilfe spezieller Lese- und Rechtschreibtests diagnostiziert. Wichtig ist die enge Zusammenarbeit mit Lehrern und Eltern, um verschiedene Fragen zu schulischen Leistungen und zum allgemeinen Entwicklungszustand (Körper, Motorik, Sprache) des Kindes zu klären.

Ausgeschlossen werden sollten Seh- oder Hörstörungen als Ursachen für die Lese- und Rechtschreibstörung.

Förderung und Hilfe für Legastheniker

Legastheniker sollten so früh wie möglich gefördert und schulisch, sozial und emotional unterstützt werden. Die Fördermaßnahmen müssen eng mit Lehrern und Eltern abgestimmt werden, da sie aktiv mitwirken müssen. Generell gilt außerdem: Lesen ist für von Legasthenie betroffene Kinder zum Wissenserwerb wichtiger als Schreiben. Daher kann es sinnvoll sein, zunächst verstärkt die Lesefähigkeit zu fördern.

Familie und Eltern spielen wichtige Rolle

Die Familie und insbesondere die Eltern spielen eine sehr wichtige Rolle bei der Unterstützung von Kindern mit Legasthenie. Sie müssen dem betroffenen Kind klar machen, dass die schulischen Mängel kein Versagen sind und ihm zeigen, dass sie trotz der Schwächen beim Lesen und Schreiben anerkannt und geschätzt werden. Wenn Eltern genügend Zeit haben, konsequent mit ihrem Kind zu üben, ist eine Förderung zu Hause möglich. Diese sollte aber in jedem Fall mit Lehrern und Therapeuten abgestimmt sein und keinen Druck für das Kind bedeuten.

Hausaufgaben ohne Ablenkung erledigen

Es ist hilfreich, wenn die Hausaufgaben fester Bestandteil des Tagesablaufs sind und nach einer Pause möglichst bald nach dem Unterricht erledigt werden. Kinder sollten die Möglichkeit haben, ihre Hausaufgaben an einem ruhigen Ort mit wenig Ablenkung zu machen. Wichtig ist außerdem, dass die Hausaufgaben selbstständig erledigt werden. Dabei ist elterliche Hilfe und eine Durchsicht der Aufgaben nicht ausgeschlossen.

Schule und Lehrer

Die Regelungen für Schulen und Lehrer werden von den Bundesländern festgelegt und sind daher nicht einheitlich definiert. Oft wird aber in vielen Bundesländern bis zu einem bestimmten Jahrgang von einer Benotung der Lese- und Rechtschreibleistung abgesehen. In einigen Fällen steht betroffenen Schülern das Recht zu, zusätzliche Arbeitsmittel wie Computer in Anspruch zu nehmen oder eine Prüfung unter veränderten Rahmenbedingungen (zum Beispiel verlängerte Prüfungszeit, mündlich statt schriftlich) abzulegen. Auch bei der Leistungsbewertung in Zeugnissen gibt es verschiedene Regelungen, die eine vorliegende Legasthenie berücksichtigen.

In manchen Bundesländern sind außerdem individuelle Fördermaßnahmen für Legastheniker außerhalb der Unterrichtszeit vorgesehen, die gegebenenfalls auch in kleinen Gruppen stattfinden können.

Lerntherapie außerhalb der Schule

Der außerschulischen Förderung von Kinder und Jugendlichen mit Legasthenie kommt besondere Bedeutung zu. In kleinen Gruppen oder in Einzeltherapie werden bei der Lerntherapie Lernstrategien entwickelt, die es dem Kind ermöglichen, mit seiner Lese- und Rechtschreibschwäche im (Schul-)Alltag umzugehen. Die Lerntherapie ist ganzheitlich und bezieht neben didaktischen auch soziale und emotionale Komponenten mit ein.

Zwar werden die Kosten von Lerntherapien für Legastheniker in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen, es besteht aber die Möglichkeit, sich diese fördern zu lassen. Unter Umständen kann ein Antrag auf Eingliederungshilfe nach § 35 a Sozialgesetzbuch (SGB) VIII gestellt werden. Voraussetzung ist, dass die "Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist oder eine solche Beeinträchtigung zu erwarten ist."

Legasthenie im Alltag

Legasthenie kann sich bereits bei Kleinkindern durch Auffälligkeiten beim Sprechen und Zuhören bemerkbar machen, in der Regel zeigen sich die ersten Symptome aber erst im Grundschulalter. In einigen Fällen gelingt es von Legasthenie betroffenen Kindern, die Defizite durch Auswendiglernen oder rasches Kombinieren auszugleichen, spätestens im dritten oder vierten Schuljahr lässt sich die Störung für gewöhnlich aber nicht länger verbergen.

Gewisse Schwierigkeiten bleiben meistens bis zum Schulabschluss und darüber hinaus bestehen, wodurch das Ausbildungsniveau oft unter den eigentlichen geistigen Fähigkeiten bleibt. Dennoch, oder möglicherweise gerade aufgrund der Schwierigkeiten während der Kindheit, entwickeln Legastheniker oft eine ausgeprägte Persönlichkeit und besetzen verantwortungsvolle Positionen in verschiedenen Bereichen (Beispiel: Albert Einstein).

Psychische Probleme

Häufig haben Kinder mit Legasthenie auch psychische Probleme. Diese können vorhanden sein, bevor die Lese- und Rechtschreibstörung auftritt, aber auch als Folge aus der LRS entstehen. Möglich sind verschiedenste Auffälligkeiten wie Trauer, Angst, Mut- und Lustlosigkeit, Depressionen, innere Unruhe, Aggressivität oder Hyperaktivität (ADHS). Eine Förderung sollte immer auch diesen Aspekt berücksichtigen und entsprechende Behandlungsmöglichkeiten mit einbeziehen.

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