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Kinderlähmung (Poliomyelitis)

Autor: Peter Gelhard / Miriam Funk
Letzte Aktualisierung: 12. Dezember 2017

Die Kinderlähmung (Poliomyelitis) ist eine hochansteckende meldepflichtige Viruserkrankung. Sie kommt nur beim Menschen vor. Aufgrund flächendeckender Impfungen gilt Deutschland wie die gesamte europäische Region seit 2002 offiziell als poliofrei, so benannt nach den verursachenden Poliomyelitis-Viren.

Kinderlähmung
Die erste Impfung gegen Kinderlähmung (Polio) wird in den ersten Lebensmonaten durchgeführt
Getty Images/iStockphoto

Auch im gesamten amerikanischen Kontinent (seit 1994) sowie im westpazifische Raum (seit 2000) besteht praktisch keine Ansteckungsgefahr mehr.

In Deutschland werden die meisten Kinder nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission routinemäßig mit inaktiven Polio-Vakzinen (IPV) ab dem dritten Lebensmonat geimpft. Reisende in Länder, in denen die Kinderlähmung noch verbreitet ist, sollten ihren Polio-Impfschutz unbedingt auffrischen oder sich erstmals impfen lassen.

Ursachen der Kinderlähmung: Infektionswege der Krankheit

Ursache der Kinderlähmung ist eine Infektion mit Poliomyelitis-Viren. Übertragen wird die Krankheit vor allem durch fäkal-orale Schmierinfektionen. Das heißt, die Erreger gelangen über virushaltigen Kot in den Mund der Betroffenen. Da sich die Viren zunächst im Rachenraum der Infizierten vermehren, können Poliomyelitis-Viren kurz nach der Infektion auch per Infektionskrankheiten (über die Luft) übertragen werden.

Unzureichende hygienische Verhältnisse, insbesondere mangelhafte Handhygiene, begünstigen die Ausbreitung der Poliomyelitis-Viren.

Die Zeit zwischen Ansteckung und dem Auftreten erster Krankheitssymptome beträgt im Allgemeinen drei bis 35 Tage. Infizierte sind so lange ansteckend, so lange sie Viren mit dem Kot ausscheiden, was mehrere Wochen und länger dauern kann.

Symptome: Wie äußert sich die Kinderlähmung?

In mehr als 95 Prozent aller Fälle sind die Symptome der Kinderlähmung aufgrund der körpereigenen Bildung von neutralisierenden Antikörpern so gering, dass die Infektion unbemerkt bleibt. In den restlichen Fällen kann die Kinderlähmung einen unterschiedlich schweren Verlauf nehmen. Im Allgemeinen befallen Poliomyelitis-Viren die muskelsteuernden Nervenzellen des Rückenmarks, sodass Betroffene unter Lähmungserscheinungen vor allem im Bereich der Schultern und in den Beinen leiden und im schlimmsten Fall sogar sterben.

Unterschieden werden insgesamt drei typische Krankheitsverläufe:

  • Bei der abortiven Poliomyelitis kommt es innerhalb von sechs bis neun Tagen zu grippeähnlichen Symptomen wie Fieber bei Kindern, Übelkeit, Hals- Glieder- und Kopfschmerzen. Infizieren die Poliomyelitis-Viren auch das Zentralnervensystem, kommt es entweder zu einer nichtparalytischen oder (seltener) zu einer paralytischen Poliomyelitis.
  • Bei der nichtparalytischen Poliomyelitis, auch aseptische Meningitis (eine Form der Hirnhautentzündung (Meningitis)) genannt, kommt es nach weiteren drei bis sieben Tagen zu erneutem Fieber sowie zu einer ausgeprägten Nackensteife, Rückenschmerzen und Muskelkrämpfen.
  • Im anderen Fall entwickelt sich eine paralytische Poliomyelitis, aus der neben schweren Rücken-, Nacken- und Muskelschmerzen rasch fortschreitende Lähmungserscheinungen hervorgehen. Sie treten häufig asymmetrisch auf und betreffen vor allem die Arm, Brust-, Bauch und Augenmuskeln.

In vielen Fällen bilden sich die Lähmungen nach etwa einer Woche allmählich zurück. Etwa die Hälfte der Betroffen behält mehr oder weniger schwere Muskelschäden zurück. Folgeerscheinungen können auch noch viele Jahre nach der Erstinfektion auftreten.

