Suchen Menü
Gutartige Gefäßveränderung

Hämangiom (Blutschwamm): Was ist der Erdbeerfleck?

Autor: Viola Lex, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 17. Juli 2019

Ein Hämangiom ist eine ungefährliche Veränderung der innersten Gefäßwände, die sich häufig von alleine zurückbildet. In rund zehn Prozent der Fälle ist jedoch eine rasche Behandlung erforderlich, um Komplikationen zu verhindern.

Hämangiom (Blutschwamm): Was ist der Erdbeerfleck?
Tritt ein Hämangiom beim Baby auf, sollten Sie dies stets ärztlich abklären lassen
© iStock.com/martinedoucet

Das Hämangiom wird auch als Blutschwamm, Blutschwämmchen oder "Erdbeerfleck" bezeichnet. Diesen Namen trägt die Gefäßveränderung, weil sich auf der Haut rote Flecken oder Erhebungen in unterschiedlicher Größe zeigen – von wenigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern.

Artikelinhalte auf einen Blick:

Was ist ein Hämangiom (Blutschwamm)?

In der Fachsprache werden Blutschwämmchen im Säuglings- und Kleinkindalter als infantile, also kindliche, Hämangiome bezeichnet. Sie können sich auf der Hautoberfläche ausbreiten, nach innen wachsen oder eine Kombination aus beidem darstellen. Unterschieden werden Hämangiome deshalb in folgende Formen:

  • kutan (flach in der Haut oder darüber erhaben)
  • subkutan (unter der Haut)
  • kutan-subkutan

Die Blutschwämmchen durchlaufen in ihrer Entwicklung drei Phasen:

  • Wachstumsphase: Dauer etwa sechs bis neun Monate
  • Stillstandsphase: dauert unterschiedlich lange
  • Rückbildungsphase: Die Dauer hängt von Größe und Lage des Hämangioms ab – sie ist meist bis zum neunten Lebensjahr abgeschlossen.
Kinderkrankheiten und ihre typischen Beschwerden

Hämangiom: Vorkommen und Häufigkeit

Laut Leitlinie "Infantile Hämangiome im Säuglings- und Kleinkindesalter" der federführenden Fachgesellschaften treten Hämangiome bei vier bis fünf Prozent aller Säuglinge und bei bis zu 22 Prozent der Frühgeborenen, die mit einem Gewicht von unter einem Kilogramm zur Welt kommen, auf. Mädchen sind davon häufiger betroffen als Jungen. Dass sich Hämangiome bei älteren Kindern oder Erwachsenen neu bilden, kommt äußerst selten vor.

Gefäßveränderungen können überall dort auftreten, wo sich Blutgefäße befinden – also auch an inneren Organen wie der Leber oder der Wirbelsäule. 60 Prozent der Hämangiome befinden sich im Kopf- und Halsbereich der Kinder.

Ursachen: Woher kommt ein Hämangiom?

Ein Hämangiom bildet sich, weil sich die Zellschicht an der Innenfläche der Blutgefäße, das sogenannte Endothel, verändert. Welche Ursachen dafür verantwortlich sind, konnte bislang nicht eindeutig geklärt werden. Hämangiome entwickeln sich bei den Kindern in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt. Schon bei der Geburt können Vorläuferläsionen erkennbar sein. Sehr selten treten kongenitale Hämangiome auf, die bereits bei der Geburt vollständig ausgeprägt sind.

Hämangiom-Symptome auf einen Blick

Ein Blutschwämmchen ist an folgenden Symptomen erkennbar:

  • mittel- bis dunkelrote Flecken und Erhebungen auf der Haut
  • bläuliche Hautverfärbungen bei tieferliegenden Hämangiomen
  • Vorkommen vor allem im Kopf- und Halsbereich, am Rumpf oder den Extremitäten
  • entstehen einige Tage bis Wochen nach der Geburt
  • vergrößern sich in der ersten Phase nach dem Auftreten innerhalb eines Zeitraums von etwa sechs Monaten

Diagnose: So stellt der Arzt Hämangiome fest

Wenn Hautveränderungen im Säuglings- oder Kleinkindalter auftreten, sollten diese stets durch eine Diagnose beim Kinderarzt abgeklärt werden, um das infantile Hämangiom von anderen vaskulären Tumoren (Tumore, die die Blutgefäße betreffen) oder vaskulären Malformationen (angeborene, gutartige Gefäßfehlbildungen) zu unterscheiden. Der Arzt führt eine Anamnese durch, bei der die Eltern nach dem Entstehungszeitpunkt und der Veränderung von Größe, Fläche oder Farbe des Blutschwämmchens befragt werden. Die Entwicklung wird durch den Arzt oder auch begleitend durch die Eltern mittels Fotodokumentation festgehalten und kontrolliert. Im Zweifelsfall zieht der Arzt einen Spezialisten für Gefäßerkrankungen hinzu.

