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Bettnässen (Enuresis)

Bettnässen (Enuresis)
Jungen sind doppelt so häufig von Bettnässen betroffen wie Mädchen
(c) iStockphoto/AGrigorjeva

Von Bettnässen (Enuresis) spricht man, wenn Kinder nach dem fünften Geburtstag mehrmals im Monat nachts oder tagsüber einnässen. Dabei dauert das nächtliche Trockenwerden meist länger als die vollständige Blasenkontrolle am Tag.

Im Allgemeinen lernen Kinder ab dem dritten Lebensjahr ganz von allein, ihre Blase zu kontrollieren. Erst tagsüber, dann mit der Zeit auch nachts. Eine besondere Sauberkeitserziehung ist dabei kaum wirksam und kann das Trockenwerden unter Umständen sogar verzögern.

Einnässen gehört zu den häufigsten Problemen des Kindesalters. Gut zehn Prozent aller Siebenjährigen haben damit zu kämpfen, Jungen etwa doppelt so häufig wie Mädchen. Etwa fünf Prozent aller Zehnjährigen machen nachts noch gelegentlich ins Bett.

Wenn Kinder in die Hose machen oder nachts einnässen, leiden sie und ihre Eltern oft sehr darunter. Druck, Spannungen und Scham- und Schuldgefühle sind häufig die Folge, wodurch das Selbstwertgefühl des Kindes enorm beeinträchtigt und das Problem verschärft werden kann. Es gibt jedoch eine Reihe von Maßnahmen, die Abhilfe schaffen können.

Ursachen für das Bettnässen

Kinderärzte unterscheiden die so genannte primäre von der sekundären Enuresis. Bei der primären Enuresis waren die Kinder noch nie über einen längeren Zeitraum trocken. Oftmals ist der Grund eine verzögerte körperliche neuronale Entwicklung, die sich mit der Zeit von selbst einstellt. Häufig funktioniert die Steuerung des Hormons Vasopressin nicht, das in der Nacht für eine verminderte Blasenfüllung sorgt.

Bei einer sekundären Enuresis nässen Kinder mit einem Mal wieder ein, obwohl sie bereits mehrere Monate lang "trocken" waren. Hintergrund sind oft einschneidende seelische Erlebnisse, also psychische Ursachen. Dies kann etwa die Geburt eines Geschwisterkindes oder die Trennung der Eltern sein.

Gelegentlich findet sich als Ursache des Bettnässens eine Harnwegsentzündung oder ein unentdeckter Harnwegsdefekt. Körperliche Ursachen sollten deshalb stets ausgeschlossen werden, bevor Maßnahmen gegen das Einnässen ergriffen werden.

Wie äußert sich das Bettnässen?

Jedes Kind muss die Blasenkontrolle erst lernen, um trocken zu werden. Bei den meisten Kindern geschieht dies zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr von allein. Trotzdem handelt es sich dabei um einen äußerst komplexen Vorgang.

Zum einen muss das schlafende Kind lernen aufzuwachen, wenn das Gehirn ihm signalisiert, dass seine Blase gefüllt ist. Bis es aufwacht, muss der Schließmuskel der Blase geschlossen halten. Zum anderen muss sein Hormonsystem die nächtliche Urinproduktion vermindern. Nicht zuletzt kräftigt sich erst allmählich die kindliche Beckenbodenmuskulatur, mit deren Hilfe die Blase kontrolliert werden kann.

Braucht ein Kind tagsüber keine Windel mehr, dauert es meist noch etwa fünf Monate, bis es auch nachts ohne auskommt. Viele Kinder brauchen jedoch deutlich länger. Diese Kinder haben meist einen besonders tiefen Schlaf. Außerdem ist der Meldereiz "volle Blase" bei ihnen noch schwach. Anstatt aufzustehen und die Blase auf der Toilette zu entleeren, öffnen sie im Schlaf den Schließmuskel ihrer Blase und wachen erst später durchnässt auf.

Ist ein Mangel des Hormons Vasopressin die Ursache, produzieren die Nieren in der Nacht unvermindert große Mengen Urin, sodass die kindliche Blase den Urin nicht mehr halten kann.

Eine sekundäre Enuresis kann neben seelischen Krisen auch die Folge einer Grunderkrankung sein, etwa einer Blasen- und Niereninfektion oder eines Diabetes mellitus Typ 1 (Zuckerkrankheit). In solchen Fällen klagen die Kinder entweder über deutliche Schmerzen beim Wasserlassen oder der Urin hat eine ungewöhnliche Farbe.

