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Tiefgreifende Entwicklungsstörung

Autismus: Anzeichen frühzeitig erkennen

Autor: Viola Lex, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 10. Mai 2019

Autismus ist eine angeborene Entwicklungsstörung. Sie ist nicht heilbar, ihre Ausprägungen können aber durch eine frühe Diagnose und geeignete Therapiemaßnahmen positiv beeinflusst werden.

Autismus: Anzeichen frühzeitig erkennen
Kinder mit Autismus widmen sich beim Spielen oft Teilaspekten: Sie sind zum Beispiel nicht vom gesamten Spielzeugauto, sondern nur von den Rädern fasziniert
© iStock.com/filadendron
Artikelinhalte auf einen Blick:

Was ist Autismus?

Der Begriff Autismus bezeichnet eine angeborene, tiefgreifende Entwicklungsstörung des zentralen Nervensystems. Sie wird auch Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung genannt. Das Wort selbst leitet sich aus dem Griechischen ab: "autos" bedeutet "selbst". Umgangssprachlich werden Betroffene meist als "Autisten" bezeichnet, der Bundesverband autismus Deutschland e.V. weist aber darauf hin, dass es angemessener ist, von "Menschen mit Autismus", "Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen" oder "Menschen im Autismus-Spektrum" zu sprechen.

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Was sind Autismus-Spektrum-Störungen?

Die Ausprägungen von Autismus sind mannigfaltig und werden heute alle unter dem Begriff Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) zusammengefasst. Dazu zählen:

  • frühkindlicher Autismus
  • Asperger-Syndrom (AS)
  • atypischer Autismus
  • sonstige tiefgreifende Entwicklungsstörungen

Namensgeber des Asperger-Syndroms war der Wiener Kinderarzt Hans Asperger, der aufgrund seiner Vergangenheit im NS-Regime heute in der Kritik steht. "Autismus-Spektrum-Störungen werden von uns nur noch in frühkindlichen Autismus und hochfunktionalen Autismus unterschieden", so Maria Kaminski, Vorsitzende von autismus Deutschland e.V., dem Bundesverband zur Förderung von Menschen mit Autismus.

Häufigkeit und Vorkommen von Autismus

Es liegen keine Zahlen vor, wie häufig Autismus in Deutschland auftritt. Weltweit wird eine Häufigkeit der Autismus-Spektrum-Störungen von rund einem Prozent der Bevölkerung angenommen. Das männliche Geschlecht ist viermal häufiger betroffen als das weibliche. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen liegt eine intellektuelle oder geistige Behinderung vor.

Autisten – Menschen mit vielfältigen Besonderheiten

Kein Mensch mit Autismus gleicht dem anderen. Bedingt durch die gestörte, neurologische Entwicklung kann jede betroffene Person individuelle Auffälligkeiten in folgenden Bereichen zeigen:

  • soziale Interaktion
  • Kommunikation und Sprache
  • Verhaltensmuster, Interessen und Aktivitäten

Soziale Interaktion: "Menschen mit Autismus haben Schwierigkeiten, zwischenmenschliche Beziehungen wie Freundschaften aufzubauen und zu gestalten", sagt Kaminski. Der Grund: Autisten fehlt das Verständnis für die Gefühle ihres Gegenübers und das Einfühlungsvermögen. Blickkontakt oder das Deuten von sozialen Signalen wie ein beiläufiges Nicken, ein subtiles Lächeln oder das skeptische Runzeln einer Stirn ist für autistische Personen eine Herausforderung.

Kommunikation und Sprache: In Bezug auf die Sprache zeigt sich bei Menschen mit Autismus eine verzögerte Entwicklung:

  • Sprache entwickelt sich gar nicht oder erst sehr verzögert (zum Beispiel keine lallenden Laute vor dem ersten Lebensjahr)
  • Wörter werden stereotyp wiederholt (Echolalie)
  • eigene Wortkompositionen werden entwickelt (Neologismen)
  • Wörter werden monoton betont
  • Kinder können sich nicht oder erst spät mit "Ich" bezeichnen

Die Kommunikation mit autistischen Personen ist außerdem erschwert, weil sie körperliche Signale der Mimik, Gestik oder Haltung nicht wahrnehmen. Gleiches gilt für den Tonfall des Gegenübers. "Ironie, Witze, Sprichwörter oder Metaphern werden ebenfalls nicht oder anders verstanden", so Kaminski.

