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ADHS (Hyperaktivität) bei Kindern

Hyperaktivität (ADHS)

Autor: Dr. med. Ulrike Henning
Letzte Aktualisierung: 06. März 2017

Die Bezeichnung ADHS ist die Abkürzung für das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom. ADHS kommt auch als Krankheitsbild ohne Hyperaktivität vor und wird dann ADS genannt. Ältere Bezeichnungen für ADHS sind Frühkindliche leichte Hirnschädigung, Hyperkinetische Störung oder Hyperkinetisches Syndrom (HKS).

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Kinder und Jugendliche mit ADHS haben oft Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Alltags
(c) iStockphoto/Feverpitched

Im Volksmund ist ADHS als "Zappelphilipp-Syndrom" bekannt. ADHS bezeichnet eine Kombination verschiedener Verhaltensauffälligkeiten. Die Krankheit tritt bei Kindern, jedoch auch bei Erwachsenen auf. Da ADHS erst 1987 seine Bezeichnung bekam, ist davon auszugehen, dass es zahlreiche Erwachsene mit ADHS gibt, bei denen die Krankheit nicht als diese diagnostiziert wurde. Es wird geschätzt, dass in Deutschland etwa zehn Prozent der Kinder unter ADHS leiden. Jungen sind zwei- bis fünfmal häufiger betroffen als Mädchen.

Ursachen für Hyperaktivität (ADHS)

Für die Entstehung und die Ursachen von ADHS gibt es zahlreiche Theorien und Vermutungen. Die genaue Ursache ist nicht ganz geklärt. In neueren Untersuchungen wird angegeben, dass bis zur Hälfte der Fälle von ADHS genetisch bedingt ist. Es handelt sich hierbei um ein Zusammenspiel mehrerer defekter Gene, sodass das Risiko für die Erkrankung an ADHS erhöht ist. Diese Veranlagung kann durch verschiedene Faktoren gefördert oder auch abgeschwächt werden wie z.B. Erziehungsstil und persönliche Erfahrungen in der Kindheit. Alkohol, Nikotin und Drogen während der Schwangerschaft erhöhen das Risiko für das Kind, an ADHS zu erkranken. So Tritt ADHS beispielsweise auch öfters bei Kindern mit fetalem Alkoholsyndrom auf. Auch die Ernährung und Allergien können bei bestehender Veranlagung die Entstehung von ADHS fördern, die Krankheit jedoch nicht allein hervorrufen.

Bei ADHS ist die Informationsverarbeitung im Gehirn fehlerhaft. Botenstoffe im Gehirn, vor allem das Dopamin, werden anders umgesetzt als bei Gesunden.

Symptome bei Hyperaktivität (ADHS)

Die Symptome bei ADHS sind vielfältig. Nahezu immer finden sich eine Störung der Informationsverarbeitung, eine verminderte Konzentrationsfähigkeit sowie eine Störung der Gedächtnisbildung. Leidet ein Mensch unter ADHS, ist er nicht oder nur eingeschränkt in der Lage, Eindrücke zu filtern. Er steht daher unter ständiger innerer Anspannung. Wichtiges kann von Unwichtigem schlecht unterschieden werden.

ADHS bei Kindern äußert sich vor allem durch Verhaltensauffälligkeiten. Die Kinder zeigen innere und motorische Unruhe und teilweise unsoziales, auch aggressives Verhalten. Auch ein sehr stilles und träumerisches, abwesendes Verhalten vor allem bei Mädchen kann ein Anzeichen für ADHS sein. Kinder mit ADHS sind häufig sowohl motorisch als auch emotional unkontrolliert. In der Grundschule zeigen sie neben dem auffälligen Verhalten häufig Lernschwächen. Oft schlafen ADHS-Kinder schlecht.

Jugendliche und Erwachsene mit ADHS haben häufig Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Alltags. Sie sind unorganisiert, unkonzentriert, vergessen Dinge, sind ungeschickt und leiden häufig unter einem verminderten Selbstwertgefühl. Nicht selten suchen diese Menschen Hilfe durch Konsum von Alkohol und anderen Drogen.

