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Erhöhte Thromboseneigung

Thrombophilie: Blutgerinnung aus dem Gleichgewicht

Autor: Christian Fiala, Medizinautor / Miriam Funk, Medizinredakteurin
Letzte Aktualisierung: 25. April 2019

Als Thrombophilie wird eine erhöhte Neigung zu Thrombosen bezeichnet. Welche Ursachen sie hat, welche Komplikationen auftreten können und ob eine Schwangerschaft trotz Thrombophilie bedenkenlos möglich ist.

Thrombophilie
Um das Risiko einer Thrombophilie (erhöhte Thromboseneigung) zu reduzieren, sollten auch Schwangere auf ausreichend Bewegung achten
© iStock.com/becon
Artikelinhalte auf einen Blick:

Was ist Thrombophilie?

Die Thrombophilie wird umgangssprachlich auch "Thromboseneigung" genannt. Sie bezeichnet also den Umstand, dass eine erhöhte Anfälligkeit für Thrombosen in den Blutgefäßen (Venen und Arterien) vorliegt. Als Thrombosen werden Blutgerinnsel bezeichnet, die vor allem in den Venen der Beine und des Beckens auftreten und ein Blutgefäß verschließen. Sie treten infolge eines verlangsamten Blutflusses und einer gesteigerten Neigung zur Blutgerinnung auf.

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Ursachen einer Thrombophilie

Verschiedene Ursachen führen zu Thrombophilie, sie können angeboren oder erworben sein.

  • Angeborene Thrombophilie: Die angeborene Thromboseneigung ergibt sich aus vererbten Genmutationen. Bei dieser Form treten innerhalb einer Familie Thrombosen häufiger auf. Häufige Ursachen für eine angeborene Thrombophilie sind die sogenannten Faktor-V-Leiden-Mutationen, Mangel an Antithrombin III, Mangel an Protein C oder S oder das Antiphospholipid-Syndrom (APS).

  • Erworbene Thrombophilie: Die erworbene Thrombophilie entsteht erst im Laufe des Lebens. Mit dem Alter unterliegt der Körper gewissen Verschleißerscheinungen, so können sich Gefäßinnenwände verändern und den Blutfluss beeinträchtigen. Auch Gefäßerkrankungen, wie ein Aneurysma, können zu Thrombophilie führen. Bettlägerigkeit und Immobilität, Übergewicht und hormonelle Verhütungsmittel steigern ebenfalls die Thromboseneigung. Auch Gerinnungsstörungen wie ein Protein-C- und ein Protein-S-Mangel können erst im Laufe des Lebens erworben werden, zum Beispiel durch eine HIV-Infektion oder eine Chemotherapie.

Risikofaktoren für eine erworbene Thrombophilie im Überblick:

  • Immobilität (zum Beispiel durch ein gebrochenes Bein)
  • Bettlägerigkeit (zum Beispiel nach Operationen)
  • Nikotinkonsum
  • Übergewicht
  • Östrogeneinnahme (zum Beispiel Anti-Baby-Pille oder Hormontherapie aufgrund der Wechseljahre)
  • Schwangerschaft (insbesondere bei Mehrlingsschwangerschaften oder Übergewicht)
  • Wochenbett
  • Krebserkrankungen
  • Krampfadern
  • höheres Lebensalter

Thrombophilie durch die Pille?

Die Anti-Baby-Pille enthält Gestagene und Östrogene. Hormonelle Verhütungsmittel erhöhen das Thromboserisiko bei jungen Frauen deutlich – vor allem, wenn sie zusätzlich rauchen. Bei Thrombophilie dürfen Frauen keine östrogenhaltigen Verhütungsmittel anwenden. Bei erhöhter Thromboseneigung kann der behandelnde Gynäkologe andere Verhütungsmittel empfehlen.

Symptome der Thrombophilie

Eine Thrombophilie fällt meist erst im Rahmen der Untersuchung einer Thrombose, Embolie oder nach wiederholten Fehlgeburten auf. Bestimmte Ereignisse können darüber hinaus auf eine Thrombophilie hinweisen:

  • Thrombose im jüngeren Alter (unter 45 Jahre)
  • wiederholtes Auftreten von Thrombosen
  • positive Familienanamnese (Fälle von Thrombophilie innerhalb der Familie)
  • Spontanthrombosen
  • Thrombosen an ungewöhnlichen Körperstellen (außerhalb des Bein-Becken-Bereiches)
  • Fehlgeburten mit unklarem Grund

Die Symptome einer Thrombose selbst sind:

  • Schmerzen im Bereich des Gefäßverschlusses (meist im Bein- oder Beckenbereich)
  • Schwellung des betroffenen Bereiches
  • Veränderung der Haut unterhalb des Gefäßverschlusses (blass-rötlich, "marmoriertes" Aussehen)

Diagnose der Thrombophilie

Eine angeborene Thrombophilie kann mittels genetischer Untersuchungen nachgewiesen werden. Über Blutplasmauntersuchungen im Labor können Gerinnungsstörungen erkannt werden. Bei einer Thrombophilie sind bestimmte Risikofaktoren, die sogenannten Thrombophiliemarker, mittels Blutuntersuchung messbar.

Eine Thrombose selbst lässt sich vergleichsweise leicht diagnostizieren. Nach dem Sichtbefund kann eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) helfen, eine Thrombose zu erkennen.