Stereotype, sich wiederholende Verhaltensmuster, Interessen und Aktivitäten: Um für Alltägliches wie Zähneputzen oder Anziehen Strategien zu entwickeln, sind autistische Menschen häufig auf Hilfe angewiesen. Gesammelte Erfahrungen können Autisten nur schwer auf neue Situationen übertragen. Viel Zeit verbringen sie mit dem ständigen Wiederholen gleicher Bewegungsabläufe (Stereotypien) – zum Beispiel hin und herschaukeln. "Menschen mit Autismus benötigen immer gleiche Abläufe, Rituale und eine feste Struktur", erklärt Kaminski. "Denn Veränderungen machen ihnen oft Angst". So können sie etwa darauf beharren, jeden Tag die gleichen Aktivitäten auszuführen. Autistische Menschen beschäftigen sich oft stundenlang mit bestimmten Teilaspekten – wie den Rädern eines Autos – und sind von technischen Geräten wie Ampeln, wissenschaftlichen Gebieten oder Ordnungssystemen wie Zahlen fasziniert. Bei Fällen des hochfunktionalen Autismus (Asperger-Syndrom) liegen erstaunliche Fähigkeiten in bestimmten Gebieten vor.

Weitere Besonderheiten: "Bei autistischen Menschen sind die Sinne viel sensibler", sagt Kaminski. Deshalb reagieren sie auf Geräusche, Licht, Berührungen oder Gerüche empfindlicher als andere. "Da Autisten die Eindrücke aus der Umwelt nicht filtern und einordnen können, entwickeln sie häufig Ersatzhandlungen. Wie zum Beispiel, dass ein autistisches Kind eine Wand abklopft, weil es dadurch versucht, eine andere Geräuschkulisse zu übertönen." Gelingt es nicht, die Sinneseindrücke zu verarbeiten, kommt es zu einer Überladung – dem sogenannten "Sensory Overload", der sich zum Beispiel in Form von Wutausbrüchen oder einem Fluchtversuch äußern kann. Das Schmerzempfinden gestaltet sich bei autistischen Personen ebenfalls vollkommen anders. Maria Kaminski nennt ein Beispiel: "Es ist möglich, dass ein Kind auf eine heiße Herdplatte fasst und dabei lacht, bei einer leichten Berührung am Arm aber sofort schreit." Zusätzlich kann eine Neigung zur Selbstverletzung vorliegen.

Ursachen von Autismus – bis heute nicht eindeutig geklärt

Zum aktuellen Stand der Forschung ist die Wissenschaft noch weit davon entfernt, eine einzelne Ursache oder auch ein bestimmtes Bündel an Ursachen für Autismus zu benennen. Es gibt allerdings einige Ursachen, die als gut belegt gelten:

  • Genetische Faktoren: Sie können entweder ererbt werden oder durch Keimbahnmutationen neu entstehen. Für Eltern, die bereits ein autistisches Kind haben, besteht das Risiko, dass auch ein Geschwisterkind wieder von Autismus betroffen ist. Wie hoch der Risikofaktor ist, richtet sich nach dem individuellen Fall. Weltweit wird ein Wiederholungsrisiko von zehn bis 20 Prozent angegeben. Ist jedoch der genetische Risikofaktor bekannt, kann das Wiederholungsrisiko im spezifischen Fall deutlich geringer ausfallen.

  • Früh wirksame Risikofaktoren in der Schwangerschaft: Dazu zählt eine Rötelninfektion oder die Einnahme von Antiepileptika während der Schwangerschaft.

In Untersuchungen wurden folgende Risikofaktoren ausgeschlossen – sie stehen demnach erwiesenermaßen nicht in Zusammenhang mit der Entstehung von Autismus-Spektrum-Störungen:

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Autismus-Symptome: Schon im frühen Kindesalter erkennbar

Bereits im ersten Lebensjahr lassen sich Anzeichen für Autismus erkennen, die meisten Symptome treten allerdings erst danach auf. "Im ersten Lebensjahr äußern sich Symptome für Autismus vor allem in der mangelnden Sprachentwicklung", erklärt Kaminski. Auch ein fehlendes soziales Spielinteresse kann meist schon früh beobachtet werden. Im zweiten Lebensjahr kommt es bei einem Drittel aller Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen zu einem Verlust der bereits erworbenen sprachlichen oder sozialen Fertigkeiten.

