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Keine Lust auf Sex: Was hilft bei sexueller Unlust?

Autor: Viola Lex, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 06. November 2019

Den meisten Menschen fällt es schwer, über Sex zu sprechen. Dabei ist Kommunikation der Schlüssel zu einem erfüllten Liebesleben: Traut man sich nicht, seine Wünsche auszusprechen, kann sexuelle Unlust entstehen. Also: Let’s talk about sex! #GesundOhneTabus

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Sexuelle Unlust kann schnell zu partnerschaftlichen Problemen führen.
© iStock.com/nd3000, 9monate

Artikelinhalte auf einen Blick:

#GesundOhneTabus: Sprechen wir über sexuelle Unlust

Die Erwartungen an das, was Sex in einer Partnerschaft erfüllen soll, sind ziemlich hoch: Auch in einer Dauerbeziehung wünschen wir uns, dass es selbst nach Jahren noch kribbelt wie am ersten Tag. Doch was ist, wenn die Leidenschaft nachlässt und ein Partner an sexueller Unlust leidet? Stimmt in der Beziehung dann etwas nicht? Die wenigsten Paare geben gerne offen zu, dass es im Bett nicht mehr so leidenschaftlich zur Sache geht, wie sie sich das eigentlich wünschen. Ist Sexualität wirklich ein Maßstab für Liebe? Und steckt hinter dem Verlust der Lust gleich eine sexuelle Störung?

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Sexuelle Unlust: Wie viel Sex ist normal?

Ob küssen oder kuscheln – körperliche Zuneigung macht glücklich. Verantwortlich dafür ist das Hormon Oxytocin, das wir bei Körperkontakt wie Umarmen, Händchenhalten und eben auch beim Sex vermehrt ausschütten. Es hat einen positiven Einfluss auf unser Sozialverhalten, steigert unser Wohlbefinden und lässt uns intensive Bindungen mit anderen Menschen eingehen. Wie oft sollten Paare Sex haben, um glücklich zu sein?

Unter anderem auch die Psychologieexpertin Amy Muise und ihr Team von der University of Toronto-Mississauga gingen dieser Frage auf den Grund. Ihre Auswertung ergab, dass Paare, die etwa einmal pro Woche Sex haben, besonders glücklich sind. Weniger Sex führte ihren Ergebnissen zufolge zu mehr Unzufriedenheit, umgekehrt mache mehr Sex aber nicht zufriedener. Die Forscher konnten allerdings nicht feststellen, was Ursache und was Wirkung ist. Heißt: Sie wissen nicht, ob Paare häufiger Sex haben, weil sie in ihrer Beziehung zufriedener sind oder ob sie erst durch den häufigen Sex zufriedener werden. Eine echte Antwort auf die Frage "Wie viel Sex ist normal?" lässt sich eben nicht so einfach finden. Da jeder Mensch anders tickt gibt es auch in puncto sexueller Lust keinen Richtwert.

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Wann wird sexuelle Unlust zum Problem?

Heute ist der Druck für beide Geschlechter groß: Es herrscht der Irrglaube, eine Beziehung sei nur dann glücklich, wenn es im Bett regelmäßig rundgeht. Wer keine Lust auf Sex hat, muss sich mit Minderwertigkeitsgefühlen, Verunsicherungen und Schuldgefühlen herumschlagen. Dabei gibt es eigentlich kein "zu wenig". Die Psychologie kennt zwar eine Reihe von sexuellen Funktionsstörungen – dazu zählen neben der Störung des sexuellen Verlangens (Appetenzstörung) zum Beispiel Orgasmusstörungen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie) – von einer Appetenzstörung spricht man aber nur dann, wenn dadurch ein Leidensdruck besteht. Sind beide Partner mit einer veränderten Sexualität zufrieden und werden dadurch weder die Beziehung noch die Gefühle füreinander beeinträchtigt, müssen sich Paare keine Sorgen machen und es besteht kein Handlungsbedarf.

Problematisch wird es allerdings, wenn die sexuelle Lust nur bei einem Partner reduziert ist und das Paar die Situation unterschiedlich bewertet. Oft ergibt sich ein bestimmtes Rollenverhältnis: Der eine will mehr, der andere blockt komplett ab. Dies wird schnell als persönliche Kränkung empfunden. Laut Deutscher Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e. V. gehört das unterschiedliche Interesse an der Häufigkeit gemeinsamer Sexualität zu den meistgenannten Problemen bei Männern und Frauen, ebenso wie die unterschiedlichen Vorstellungen bezüglich der Gestaltung der Sexualität.

Ursachen für sexuelle Unlust: Warum habe ich keine Lust auf Sex?

