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Freitag, 22. Juni 2018
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Antibiotikaresistenz bei Kindern

Antibiotikaresistenz kommt bei Kindern immer häufiger vor. Verursacht wird sie durch den massenhaften und unsachgemäßen Einsatz von Antibiotika. Er führt dazu, dass immer mehr Bakterien gegen Antibiotika resistent werden. Nur noch wenige Antibiotika können gegen resistente Bakterien eingesetzt werden.

Antibiotikaresistenz bei Kindern
Antibiotikaresistenz bei Kindern ist nicht zu unterschätzen, da das kindliche Immunsystem sich noch entwickelt
iStock/Steve Debenport

Antibiotika gehören seit der Entwicklung des Penicillins im Jahr 1928 zu den wichtigsten Wirkstoffen unserer Zeit. Kaum jemand mag sich vorstellen, wie es ohne diese wirkungsvollen Medikamente wäre. Mit Antibiotika können heute Erkrankungen bekämpft werden, die früher mit hoher Wahrscheinlich zum Tode geführt oder nachhaltige gesundheitliche Probleme verursacht hätten. In den letzten Jahren entwickelten sich jedoch zunehmend Antibiotikaresistenzen - nicht nur bei Kindern.

Wie entsteht eine Antibiotikaresistenz bei Kindern?

Bakterien sind lebendige Organismen, die sich vermehren, weiterentwickeln und an ihre Umwelt anpassen. Den menschlichen Körper bevölkern viele verschiedene harmlose und oft auch lebenswichtige Bakterien (z.B. die "guten Darmbakterien"). Aber auch krankmachende Bakterien können auf verschiedenen Wegen in den Körper gelangen. Antibiotika sind Wirkstoffe, die Bakterien abtöten und deshalb unersetzbar bei der Bekämpfung schwerer Erkrankungen sind.

Sie schwächen bzw. bekämpfen Bakterien, sodass diese absterben. Aber nicht immer sind auch wirklich alle schädlichen Bakterien restlos verschwunden. Sie vermehren sich weiter und geben ihre "Erfahrungen" mit dem Antibiotikum an ihre "Nachkommen" weiter.

Jedes Mal, wenn Antibiotika eingesetzt werden, "verbrauchen" sie sich dadurch. Das ist im Grunde ein ganz normaler Prozess, der aber durch die massenhafte und oft unnötige Einsetzung von Antibiotika weltweit in einem enormen Tempo beschleunigt wird.

Eine Antibiotikaresistenz bei Kindern ist deshalb so bedenklich, weil das Immunsystem von Kindern noch nicht so gut entwickelt ist wie das von Erwachsenen. Das Gleiche gilt für Menschen, deren Immunsystem aufgrund einer Grunderkrankung geschwächt ist. Auch ältere Menschen und Schwangere verfügen nicht (mehr) über die hundertprozentige Kraft ihres Abwehrsystems.

Was tun bei Antibiotikaresistenz?

Forscher arbeiten fieberhaft daran, Antibiotikaresistenzen zeitnah zu erkennen, um vor allem bei schweren Erkrankungen schneller reagieren zu können. Bislang wird dann häufig "auf Verdacht" mit einem anderen Antibiotikum behandelt. Das fördert aber wiederum die Antibiotikaresistenz von Bakterien.

Am schnellsten bei der Feststellung von Antibiotikaresistenzen sind Gentests: Dabei wird im Erbgut der Bakterien nach der dafür verantwortlichen Mutation gesucht. Das setzt aber voraus, dass der Arzt auch weiß, nach welchen Genen er suchen muss.

Schwedische Forscher haben nun einen Schnelltest entwickelt, der in Arztpraxen unkompliziert durchgeführt werden kann. In Studien wurde die Unempfindlichkeit eines Harnwegsinfektionen verursachenden Bakteriums auf ein Antibiotikum innerhalb von 30 Minuten zuverlässig erkannt. Wann der Schnelltest großflächig zum Einsatz kommen wird, ist bislang aber unklar.

Bakterien werden zunehmend unempfindlich gegen Antibiotika

Antibiotikaresistenzen nehmen weltweit zu. Dabei ist es wichtig, sich klarzumachen, dass nicht der Mensch antibiotikaresistent wird, sondern die Bakterien, die eine Krankheit in ihm auslösen.

Manche Bakterien schaffen es sogar, gegen mehrere Antibiotika Resistenzen zu entwickeln. Diese Bakterien sind besonders tückisch. Man nennt sie multiresistente Bakterien. Gegen sie helfen oft nur noch Reserveantibiotika. Reserveantibiotika werden in Krankenhäusern besonders selektiv eingesetzt, damit sie wirken können, wenn andere Antibiotika nicht mehr helfen. Doch auch die Reserveantibiotika werden zunehmend unwirksam, weil sie immer häufiger eingesetzt werden müssen und daher auch gegen sie schon Resistenzen entstehen.