Kinderkrankheiten und ihre typischen Beschwerden

Wie wird die Kinderlähmung festgestellt?

Poliomyelitis-Viren werden am besten durch die Untersuchung von Stuhlproben nachgewiesen. Möglich ist in frühen Stadien auch der Nachweis durch Rachenabstriche oder später mittels einer Punktion von Rückenmarkflüssigkeit.

Die Behandlung der Kinderlähmung

Eine Behandlung, die sich gegen die Poliomyelitis-Viren selbst richtet, gibt es bis heute nicht. Die Therapie konzentriert sich daher darauf, mögliche Beschwerden zu lindern. In vielen Fällen sind nach überstandener Infektion jahrelange physiotherapeutische und orthopädische Behandlungen notwendig.

Verlauf von Kinderlähmung

In der deutlich überwiegenden Mehrzahl der Fälle äußert sich die Infektion mit Poliomyelitis-Viren lediglich wie ein grippaler Infekt. Zudem kann der Krankheitsverlauf jederzeit stoppen, sodass am Ende nur ein bis zwei Prozent der Infizierten von Lähmungserscheinungen betroffen sind. Für ungeschützte Kinder ist die Kinderlähmung besonders gefährlich, da sie bei ihnen eher schwere Verläufe nimmt. Die Rückbildung der Symptome kann durch intensive Physiotherapie effektiv unterstützt werden.

Kinderlähmung: Impfung zur Vorbeugung

Die wirksamste Vorbeugung gegen die Kinderlähmung ist ein ausreichender Impfschutz. Die Impfung wird mit inaktivierten Polio-Vakzinen (IPV) durchgeführt und hat selten Nebenwirkungen, die in der Regel nur schwach ausgeprägt sind. Meist in Kombination mit anderen Impfstoffen werden laut aktuellem Impfkalender für Kinder und Jugendliche für Kinder und Jungendliche im ersten Lebensjahr insgesamt drei Dosen gespritzt, zu Beginn des zweiten Lebensjahrs eine weitere. Zwischen dem neunten und 17. Lebensjahr wird eine Auffrischung empfohlen. Danach gelten Geimpfte als vollständig immunisiert.

Noch nie oder unzureichend geimpfte Erwachsene können die Grundimmunisierung nachholen. Das gilt insbesondere dann, wenn sie in Regionen mit hohem Polio-Infektionsrisiko reisen oder mit Menschen zusammen arbeiten, die aus Ländern mit hohem Polio-Infektionsrisiko eingereist oder eingewandert sind.

Zerebrale Kinderlähmung: Ursachen, Symptome, Behandlung

Bei der zerebralen Kinderlähmung handelt es sich einen Sammelbegriff für Bewegungsstörungen, die durch Schädigungen des frühkindlichen Gehirns auftreten. Solche Schäden können bereits im Mutterleib durch Schwangerschaftskomplikationen entstehen, durch einen Sauerstoffmangel bei der Geburt oder Hirnblutungen im Neugeborenenalter – also während entscheidenden Entwicklungsphasen des Gehirns. Unter dem Begriff „zerebrale Kinderlähmung“ werden verschiedene Ausprägungen zusammengefasst. Am häufigsten kommt es zur sogenannten Spastik – einer Behinderung, bei der die Muskelspannung zu hoch und das Bewegungsausmaß eingeschränkt ist.

Welche Form der zerebralen Kinderlähmung auftritt, hängt von dem Zeitpunkt der Entstehung des Hirnschadens sowie den betroffenen Hirnregionen ab. Alle Ausprägungen haben gemeinsam, dass sie Einfluss auf die motorische Entwicklung des Kindes nehmen. Diese zeichnen sich durch eine verzögerte Entwicklung, Auffälligkeiten in Körperspannung und Bewegungskoordination aus, bei der alle Regionen – zum Beispiel Arme, Beine und Sprache – betroffen sein können. Auch Epilepsien (zerebrale Krampfanfälle) sind möglich. Bei den Hirnschädigungen handelt es sich um bleibende Störungen. Durch Übungen (z. B. Krankengymnastik) oder logopädische Behandlungen wird versucht, eine Verbesserung der Auswirkungen zu erzielen.

Autor: Peter Gelhard / Miriam Funk
Letzte Aktualisierung: 12. Dezember 2017
Quellen

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