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Hüftdysplasie

Hüftdysplasie bezeichnet eine angeborene Fehlentwicklung des Hüftgelenks. Sie ist die häufigste Fehlbildung des Skeletts beim Neugeborenen. In Deutschland liegt die Häufigkeit der Hüftdysplasie bei zwei bis vier Prozent. Mädchen sind etwa sechs Mal häufiger betroffen als Jungen. Bei etwa 40 Prozent der Kinder tritt sie beidseitig auf.

Hüftdysplasie
Breites Wickeln des Babys reicht bei einer leichten Hüftdysplasie als Therapie häufig aus
istock/FamVeld

Bei der Hüftdysplasie (auch Hüftreifestörung oder Hüftgelenksdysplasie) besteht eine Veränderung der Gelenkpfanne und ein zu steiler Winkel des Oberschenkelhalses. Die Gelenkpfanne ist zu flach, um den kugelförmigen Gelenkkopf des Oberschenkelknochens (Femur) ausreichend zu umschließen. In seltenen Fällen kann dies dazu führen, dass der Hüftgelenkkopf vollständig aus der Pfanne rutscht (Hüftluxation).

Wird die Hüftdysplasie bei Babys innerhalb der ersten Lebensmonate erkannt und behandelt, kann sie in der Regel vollständig behoben werden. Je eher die Therapie einsetzt, desto kürzer ist die Behandlungsdauer. Bestimmte Risikofaktoren können eine Hüftdysplasie begünstigen, zum Beispiel Beckenendlage des Babys im Mutterleib, Frühgeburt oder Kaiserschnitt.

Ursachen einer Hüftdysplasie

Die Ursachen für die Hüftdysplasie können sowohl innere als auch äußere Faktoren sein. Die inneren (endogenen) Ursachen werden mit der Tatsache in Verbindung gebracht, dass Mädchen deutlich häufiger betroffen sind. Bestimmte Hormone der Mutter in der Schwangerschaft sollen eine Lockerung des Beckenrings zur Vorbereitung auf die Geburt bewirken. Bei weiblichen Babys können sich diese Hormone auf das Hüftgelenk auswirken und als Folge eine Erschlaffung der Gelenkkapsel nach sich ziehen. Außerdem ist eine erbliche bedingte Veranlagung zur Hüftdysplasie möglich.

Als äußere (exogene) Ursache kann ein Platzmangel in der Gebärmutter (Uterus) in Frage kommen. Für den Platzmangel kann es unterschiedlich Gründe geben. So treten 60 Prozent der Hüftdysplasien bei Erstgebärenden auf. Kinder, die aus der Steißlage geboren wurden, leiden 25 Mal häufiger an Hüftdysplasie, insgesamt werden 50 Prozent der Kinder mit Hüftluxation aus der Steißlage geboren. Auch eine geringe Menge des Fruchtwassers (200-500 ml) sowie Bluthochdruck der Mutter sind mögliche Ursachen für einen solchen Platzmangel.

Mehrlinge sind ebenfalls häufiger von Hüftdysplasie betroffen. Da das Hüftgelenk bei der Geburt noch sehr weich und unreif ist, kann eine frühe und häufige Streckung des Hüftgelenks, beispielsweise durch zu häufige Bauchlage, ebenfalls die Entwicklung des Hüftgelenks negativ beeinflussen.

Bei Völkern, die ihre Babys aufgrund ihrer Kultur mit Tüchern tragen, treten so gut wie keine Hüftdysplasien und/oder Luxationen auf. Bei ihnen ist die Vorbeugung gegen Hüftdysplasie erheblich effektiver als bei uns.

Symptome einer Hüftdysplasie

Symptome einer Hüftdysplasie treten heutzutage kaum noch auf, da die Diagnostik direkt nach der Geburt durchgeführt wird und eine eventuelle Behandlung in der Regel sofort einsetzt. Geschieht dies nicht, können folgende Symptome auftreten:

  • beim Wickeln lassen sich die Beine nicht gut oder nicht gleichmäßig abspreizen
  • Asymetrische Hüftgelenkstellung, später auffälliges Gangbild
  • Unterschiedliche Höhe der Gesäßfalten, scheinbar kürzeres Bein
  • Instabiles Hüftgelenk (Ortolani-Zeichen)
  • Barlow-Zeichen: vollständiges Ein- und Ausrenken des Hüftgelenks ist möglich

Wird die Hüftdysplasie nicht bereits beim Baby entdeckt und bleibt damit unbehandelt, kann es beim Erwachsenen zu Problemen mit dem Hüftgelenk (Hüftgelenksarthorse) kommen. Die Symptome einer Hüftgelenksdysplasie beim Erwachsenen zeigen sich vor allem in Schmerzen, die durch die starke Abnutzung des Hüftgelenks entstehen.

Wie wird eine Hüftdysplasie diagnostiziert?