Autismus-Symptome, die sich noch vor dem dritten Lebensjahr bemerkbar machen können:

  • Das Kind hält keinen Blickkontakt,
  • verfolgt die Blickrichtung anderer Personen nicht,
  • zeigt nicht oder nur selten mit dem Finger auf etwas,
  • reagiert nicht oder nur abgeschwächt auf das Rufen seines Namens,
  • hat kein Interesse an "So tun als ob"-Spielen (Fantasiespielen),
  • bringt keine Gegenstände, um diese zu zeigen,
  • äußert auf Schmerzsignale anderer Menschen keine mimische Reaktion,
  • macht Rückschritte oder verliert bereits erworbene Sprachfähigkeiten oder Fähigkeiten der sozialen Interaktion.

Weitere mögliche Symptome für Autismus:

  • Kind schreit ungewöhnlich viel
  • Probleme beim Schlafen
  • Probleme beim Essen
  • Kind spielt lieber alleine
  • starke Erregbarkeit bei Veränderungen
  • seltsame Verhaltensweisen
  • fehlende Empathie
  • fehlende Fähigkeit des Imitierens
  • Kind widmet sich beim Spielen Teilaspekten
  • Probleme, eine gefüllte Blase oder einen gefüllten Darm zu registrieren
  • Symptome einer Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung

Diagnose: Erschwerter Befund bei hochfunktionalem Autismus

Die Diagnose von Autismus-Spektrum-Störungen gilt als besonders schwierig und fehleranfällig. Oft fallen die Symptome erst auf, wenn das Kind in den Kindergarten oder in die Schule kommt.

Zur Früherkennung von spezifischen Verhaltensauffälligkeiten kommt vor allem den sogenannten "U"-Untersuchungen als Vorsorge große Bedeutung zu. Auch "Frühe Hilfen", ein Unterstützungsangebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) für Kinder in den ersten drei Lebensjahren, sowie die Schuleingangsuntersuchungen stellen Möglichkeiten zur Früherkennung von Autismus dar. "Zum Glück sind Ärzte und Eltern heute viel sensibilisierter für das Thema als früher", so Kaminski. Wenn ein Kind anders reagierte oder sich seltsam verhielt, wurde dies in der Vergangenheit nämlich oft fehlgedeutet. "Das Verhalten interpretierte man als ausgeprägten Trotz oder es hieß einfach, Jungen würden sich eben später entwickeln und man solle Geduld haben. Heute wissen es die Fachärzte besser."

Um die Diagnose Autismus zu stellen, müssen verschiedene Kriterien erfüllt sein. Sie betreffen die drei Kategorien der Verhaltensbesonderheiten "soziale Interaktion", "Kommunikation" sowie "stereotypes und sich wiederholendes Verhalten". Liegt eine Autismus-Spektrum-Störung ohne Intelligenzminderung vor, wie es beispielsweise bei hochfunktionalem Autismus (Asperger-Syndrom) der Fall ist, ist die Diagnose besonders komplex. Denn in solchen Fällen können autistische Symptome von den Betroffenen aufgrund ihrer geistigen Fähigkeiten verdeckt werden.

Autismus-Test: Screening-Verfahren zur Diagnose

In Deutschland gibt es bisher keine systematischen Screenings auf Autismus. Das heißt: Tests werden nur bei Vorliegen von Risikofaktoren oder beim Auftreten von Symptomen durchgeführt. Zur Diagnose dienen den Kinder- und Jugendärzten folgende Instrumente:

  • diagnostisches, strukturiertes Interview mit dem Kind
  • Fragebögen, die von den Eltern auszufüllen sind
  • Checklisten – eine Mischung aus Fragebögen und Verhaltensbeobachtung

Liegt ein Verdacht vor, werden Eltern und Kind an eine spezialisierte Stelle überwiesen, in der weitere Untersuchungen vorgenommen werden. Zum Beispiel:

  • Verhaltensbeobachtung
  • körperliche Untersuchung (internistisch-neurologisch)
  • Sprachentwicklungstests

Auch der Differenzialdiagnose kommt eine bedeutende Rolle zu, denn einige psychische Erkrankungen weisen in ihrer Symptomatik Überlappungen mit Autismus vor. Außerdem kann Autismus von weiteren neurologischen Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen begleitet werden.

Im Laufe des Lebens erfolgt eine Verlaufsdiagnostik: Sie dient dazu, den jeweils aktuellen Entwicklungsstand zu beurteilen und neu aufgetretene Begleitstörungen zu erfassen.

