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Wann ist sie sinnvoll?

Grippeimpfung für Kinder: Wie sinnvoll ist sie?

Bei der Grippeimpfung für Kinder sind sich die Experten in Deutschland uneinig: Einige Kinderärzte fordern angesichts der Corona-Pandemie eine Grippeimpfung für alle Kinder. Die Ständige Impfkommission (STIKO) bleibt jedoch bei ihrer bisherigen Empfehlung. Was also tun?

Grippeimpfung für Kinder: Was Experten jetzt empfehlen
Sollen alle Kinder gegen die Grippe geimpft werden oder nicht? Zumindest in Deutschland sind sich die Experten uneinig.
© iStock.com/FreshSplash

Die echte Grippe (Influenza) ist eine Atemwegserkrankung, die durch das Influenzavirus verursacht wird. Typische Symptome der Grippe sind plötzlich beginnendes hohes Fieber (über 38,5 Grad Celsius), Halsschmerzen, trockener Reizhusten, Muskel- und Kopfschmerzen sowie körperliche Schwäche. Auch Kinder können an Grippe erkranken. Bei einem Drittel der betroffenen Kinder verläuft die Krankheit ohne Fieber und mit milderen Symptomen.

Aber auch Kinder können schwere Verläufe und Komplikationen wie Herzmuskel- oder eine Lungenentzündung durch das Influenzavirus selbst oder einen weiteren Erreger (sogenannte Superinfektion) entwickeln. Überwiegend betreffen Komplikationen jedoch ältere Menschen, chronisch Erkrankte sowie Schwangere. Diesen Risikogruppen wird empfohlen, sich jeden Herbst gegen Grippe impfen zu lassen.

In diesem Artikel lesen Sie:

Kinderkrankheiten und ihre typischen Beschwerden

Einige Experten empfehlen Grippeimpfung auch für Kinder

Angesichts der Corona-Pandemie sowie der bevorstehenden kalten Jahreszeit und damit auch dem alljährlichen Beginn der Grippesaison sind die Empfehlungen zur Grippeimpfung in diesem Jahr besonders eindrücklich. Demnach sollten schwere Verläufe bei Kindern durch die Grippeimpfung verhindert werden. Zudem sinke dadurch das Risiko, dass sich ältere Menschen (wie etwa die Großeltern) bei Kindern anstecken. Zahlreiche Kinderärzte appellieren deshalb zur Zeit in den Medien an Eltern, ihre Kinder gegen Grippe impfen zu lassen.

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Ab wann können Kinder die Grippeimpfung erhalten?

Gesunde Kinder können ab dem vollendeten sechsten Lebensmonat gegen Grippe geimpft werden. Babys und Kleinkinder bis zum 36. Lebensmonat erhalten lediglich die halbe Dosis. In Deutschland wird meist mit sogenanntem Totimpfstoff immunisiert. Dieser inaktive Impfstoff enthält nur abgetötete Erreger, die sich zwar nicht mehr vermehren können, aber vom Immunsystem als fremd erkannt werden.

Eine Ausnahme bildet die für Kinder und Jugendliche von zwei bis einschließlich 17 Jahre zugelassene Grippeimpfung als Nasenspray. Es enthält einen stark abgeschwächten Lebendimpfstoff. Obwohl die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, kann nicht ausgeschlossen werden, dass mit Lebendimpfstoff Immunisierte nach der Impfung ansteckend sind. Enger Kontakt zu schwer kranken Menschen oder Menschen mit einem schwachen Immunsystem sollte deshalb in den ersten zehn bis 14 Tagen gemieden werden.

Kosten der Grippeimpfung für Kinder

Die gesetzlichen Krankenkassen richten sich bei der Kostenübernahme meist nach den Empfehlungen der STIKO. Da die Grippeimpfung von dieser bislang nur für Kinder mit Vorerkrankungen empfohlen wird, kommen viele Krankenkassen auch nur für diese auf. Einige Krankenkassen jedoch übernehmen die Kosten für die Grippeimpfung trotzdem vollständig oder anteilig. Informieren Sie sich vorher bei Ihrer Kasse.

Grippeimpfung für alle Kinder sinnvoll?

Auch in Zeiten von Corona empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut die Grippeimpfung für Kinder und Jugendliche im Herbst. Allerdings gilt diese Empfehlung nur für Kinder, die zur Risikogruppe für einen schweren Verlauf der Grippe gehören, also Grunderkrankungen haben.