Ein großes Problem und Mitverursacher von Antibiotikaresistenzen ist der Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung. Obwohl streng geregelt, werden immer noch vorsorglich und in rauen Mengen Antibiotika gegeben, um den Tierbestand zu schützen. Zum einen fördert dieser großflächige Einsatz natürlich Resistenzen, zum anderen können aber auch resistente Keime über tierische Lebensmittel (Milch, Fleischwaren) zum Menschen gelangen.

Antibiotika sind wichtig, werden aber oft falsch eingesetzt

Die Verschreibung von Antibiotika ist wichtig und häufig unerlässlich - allerdings nicht für jede Erkrankung. Denn Antibiotika wirken nur gegen Bakterien, nicht gegen Viren. Die Bandbreite für ihre Anwendung ist riesengroß.

Doch lange Zeit wurden Antibiotika auch viel zu häufig verschrieben. Das geschieht teilweise immer noch und führt zu Antibiotikaresistenzen – nicht nur bei Kindern. In vielen Ländern kann man Antibiotika sogar rezeptfrei kaufen. Auch bei uns verschreiben manche Ärzte "zur Sicherheit" Antibiotika, auch wenn noch gar nicht klar ist, ob es sich bei einem Erreger um Viren oder Bakterien handelt.

Warum ist Antibiotikaresistenz so gefährlich?

Bakterien sind lebende Organismen, die ihre Eigenschaften weitervererben, wenn sie sich vermehren. Gegen eines oder mehrere Antibiotika resistente Bakterien vermehren sich oft auch besonders gut, da sie gegenüber anderen, nicht resistenten Bakterien, einen entscheidenden Überlebensvorteil haben. Je mehr Antibiotika verordnet werden, desto besser ist das "Klima" für antibiotikaresistente Bakterien: Während die anderen Bakterien sterben, können sie sich immer stärker ausbreiten.

Antibiotikaresistenz ist kein Problem, das auf nationaler Ebene gelöst werden kann. Schließlich achten Bakterien nicht auf Staatsgrenzen oder Staatsangehörigkeit. Sie verbreiten sich ganz unabhängig davon.

Seit 2015 arbeiten die Mitgliedstaaten der WHO (World Health Organization/Weltgesundheitsorganisation) an einem internationalen Aktionsplan zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen. Unter anderem sieht der Plan vor, in den Ländern eine Verschreibungspflicht durchzusetzen (besteht in Deutschland bereits) sowie in die Erforschung neuer Antibiotika zu investieren.

Sinnvoller Einsatz von Antibiotika gegen Antibiotikaresistenz bei Kindern

Entscheidend für die sichere Anwendung von Antibiotika und die Vorbeugung von Antibiotikaresistenzen ist ihr sachgemäßer Einsatz. Dabei gilt der häufig verwendete medizinische Grundsatz:

"So wenig wie nötig, aber so gezielt wie möglich"

heute mehr denn je:

  • Antibiotika wirklich nur gegen bakterielle Infektionen einsetzen.
  • Auf richtige Dosierung, regelmäßige Einnahme und verordnete Einnahmedauer achten.
  • Antibiotika immer nach Anweisung des Arztes einnahmen und die Behandlung nicht früher abbrechen.
  • Antibiotika nicht "vorsorglich" einnehmen.

Eine Studie aus dem Jahr 2014 verglich fünf europäische Länder (Großbritannien, Niederlande, Dänemark, Italien und Deutschland) hinsichtlich der Verschreibungspraxis von Antibiotika für Kinder. Dabei zeigte sich: In den Niederlanden werden von Kinderärzten mit Abstand am seltensten Antibiotika verordnet (nur etwa ein Drittel des "Spitzenreiters" Italien). Dort hat sich seit Jahren ein großes Problembewusstsein für die Bildung von Antibiotikaresistenzen etabliert.

Am häufigsten verschrieben die Kinderärzte Antibiotika übrigens an Kinder unter vier Jahren - ein Alter, indem Kinder meist ohnehin häufig krank sind. Experten kritisieren, dass vor allem bei Mittelohrentzündungen oder Atemwegsinfektionen, häufig durch Viren verursacht, Antibiotika verordnet werden, was Antibiotikaresistenzen fördere.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 21. Februar 2018
Quellen: Online-Informationen von BMC Pediatrics: Systemic antibiotic prescribing to paediatric outpatients in 5 European countries: a population-based cohort study (Stand: Februar 2014); Online-Informationen des Bundesministerium für Gesundheit: www.bundesgesundheitsministerium.de (Stand: November 2017); Online-Informationen des Bundesinstitut für Risikobewertung: www.bfr.bund.de (Stand: August 2016); Ärzteblatt: Test erkennt Antibiotikaresistenz in 30 Minuten. www.aerzteblatt.de (Stand: August 2017)

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