Für sexuelle Unlust können verschiedene Faktoren verantwortlich sein – meist liegen die Gründe der Lustlosigkeit in der Psyche.

  • Psychische Probleme als Ursache für sexuelle Unlust: ungelöste Konflikte in der Partnerschaft auf einer anderen Beziehungsebene, Alltagsstress oder Ärger im Job, Existenzsorgen – zum Beispiel durch Arbeitslosigkeit, Leistungsdruck, Selbstzweifel, Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, Angst vor ungewollter Schwangerschaft

  • Fehlender Orgasmus als Ursache für sexuelle Unlust: fehlende Erfahrung, falsche sexuelle Technik, Ängste oder Scham, über seine Wünsche zu sprechen

  • Psychische Erkrankungen als Ursache für sexuelle Unlust: Wochenbettdepressionen, depressive Verstimmungen oder Angststörungen

  • Medikamenteneinnahme als Ursache für sexuelle Unlust: Anti-Baby-Pille, Betablocker, Antidepressiva

  • Hormonelle Störungen als Ursache für sexuelle Unlust: Wechseljahre, ausgeprägter Hormonmangel, zum Beispiel durch die Entfernung der Eierstöcke

Keine Lust auf Sex durch Hormonschwankungen

Die weibliche Sexualität ist ein Leben lang Schwankungen ausgesetzt. Alleine während eines einzigen Monatszyklus macht sie hormonbedingt verschiedene Phasen durch: Zum Zeitpunkt des Eisprungs ist die Lust am größten, um die Menstruation herum bleibt sie häufig aus. Auch im Alter verändert sich das sexuelle Verlangen bedingt durch die Hormone – der Östrogenabfall in den Wechseljahren kann das sexuelle Begehren vermindern.

Und genauso sind auch die Hormone dafür mitverantwortlich, dass nach der Geburt eine Zeit lang sexuelle Unlust herrscht. Jetzt schüttet der Körper nämlich vermehrt Prolaktin aus, um den Eisprung zu verhindern und das Stillen zu fördern. Die Libido jedoch wird durch die Hormonproduktion erst einmal ausgebremst.

Eigentlich hat die Natur das schlau gelöst, denn während des Wochenflusses ist Sex aufgrund der Infektionsgefahr ohnehin noch tabu und der weibliche Körper muss sich erst einmal von seiner Höchstleistung der letzten Monate und vor allem von den Strapazen der Geburt erholen.

Doch auch nach der Geburt ist sexuelle Unlust keine Seltenheit: Zu wenig Schlaf, Erschöpfung und der ständige Körperkontakt mit dem Baby lassen das Verlangen nach Sex im Anschluss an die Entbindung sinken. Auch die Veränderungen des eigenen Körpers nach der Geburt können der Frau zu schaffen machen.

Was Sie als Paar bei Problemen während des ersten Babyjahres tun können, lesen Sie hier.

Beziehungstipps für die Partnerschaft mit Baby

Hilfe: Was tun bei sexueller Unlust?

Eine Flaute in den Federn bedeutet nicht gleich das Aus für eine Beziehung. Und vor allem hat sie nur in den seltensten Fällen etwas mit einer behandlungsbedürftigen sexuellen Störung zu tun, deren Therapie sich nach der jeweiligen Ursache richtet. Sind weder organische noch hormonelle oder medikamentöse Auslöser für die sexuelle Unlust verantwortlich, ist vor allem das partnerschaftliche Gespräch für die Lösung des Problems von Bedeutung. Diejenigen, für die eine offene Kommunikation über Sex noch ein Tabu ist, sollten spätestens jetzt damit brechen – denn es lohnt sich!

  • Beratung beim Frauenarzt: Erster Ansprechpartner bei sexueller Unlust ist für Frauen der Frauenarzt. Er kann körperliche Ursachen ausschließen und überprüfen, ob eine hormonelle Ursache hinter den Beschwerden steckt. Gerade bei der Wahl des Verhütungsmittels vermuten viele die Ursache ihrer Lustlosigkeit.

  • Kommunikation: Ihr Partner soll Sie ohne Worte verstehen und Ihnen jeden Wunsch von den Augen ablesen? Das mag in Ihrer Vorstellung funktionieren, in der Realität sieht es aber anders aus: Sie müssen mit Ihrem Partner unbedingt ein offenes Gespräch führen, in dem Sie über Ihre sexuellen Wünsche sprechen. Sexuelle Unlust entsteht häufig dann, wenn man mit seiner gelebten Sexualität unzufrieden ist und sich deshalb zurückzieht. Eine Studie, die im "Journal of Sex Research" veröffentlicht wurde, bestätigt, wie wichtig Kommunikation für das Liebesleben ist: Autor Allen B. Mallory von der Universität Austin in Texas fand heraus, dass das Reden über Sex bei Frauen zu einem erhöhten sexuellen Verlangen führt und bei beiden Geschlechtern mit einem besseren Orgasmus verbunden ist.