Neben der körperlichen Untersuchung der Kinder kann der Arzt eine Ultraschalluntersuchung vornehmen, bei der die Tiefe des Hämangioms sichtbar wird. Auch die sogenannte Duplexsonographie – ein farbkodierter Ultraschall, der Bewegungen des Blutflusses anzeigt – ist zur Diagnose möglich. Als weiterführende Untersuchungen kommen in bestimmten Fällen eine Probenentnahme (Biopsie) oder eine Magnetresonanzangiografie infrage, bei der sich die Blutgefäße dreidimensional darstellen lassen.

Therapie eines Hämangioms: Was hilft gegen Blutschwämmchen?

Bei kleinen Hämangiomen, die keine gesundheitlichen Folgen mit sich bringen, keine Beschwerden verursachen und keine ästhetischen Notfälle darstellen wie etwa an den Armen und Beinen, lautet die Empfehlung: Abwarten, bis die Spontanheilung eintritt, da sich die meisten Hämangiome von alleine wieder zurückbilden. Bis es so weit ist, wird der Arzt das Wachstum regelmäßig kontrollieren. Eine Behandlung ist in solchen Fällen nicht notwendig.

Anders verhält es sich bei stark wachsenden Hämangiomen oder bei solchen, die aufgrund ihrer Lage zu ästhetischen oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Hier wird zu einer Behandlung der Kinder geraten – und zwar so früh wie möglich. Dies trifft vor allem zu, wenn Körperbereiche wie Augen, Ohren, Lippen oder faltige und feuchte Hautpartien wie der Windelbereich betroffen sind. Handelt es sich um Blutschwämmchen rund um die Augen, raten Experten zu einer frühzeitigen Kooperation des Kinderarztes mit einem erfahrenen Augenarzt.

Tipps und Hausmittel gegen Windeldermatitis

Medikamentöse Behandlung bei Hämangiomen besonders wirksam

Die Behandlung eines Hämangioms erfolgt durch die Einnahme von Medikamenten – heutzutage handelt es sich dabei überwiegend um den Betablocker Propranolol. Ziel der medikamentösen Behandlung ist es nicht, das Blutschwämmchen sofort zu entfernen, sondern sein Wachstum zu stoppen und eine beschleunigte Rückbildung anzuregen. Ursprünglich wurde dieser Wirkstoff entwickelt, um Bluthochdruck oder Herzerkrankungen zu behandeln. Durch einen Zufall fand man heraus, dass sich durch die Gabe auch Blutschwämmchen zurückbilden. Mittlerweile hat sich die Arznei Propranolol als so wirksam und gleichzeitig nebenwirkungsarm erwiesen, dass andere Behandlungsmethoden wie die Therapie mit Cortison nur noch in Spezialfällen eine Rolle spielen.

Die Lasertherapie wird zum Teil bei kleinen, flachen Hämangiomen empfohlen, um diese zu entfernen. Bei rund einem Prozent können dadurch Narben entstehen. Ein weiterer Nachteil: Die Behandlung mit Laser erfordert eine (lokale) Narkose. Bei einer Fläche des Hämangioms von maximal einem Zentimeter Durchmesser hat sich die Kryotherapie etabliert, bei der vorzugsweise elektrisch erzeugte Kälte zur Entfernung des Blutschwämmchens eingesetzt wird. Ein operativer Eingriff stellt nur in wenigen Ausnahmefällen die primäre Therapieform dar – zum Beispiel, wenn Komplikationen zu befürchten sind, die sich durch die anderen Verfahren nicht in den Griff bekommen lassen.

Hämangiom: Verlauf und Komplikationen

In der Mehrzahl der Fälle handelt es sich um Hämangiome, die lokal begrenzt sind und einen zentralen Fokus haben. Das bedeutet: Sie sind unbedenklich und können höchstens aufgrund ihrer Lage zu Komplikationen führen. Bei nicht rasch fortschreitenden und wenig ausgedehnten Blutschwämmchen, insbesondere solche, die Rumpf oder Extremitäten betreffen, entstehen häufig keinerlei Komplikationen.

In seltenen Fällen liegen segmentale (ausgedehnte) Hämangiome vor, die mit Fehlbildungen der inneren Organe oder Gefäße der Kinder einhergehen können. Zur Abklärung ist hier eine Untersuchung der Organe erforderlich. Dies gilt auch, wenn eine Sonderform vorliegt: Handelt es sich um sehr seltene multifokale infantile Hämangiome, treten bis zu zehn Blutschwämmchen gleichzeitig auf. Sie entstehen innerhalb von wenigen Tagen und erreichen schnell die Phase des Wachstumsstillstands. Sie können eine Beteiligung der Leber, des Gehirns oder der Lunge einschließen.