Therapie: Behandlungsmöglichkeiten für Menschen mit Autismus

Eine frühe Diagnose und damit auch ein früher Therapiebeginn sind für die Förderung von autistischen Personen besonders wichtig. Ihre Entwicklung kann auf diese Weise positiv beeinflusst werden. "Die Therapie besteht in erster Linie aus zwei Bausteinen, der Verhaltenstherapie und dem Sozialtraining. Durch das Sozialtraining lernen Autisten, wie sie sich in der Öffentlichkeit oder in einer Gruppe verhalten sollen", sagt Kaminski. Welche Therapie erforderlich ist, richtet sich auch nach dem Alter und dem Schweregrad der autistischen Erkrankung. Zudem ist es von Bedeutung, ob Begleiterkrankungen vorliegen, die mitbehandelt werden müssen. Mittlerweile gibt es Autismus-Therapiezentren, die sich auf die individuelle Behandlung spezialisiert haben.

Folgende Therapien kommen bei Autismus infrage:

  • Verhaltenstherapie: In der Verhaltenstherapie werden die kognitiven (geistigen) Fähigkeiten geschult. Das Üben mit Autisten erfolgt in sehr vielen Wiederholungen und kleinen Schritten. Die Kinder lernen hier, wie sie sich verhalten sollten und vor allem, warum sie dies tun müssen. "Die Therapie sollte unbedingt zuerst in einer Einzeltherapie erfolgen und dann in eine Gruppentherapie übergehen", rät Kaminski. "Durch die Gruppentherapie wird die soziale Interaktion gefördert und späteren Problemen in Schule oder Beruf vorgebeugt." In einer solchen Therapie kann auch der Umgang mit Ärger und Wut erlernt werden.

  • Behandlung von Begleiterkrankungen: Liegen Angst- oder Zwangsstörungen vor, können diese ebenfalls in einer Verhaltenstherapie behandelt werden. Begleiterkrankungen erfordern eventuell eine medikamentöse Therapie – zum Beispiel, um Depressionen zu lindern, Hyperaktivität zu verbessern oder Aggressionen zu mindern.

  • Sonstige Therapien: Eine Sprachtherapie (Logopädie) dient sowohl dazu, die Grundfertigkeiten der Sprache zu erlernen als auch, Sprache passend zu einer Situation einzusetzen. Bei einer Ergotherapie wird die Feinmotorik geschult. Die Wirkung von Kunst- oder Musiktherapien ist bisher wissenschaftlich nicht belegt. Aktuell wird erforscht, ob die Gabe des körpereigenen Botenstoffs Oxytocin Einfluss auf die Therapie von Menschen mit Autismus haben könnte.

Verlauf und Komplikationen: Autismus ist nicht heilbar

Die Ausprägungen von Autismus-Spektrum-Störungen können zwar verbessert werden, dennoch bleiben sie ein Leben lang erhalten. Dabei warten in jeder Entwicklungsphase neue Herausforderungen der sozialen Interaktion, die gemeistert werden müssen. Menschen mit Autismus sind zwar auf Hilfe angewiesen, wie stark ist individuell aber unterschiedlich. Begabte autistische Personen können daher durchaus Erfolge in Schule, Studium und Beruf erzielen. Mehr noch: Oft sind sie aufgrund ihrer ausgeprägten Sonderinteressen wie zum Beispiel ihrer Merkfähigkeit wahre Spezialisten auf ihrem Gebiet. Diese Fähigkeiten werden auch als Inselbegabungen bezeichnet.

Komplikationen können vor allem in Form von Begleiterscheinungen auftreten. Es gibt Betroffene, die später eine Epilepsie entwickeln, bei denen Tic-Störungen auftreten oder die an Phobien, Schlaf- oder Essstörungen leiden. Solche Begleiterkrankungen können therapiert werden.

Mit Autismus in Schule, Studium und Beruf

Autistische Menschen können an einem normalen Alltag in Schule, Studium und Beruf teilhaben, wenn die Bedingungen auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. "Jeder Mensch hat das Recht auf Bildung", bekräftigt Kaminski. Ein Problem stellt meist nur das Unwissen der anderen Personen dar: Autistische Verhaltensweisen werden nicht verstanden und es kommt zu Verunsicherungen und Missverständnissen.