  • Paar- oder Sexualtherapie: Sexuelle Geheimnisse zu offenbaren, fällt beiden Geschlechtern schwer. Absolute Ehrlichkeit über sexuelle Fantasien äußern laut Befragungen nur 39 Prozent der Frauen und 47 Prozent der Männer. Wer sich nicht traut, über Sex zu sprechen, kann für den Weg aus der Krise auch professionelle Hilfe in Form einer Sexualberatung in Anspruch nehmen. Die Experten unterstützen vor allem dabei, die Paarkommunikation wieder zu verbessern und geben kleine Hausaufgaben zur praktischen Umsetzung auf. Auch, wenn die Fronten untereinander verhärtet sind, das Thema Sex ständig zu Streit führt und man aus eigenen Kräften keine Annäherung mehr findet, empfiehlt sich der Rat eines Therapeuten.

  • Entspannung: Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) bestätigt, dass chronischer Stress zu einer Überbelastung des Organismus führt. Dauerstress hat den Experten zufolge unmittelbaren Einfluss auf die Hormone: Läuft der Körper ständig auf Hochtouren, hemmt das die Produktion der Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron. Als Folge kommt es bei Frau und Mann zu sexueller Unlust. Wer unter Langzeitstress leidet, sollte daher lernen, Stress zu bewältigen und auf ausreichende Erholungsphasen im Alltag achten. Übrigens: Stress kann auch Verdauungsstörungen wie Verstopfung auslösen, die das Gefühl des Unwohlseins und damit auch die sexuelle Unlust verstärken.

  • Medikamente: Egal ob durch Stress, Leistungsdruck oder Konflikte – die Libido ist ziemlich störanfällig. Für Männer gibt es zwar die Möglichkeit, ihr mithilfe von Viagra auf die Sprünge zu helfen, allerdings lassen sich durch eine Pille persönliche Probleme nicht lösen. Von einem sorglosen Gebrauch ohne ärztliche Verschreibung raten Experten außerdem ab. Auch weibliche Lustmittel, die sich aktuell noch in der Entwicklung befinden, sind aufgrund möglicher Nebenwirkungen bisher umstritten. Im Gegensatz zu "echtem" Viagra, das eine direkte Reaktion in Form einer Erektion auslöst, würde sich die Sexpille für die Frau nicht auf den Körper, sondern auf die Psyche auswirken. Im Gehirn soll sie Botenstoffe in Gang setzen, um die Lust zu steigern.

  • Hilfsmittel: Gemeinsam Pornos schauen, Sexspielzeug verwenden oder den Swinger-Club besuchen – haben beide Partner Interesse daran, können sie auf diese Weise versuchen, ihre Sexualität wiederzubeleben. Solche Hilfsmittel sind aber kein Muss – ein klärendes Gespräch bewirkt manchmal mehr, als das Kamasutra durchzuturnen.

  • Experimentierfreude: Dass man seinen Partner nach Jahren gut kennt, ist Fluch und Segen zugleich. Einerseits weiß man genau, was der andere will, andererseits wird Sex dadurch immer eintöniger. Was Paaren deshalb durchaus eine wertvolle Hilfe sein kann, ist die allgemeine Offenheit für Experimente. Hier heißt die Devise: Raus aus der Komfortzone!

  • Selbstbefriedigung: Es mag vielleicht paradox erscheinen, doch Selbstbefriedigung kann durchaus ein probates Mittel sein, um die partnerschaftliche Sexualität zu bereichern. Die Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e. V. nennt den Grund: Durch die Beschäftigung mit dem eigenen Körper lernt man sich selbst besser kennen und es fällt einem leichter, gegenüber dem Partner die eigenen Wünsche zu äußern. So kann Selbstbefriedigung zu einem lustvollen und erfüllenden Sexleben viel beitragen. Vielen Paaren hilft es auch, zu verstehen, dass es sich bei Selbstbefriedigung um eine eigenständige Form der Sexualität handelt, die nicht in Konkurrenz zum partnerschaftlichen Liebesleben steht.

Sexstellungen in der Schwangerschaft
Autor: Viola Lex, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 06. November 2019
ICD-Codes für diese Krankheit: F52.-
Quellen
Beiträge im Forum "Frauengesundheit"
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