Diese Ansicht teilen jedoch nicht alle Experten. So empfahl Johannes Hübner, Vorsitzender der Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, Eltern in einem Interview mit der WELT AM SONNTAG, ihre Kinder in diesem Jahr gegen Grippe impfen zu lassen: "Wir wissen, dass Kinder den Influenzavirus maßgeblich übertragen."

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn teilte laut der Zeitung mit, dass der Bund in diesem Jahr mehr Impfdosen besorgt habe. Jeder, der sich gegen Grippe impfen lassen wolle, solle dies auch tun können.

WHO empfiehlt Grippeimpfung für Kinder ab dem sechsten Lebensmonat

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt eine Schutzimpfung gegen Grippe für alle Menschen ab dem vollendeten sechsten Lebensmonat. Auch kleine Kinder hätten grundsätzlich ein erhöhtes Risiko, schwere Verläufe zu entwickeln, welches sich durch die Grippeimpfung erheblich reduziere.

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Risikogruppen impfen: Was die STIKO empfiehlt

Um zu verhindern, dass Grippewelle und Corona-Pandemie im kommenden Winter zusammentreffen, empfiehlt die STIKO aktuell nachdrücklich die Schutzimpfung gegen Grippe. Allerdings bislang nicht ausdrücklich für Kinder, sondern für Risikogruppen. Dazu gehören:

  • Kinder mit einer chronischen Grunderkrankung
  • Menschen, die aufgrund einer Vorerkrankung ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf der Grippe haben 
  • Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel
  • Menschen über 60 Jahre
  • Bewohner von Alten- und Pflegeheimen
  • Menschen aus dem engen persönlichen Umfeld chronisch Kranker, um diese zu schützen
  • ärztliches und medizinisches Personal

"Kokon-Strategie" für einige schwerkranke Kinder

Für schwer chronisch kranke oder immungeschwächte Kinder, die nicht geimpft werden können, empfehlen Experten die sogenannte Kokon-Strategie: Indem alle Erwachsenen und Geschwister, die mit dem Kind eng verbunden sind und viel zu tun haben, gegen Grippe geimpft werden, sinkt das Risiko des chronisch kranken Kindes, selbst an Grippe zu erkranken. Es entsteht eine Art sicherer Konkon.

Wirksamkeit der Grippeschutzimpfung

Wie wirksam eine Impfung gegen Grippe ist, hängt von den in der jeweiligen Saison häufig vorkommenden Influenzaviren ab. Da sich Grippeviren ständig verändern, wird die Immunisierung in jedem Jahr an die aktuell grassierenden Influenzaviren angepasst. Die Impfung muss für einen wirksamen Schutz erneuert werden.

Ihre Wirksamkeit entfaltet die Grippeimpfung durchschnittlich zehn bis 14 Tage nach dem Impfen. Ein Impftermin im Oktober oder November eines jeden Jahres, also vor Beginn der jährlichen Grippesaison, ist ratsam und bietet den höchsten Schutz.

Jedoch: Sowohl für Erwachsene als auch für Kinder bietet die Grippeimpfung keinen hundertprozentigen Schutz vor einer Infektion. Kommt es trotz Immunisierung zu einer Erkrankung, verläuft diese aber in der Regel deutlich milder als ohne Grippeimpfung.

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Grippeimpfung hat auch Nebenwirkungen

Trotz der guten Verträglichkeit können sich nach der Grippeimpfung auch Nebenwirkungen entwickeln:

  • Rötung und Schwellung an der Einstichstelle
  • allgemeines Krankheitsgefühl wie Übelkeit, Frieren, leichte Muskelschmerzen oder Müdigkeit

In den ersten Tagen nach der Injektion des Wirkstoffs sind solche Beschwerden normal. Sie werden als Impfreaktionen bezeichnet und entstehen durch die Aktivierung des Immunsystems.

Schwere Nebenwirkungen sind sehr selten und betreffen weniger als 1 von 10.000 geimpften Personen. Dabei zeigen sich allergische Reaktionen der Haut, Entzündungen der Bronchien oder eine vorübergehende Verringerung der Blutplättchen (Thrombozyten).

Die meisten Grippeimpfstoffe enthalten Hühnereiweiß, es steht aber auch ein hühnereiweißfreier Impfstoff für Allergiker zur Verfügung.

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