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Fünf Prozent aller Kinder betroffen

Dyskalkulie: Rechenschwäche erkennen

Schätzungsweise fünf Prozent aller Kinder in Deutschland leiden an Dyskalkulie. Durch die Rechenschwäche haben sie trotz normaler Intelligenz Probleme beim Erlernen grundlegender mathematischer Rechenfertigkeiten.

Dyskalkulie: Rechenschwäche erkennen
Kindern mit Dyskalkulie fällt der Umgang mit Zahlen schwer.
© iStock.com/Imgorthand

Die Dyskalkulie ist eine Teilleistungsstörung, genauso wie die Lese- und Rechtschreibstörung (Legasthenie). Eine Förderung betroffener Kinder sollte schon frühzeitig beginnen, am besten im Grundschulalter.

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Dyskalkulie: Test hilft bei der Diagnose

Eine Rechenschwäche wird durch Kinder- und Jugendpsychiater, -psychotherapeuten oder -psychologen mithilfe spezieller Tests diagnostiziert. Dabei ist auch die enge Zusammenarbeit mit Lehrern und Eltern entscheidend, um Fragen zu schulischen Leistungen, dem allgemeinen Entwicklungszustand (Körper, Motorik, Sprache) sowie der Lern- und Lebenssituation des Kindes zu klären.

Eine umfangreiche Diagnostik der Dyskalkulie ist deshalb so wichtig, weil die individuellen Ausprägungen bei der Therapie berücksichtigt werden müssen. Da die Mathematikleistung bei jüngeren Kindern zunächst noch schwankt, steigt die Diagnosesicherheit ab der zweiten Klasse.

Ein entscheidendes Kriterium im Rahmen der Diagnose von Dyskalkulie ist ein großer, recht auffälliger Unterschied zwischen dem Ergebnis eines Intelligenztests und dem Ergebnis eines Rechentests. Beim Test der Lese- und Rechtschreibfähigkeit zeigt ein betroffenes Kind durchschnittliche Ergebnisse.

Symptome der Dyskalkulie: Rechenschwäche erkennen

Kindern mit einer Rechenschwäche fällt es sehr schwer, die grundlegenden Konzepte der Mathematik zu begreifen. Sie sind nicht ausreichend in der Lage, Mengen zu erfassen und mit anderen Mengen zu vergleichen, sodass sie Fragen nach "weniger" oder "mehr" sowie "größer" oder "kleiner" nicht beantworten können. Dadurch ist es für sie sehr schwierig, die vier Grundrechenarten (Addieren, Subtrahieren, Dividieren, Multiplizieren) und darauf aufbauende Rechenfertigkeiten, wie zum Beispiel Bruchrechnen, zu erlernen.

Betroffene Kinder lernen und rechnen im Vergleich zu Mitschülern zunächst nur etwas langsamer, wodurch die Dyskalkulie in der ersten Klasse oft noch nicht auffällt. Mit fortschreitendem Unterrichtsstoff werden die Verständnisschwierigkeiten jedoch immer deutlicher und äußern sich insbesondere bei Zehner-Übergängen sowie beim Wechsel zwischen den Rechenarten.

Oft fällt es den Kindern auch schwer, sich vom Fingerrechnen zu lösen und mit Größen wie Gewicht, Geldbeträgen oder Zeit umzugehen. Textaufgaben können zum Teil gar nicht gelöst werden, da es Kindern mit Dyskalkulie häufig nicht gelingt, die Rechenaufgabe aus dem Text zu erschließen. Schwierigkeiten können auch bei der Übertragung von Zahlworten zu Ziffern (zum Beispiel "Sieben" und "7") bestehen.

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Ursachen der Dyskalkulie sind unklar

Es gibt verschiedene Erklärungsansätze zur Entstehung von Dyskalkulie. Neuropsychologische Untersuchungen deuten darauf hin, dass bei betroffenen Kindern für die Zahlenverarbeitung benötigte Teilbereiche des Gehirns verändert sind. Als weitere mögliche Ursachen kommen entwicklungspsychologische Störungen beim Erlernen von Symbolen, logischen Konzepten und Regelsystemen infrage.