Ist ein Thrombophilie-Screening sinnvoll?

Das Thrombophilie-Screening oder Thrombophilie-Prophylaxe-Screening bezeichnet eine Reihe von Untersuchungen, bei denen die Gerinnungsbereitschaft des Blutes sowie genetische Faktoren getestet werden. Es dient dazu, frühzeitig eine Veranlagung zu thromboembolischen Ereignissen zu identifizieren und so das Risiko, eine Thrombose oder Embolie zu erleiden, besser abschätzen zu können.

In der Praxis wird das Thrombophilie-Screening meist nur nach dem erneuten Auftreten einer Thrombose oder bei jüngeren Menschen mit einer Neigung zu Thrombosen angewendet. Schwangerschaftskomplikationen oder frühe Fehlgeburten können ebenfalls Anlass sein, ein Thrombophilie-Screening durchzuführen.

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Therapie bei Thromboseneigung

Vorbeugend kann bei Thrombophilie eine Thromboseprophylaxe verordnet werden. Diese besteht oft aus Medikamenten, welche die Blutgerinnung beeinflussen und eventuell zusätzlich Kompressionsstrümpfe. Auch regelmäßige Gymnastik wirkt sich positiv aus. Eine akute Thrombose wird hingegen je nach Ort und Befund anders behandelt: So kann das Blutgerinnsel zum Beispiel durch die Gabe von Medikamenten aufgelöst werden oder der Blutfluss wird durch einen operativen Eingriff wiederhergestellt.

Verlauf einer Thrombophilie

Entstehen aufgrund der erhöhten Thromboseneigung Blutgerinnsel in den Beinen oder im Becken, können Komplikationen auftreten: Eine Thrombose ist die häufigste Ursache für eine Lungenembolie. Sie entsteht dadurch, dass ein oder mehrere Gerinnsel mit dem Blut bis in die Lunge fortgeschwemmt werden. Dort behindert der Gefäßverschluss die Arbeit des Herz-Kreislauf-Systems. Eine Lungenembolie macht sich unter anderem durch Atemnot, Brustschmerzen und Husten bemerkbar. Sie muss frühzeitig behandelt werden, da es sonst zu einem Kreislaufzusammenbruch oder zu einer Überbelastung der rechten Herzkammer kommen kann. Im schlimmsten Fall führt eine Lungenembolie unbehandelt zum Tod.

Thrombophilie vorbeugen

Folgende Maßnahmen verringern das Risiko einer Thrombose. Lassen Sie sich hierzu auch von Ihrem Arzt beraten:

  • Beine in Bewegung halten: Langes Sitzen verlangsamt den Blutfluss. Stehen Sie bei langen Reisen im Flugzeug oder im Bus deshalb zwischendurch immer wieder auf und führen Sie Beingymnastik aus.

  • Füße hochlegen: Wenn Sie zur Bettlägerigkeit gezwungen sind, lagern Sie die Beine und Füße höher als den Rest Ihres Körpers. Nur in den seltensten Fällen ist auch bei Bettruhe gar keine Bewegung erlaubt. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, welche Bewegungen Sie trotzdem ausführen dürfen.

  • Gesunder Lebensstil: Verzichten Sie auf den Konsum von Zigaretten. Dies ist vor allem wichtig, wenn Sie gleichzeitig die Anti-Baby-Pille einnehmen. Gestalten Sie Ihre Ernährung gesund und ausgewogen und treiben Sie regelmäßig Sport. Außerdem sollten Sie über den Tag verteilt mindestens zwei Liter kalorienfreie Flüssigkeit zu sich nehmen.

  • Kompressionsstrümpfe tragen: Bestimmte Situationen erfordern zur Vorbeugung einer Thrombose den Einsatz von Kompressionsstrümpfen. Dies kann zum Beispiel bei langen Reisen, in der Schwangerschaft oder aufgrund einer altersbedingten Thromboseneigung sinnvoll sein.

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Thrombophilie und Schwangerschaft

Schwangere mit einer Thromboseneigung haben ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten. Bei mehrfachen Fehlgeburten sollte daher immer auch eine Gerinnungsstörung wie Thrombophilie als Ursache in Betracht gezogen werden. Auch Schwangerschaftskomplikationen unklarer Ursache sollten Anlass sein, nach einer Thrombophilie zu suchen.

Patientinnen mit Gerinnungsstörungen können, sobald die Schwangerschaft festgestellt wird, mit Heparin behandelt werden. Dabei hängt die Dosierung vom Körpergewicht und der Art der Gerinnungsstörung ab. Kontrollen des Blutbilds und der Aktivitätsparameter der Gerinnung sind alle sechs Wochen nötig.

Nach Abwägung von Nutzen und Risiko sollte das Heparin gegebenenfalls vor Geburtsbeginn abgesetzt werden. Die Therapie wird im Anschluss bis sechs Wochen nach der Entbindung fortgeführt, da das Thromboserisiko im Wochenbett hoch ist. Bei den meisten Schwangeren bleiben dann Komplikationen aus. Auch Stillen ist unter Heparin möglich.

Autor: Christian Fiala, Medizinautor / Miriam Funk, Medizinredakteurin
Letzte Aktualisierung: 25. April 2019
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