  • In der Schule: Kinder mit Autismus benötigen einen festen Rahmen, auf den sie sich verlassen können. Das heißt, die personellen, räumlichen und zeitlichen Bedingungen müssen so eindeutig und konstant wie möglich gehalten werden. Die autistischen Kinder sollen in einer vertrauten und reizarmen Umgebung lernen, sich in Pausenzeiten an einen verlässlichen Ort zurückziehen können und Hilfe bei der Orientierung auf dem Schulgelände erhalten. Ihnen wird zudem ein sogenannter "Nachteilsausgleich" gewährt. Dies kann unter anderem die Verlängerung der Bearbeitungszeit einer Schulaufgabe sein, der Gebrauch von unterstützenden Kommunikationsmitteln oder eine Assistenz durch einen Schulbegleiter. Kinder mit Autismus können je nach ihrer Leistung prinzipiell alle Schulabschlüsse erreichen. "Es ist wichtig, dass Lehrer gut geschult sind, Mitschüler und auch die Eltern der Klassenkameraden über das Erscheinungsbild des Autismus aufgeklärt werden", rät Kaminski.

  • Im Studium: Gerade die Abläufe in Universitäten stellen für Autisten eine Herausforderung dar: Das Studium erfordert ein hohes Maß an Selbstorganisation, die Vorlesungen finden in wechselnden Räumlichkeiten statt und in der Mensa herrscht eine laute Geräuschkulisse. Doch auch für den Besuch einer Universität gibt es Möglichkeiten der Assistenz sowie den Nachteilsausgleich. "Wir von autismus Deutschland e.V. stellen außerdem Leitfäden für Universitäten zur Verfügung, mit dessen Hilfe sich die Einrichtungen auf solche Studentinnen und Studenten vorbereiten können", so Kaminski.

  • Im Beruf: Auch auf dem Arbeitsmarkt ist es wichtig, Chefs und Kollegen einzubeziehen und ihnen die Besonderheiten von Autismus zu erklären. Ein abgeschirmter Arbeitsplatz oder feste Pausenzeiten können für Autisten als struktureller Rahmen ausgesprochen hilfreich sein. "Darüber hinaus sollten Arbeitgeber aber auch die Vorteile sehen und den Mut haben, Menschen mit Autismus einzustellen. Denn sie sind pünktlich, korrekt, verlässlich und bringen wertvolle Eigenschaften mit, zum Beispiel für spezielle Arbeiten im Labor oder Archiv", sagt Kaminski. Je nach individuellem Interesse ist jedoch jeder Beruf denkbar.

Hilfe für Eltern: Unterstützung zum Umgang mit Autismus

Eltern, die den Verdacht hegen, ihr Kind könnte autistische Züge aufweisen, sollten dies äußern: Gehen Sie zum Kinderarzt oder Kinderpsychologen und beschreiben Sie die Symptome. Die Diagnose Autismus ist für Eltern erst einmal ein Schock: Nehmen Sie alle Hilfemöglichkeiten in Anspruch, die Ihnen bei der Bewältigung helfen und Ihnen zeigen, wie Sie Ihren familiären Alltag gestalten.

"Ich empfehle Eltern, ihre Kinder zu den Therapien zu begleiten. Auf diese Weise lernen sie selbst sehr viel", schlägt Kaminski vor. "Zum Beispiel, wie man in der Familie Strukturen schafft, Abläufe in Form von Piktogrammen oder Ähnlichem vermittelt und Veränderungen mit wenigen Worten eindeutig verständlich erklärt." Selbsthilfegruppen sind für Eltern ebenfalls sehr hilfreich: Hier können sie sich mit anderen Eltern über die Erfahrungen mit ihren autistischen Kindern austauschen. "Diese Eltern verstehen einen oft am besten, wodurch ein spezieller Zusammenhalt entsteht und sich ganz neue, unterstützende Freundschaften ergeben", sagt die Expertin.

Wer Hilfe sucht, findet auf der Website von autismus Deutschland e.V. Informationen sowie Adressen zu den Regionalverbänden in der Nähe. "Zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren", bittet die Vorsitzende. "Wir bieten Hilfe zu allen Sorgen und Fragen und können auf Wunsch auch juristisch zu rechtlichen Belangen beraten."

Autor: Viola Lex, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 10. Mai 2019
Medizinische Qualitätssicherung: Maria Kaminski, Vorsitzende von autismus Deutschland e.V., dem Bundesverband zur Förderung von Menschen mit Autismus
ICD-Codes für diese Krankheit: F84.0-F84.9
Quellen
Beiträge im Forum "Babyernährung"
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