Menschen mit ADHS besitzen jedoch häufig auch zahlreiche positive Eigenschaften. So sind sie oft kreativ, ideenreich, hilfsbereit und begeisterungsfähig.

Diagnose von Hyperaktivität (ADHS)

Um die Diagnose ADHS zu stellen, ist ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt von grundlegender Bedeutung. Hierin sollte das bisherige Leben einschließlich des Verlaufs der Schwangerschaft angesprochen werden. Außerdem erfolgt beim Arzt eine körperliche einschließlich einer neurologischen Untersuchung. Meist sind mehrere Untersuchungen bei verschiedenen Fachärzten notwendig. So können andere Ursachen für die bestehenden Symptome ausgeschlossen werden, wie z.B. eine Epilepsie oder ein Autismus.

Mithilfe psychologischer Testverfahren und IQ-Testungen können die Diagnose ADHS gesichert und der Verlauf der Erkrankung überprüft werden. Lesen Sie hier mehr über die Diagnose von ADHS und Diagnosekriterien.

Therapie bei ADHS: Elterntraining, Verhaltenstherapie und Medikamente

Bei der Behandlung des ADHS ist es äußerst wichtig, dass Eltern, Lehrer, Ärzte und andere Therapeuten, wie z.B. Psychologen, eng zusammen arbeiten.

Es ist von entscheidender Bedeutung, dem Kind Selbstvertrauen und positive Erfahrungen zu vermitteln, um den Verlauf der Krankheit an ADHS abzuschwächen. In einem so genannten "Elterntraining" kann man die Eltern dabei unterstützen, negative Gefühle dem Kind gegenüber zu beherrschen und ihm möglichst viel Selbstbewusstsein und Stärke zu geben. Feste Regeln und Absprachen sind hierbei ebenso wichtig wie Geduld, liebevolle Zuwendung und Hilfe bei der Selbstorganisation des Kinds.

Ziel einer Verhaltenstherapie ist es, dass das Kind mit Reizen besser umzugehen lernt und diese besser filtern kann. Die Verhaltenstherapie kann mit einer medikamentösen Behandlung kombiniert werden. Manchmal wird diese auch als erste Maßnahme eingesetzt und besteht in der Regel in der Gabe von Methylphenidat. Es handelt sich hierbei um ein so genanntes Psychostimulans. Es verbessert bei 70 bis 90 Prozent der ADHS-Erkrankten die Konzentrationsfähigkeit und vermindert die Hyperaktivität. Neben Methylphenidat können seltener Psychopharmaka wie Antidepressiva oder Beruhigungsmittel wirksam sein.

Andere Therapieverfahren wie besondere Diäten oder hoch dosierte Vitamingaben haben sich in der Behandlung des ADHS bisher nicht durchsetzen können.

Auch bei der Behandlung von ADHS bei Erwachsenen werden Verhaltenstherapie und Methylphenidat mit Erfolg eingesetzt.

Selbstbehandlung von ADHS

Neben dem Erlernen von Verhaltensregeln suchen Eltern von ADHS-Kindern oft auch natürliche beziehungsweise alternative Behandlungsmethoden. Ob Ernährung bei ADHS, Homöopathie gegen ADHS oder der Ausschluss von Umweltgiften als Ursache von ADHS - es gibt mittlerweile zahlreiche Methoden der Selbstbehandlung, deren Nutzen jedoch im Großen und Ganzen nicht eindeutig bewiesen ist. Der Vollständigkeit halber werden diese alternativen Behandlungsmethoden hier kurz vorgestellt:

ADHS und Ernährung

Seit vielen Jahren schon wird ein Zusammenhang zwischen ADHS und Ernährung diskutiert. Dahinter steht die Annahme, dass bestimmte Zusatzstoffe (vor allem Farb- und Konservierungsstoffe) in industriell verarbeiteten Lebensmitteln ADHS (mit-)verursachen können. Die Empfehlung lautet daher, so gut es geht möglichst naturbelassene Lebensmittel zu sich zu nehmen und vor allem Fertigprodukte zu meiden.

