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Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung

ADHS: Symptome und Behandlung

Autor: Dr. med. univ. Barbara Teutsch, Medizinredakteurin
Letzte Aktualisierung: 13. September 2019

ADHS ist eine häufige Erkrankung, die mit verschiedenen Verhaltensauffälligkeiten einhergeht. Welche Anzeichen auf ADHS hindeuten und wie betroffene Kinder und Jugendliche behandelt werden.

Junge tobt im Garten
Kinder mit ADHS haben einen starken Bewegungsdrang.
© iStock.com/Imgorthand

ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, im Volksmund ist die Störung als "Zappelphilipp-Syndrom" bekannt. In Deutschland leiden schätzungsweise fünf Prozent der 6- bis 18-Jährigen an ADHS, Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen.

Artikelinhalte im Überblick:

ADHS bei Kindern: 12 Symptome

Ursachen: Wie entsteht ADHS?

ADHS entsteht aufgrund einer fehlerhaften Informationsverarbeitung zwischen Gehirnabschnitten, die für Konzentration, Wahrnehmung und Impulskontrolle zuständig sind. Botenstoffe, die bei der Signalübertragung zwischen Nervenzellen mitwirken, sind in diesen Bereichen des Gehirns im Ungleichgewicht.

Wieso es dazu kommt, ist noch nicht ganz geklärt. Studien weisen darauf hin, dass eine genetische Veranlagung das Risiko für ADHS erhöht. Zusätzlich spielen weitere Faktoren eine Rolle: Alkohol, Drogen und Nikotin während der Schwangerschaft oder ein Sauerstoffmangel bei der Geburt erhöhen vermutlich das Risiko für das Kind, an ADHS zu erkranken.

Familiäre und schulische Bedingungen können den Verlauf der Störung beeinflussen. Risikofaktoren für einen ungünstigen Krankheitsverlauf sind zum Beispiel instabile Familienverhältnisse sowie häufige Kritik und Bestrafungen, aber auch fehlende Regeln und ein unstrukturierter Tagesablauf. Einige Experten vermuten auch, dass sich unser moderner Lebensstil ungünstig auf den Krankheitsverlauf auswirkt: Kinder sind heutzutage meist weniger aktiv und spielen seltener im Freien.

 

Was sind die Symptome von ADHS?

Bei ADHS bestehen drei Hauptsymptome: 

  • Störung der Aufmerksamkeit: Die Kinder lassen sich leicht ablenken und können sich schlecht konzentrieren. Sie sind vergesslich und verlieren häufig Gegenstände.

  • Impulsivität: Die Kinder handeln und sprechen, ohne nachzudenken. Sie sind ungeduldig, reden viel und und wechseln häufig das Thema. Sie fühlen sich schnell provoziert und können sich schlecht in eine Gemeinschaft einordnen. Mögliche Symptome sind auch Reizbarkeit und Wutausbrüche.

  • Hyperaktivität: Die Kinder sind motorisch sehr unruhig und haben einen starken Bewegungsdrang. Still zu sein ist für sie schwierig, oft schlafen sie wenig.

Die Hyperaktivität kann auch fehlen: Experten sprechen dann von ADS. Die betroffenen Kinder sind eher still und verträumt. Vor allem bei Mädchen besteht das Aufmerksamkeitsdefizit oft ohne Hyperaktivität und wird daher häufig übersehen.

Die Symptome treten früh auf, meist in den ersten fünf Lebensjahren. Sie können in verschiedenen Lebensbereichen (zum Beispiel Familie und Kindergarten) unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Viele betroffene Kinder entwickeln begleitende Störungen, etwa eine Angststörung oder schulische Leistungsdefizite wie Lese-, Rechtschreib- und Rechenschwäche.

Mit ADHS gehen aber auch positive Eigenschaften einher: So sind betroffene Kinder oft kreativ, begeisterungsfähig und hilfsbereit.

ADHS und Schule

In der Schule können sich die Symptome der Störung besonders bemerkbar machen. Die Kinder haben häufig Probleme, dem Unterricht über einen längeren Zeitraum still und konzentriert zu folgen. Das ist besonders der Fall, wenn Lehrer ihnen eine Aufgabe vorgeben. Da viele Kinder schlechtere Leistungen beim Lesen, Rechtschreiben und Rechnen zeigen, landen einige trotz normaler Intelligenz auf Förderschulen. Zusätzlich bestehen oft Schwierigkeiten im Sozialverhalten, zum Beispiel stören die Kinder den Unterricht. Viele haben mit der Ablehnung durch Gleichaltrige zu kämpfen. Auch bei Jugendlichen bestehen die Schulprobleme häufig fort.

Diagnose bei ADHS

Bei Verdacht auf ADHS beim Kind ist ein Kinder- und Jugendpsychiater oder ein erfahrener und auf ADHS spezialisierter Kinder- und Jugendarzt der richtige Ansprechpartner. Der Arzt befragt die Eltern und das Kind ausführlich und führt eine körperliche und neurologische Untersuchung durch. Auch psychologische Testverfahren und Verhaltensbeobachtungen kommen zum Einsatz.

Um die Diagnose stellen zu können, ist oft auch die Zusammenarbeit mit Spezialisten anderer Fachgruppen notwendig, etwa Neurologen, Psychologen und Pädagogen. Es ist wichtig, begleitende Störungen zu erkennen und andere Ursachen für die Symptome auszuschließen, zum Beispiel Autismus oder Epilepsie.

Hier finden Sie mehr Informationen zum Thema Diagnose von ADHS.