Auch wenn es im individuellen Fall sehr schwierig sein mag, die genauen Ursachen herauszufinden, wichtig ist: Weder Eltern oder Lehrer noch die Kinder tragen die Schuld an der Entstehung einer Rechenschwäche.

Individuelle Förderung ist wichtig

Bei der Therapie der Dyskalkulie ist unbedingt zu beachten, dass vermehrtes Üben alleine keinen Erfolg bringt. Den Betroffenen fehlt das Grundverständnis für mathematische Aufgaben und dies lässt sich nicht einfach durch Fleißarbeit aufbauen. Eine Förderung sollte sich immer individuell an den jeweiligen Ausprägungen der Rechenschwäche orientieren. Im Ideallfall erfolgt sie interdisziplinär und so lange wie nötig. Ziel ist es, dass Betroffene selbstständig Schule, Ausbildung und Beruf ausüben können, ohne durch ihre Rechenschwäche beeinträchtigt zu sein. Je eher mit der Förderung begonnen wird, desto positiver wirkt sich das auf den Verlauf der Dyskalkulie aus.

Familie und Eltern sollen motivieren

Familie und Eltern müssen die Dyskalkulie als Problem akzeptieren und dürfen sie nicht als Schwäche oder Versagen betrachten. Denn sie müssen dem betroffenen Kind zeigen, dass es trotz der Lernschwierigkeiten beim Rechnen anerkannt und geschätzt wird. Eltern sollten darauf achten, ihr Kind für Teilerfolge zu loben, anstatt die Aufmerksamkeit auf die Defizite zu lenken. Ihre vorrangige Aufgabe ist es, dem Kind Selbstvertrauen zu geben und die Motivation zu wecken, die bestehenden Probleme langfristig und konsequent aufzuarbeiten.

Oft ist es sinnvoll, Kinder mit einer Rechenschwäche durch Außenstehende zu fördern. So lassen sich Druck und Frustration leichter vermeiden und die Erfolgsaussichten steigern. Das bedeutet nicht, dass Eltern ihrem Kind selbst nicht beim Üben helfen können, nur sollten alle unterstützenden Maßnahmen immer mit Therapeuten und Lehrern abgesprochen werden.

Hausaufgaben als fester Bestandteil des Tages

Es ist hilfreich, wenn die Hausaufgaben fester Bestandteil des Tagesablaufs sind und nach einer Pause möglichst bald im Anschluss an den Unterricht erledigt werden. Kinder sollten die Möglichkeit haben, ihre Hausaufgaben an einem ruhigen Ort mit wenig Ablenkung zu machen. Wichtig ist außerdem, dass die Hausaufgaben selbstständig erledigt werden. Dabei ist elterliche Hilfe und eine Durchsicht der Aufgaben nicht ausgeschlossen, generell sollten Kinder die Hausaufgaben als ihre eigene Angelegenheit verstehen.

Für Rechenaufgaben gilt: Die Aufgaben sollten den Fähigkeiten des Kindes angemessen sein. Aufgaben, für die noch das grundlegende Verständnis fehlt, führen nur zu Frustration und bringen Betroffene nicht weiter. Außerdem kann es sinnvoll sein, ein vom Erfolg unabhängiges Zeitlimit zu setzen. Wenn eine Aufgabe grundsätzlich nicht verstanden wird, führt auch eine längere und dadurch oft quälende Beschäftigung damit meistens nicht zum Erfolg.

Schule und Lehrer

Dyskalkulie gilt schulrechtlich als "Lernschwierigkeit". Da es keine bundesweit festgelegten Grundsätze zur Förderung von Kindern mit Rechenschwäche gibt, existieren nur in einigen Bundesländern Regelungen für Schulen und Lehrer. Diese können bei den Landesverbänden des Bundesverbands Legasthenie und Dyskalkulie e.V. eingesehen werden. Dort sind zudem Informationen zu außerschulischen und außerhäuslichen Förderungsmöglichkeiten zu finden.