Sehr selten können Hämangiome auch so voluminös sein, dass sie ohne entsprechende Therapie Kreislaufprobleme verursachen. Da die vermehrt fließende Blutmenge eine zusätzliche Pumparbeit des Herzens erfordert, kann es im äußersten Extremfall zu einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche) kommen.

Komplikationen bei Hämangiomen abhängig vom betroffenen Körperbereich

Hämangiome an den Augen sollten frühzeitig behandelt werden, da es andernfalls zu einer Beeinträchtigung der Sehfähigkeit und im extremsten Fall zur Erblindung kommen kann. Unbehandelte Hämangiome an den Ohren können das Ohrwachstum negativ beeinflussen, Blutschwämmchen an den Lippen den Kiefer verformen, Zahnfehlstellungen hervorrufen oder die Nahrungsaufnahme behindern und Hämangiome an der Nase Atembeschwerden auslösen oder zu einer Nasendeformation ("Cyrano-Nase") führen. Befinden sich die Blutschwämmchen im Genital- oder Analbereich begünstigen sie möglicherweise die Entstehung von Infektionen.

Nachbehandlungen von Blutschwämmchen

In der Regel findet eine vollständige Rückbildung der Hämangiome statt – unabhängig davon, ob eine Therapie erforderlich war oder nicht. Bei einigen Kindern können – vor allem bei sehr großen Blutschwämmchen – jedoch Narben oder Pigmentstörungen bestehen bleiben. Sind solche Restzustände vorhanden, lassen sich diese durch spezielle Nachbehandlungen therapieren. Hyperpigmentierungen (vermehrte Pigmentierungen des Gewebes) können durch eine Laserbehandlung beseitigt werden. Narben, schlaffe Haut oder Hautfalten werden herausgeschnitten und Asymmetrien im Gesicht durch einen plastisch-chirurgischen Eingriff korrigiert.

Vorbeugung von Blutschwämmchen

Zum aktuellen Zeitpunkt der medizinischen Forschung gibt es keine Möglichkeit, Hämangiomen vorzubeugen. Besonders wichtig ist es, das Auftreten von Blutschwämmchen ärztlich abzuklären, um eine Therapie gegebenenfalls frühzeitig einzuleiten.

Babypflege im Winter: Tipps
Autor: Viola Lex, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 17. Juli 2019
ICD-Codes für diese Krankheit: D18.0
Quellen

Hinter jedem Türchen verbergen sich tolle Preise! Warten auf Weihnachten war noch nie so schön.

Zum Gewinnspiel
Beiträge im Forum "Babyernährung"
Neuste Artikel in dieser Rubrik
Tiefgreifende Entwicklungsstörung

Anhand dieser Symptome stellen Sie fest, ob Ihr Kind von Autismus betroffen sein könnte. Mehr...

Was hilft gegen Pollenallergie?

Knapp jeder Fünfte leidet in Deutschland unter Heuschnupfen, und die Zahl der Betroffenen, gerade die der Kinder, steigt stetig. Daran erkennen Sie Pollenallergie und das kann man dagegen tun. Mehr...

Lese- und Rechtschreibstörung

Betroffene haben Probleme mit dem Lernen von Lesen und Schreiben: Wie man Legasthenie erkennt und behandelt und was die Ursachen sind. Mehr...

Hinter jedem Türchen verbergen sich tolle Preise! Warten auf Weihnachten war noch nie so schön.

Zum Gewinnspiel

Keiner spricht gerne darüber, dabei sind gerade Frauen besonders häufig betroffen. Die Rede ist von...

mehr lesen...

Mit der Teilnahme an unseren interaktiven Gewinnspielen sichern Sie sich hochwertige Preise für sich und Ihre Liebsten!

Jetzt gewinnen
Weitere interessante Themen
  • Turner-Syndrom

    Das Turner-Syndrom, auch Ullrich-Turner-Syndrom, gehört zu den Chromosomenstörungen. Die Häufigkeit beträgt etwa eins von 2.000 bis 3.000 weiblichen Neugeborenen. Die Anomalien,... Mehr...

  • Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (LKG)

    Die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (LKG) gehört mit 1:500 Fällen zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen in Europa. Je nach Zeitpunkt des Auftretens in der Schwangerschaft werden... Mehr...

  • Spina bifida (Offener Rücken)

    Spina bifida wird im Volksmund als Offener Rücken bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Entwicklungsstörung der Embryonalanlage. Sie ist eine Form von Neuralrohldefekten. Es... Mehr...