Auch Zucker wird von einigen Experten für die sprunghafte Zunahme von ADHS verantwortlich gemacht. Mitunter wird daher empfohlen, auf Zucker und zuckerhaltige Produkte jeder Art zu verzichten. Auch auf weiße Mehle, Fruchtsäfte und künstliche Fette solle verzichtet werden.

Es gibt Hinweise darauf, dass Nahrungsmittelunverträglichkeiten, ADHS verstärken können. Bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelverträglichkeit ist es daher ratsam, diese abzuklären. Häufiger genannt werden in diesem Zusammenhang

Grundsätzlich gilt: Wenn Sie einen Zusammenhang mit ADHS und Ernährung vermuten, sprechen Sie auf jeden Fall mit dem behandelnden Arzt, bevor Sie eigenständig Diät-Maßnahmen einleiten.

ADHS und Umweltgifte

Bestimmte Toxine sind für Menschen schädlich. Dazu gehören zum Beispiel Lösungsmittel, Metalle, Pestizide. Kinder reagieren viel empfindlicher auf Umweltgifte in ihrer Umgebung. Da viele Umweltgifte den Menschen auch neurologisch beeinflussen können, vermuten manche einen Zusammenhang von ADHS und Umweltgiften.

ADHS und Homöopathie

Die Homöopathie als eines der bekanntesten Naturheilverfahren beruht auf dem Konzept "Ähnliches durch Ähnliches heilen". Während einige Ärzte Homöopathie auch zur Behandlung von ADHS einsetzen, lehnen andere Ärzte die Homöopathie ab, da bislang die Wirkung von Homöopathie wissenschaftlich nicht nachgewiesen wurde.

Verlauf von ADHS

Eine "Heilung" von ADHS ist selten möglich. Bei etwa zehn Prozent der ADHS-Kinder bleibt das Krankheitsbild bis ins Erwachsenenalter vollständig erhalten. Circa 35 Prozent der Betroffenen behalten einen Teil der Symptome. Durch eine konsequente Behandlung kann jedoch die Lebensqualität wesentlich verbessert werden. Die Erkrankten lernen, mit ihrer Krankheit umzugehen.

Bleibt die Krankheit unerkannt oder unbehandelt, haben die Betroffenen häufig dauerhaft Schwierigkeiten, das tägliche Leben zu meistern und leiden lebenslang unter den Symptomen des ADHS.

ADHS und Schule

In der Schule kann sich ADHS besonders bemerkbar machen. Von ADHS betroffene Schulkinder haben oft Probleme, dem Unterricht über einen längeren Zeitraum still und konzentriert zu folgen. Das ist besonders der Fall, wenn sie eine Aufgabe aufgetragen bekommen haben. Im freien Arbeiten und wenn bestimmte Aufgaben ihr Interesse geweckt haben, sind ADHS-Kinder oft sogar sehr konzentriert und leistungsstark.

Zusätzlich zu ADHS zeigen sich in der Schule manchmal noch weitere begleitende Störungen, zum Beispiel Rechenstörungen (Dyskalkulie) oder Lese- und Rechtschreibstörungen (Legasthenie).

Zu Beginn der Pubertät werden die Beschwerden oft etwas besser. Jedoch neigen Jugendliche mit ADHS eher zu schlechteren Schulleistungen, wenn die ADHS nicht effektiv behandelt wird. Sie bleiben zudem unruhig und teilweise unaufmerksam. Auch zeigt sich in der Schule manchmal ein höheres Aggressionspotential.

Vorbeugen von ADHS

Da ADHS zum großen Teil genetisch bedingt ist, kann der Krankheit nicht vorgebeugt werden. Das Risiko, an ADHS zu erkranken, kann jedoch durch ein gesundheitsbewusstes Verhalten der Mutter in der Schwangerschaft herabgesetzt werden. Vor allem Nikotin, Alkohol, Drogen und auch Stress sollten vermieden werden. Ist ein Kind an ADHS erkrankt, muss versucht werden, den Verlauf abzuschwächen. Dies ist möglich durch konsequente und geduldige Unterstützung des Kinds sowie therapeutische und medikamentöse Maßnahmen.

Autor: Dr. med. Ulrike Henning
Letzte Aktualisierung: 06. März 2017
Quellen

Beiträge im Forum "Babyernährung"
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