Eltern sollten aufgrund der fehlenden und nicht einheitlichen Regelungen darauf achten, Kontakt mit den Lehrern zu halten und sich für ihr Kind stark zu machen. Mit einigen einfachen Maßnahmen kann so die Situation von betroffenen Kindern oft verbessert werden. Beispielsweise kann es hilfreich sein, wenn das Kind möglichst weit vorne und mit einem geraden Blick zur Tafel sitzt, damit es nicht so leicht abgelenkt wird und in engerem Kontakt mit dem Lehrer steht. Zudem sollten Kinder mit einer Rechenstörung nicht gezwungen werden, an der Tafel vorzurechnen, sondern nur sanft dazu ermutigt werden, dies gelegentlich freiwillig zu tun. Hilfreich ist es auch, wenn die Kinder von Lehrern für Teilerfolge gelobt werden. Außerdem können verschiedene Sonderregelungen wie individuell angepasste Hausaufgaben oder verlängerte Prüfungszeiten sinnvoll zu einer Förderung beitragen.

Förderprogramme für Kinder mit Dyskalkulie

Zahlreiche standardisierte Förderprogramme können Kinder mit Dyskalkulie dabei unterstützen, ihre mathematischen Fähigkeiten zu entwickeln. Sie lassen sich in der Regel dem Leistungsniveau individuell anpassen. Wichtig ist, dass betroffene Kinder individuell und nach Möglichkeit von erfahrenen Therapeuten und/oder Lehrern betreut werden, die ihnen ein grundsätzliches Verständnis für mathematisches Denken vermitteln können. Außerdem sollten mögliche bestehende psychische Probleme berücksichtigt und gegebenenfalls behandelt werden.

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Dyskalkulie Übungen

Es gibt verschiedene Übungen und Förderprogramme, die auch zu Hause mit dem Kind durchgearbeitet werden können. Im Wesentlichen sind dies Übungen zur Erweiterung des Zahlenraums, zur Symbolerarbeitung, Bearbeiten von Sachaufgaben und Übungen der Grundrechenarten. Es empfiehlt sich immer, die Übungen nicht auf eigene Faust zu beginnen, sondern sich im Vorfeld mit einem Experten abzustimmen, damit sie ins Gesamtkonzept der Förderung passen.

Verlauf der Rechenstörung

Eine Rechenstörung kann sich bereits im Vorschulalter bemerkbar machen, zum Beispiel wenn Kinder starke Schwierigkeiten haben "die Uhr zu lernen". In der Regel werden die Symptome aber erst beim Rechnen in der Schule deutlich. Kinder mit Dyskalkulie haben durch das fehlende Zahlenverständnis oft auch in anderen Fächern und im alltäglichen Leben große Schwierigkeiten. So können bestimmte Angaben wie Datum, Temperatur oder Himmelsrichtung nicht richtig verstanden oder eingeordnet werden. Auch die Orientierung anhand von Karten und Tabellen fällt betroffenen Kindern häufig sehr schwer.

Psychische Probleme

Kinder mit einer Rechenstörung haben oft psychische Probleme. Diese können sowohl vorhanden sein, bevor die Dyskalkulie auftritt, als auch in Folge der Störung entstehen. Möglich sind verschiedenste Auffälligkeiten wie Trauer, Angst, Mut- und Lustlosigkeit, Depressionen, innere Unruhe, Aggressivität oder Hyperaktivität (ADHS).

Dyskalkulie Nachteilsausgleich

Ein Nachteilsausgleich soll sicherstellen, dass für Betroffene trotz ihrer Störung Chancengleichheit im Bildungssystem besteht. Dieser Nachteilsausgleich gewährt Sonderregelungen im Rahmen des Unterrichts oder bei Klassenarbeiten. Betroffene Kinder erhalten dann zum Beispiel mehr Zeit für Klassenarbeiten oder sie erhalten im Unterricht modifizierte Fragestellungen. Für Eltern von Dyskalkulie betroffener Kinder ist die Schulleitung erste Anlaufstelle für die Beantragung eines Nachteilsausgleichs.

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