Die Untersuchung auf Hüftdysplasie sollte idealerweise bei der Neugeborenenuntersuchung, spätestens aber bei der Vorsorgeuntersuchung U2 oder U3 durchgeführt werden. Gibt es einen Verdacht, so erfolgt eine körperliche Untersuchung, die die Diagnose mithilfe einer anschließenden Ultraschall-Untersuchung (Hüftscreening) liefern kann.

Röntgen (Radiologie) ist nach vollständiger Ausrenkung (Hüftluxation) erforderlich, um einen Gelenkabbau (Hüftkopfnekrose) auszuschließen, der durch eine eventuelle Minderdurchblutung hervorgerufen werden kann.

Therapie der Hüftdysplasie

Die Therapie der Hüftdysplasie ist von der Schwere der Ausprägung abhängig. Bei leichten Hinweisen auf eine Hüftdysplasie wird die Mutter angeleitet, ihr Baby "breit" zu wickeln, das heißt mit gebeugter Hüfte und abgespreizten, nach außen gedrehten Beinchen. Auch wird das Tragen des Kindes seitlich an der Hüfte des Tragenden mit ebenfalls gebeugter Hüfte (Anhockhaltung) empfohlen. Das Tragen des Babys im Tragetuch oder Tragebeutel unterstützt die Therapie der Hüftdysplasie ebenfalls.

Babys sollten in den ersten Monaten möglichst nicht zu oft und zu lange in die Bauchlage gebracht werden. Bei deutlichen Symptomen einer Hüftdysplasie werden die Beine mittels einer Spreizhose (aus Kunststoffschalen), die dem Kind über mehrere Wochen Tag und Nacht angelegt wird, in der Abspreizposition fixiert. Dies fördert die weitere Entwicklung des Hüftgelenks.

Die meisten Hüftdysplasien bilden sich durch eine nachträgliche Hüftreifung zurück. Je früher die Fehlbildung erkannt wird, desto sicherer kann sie behandelt und "geheilt" werden. Eltern sollten das "ABC" der Hüftbehandlung unbedingt beachten:

  • A = Abspreizung nur leicht
    Bei zu starker Hüftspreizung entstehen leicht Hüftkopfumbaustörungen.
  • B = Beugung verstärken
    Durch die leichte Hüftspreizung (bis etwa 50°) wird durch mehr Hüftbeugung der Hüftkopf gut in die Hüftpfanne eingestellt.
  • C = Compliance wichtig
    Am wichtigsten ist die Mitarbeit (Compliance) der Eltern bzw. der Bezugspersonen. Sie sollten unbedingt die Anweisungen des Arztes oder des Physiotherapeuten folgen.

Schwere Formen der Hüftdysplasie, selbst Hüftluxationen, können durch intensive Therapie mit speziellen Orthesen behandelt werden, dies kann mehrere Monate in Anspruch nehmen. Je nach Fehlentwicklung stehen etwa ein halbes Dutzend verschiedene Orthesentypen zur Verfügung, die in die verschiedenen Bewegungsrichtungen individuell angepasst werden können.

Stellt sich nach Durchführung aller vorher beschriebener Therapie-Maßnahmen kein oder nur geringer Erfolg bei der Behandlung der Hüftdysplasie ein, so kann das Kind ab dem zweiten Lebensjahr operiert werden. Pfannenplastische Maßnahmen am Becken in Verbindung mit einer operativen Oberschenkelumstellung (Osteotomie) können der Hüftdysplasie Einhalt gebieten und eine normale Weiterentwicklung einleiten. Je nach Bedarf kann mit einer operativen Knochenumstellung des Beckens (Beckenosteotomie) die Gelenkpfanne vergrößert werden, hierbei gibt es verschiedene Operationstechniken (Salter, Lance, Chiari).

Während der gesamten konservativen Behandlungsphase sowie nach erfolgter Operation ist Physiotherapie ein wichtiger Bestandteil der Behandlung.

Spätfolgen einer Nicht-Behandlung

Wird die Hüftdysplasie nicht entsprechend behandelt, kann sie im späteren Jahren zu einer starken Hüftarthrose führen und im schlimmsten Fall ein künstliches Hüftgelenk erfordern.

Kann man einer Hüftdysplasie vorbeugen?

Einer Hüftdysplasie vorzubeugen ist nicht möglich, wenn die Fehlentwicklung bereits im Mutterleib beginnt. Bei Verdacht oder leichten Symptomen können die Eltern jedoch mit entsprechenden Wickel- und Tragetechniken spätere Gangfehler oder Hüftarthrose verhindern.

Da sich manche Hüftdysplasien aber erst nach der Geburt entwickeln, sollten folgende Maßnahmen beachtet werden:

  • Keine frühzeitige Hüftstreckung und Bauchlage
  • Tragen des Babys im Tragetuch
  • Wickeln des Babys in Hüftbeugung

Autor:
Letzte Aktualisierung: 16. Dezember 2016
Durch: Karin Wunder
Quellen: Bald, M. u.a.: Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012 Niethard, F.U.: Kinderorthopädie. Thieme, Stuttgart 2010; Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie (BVO): Koxarthrose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 033/001 (Stand Juli 2011); Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2013

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