Bettnässen mit 5,6, 7 oder mehr Jahren

Kinder, die älter als fünf Jahre alt sind, mehrmals im Monat tagsüber oder nachts einnässen, bekommen die Diagnose "Bettnässen". Um das weitere Vorgehen zu planen, können sich an das Gespräch mit dem Kinderarzt verschiedene Untersuchungen anschließen, die möglichen körperlichen Ursachen des Einnässens, wie beispielsweise Fehlentwicklungen der Blase und der Harnröhre oder Nierenfunktionsstörungen, nachgehen. Aufschlussreich ist häufig auch eine Überprüfung der Urinproduktion. Zu diesem Zweck werden sowohl die tägliche Trink- als auch die über Tag und Nacht anfallende Urinmenge gemessen. So lässt sich eine mögliche Urinüberproduktion feststellen.

Was kann gegen das Bettnässen unternommen werden?

In den meisten Fällen würden bettnässende Kinder mit der Zeit von allein trocken, brächte man genügend Geduld auf. Doch leider kann das Bettnässen zu erheblichen seelischen Belastungen des Kindes und der ganzen Familie führen. In diesen Fällen können verschiedene Maßnahmen erwogen werden, die dem Kind beim Trockenwerden helfen.

Unangebracht und den Erfolg gefährdend ist es, die Kinder zu beschimpfen, ihnen zu drohen oder sie zu bestrafen. Kein Kind macht sich freiwillig nass. Ebenso wenig hilft es, dem Kind am Abend nichts mehr zu trinken zu geben oder es nachts regelmäßig aufzuwecken und es auf die Toilette zu setzen. Dadurch nimmt man ihm die Möglichkeit, die Signale einer vollen Blase richtig wahrzunehmen und zu einer notwendig unbewussten Blasenkontrolle im Schlaf zu kommen.

Bewährt haben sich folgende Maßnahmen:

  • Das Kind sollte gleichmäßig über den Tag verteilt genügend trinken. Da so die Hauptmenge der täglichen Flüssigkeitsaufnahme vor dem Abendessen erfolgt, wird die Blase nachts entlastet.
  • Zuckerhaltige Getränke wirken oft harntreibend, weshalb das Kind sie nur eingeschränkt trinken sollte.
  • Ein "Sonne und Wolken-Kalender" (für "trockene" und "nasse" Tage) kann in Verbindung mit einer Belohnung das Trockenwerden unterstützen. Einen solchen Kalender zu führen, sollte die freie Entscheidung des Kindes sein. Häufig ist das Trockenwerden aber keine Frage einer fehlenden Motivation des Kindes.
  • Ab dem fünften bis siebten Lebensjahr kann eine "Klingelhose" oder eine "Klingelmatte" Abhilfe schaffen. Sie geben beim nächtlichen Einnässen ein Signal und wecken das Kind auf, mit der Zeit bevor die Blase vollständig entleert ist.
  • Wenn diese Maßnahmen nicht greifen, kann der Einsatz von Hormonmedikamenten (z.B. Desmopressin und Vasopressin) erwogen werden, welche die nächtliche Urinproduktion drosseln.

Verlauf

Das Bettnässen kann nicht von einem Tag auf den anderen verschwinden. Wecksysteme müssen über einige Wochen eingesetzt werden und erfordern vom Kind ein hohes Maß an Kooperation. Ihre Wirksamkeit ist wissenschaftlich belegt. Innerhalb von vier Monaten werden etwa 60 Prozent der Kinder "trocken". Danach kann es gelegentlich zu Rückfällen kommen. Hier ist vom Kind und von den Eltern Geduld gefragt.

Medikamente sollten nach Möglichkeit nicht vor dem siebten Lebensjahr und nicht über einen längeren Zeitraum als drei Monate gegeben werden. Sie können die Harnproduktion reduzieren, ihre dauerhafte Erfolgsrate liegt mit 20 Prozent jedoch deutlich unter denen der Wecksysteme.

Wie kann man vorbeugen?

Vorbeugende Maßnahmen im engeren Sinn gibt es gegen das Bettnässen nicht, da sich die Reifeentwicklung eines Kindes nicht steuern lässt. Wichtig ist, keinen Druck aufzubauen und dem Kind keine Schuldgefühle zu bereiten. Ohne Druck entwickeln Kinder leichter mehr Eigenmotivation und lernen leichter, auf die Signale einer vollen Blase folgerichtig zu reagieren.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 02. November 2016
Quellen: Gontard, Alexander von; Lehmkuhl, Gerd: Ratgeber Einnässen. Informationen für Betroffene, Eltern, Lehrer und Erzieher. Hogrefe, Göttingen 2004 Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Köln: Wie bringe ich mein Kind trocken durch die Nacht? http://www.iqwig.de (Stand April 2008)

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