Therapie von Kindern und Jugendlichen mit ADHS

Bei der Behandlung von ADHS sollten Eltern, Lehrer, Ärzte und Therapeuten eng zusammenarbeiten. Es ist von entscheidender Bedeutung, dem Kind Selbstvertrauen und positive Erfahrungen zu vermitteln, um den Verlauf der Krankheit abzuschwächen. Wie die Therapie genau aussieht, hängt vom Alter des Kindes, den Symptomen und den betroffenen Lebensbereichen ab.

Die Therapie beinhaltet folgende Bausteine:

  • Interventionen in der Familie: Ein "Elterntraining" unterstützt die Eltern dabei, negative Gefühle dem Kind gegenüber zu beherrschen und ihm möglichst viel Selbstbewusstsein und Stärke zu geben. Feste Regeln und Absprachen sind hierbei ebenso wichtig wie Geduld, liebevolle Zuwendung und Hilfe bei der Selbstorganisation des Kindes.

  • Interventionen in Kindergarten und Schule: Wenn die Eltern einverstanden sind, findet eine Aufklärung und Beratung von Lehrern und Erziehern statt. Durch pädagogische Techniken können Lehrer das Verhalten des Kindes positiv beeinflussen. Bei Leistungsproblemen ist eine entsprechende Förderung wichtig.

  • Verhaltenstherapie: Kinder lernen zum Beispiel, ihr impulsives Handeln zu kontrollieren und Aufgaben strukturiert zu lösen.

  • Medikamentöse Therapie: Hauptsächlich kommen Psychostimulanzien zum Einsatz, etwa Methylphenidat. Diese regulieren das Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn. Die Kinder werden dadurch ausgeglichener und können Einflüsse von außen besser verarbeiten. Experten empfehlen die medikamentöse Therapie für Kinder ab einem Alter von sechs Jahren, bei denen die Symptome stark ausgeprägt sind oder die Verhaltenstherapie keine ausreichende Wirkung zeigt.

Die medikamentöse Therapie gilt als sehr wirksam und sicher. Nebenwirkungen treten nur selten auf, die häufigsten sind Appetitminderung, Übelkeit und Schlafprobleme. Außerdem kann es zu Steigerungen von Puls und Blutdruck oder einer vorübergehenden Wachstumsverlangsamung kommen. Diese Nebenwirkungen sind in der Regel nicht sehr stark ausgeprägt und nehmen wieder ab, wenn die Dosis reduziert wird.

Während der Therapie sind regelmäßige ärztliche Kontrollen erforderlich: Der Arzt überprüft Körpergröße, Gewicht, Blutdruck und Puls. Bei Größen- und Gewichtszunahme muss er außerdem die Dosis des Medikaments anpassen.

ADHS und Ernährung

Ein Zusammenhang zwischen ADHS und Ernährung wird seit Jahren diskutiert, etwa ob Farb- und Konservierungsstoffe bei der Entstehung von ADHS eine Rolle spielen. Wissenschaftler untersuchen außerdem, ob Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu ADHS-Symptomen führen könnten. 

Grundsätzlich gilt: Wenn Sie einen Zusammenhang zwischen ADHS und der Ernährung Ihres Kindes vermuten, sprechen Sie auf jeden Fall mit dem behandelnden Arzt, bevor Sie eigenständig Diät-Maßnahmen bei Ihrem Kind einleiten.

Verlauf von ADHS

Im Jugendalter bessert sich bei vielen Betroffenen die motorische Unruhe, während Impulsivität und Aufmerksamkeitsdefizit oft bestehen bleiben. Zusätzlich können bei Jugendlichen weitere Probleme auftreten, zum Beispiel aggressives Verhalten. Auch neigen betroffenen Jugendliche eher zu riskanten Verhaltensweisen, zum Beispiel konsumieren sie häufiger Drogen. Bei günstigem Verlauf der Erkrankung lassen sich jedoch oft auch keine Unterschiede zu gleichaltrigen Jugendlichen mehr feststellen.

Bei einem Teil der Betroffenen bessern sich die Symptome mit Eintritt ins Erwachsenenalter weiter, während sie bei anderen bestehen bleiben: Die Häufigkeit von ADHS beträgt bei Erwachsenen etwa zwei bis drei Prozent. Aufgrund ihrer Aufmerksamkeitsstörung haben die Betroffenen oft berufliche Schwierigkeiten. Die Störung wirkt sich jedoch auch aufs Privatleben aus, etwa führt die mangelnde Organisationsfähigkeit und Vergesslichkeit zu Konflikten in der Familie. Diese Probleme haben häufig zur Folge, dass Erwachsene mit ADHS ein geringes Selbstwertgefühl besitzen und an depressiven Verstimmungen leiden.

Ist Vorbeugen möglich?

An einem genetische Risiko für die Störung lässt sich nichts ändern. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Erkrankung ausbricht, kann durch ein gesundheitsbewusstes Verhalten der Mutter während der Schwangerschaft vermutlich reduziert werden: Schwangere sollten auf Nikotin, Alkohol und Drogen verzichten und psychischen Stress möglichst vermeiden. Eine frühzeitige Diagnose und angemessene Therapie sowie günstige familiäre und schulische Bedingungen können den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen.

Autor: Dr. med. univ. Barbara Teutsch, Medizinredakteurin
Letzte Aktualisierung: 13. September 2019
ICD-Codes für diese Krankheit: F90.-
Quellen
Beiträge im Forum "Babyernährung"
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